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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „.Kreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum U* Pfg.
^U 29. Mittwoch, bcn 12. April 1899. 50. Jahr^allst.
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sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 2350. Nachdem in Schüchtern der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh amtlich sestgestellt, ist die Gcmarkungsjperrc über Schlüchteen verhängt worden.
Zugleich wird hiermit die Abhaltung von Biehmärkten in Schlüchtern untersagt.
Wegen des Milchverkehrs mit der hiesigen Molkerei sind die im Kreisblatte von 1896 veröffentlichten Vorschriften des Herrn Regierungspräsidenten Dom 24. und 31. März 1896 zu beachten resp. zu be olgen.
Schlüchtern, den 8. April 1899.
Der Königliche Landrath: J. V.: Goerz.
Die Stadt Soden beabsichtigt, die jetzt vorhandene, aus 2 gemauerten Landpfeilern mit hölzerner Fahrbahn bestehende und sehr baufällige Brücke über den Salzfluß zwischen Soden und den Salzhöfen durch eine massive gewölbte Brücke zu ersetzen.
Ich bringe dieses Vorhaben mit der Aufforderung hiermit zur öffentlichen Kenntniß, etwaige Einwendungen gegen dasselbe innerhalb 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei dem Herrn Bürgermeister Berta in Soden oder bei mir schriftlich in 2 Exemplaren einzureichen.
Nach Ablaut dieser Frist können Einwendungen nicht mehr berücksichtigt werden. Zeichnungen und Erläuterungsbericht können während der Diennstnndcn aus dem Bürgermeisteramt Soden eingesehen werden.
Schlüchtern, den 4. April 1899.
Der Königliche Landrath: Roth.
(Fortsetzung des stenographischen Communal Landtags- Berichtes betr. den Ban von Kleinbahnen.)
Abg. v. K.: Die Ausführungen des Herrn Haupt- berichterstatters haben wohl auf die Abgeordneten derjenigen Kreise in denen Kleinbahnen projektirt werden, wie ein kalter Wasserstrahl gewirkt. Denn sie haben sich sagen müssen, daß es nach den geschilderten Ve hältnissen nur sehr wenige Gegenden in unserem Hesseulande geben wird, in denen thatsächlich Kleinbahnen mit Aussicht auf finanziellen Erfolg gebaut werden können, es werden dies im Wesentlichen nur die wohlhabenderen Kreise, wie etwa Hanau oder Gelnhausen, mit vorherrschend ebenem Gelände sein sowie mit bereits entwickelteren Verkehrsverhältnissen, wo in Folge der geringeren Anlage-kosten wie der günstigen Betriebseinnahmen eine angemessene Verzinsung des Anlage- und Betriebskapitals zu erwarten steht, ja, wie wir aus dem Kreise Gelnhausen wissen, sogar ein sehr hoher Ueber chuß erzielt werden kann.
Wollten wir indessen diesen Umständen zu sehr Rechnung tragen, dann würden wir zu dem betrübenden Er gebniß kommen, daß wir von dem Ban von Kleinbahnen, als einem sehr erheblichen Mittel, der Landwirthschaft zu helfen, hier zu Lande nur in einem sehr geringen ja bescheidenen Maße Anwendung machen können
Auch in meinem Kreise besteht ein Ploiekt, eine Kleinbahn zu bauen, es handelt sich um die Bahn von Hoheneiche nach Netra, welche bestimmt ist, dem sogenannten Ringgau, den wirthschaftlich zurückgebliebensten Theil des Kreises, an das Bahnnetz anzuschließen. Die Sache wird aber ihre großen Schwierigkeiten haben, denn die Benutzung der Chaussee, welche durchweg breit genug ist, um eine Kleinbahn aukzunchmen, kann um deswillen nicht in Frage kommen, weil die Steigungsverhältnisse derselben W wechselnd sind, daß dadurch der Betrieb am das Aeußerste erschwert werden würde, so daß wir mit Rücksicht auf den Betrieb wohl genöthigt sein werden, einen besonderen Bahnkörper zu bilden. Damit wird bei Vortheil, die Chaussee zu benutzen, hinfällig, unb durch die Erwerbung des Grund und Badens werden die Ko-cn so hohe, daß das Zustandekommen des Projekts wenn man es nur aus dem Gesichtspunkte einer rentablen Verzinsung des Anlage- und Betriebskapitals betrachtet, dadurch gefährdet erscheint.
Nun giebt es aber, meine Herren, noch einen anderen Gesichtspunkt bei dem Bau einer Kleinbahn und das ist eben der rein wirthschaftliche Zweck, einem Theil des Kreises, der offenbar hinter der Entwickelung der ubngcn Theile zurückgeblieben ist, aufzuhelfen dadurch, daß man ihn durch die Kleinbahn an das allgemeine Bahnnetz
heranbringt. Nicht nur der finanzielle Erfolg kann entscheidend sein, meine Herren, sondern auch dieser wirth- scha tliche Erfolg, der sich mit dem ersteren nicht immer zu decken braucht. Denn auch in einer Erhöhung der gesammten wirthschaftlichen Verhältnisse eines Landestheiles, in einer Stärkung der St uerkrait seiner Bewohner kann schon ein hinreichendes Entgelt für das aufzuwendende Kapital gemuheu werden. Wir sind uns dessen voll bewußt, daß wir in der Gesammtheit ein Opfer werden bringen müssen, um diesen Theil des Kreises wirthschaftlich besser zu stellen, daß wir vielleicht auf eine lange Reihe von Jahren jährlich einen gewissen Betrag in den Etat einstellen müssen. Selbstverständlich kann das nur bis zu einem gewissen Grade der Fall sein unb bedarf der genauesten Abwägung aller Verhältnisse wie der gewissenhaftesten Prüfung des Projektes Ich begrüße daher die Anregung des Hauptbcrichtcr' alters mit Freuden, da sie uns nach dieser Richtung sehr schätzenswerthe und beherzigeuswerthe Winke giebt Ich möchte aber die Bitte an die Bezirks-Verwaltung wie an eine hohe Staatsregierung richten, daß sie bei Prüfung von Kleinbahnprojekten und Bewilligung von Mitteln hierzu nicht nur die Rentabilitätsberechnung im Auge haben, sondern auch die gesummten wirthschaftlichen Verhältnisse der betreffenden Gegend mit berücksichtigen und also auch solchen Projekten, welche von vorneherein nicht rentabel erscheinen, nicht aus diesem Grunde ihre wohlwollende Unterstützung entziehen möchten, wenn die Kreise bereit sind, ihrerseits Dp'er für die Projekte zu bringen.
tFortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 9. April. Der Kaiser ist von seinem letzten Erkä tungs-Unwohlsein vollständig wiederherge, ellt und hat auch die täglichen Ausfahrten wieder ausgenommen. Sonnabend hörte der Kaiser den Vortrag des Ministers von Bülow über die Samoastreiligkeiten.
Ueber die so er olgreiche Expedition des deutschen Kreuzers „Bussard" nach Marokko melden verschiedene Blätter: Das Anlaufen des Kreuzers „Bussard in Tanger hat lebhafte Freude der do tigen Deutschen her vorgerufen. Der marrokkamschcu Regierung war voin deutschen Gesandten, da sie keine Anstalt machte, die Entscheidung für das bei der Z rstörung von Eem-sab vernichtete deutsche Eigenthum zu leisten, das Erscheinen eines deutschen Kriegsschiffes angetfigt worden; Bu Ahmed aber, der allmächtige Miniacr des Inneren, sah darin eine leere Drohung Um so entsetzter soll er gewesen sein, als plötzlich der kleine, aber schmucke „Bussard in Tanger einlief und sich der Gesandtschaft zur Verfügung stellte. Bu Ahmed wurde willig; einige Kaids, bereit Absetzung wegen ihres steten Chikanirens der Deutschen 'emerzcit verlangt worden war, erhielten den Laufpaß, und binnen 36 Stunden waren die Entschädigungssummen in den Händen der Geschädigten Nur zwei Fälle, bic noch nicht genügend aufgeklärt waren, wurden ausgeschieden. Die meisten der ge schädigten Eingeborenen, sogenannte deutsche Schutzgenossen, erhielten neben Geldentschädigung Land bei Casablanca als Eigenthum angewiesen so daß sie mit einem Schlage aus den kümmerlichsten Verhältnissen heraus zu einem gewissen Wohlstand gelangten. Ge rechte Bewunderung erregte übrigens in Tanger die exakte Beweglichkeit des „Bussard", als er im Kielwasser wendete. „Bussard" blieb unter Dampf liegen; nach Erledigung der Fordei ungen erhielt die Besatzung Landurlaub.
Magdeburg, 7. April Die ichwarzen Pocken sind in Roitzsch bei Bitterfeld ausgebrochen Zwei polnische Arbeiter sind in die Klinik nach Halle eingeliefert worden Der Kreisphysikus von Bitterfeld stellte weitere Fälle fest und befürchtet eine Ausbreitung. Die Klinik in Halle verweigert weitere Aufnahmen
AuS Sachsen. Schlimme Folgen des Jähzorns. Als der Landwirth Wanrig in Neudör'el bei Kamenz am Ostersonnabend spät nach Hause kam, machte ihm seine Frau Vorwürfe. Wüthend darüber ergriff er die Petroleumlampe und warf sie seiner davoneilendcn Frau nach. Die Lampe explodirtc, und im Nu bräunte es im ganzen Hause. Das Feuer griff schnell um sich unb vernichtete die ganze Wirihschaft bis auf die Grundmauern. Das gleiche Schicksal erlitten noch 6 andere Gehöfte, die durch Flug euer angezündet wurden. Versichert war keiner der 7 Besitzer Wanrig, der das Unglück verursacht hat, wurde verhastet.
Mannheim, 9. April. Im Cirkusgebäude beim Wasserthurm, wo die vierte Landesausstellung der badischen Geflügelzuchtvereine untergebracht war, brach gegen 6 Uhr Abends Feuer aus. Etwa 2000 Thiere sind verbrannt, nur wenige wurden gerettet. Menschen nahmen keinen Lchaden. Der Holz-Cirkus ist total niebergebraunt Der Brandschaden beträgt etwa 50000 M. Es wird Brandstiftung vermuthet.
Lauterbach, 7. April. Das von dem schweren Brandunglück heimgesuchte Dorf Stockhamen wurde heute von vielen Fremden besucht Die Brandstätte bietet ein unbeschreiblich trauriges Bild dar ; überall zerstreute Gegenstände, Möbel, Kleider, Belln Küchengeräthe usw. in wüstem Chaos durcheinander dazwischen die Menschen zum Theil in Verzweiflung händeringend, zum Theil resignirt, ober schmerzlich vor sich hinschluchzend. Der Schaden, der viel bedeutender als der bei dem vorjährigen großen Brand in Salzschlirf ist, wird auf etwa •/» Million Mark geschätzt.
Ausland.
Belgien. Ueber die belgische Südsee-Expedition, über bereit Schicks >l man besorgt zu werden begann, liegt jetzt eine Meldung aus Montevideo vor. Danach hat die Reise der „Belgien" vollen Erfolg gehabt Sie hat viele neue Länder entdeckt, ebenso neue Meere weiter dem Südpol zu, auch thätige Vulkane aufge unben. Die „Belgica" wird, entgegen der ursprünglichen Absicht des Führers der Expedition, im nächsten Winter nicht nachdem Südpol zurückkehreu
Österreich Ungarn. In Folge der Masfenaustretuugeu aus der katholischen Kirche hat sich der Bischof von Linz zu folgender Proklamation veranlaßt gesehen: „Die maßlosen Angriffe in öffentlichen Versammlungen unb Blättern gegen unsere Heilige Religion die geheime unb offene Wühlarbeit sind) die ein Masseuab all von uufcur heiligen Kirche angestrebr wird, erfordern dringend unsere innigsten Gebete um Gottes Schutz ür die bedrängte Kirche Oesterreichs, um seine Barmherzigkeit für Jene, die als verirrte Schüflein bereits die Heerde Christi oer- lassen haben, um seine Erleuchtung und Stärkung für Jene, die in Gefahr sind, diesen unglückseligen Schritt zu unternehmen. Jii diesem Sinne wird eine Betstunde tu allen Pfarr und Klosterkirthen der Diözese vor dem nusgefetzten Hochwürdigsten Gute angeordnet."
Rachod (Böhmen), 6. April. Hier sind große Ar- beiterunruhcu ausgebrochen Es scheint sich aber um eine Judenhetze — was für Anlässe dazu vorlagen, ist nicht gesagt - zu handeln Im Nil stürmte die Menge die Straßen und drang in jüdische Läden ein. Militär stellte die Ruhe wieder her Sechs in Nebengassen ge legene israelitische Läden sind vollständig ausgeplündert und theilwei e bemolirt. Der Schaden wird auf 70 000 Gulden geschützt.
In der Gemeinde Jasztrab (Ungarn) ist eine epidemische mit dem Veitstanz beginnende Krankheit ausgebrochen, der bereits ein Drittel Bewohner znm Op er gefallen ist Die Gemeinde i t durch einen Kordon abgeschlossen.
Petersburg 8 April. In den von der Mißernte belrofsenenGebieteu herrscht große Sterblichkeit, insbesondere verbreitet sich im Gouvernement Samara der Skorbut, der in über > 50 Ortscha ten wüthet
New Aork Ein Todtenschiff. Der Transpartdampfer „Roumania" hat Santiago be Kuba verlassen, um b,e gesammelten Leichen der auf Kuba und Portoriko um- gekommenen amerikanischen Soldaten nach der Heimaih zu bringen. Die Zahl der Särge belauft sich auf 1900. Der spanisch amerikanische Krieg hat übrigens von seinem Beginn am 1. Mai 1898 bis zum 28 Februar d. J. den Vereinigten Staaten insgesammt 5731 Mann gekostet. Davon fielen vor dem Feinde nur 328 Ihren Wunden erlagen 125 Der Rest ging an Fiebern unb dem be rüchtigten comed roast beef der Chicagoer Fleisch- Ib feranten zu Grunde.
Lokales und Provinzielles.
* Schtuchteru, I l. April.
* Der Amtsrichter Rothe in Salmünster ist zum Amtsgerichtsrath ernannt worden.
* — Der nur Mittwoch den >2. April, dahier an- beraumte Zuchtbullenmarkt mußte vergangenen Sonnabend abbestellt werden, da an diesem Tage der Ausbruch der Maul und Klauenseuche in dem Gehöft des Land- wirths Johannes Kohlhepp dahier konstatirt worden ist.