SchlWernerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit »Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Samftan, den 25. Dtärz 1899
50. 3et|rgang.
in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- " ..... ‘ ' ' daß
abonnenten, welche bis spätestens 26. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, _ ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß den amtlichen Bestimmungen für Rachiie-ernng der Ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und Landbriefträger ist verpflichtet, Abonncments-Bcstellungen anzunehmen.
nach jeder
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. April 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. März. Beide Majestäten, die Dienstag Nachmittag ans Kiel nach Berlin zurückgekehrt waren, begaben sich Mittwoch Morgen zuerst nach dem Palais Kaiser Wilhelm's I. und fuhren sodann nach Charlotten- burg, wo sie aus Anlaß des Geburtstages des großen Kaisers an der Gruft einen Kranz niederlegten.
— In Köln spielten ein Bäckergeselle und ein Lehrling mit einem Revolver. Die Waffe entlud sich und streckte den Gesellen durch einen Schuß in den Kopf todt nieder. Durch einen zweiten Schuß wurde der Lehrling schwer verletzt.
Krefeld. Im Verlaufe des Krefelder Sammet- webcrauSstandcs waren die Sammetfabrikanten von dem Gewerkschaftskartell aufgefordert worden, die wirklichen Jahresverdienste aller Weber, welche während des letzten Jahres in den betreffenden Fabriken ununterbrochen gearbeitet haben, zu veröffentlichen. Die nun von sechs Fabriken zusammengestellte Tabelle giebt eine Uebersicht über den Jahresverdienst von 496 Weber. Davon hatten zwei das höchste Einkommen von 1650 bis 1700 Mark, ebenfalls zwei das Mindesteinkommen von 650 700 Mark, das Durchschnittseinkommen von 1150 bis 1200 Mark hatten 62 Weber. Diese Lohnsummen wurden bei einer durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit von neun Stunden verdient. Da auS der Tabelle hervorgcht, daß die überwiegende Anzahl der Web:.' ein Einkommen von über 1000 Mark hatte, so ist das Bestreben der Ausständigen, die Krefelder Sammet löhne als niedrig und ungenügend hinzustellen, erfolglos.
Barmen. Sei einem Einbrüche, der in einer der letzten Rächte in dem Polizeiamte in Barmen verübt wurde, fielen den Dieben 400 Mk. in barem Gelde in die Hände. Es waren dies Lustbarkeitsgelder, welche demnächst in die Armenkasse abgeführt werden sollten.
Oelsnitz Im Bezirk der Amtshanptmannschaft Oclnitz im Voigtland wurden in den letzten zehn Jahren insgesammt 26 483 Kreuzottern unschädlich gemacht und dafür von der Behörde 6047 Mk. Fanggeld bezahlt. In den letzten Jahren hat sich eine wesentliche Abnahme dieses giftigen Reptils bemerkbar gemacht.
Aus Barern Als der stärkste Mann der Welt gilt jetzt der Kunstmühlenbesitzer Georg Lcitl in Pfarr kirchen Herr Lcitl hebt bei nur 124 Pfund Körpergewicht mit den Armen 16 und mit dem Rücken 30 Zentner.
Ausland
Washington, 20. März. Nach einem Telegramm aus Manila vom 20. ds. Mts. ist Aguinaldo mehr als je entschlossen, den Unabhängigkeitskrieg fortzusetzen. Er unterdrückt streng jede gcgcntheilige Kundgebung unter den Pilipinos. Kürzlich ließ Aguinaldo den General Lagarda in MololoS enthaupten, weil dieser Vorstellungen wegen der Aussichtslosigkeit der Fortsetzung des Kampfes machte. — Ueber die letzten Kämpfe auf Manila lauten die Privatnachrichten viel ungünstiger für Amerika, als die neulich mitgetheilten amtlichen Meldungen Privatim wird gemeldet: Bei Paranope, sowie bei Santa Mesa wurden die Amerikaner von den FilipinoS vollständig geschlagen. Im ersten Gefecht verloren die Amerikaner 123 Todte, 370 Gefangene, sowie 6 Schnellieuergeschütze und 500 Munitionswagen. Im letzteren Gefechte verloren die Amerikaner 63 Todte und wurden auf allen Linien zurückgeworfen. Manila ist von den FilipinoS ganz eingeschlossen. Die Amerikaner sind nur noch im Besitz der Pasiglinie und der Küste.
Lancower (Brittisch - Kolumbia), 17. März. Ein verzweifelter Kampf fand zwischen kanadischen und amerikanischen Goldgräbern am Porcupine-Flnsse statt, der zwischen Alaska und Kanada die Grenze bildet. Der Kampf entstand daraus, daß Jemandem das Recht bestritten wurde, Gold-Claims abzugrenzen. 100 Ameri
kaner und 50 Kanadier nahmen daran theil. Beide Parteien nahmen das streitige Gebiet für ihr Land in Anspruch. Es gab darauf eine Schlägerei und dann Schießerei. Die Kanadier wurden zuletzt zurückgetrieben und ließen drei Todte zurück. Ein Amerikaner wurde getödtet, mehrere verwundet.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächter«, 24. März.
* — Der Frühlings-Anfang hat uns noch einmal einen recht netten Winter gebracht, wie wir ihn in diesem Jahre kaum kennen gelernt haben. In den beiden letzten Tagen hat es noch einmal tüchtig geschneit und gestern morgen konnte man an dem Thermometer eine Kälte von 9 Grad Reaumur ablesen, heute früh waren es 6 Grad, und wenn die Kälte so anhält, so kann man während der Osterfciertage schließlich noch Schlittschuhe laufen Hoffentlich wird es nicht so schlimm, aber zu verwundern wäre es nach dem Verlauf des ganzen Winters schließlich auch nicht.
* — Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Mittwoch Vormittag gegen halb 11 Uhr auf der Eisenbahn bei der Wärterbude oberhalb des Breitenbacher Tunnels ereignet. Der dort stationirte Bahnwärter Quandt, ein allseitig beliebter und geachteter Mann, hatte auf den Schienen zu thun und wollte einem daher- kommenden Arbeitszug ausweichen, bemerkte dabei aber nicht, daß von der anderen Seite eine Locomotive daher kam und den Zug kreuzte. Er wurde von der Locomotive Überfällen, ein Arm und ein Fuß abgetrennt und ihm auch schwere innere Verletzungen zugefügt, woran er nach einer halben Stunde verschied. Der Unglücksfall erregt allgemeine Theilnahme. - Dieser Theil der Bahnstrecke ist geradezu eine Unglücksstelle, denn in den 20 Jahren, seit die Bahn besteht, sind schon mehrere Leute daselbst um's Leben gekommen.
* Bei Gundhelm fand man vorgestern einen Einwohner des Dorfes todt im Walde liegen. Die Untersuchung ergab, daß derselbe einem epileptischen Anfall erlegen ist.
*— Die neuliche Mittheilung von der Rieseneiche im Oberzeller Revier können wir ant Grund fachmännischer Mittheilung dahin ergänzen, daß dieser gewaltige Baum an Nutzholz lie erte; Acht Blöcke von
3 m
Länge,
160 cm
Durchmesser .=
6,03
Festmeter,
6 m
H
118 cm
6,56
3 m
101 cm
2,40
5 m
98 cm
3,77
4,6 m
95 cm
3,26
2 m
tf
73 cm
0,84
2 m
H
64 cm
0,64
ff
2 m
f»
60 cm
H ---
0.57
Summa: 24,07 Festmeter. Außerdem hat die Eiche noch 9 rm (— 6,3 Festmeter) Schichtholz ergeben, sodaß sich die ganze Festmeterzahl auf über 30 Cubikmeter stellt!
* — Da der 31. März d. J. auf den Charfreitag fällt, sind die königlichen Regierungen vom Herrn Finanz- minister ermächtigt worden, die am 1. April fälligen Besoldungen der Beamten schon am Donnerstag, den 30. d. M. zahlen zu lassen.
— Die Bezeichnung ..Schulmeister" ist eine Beleidigung. In einer welfischen Versammlung in De- densen wurde von einem Redner ausgeführt, daß die Schulmeister des Wahlkreises sich sehr für die Kompromißkandidatur der Nationalliberalen und Bündler zu interessiren schienen. Der Lehrer W erstattete Anzeige und das Schöffengericht verurtheilte den Redner zu 80 M. Geldstrafe. ^Das Landgericht bestätigte das Urtheil; das Wort Schulmeister sei eine Beleidigung, es wirke verletzend auf den Lehrer, der gewohnt sei „Herr Lehrer" angerebet zu werden.
Fulda. Zum letzten Viehmarkte waren 579 Stück Rindvieh aufgetrieben. Es wurden folgende Preise
gezahlt: für Ochsen 750 -900 Mk., Stiere 450 — 600 Mk., Kühe I. Qualität 250-300 Mk., 11. Qualität 180 - 200 W7t, Rinder 240 - 270 Mk. Der Handel war mittelmäßig.
Rotenburg, 16. März. Wie sich die Zeiten ändern! Heut wird die eine Hinrichtung unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit vollzogen, vor 69 Jahren war es ein Schauspiel, zu dem man von weit her herbeireiste. Uns liegt ein Schreiben des Hersfelder Stadtschreibers an seinen Rotenburger Kollegen Heinrich Weichgreber vor, das folgendermaßen lautet: „Hersfeld, den I.März 1830. Hochgeehrtester Herr Stadt-Sekretär! Künftigen Freitag den 5. d. Mts. wird der wegen Ermordung der Katharina Schneider aus Friedlos zum Tode verurtheilte Buchbinder Lupp von hier bey Fulda hingerichtet. Der Rachrichtcr Rademann aus Bettenhausen bey Kassel, welcher mit der Execution beauftragt ist, wird Morgen Nachmittag durch Rotenburg kommen und gegen Abend hier eintreffen. Eine Menge Hersfelder werden die Hinrichtung beiwohnen Haben auch Sie Lust, dieser Execution beizuwohnen, so haben Sie die Güte, es mich wissen zu lassen Wenn Sie die Reise machen wollen, so wollen wir zusammen reifen. Mit Hochachtung empfiehlt sich Ew. Wohlgeboren gehorsamster Diener Scheucrmann." Herr Weichgreber hat allerdings ablehnend geantwortet und ist zu Hause geblieben.
Melsungen, 22. März. Wer da geglaubt hat, daß die Riesige Sparkassenangelegenheit sich nun ruhig ab* wickeln würde, befindet sich in einem großen Irrthum. Im Gegentheil nimmt sie immer größere Dimensionen an. Und hierbei spielt nicht der todte AhrenS, sondern dessen Schwiegervater, der frühere Bürgermeister Lotz, sowie die Familie desselben, d c Hauptrolle. Wie bekannt, hatte das hiesige Amtsgericht gleich nach AuSbruch der Katastrophe auf Antrag der Sparkassenverwaltung daS gesummte Eigenthum des vorigen Bürgermeisters mit Beschlag belegt. Dieser ließ nun durch seinen Rechts- anwalt hiergegen Berufung einlegen. Die Sache kam dieser Tage zur Verhandlung Das Urtheil lautete auf Abweisung der Klage. In der Urtheilsbegründung über die Werthobjekte wurde hauptsächlich darauf hingewiesen, daß den Kläger Lotz die Hauptschuld an der Richtauf- dcckuug der von AhreNs verübten Unter chlagungen treffe, da er als dessen erster Vorsitzender hiervon hätte Kenntniß haben müssen. Heute war Gläubigerversammlung in der AhrcuS'schen Konkurssache. Sie verlief resultat- los und mußte auf einen weiteren Termin vertagt wer- den, weil der Konkursverwalter erklärte, daß es ihm trotz angestrengtester Arbeit nicht möglich gewesen fei, alle Forderungen zu prüfen, zunial die ganze Familie Lotz in letzter Stunde eine ganze Masse von Forderungen — man spricht von 30 000 Mk. ciugcrcicht Hütte. Letzterer Umstand hat hier allgemeine Verwunderung hervorgerufen.
Cafsel, 21. März. Zum Wirth Ullrich in Heckers- Hausen kam vergangene Woche ein angeblicher Schreinermeister, in einem der Nachbarorte wohnend, und bot ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit Tausend Markscheine für 300 Mk. das Stück an. Ullrich ging auf den Handel anscheinend ein und verabredete mit dem sauberen Patron eine Zusammenkunft in Marburg auf letzten Montag, machte aber dem Gendarm Becker zu Obervellmar Anzeige und reiste mit diesem, der sich als Metzger verkleidet hatte, nach Marburg. Gerade in dem Augenblick, als Ullrich die 300 Mk. nutzälflte, verhaftete der Gendarm beide, auch den Wirth Ullrich des Scheines wegen Der in die Falle gegangene Besitzer der falschen Tausend-Markfcheine wurde nach Kassel in Untersuchungshaft gebracht. — Mit dem Verkauf der P erde bat die Kasseler Pferdebahn eigentlich er,t nusgchört zu sein Bon den 80 Pferden, welche gestern und heute aus- geboten wurden, ist nicht eins mehr zu haben. Aus allen Gegenden Hessens uno der angrenzenden Bezirke waren wohl 5 600 Kauflu ige Händler, Landleute, Gewerbetreibende gekommen Die Pferde wurden