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WüchtmlerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch den 29. März 1899. 50. Jahrgang.

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Wer üiteiMiiig

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen anSwärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 26. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach

den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder

Landbriefträger ist verpflichtet, AbonnementS-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreicher« Bestellungen auf das mit 1. April 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

J.-Nr. 1903. In der letzten Tagung des Com- munallandtags für den Bezirksverband Cossel, der neben seinen sonstigen Au gaben auch sein besonderes Interesse der Erschließung der Landestheile durch den Bau von Kleinbahnen zuwendet und zu diesem Zwecke den Unter­nehmern (Kreisen, Gesellschaften u. s. w ) Unterstützungen oder Darlehnc mit mäßiger Verzinsung und Amortisation gewährt, haben mehrere Verhandlungen über den Klein­bahnbau stattgefunden, die sich im Anschlüsse an die Be­rathung des Voranschlags insbesondere auch über die vorbereitenden Arbeiten, die Finanzirung, über die Frage der Rentabilität, die Tarisirung u s. W. erstreckt haben. Es wird daher von besonderem Interesse sein, wenn die zwischen dem Berichterstatter, den Abgeordneten und dem Vorsitzenden gepflogenen Erörterungen möglichste Ver­breitung finden, zumal dieselben im Wesentlichen auf die Erfahrungen basiren. welche mit dem in einem Nachbar- kreise ausgeführten Baue einer Kleinbahn gemacht worden sind. Wir lassen daher die Erörterungen folgen:

Berichterstatter v. B.:Der Communal-Landtag wolle beschließen:

1. Der Beschluß des Communal-Landtags vom 22. No­vember 1895, die Förderung des Baues von Klein­bahnen durch den Bezirks-Derband betreffend, wird in Nr. II dahin abgeändert, daß Absatz 2 daselbst folgende Fassung erhält:

Erzielt der Betrieb der Bahn nach Abrech­nung einer Verzinsung von 4 Procent des son­stigen Anlagekapitals einen Reinertrag, so ist Seitens der Darlehnsnehmer die Zinsleistung an den Bezirks Verband in den Grenzen dieses Rein crtrags jedoch nur bis zu demjenigen Zinsbeträge zu erhöhen, welchen der Bezirks-Verband selbst für Verzinsung der betreffenden Eisenbahnanleihe zu zahlen hat."

2. Dieser Beschluß findet auf die bereits bewilligten Kleinbahn-Darlehen Anwendung.

Der Haupt-Ausschuß hat diesen Beschluß in der Erwägung gefaßt, daß nach der Entwickelung, die das Kleinbahnweien genommen hat, bei Anwendung der bis­herigen Grundsätze eine ungleichmäßige Behandlung der Darlehnsnehmer eintreten muß. Wenn ein Communal- Verband sich mit einem anderen Verbände zur Bildung einer Aktiengesellschaft vereint, so kann nach der früheren Fassung bei günstigen Stand des Unternehmens das halbe Prozent Abtrag des Anlagekapitals von dem Dnr- lehnsnehmer dem Bezirks-Verbande gegenüber nicht in Anrechnung gebracht werden. Es sind Bedenken gegen den gegenwärtigen Vorschlag auch Seitens der Verwal tung des Bezirks-Verbandes nicht erhoben worden. Es ist seinerzeit offenbar der Wille des Communal-Landtags gewesen, daß diese 4 Prozent gewissermaßen als die Auslagen, die dem kleinen Verband entstehen bei gün­stigem Stand des Unternehmens in Anrechnung gebracht werden dürfen Bedenken gegen den Antrag bestehen weder in finanzieller noch geschäftlicher Beziehung. , Ich darf vielleicht den Antrag noch einmal verlesen (Geschieht.)

Der Laudes-Director spricht sich für die vorgeschlagenen Aenderungen aus und empfiehlt die Annahme des Antrags.

Berichterstatter v. B.: Ich gehe zu den Bemerkungen über den Kleinbahnfonds selbst über Durch Beschluß vom 22. November 1895 ist der Landes-Ausschuß er­mächtigt, bis zu einem Drittel des Betriebsanlagekapitals mit 's Procent jährlichen Abtrags Kreisen und Städten sowie Aetiengesellschaften Darlchn zum Bau von Klein­bahnen zu bewilligen. Der Communal-Verbaud läßt sich eine hypothekarische Sicherheit geben Er läßt sich Kantionen stellen für richtige Junehaltung der Bedin- gungen und so ist Seitens des Bezirks-Verbandes die Darlehensgewährung so vorsichtig geordnet, daß keinerlei finanzielle Bedenken gegen diese Regelung zu erheben sind. Der Landes-Ausschuß wahrt das Interesse des Bezirks-Verbandes in umsichtiger und vortheilhafter Weise. Aus der anderen Seite gewährt er einen billigen Kredit zur Förderung derartiger Unternehmungen. Was nun

die gegenwärtige Lage und Finauziiruug dieser Unter­nehmungen betrifft, so ist im Haupt Ausschuß hcrvor- gehoben, daß der Landes-Ausschuß nicht in der Lage sei, mit seiner Verantwortung für die Unternehmungen, welche seinerseits durch derartige Darlehen unterstützt werden, einzutreten. Seine Verantwortung gehe nur soweit, daß er innerhalb der Bestimmungen der Normativ-Beschlüsse von 1895 zur Gewährung des Darlehens schreitet. Die Normativ-Beschlüsse setzten eine untere Grenze fest; kommen nämlich bei einem Unternehmen voraussichtlich die Betriebskosten nicht heraus, so ist der Landes-Aus­schuß nicht in der Lage, das Darlehen zu gewähren und, meine Herren, mit Recht! denn dann ist das Unter­nehmen einer Unterstützung nicht würdig. Der Stand­punkt der Staatsregierung zur Gewährung von Klein­bahn-Darlehen ist in verschiedenen Fällen bereits klar kundgegeben. Er ist ein sonst unter und geht dahin, daß der Staat eine ungünstigere Rolle als der Bezirks Verband bei dem Unternehmet! nicht einnehmen will. Der Staat ist bereit, sich bei derartigen Unternehmungen genau ebenso wie der kleinere Verband und zwar bis zur Höhe von einem Drittel der Anlagekosten zu betheiligen Er übernimmt hiernach regelmäßig, so'ern eine Aktien- Gesellschaft gegründet wird, ein Drittel der Aktien Dar­lehen werden grundsätzlich nicht gewährt. Dies legt auf die Seite des kleinern Verbandes eine um so größere Verantwortlichkeit, als nun der kleinere Verband seiner­seits als ALeinschuldner von dem Bezirks-Verbande das zweite Drittel der Anlagekosten zu leihen hat neben dem dritten Drittel, welches er als Selbstbetheiliguug leisten muß und sich von anderer Seite, also etwa bei der Landeskreditkasse, zu 3,6 Prozent darlehnsweise beschaffen muß. Der kleinere Verband wird hiernach regelmäßig mit zwei Drittel des Aktienkapitals bei dem Unternehmen bethciligt bleiben, und für die Zukunft für Verzinsung und Amortisation dieses Kapitals auskommen müssen.

(Fortsetzung olgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 26. März. Im Laufe des Sonnabends hörte der Kaiser nach einem Spaziergauge Verträge des Staatssekretärs des Aeußeren von Bülow, des General- stabschefs Grafen Schliessen und des Chefs des Militär- kabincts von Hahnke, nahm die Meldungen der zu Generalen der Cavallcric ernannten Herren von Langen- bcck und von Massow entgegen und wohnte der Taufe eines Sohnes des Generals von Kessel bei.

Daß es mit der Gesundheit unserer Truppen in Kiautschou nicht Vortheilhaft aussieht, geht daraus hervor, daß schon 16 Seesoldaten gestorben sind.

Koburg Prinz Arthur bim Connaught verläßt am Ende der Sommerhälfte die Hochschule von Eton, da er, nachdem er Thronfolger von Sachsen-Koburg-Gotha geworden, seine Erziehung in Deutschland vollenden muß In etwa 2. Jahren wird er in die preußische Armee eintreten.

Karlsruhe, 26. März. Die . Baltische Presse" schreibt: Wie bescheiden heutzutage die zarten Beherrscherinnen der Küche aufzutrctcn beginnen, zeigen die Bedingungen unter welchen jüngst im Marthahanse ein Dienstmädchen sich bereit erklärte, bei einer Herrschaftin Stellung zu gehen. Die Donna verlangte: 1. eine Marmorplatte auf den Nachttisch ihres Zimmers; 2. wöchentlich einmal Kote­lettes, einmal Wiener Schnitzel und einmal Roastbeef; 3. einen halben Werktag und jeden Sonntag Nachmittag und Abend zum Ansgchen frei. DieseBedingungen" wurden indeß nicht von der Herrschaft anerkannt und so mußte der betreffende Haushalt leider auf eines der vielversprechendsten Dienstmädchen Verzicht leisten. Es ist nur ein Glück, daß nicht alle Dienstboten in den Spuren dieser Jungfrau wandeln und der Herrschaft ebenso das Essen u. s. w vorschreiben Aber bezeichnend bleibt dieses wahre Vorkommniß darum doch.

Horde (Westfalen) Ein junger Bursche hatte in der Stahlfabrik der Hermannshütte die Vertretung eines am

Konverter beschäftigten jungen Mannes, der zur Aus- hebung gegangen war, übernommen. Als er eben mit einem Wagen flüssigen Eisens davonfahren wollte, öffnete sich der Konverter aufs neue, und ein Guß flüssigen Eisens überschüttete den Burschen. Von dem Körper des Aermsten ist nur ein Fuß übrig geblieben, alles andere ist verbrannt. Die glühende Masse, die sich über den Unglücklichen ergoß, hatte ein Gewicht von 10 000 Kilogramm. Der Vater des Verunglückten stand in der Nähe und mußte sehen, wie sein Sohn verbrannte.

Ausland.

Rom. Die Meldungen über das Befinden des Papstes lauten sehr widersprechend. Die amtlichen sind günstig, die privaten besagen, die Kräfte kehren nicht wieder, Schlaflosigkeit ist häufig, Nahrungsaufnahme gering. Der Papst wohnt der Messe bei, liest sie jedoch nicht selbst. Die Empfänge, von denen die Zeitungen melden, beschränken sich auf eine flüchtige Vorstellung, die der Papst, auf seinem Ruhelager ausgestreckt ent- gegennimmt Geistig ist Leo XIII. dagegen vollkommen rege. Die Operationswunde ist noch nicht vollständig verheilt Der gegenwärtige Zustand kann jedenfalls noch lange dauern, rechtfertigt jedoch die Sorgen der Kardinäle.

Nach Meldungen aus New Iork mehren sich die Anzeichen daß der Brand desWindsor Hotels" das Werk von Brandstiftern war, die plündern wollten. Augenzeugen berichten, sie hätten im dritten Stock im Augenblick, da das Feuer ausbrach, gutgekleidete Männer von einem Schlafzimmer zum anderen gehen sehen, die nicht vom Feuerlärm beunruhigt wurden. Gleich darauf brach im zweiten und im vierten Stockwerk Feuer aus, dem ebenso wie vorher im dritten Stock dichte Massen öligen Rauches vorangingen. Ein Mann wurde verhaftet, der angab, er sei als Zeitungsreporter in das Hotel gekommen. Derselbe hatte Juwelen und andere Werth- sachen im Werthe von 10 000 Dollar bei sich. Man schätzt, daß für eine Million Dollar Werthsachen ver­loren gegangen sind. Herr Abner Mac Kinley (der Bruder des Präsidenten) hat Werthsachen, die auf 70 000 Dollar geschätzt werden, verloren. Die Zahl der Verunglückten wird jetzt auf über 50 angegeben.

China. Die immer mehr um sich greifende Rebellion in den verschiedenen Provinzen Chinas nimmt all­mählich den Charakter an. den die Jnsurektioncn früherer Jahrhunderte gezeigt haben. Die berüchtigte Grausam­keit der Chinesen bricht sich wieder Bahn und 2000 Menschen fielen ihr bei der Erstürmung der Distrikts­stadt Huyang neuerdings zum Opfer.

Lokales und Provinzielles.

* Schlichtern, 28. März.

* Für die Errichtung eines neuen Schul- lehrer-Seminars für den Regierungsbezirk Cassel ist bekanntlich der Herr Abgeordnete für den Kreis Franken­berg der Landrath Geh. Regierungsrath Riesch bei der Berathung des Kultusetats eingetreten. Der ausführ­liche stenographische Bericht giebt darüber das Folgende: Abgeordnete Riesch: Meine Herren, ich habe mich zu diesem Titel zum Worte gemeldet, um einen Mißstand des Volksschulwesens meines heimathlichen Regierungs­bezirks zur Sprache zu bringen, der durch eine geringe Weiterentwickelung unseres Schullehrerseminars gehoben werden könnte, bevor er größere Dimensionen annimmt. Im Regierungsbezirk Cassel macht sich wie von authentischer Seite bestätigt und auch von mir und einigen Berufskollegen wahrgenommen worden ist, all­mählich ein Mangel an Lehrkräften für das Volksschul- Wesen fühlbar. Wegen dieses Mangels an Lehramts­kandidaten müssen" vakant gewordene Schüttelten vielfach längere Zeit unbesetzt bleiben, aber auch solche, deren Inhaber beispielsweise wegen Erkrankung während eines längeren Zeitraumes den Unterricht aussetzen müssen, und deren Vertretung zweckmäßig durch Lehramts­kandidaten wahrzunehmen wäre, können nur durch ent- fernt wohnende Lehrer zum Nachtheile des Unterrichts