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SchWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

JVi 22, Samstag den 18. März 1899. 50. Jahrgang.

Wer» UMM

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 26. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. April 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

______________ Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat Dienstag früh den Vortrag des Kriegsministers von Goßler gehört, der ihn über den Stand der Vcrhandlunger und die event. Aus­sichten der Militär-Vorlage in der 2. Le'ung unterichtetc.

Die Neuorganisation unserer Marine ist nun­mehr erfolgt. Es bestätigt sich, daß das Oberkommando der Marine als solches abgeschafft ist und dessen Amts­befugnisse zum größten Theil auf die beiden Stations- chcss der Ost- und Nordsee übergehen. Außerdem ist die Stellung eines Generalinspektors der Marine ge­schaffen und hiermit der Admiral Küster betraut. Kontre- admiral Bendemann ist zum Chef des Admiralstabes ernannt. Der Kaiser führt den Oberbefehl über die Marine selbst, wie über die Armee, daher fällt das Oberkommando der Marine fort. Der bisherige Stab des Oberkommandos wird selbständig, mit der Bezeichnung: Admiralstab der Marine; der Chef untersteht dem Kaiser unmittelbar.

Es ist nicht zu verkennen, daß die Situation durch die Militärvorlage wirklich ernst geworden ist und daß plötzlich und unerwartet unerwartet auch den verantwortlichen Rathgebern der Krone ein Konflikt droht, der möglicherweise zur Auflösung des Reichstages führen könnte. Es ist unverkennbar und geht auch aus der Rede des Kriegsministers hervor, daß bis zur dritten Lesung noch eine Verständigung gesucht wird. Vielleicht wird man sie darin finden, daß die streitigen 7000 Mann zwar nicht jetzt sofort, aber später und noch innerhalb der nächsten fünf Jahre, vielleicht staffclwcise bewilligt werden.

Nach den Berichten über das Auftreten der Schafräude in Preußen hat die Zahl der Seuchenfälle im letzten Jahre nicht unerheblich zugenommen und 45512 gegen 34 143 im Jahre 1^97 betragen. Zur weiteren Unterdrückung der Seuche soll das bisherige Tilgungsverfahren fortgesetzt werden. Es ist auch erner hin darauf z« achten, daß diejenigen Schafbestände, deren Seuchenireiheit nach den örtlichen Verhältnissen oder ans sonstigen Gründen zweifelhaft erscheint, von den beamteten Thierärzten sorg ältig untersucht werden

Zülich. Als Gegenstück zu der Nachricht aus Barmen, daß der Kassenbote der Banner Volksbank entlassen worden ist, weil seine Familie um ein drittes Kind zugenommen hatte, wird von hier gemeldet, daß auf dem in der Nähe gelegenen Gute Mariawald dem, Verwalter die Stelle gekündigt wurde, weil sich in dessen Familie das sechste Kind eingestellt hatte.

Gleiwitz. Von einem ehelichen Entlassungsschein weiß der GleiwitzerOberschl. Wdr." zu erzählen: Die Grubenarbeiter F.'schen Eheleute zu Zaborze sind 20 Jahre lang gemeinsam durchs Leben gegangen, nur mitunter wurde der häusliche Friede durch die beider­seitige Neigung zum Alkohol gestört. Das gemeinsame Eheleben war der Mann nun doch überdrüssig geworden und er gedachte auf eine leichte Weise sich seiner Frau zu entledigen. Er schrieb folgenden ..Entlassungsschein": Die Frau Emilie F. geb W. hier ist seit 20 Jahren bei mir in Arbeit gewesen und hat sich gut gefürht. Ich gebe Ihr die Volmacht von mir zu gehen woso wiell bitt die kgl. Polizei zu Zaborze sie zu Entlastn und ihr ein Dienstbuch zu geben." Der wackere Wasserpolake soll nicht wenig erstaunt gewesen sein, als ihm bedeutet wurde, es gehe so leicht nicht an, seine Ehefrau zu entlassen.

Gießin. Rabenmutter. Wegen KindeSmord wurde in Gießen die Wittwe Sänger zu 7 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Sie hatte Zwillinge geboren. Das eine Kind fand man völlig gar gekocht in einem Topf im Ofen, das andere in einer Schüssel in der Kammer mit verbrühten Armen und Beinen. Das letztere ist nach Angabe der S. todtgeboren. Die Frau hat schon früher eine Gefängnißstrafe wegen Kindesmord verbüßt. Die auf Mord lautende Schuldfrage wurde von den

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 17. März.

* Keine Schulbücher mit Dratheftung mehr. Durch eine neue Verfügung des Cultusministers Dr. Bosse ist es vom 1. April dieses Jahres ab den Buchhändlern nicht mehr gestattet, an die Schüler der preußischen Schulen Schulbücher jeder Art mit Drahtheftung zu verkaufen. Die Schulbehörden sind angewiesen worden, streng daraus zu achten, daß bei Neubeschaffung von Schulbüchern diese Verfügung befolgt werde. Ueber» tretungen sind anzuzeigen. Die Anordnung erfolgt deshalb, weil viele Schüler sich an den Enden der theilweise verrosteten Drahtheftung verletzten und sich dann Blutvergiftung zugezogen hatten.

Aufenan, 13. März. In der vergangenen Nacht wurde in dem GasthauseZum Wittelsbacher Hof" dem Gastwirth A. Brill hierselbst ein Betrag von 30 Mk. nebst Fleisch und Wurst gestohlen. Auch in dem nahen Wächtersbach wurde durch Eindrücken einer Fensterscheibe im unteren Stock eine Sparbüchse mit 10 Mark Inhalt gestohlen. Die ersparten 10 Mark hatte sich ein Junge mühsam durch Wasserholen ver­dient und sollten ihm als Beitrag zu den Kosten eines Kommunikanten-Anzuges dienen

Rothemnnn, 13. März. Die hiesige Darlehnskasse hat beschlossen, aus ihren vorjährigen Ueberschüssen 400 Arpfelbäume (Kasseler Reinette) zu beschaffen und an jedes Mitglied 3 Stück gratis zu verabfolgen; die einzige Bedingung besteht darin, daß die Mitglieder die Bäume vorschriftsmäßig pflanzen und Pflegen sollen.

Fulda, 14. März. Die kgl. Staatsanwaltschaft hat gegen die Kaufleute Scheuer und Seligstein das Strafverfahren wegen betrügerischen Bankerotts einge­leitet. Seligstein ist gestern verha tet worden, während Scheuer steckbrieflich verfolgt wird.

Schmalkalden, 15. März. In der vergangenen Nacht brach in dem am Lulhcrplatze gelegenen Waren- Hause von Wilhelm Margraf auf bisher unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches das Gebäude total in Asche legte und sämmtliche Waarenvorräthe rc. vernichtete. Herrn und Frau Margraf gelang es nur mit Mühe, mittelst Rettungsleiter aus dem brennenden Hause zu kommen. Das Feuer konnte auf seinen Hccrd beschenkt und die angrenzenden Metzgereien, sowie die Druckerei von Feodor Wilisch gerettet werden.

Frankcrshauscn, 11. März. Eine Berliner Gesell­schaft beabsichtigt, eine Bahn von Albungen aus durch das Höllenthal über Frankershausen, Frankenhain, Vockerode mit Anschluß an die Cassel-Waldkappeler Bahn zu bauen. Die Ausführung der elben wird zur Hebung der Industrie und Landwirtschaft am Meißner sehr viel beitragen.

Lasset. 13. März. In vorgestriger Nacht entstand in dem Wohnhause des Kaufmanns Förtsch, Graben 34, in der Altstadt, neben der lutherischen Kirche, ein großer

Geschworenen verneint, sonst hätte auf Todcsstra e er­kannt werden müssen.

Aschaffenburg, 11. März. Ein hiesiger Metzger hatte einen Hammel gekauft und fuhr ihn zum Schlacht- Hanse. Die Mühe, das Thier vom Wagen zu heben, war ihm wohl zu groß. Er ließ also den Hammel allein herabspringen. Ob nun aber der Hammel den Zweck seiner Reise mißverstand, oder ob er ihn zu gut durchschaute, er benutzte der Sprung von Wagen, um sowohl den Metzger als auch einen im Wege stehenden Bauern über den Haufen zu rennen und schnurstracks zu flüchten Der Hammel voraus, der Metzger hinten- drcin, ging's durch die Stadt die Goldbacher Straße hinaus bis zum Eiscnbahn-Nebcrgange. Dort aber zeigte der Hammel, wie ein Hammel im Angesichte seiner Feinde zu sterben weiß: er rannte in einen Rangirzug und ließ sich den Kopf abfahren, und der ihn vorher nicht heben wollte, mußte sich nun bequemen, den Helden auf der Achsel heimzutragen.

Brand, der eine derartige Ausdehnung annahm, daß die Feuerwehr mit Hilfe der Rettungsleiter unter großer Gefahr fünf Personen aus dem in Flammen stehenden Gebäude vor dem Erstickungstodte retten mußte.

Iosbach, Kr. Kirchhain, 9. März. Das Hier in der Nähe gelegene Rittergut v. Nordeck ging durch Kauf in den Besitz mehrerer Händler üaeri Der Preis betrug für die Gebäude, außer Inventar und mehrere 100 Acker Land annähernd 70000 Mark. Die Käufer be­absichtigen, das Land, von dem sie den Acker mit durch­schnittlich 300 Mark bezahlten, in kleinen Parzellen wieder zu vereinzeln. Da hier verkoppelt ist und das Land gern gesaust wird, so dürsten sie ein gutes Ge­schäft machen.

Hanau, 13. März. In der Nähe deS Steinheimer Viaduktes spielte sich gestern Abend eine Eifersuchtsscene ab. Dort promentirte der Musketier Keile von der 9. Kompagnie des hier garnisonierenden Infanterie-Re­giments mit einem Mädchen, als der jugendliche Ar­beiter Klüh von hier mit einigen Kameraden des Weges kam. Klüh, der schon selbst, aber vergeblich, versucht hatte, dem betreffenden Mädchen näher zu treten, zog beim Anblick des Paares einen Revolver aus der Tasche und schoß Keile eiue Kugel in die Brust, sodaß dieser zusammensank und ins Lazarett verbracht werden mußte. Nachdem Klüh der Versuch, auch auf das Mädchen zu schießen, mißlungen war, ergriff er die Flucht. Heute vormittag wurde er in Haft genommen.

Die bekannte Nähmaschinen- m Fahrrüderfabrik Adam Opel in Rüsselsheim a. Main hat die altrenommierte Anhalt'sche Automobilwagenfabrik F. Lutzmann in Dessau käuflich erworben und unter Heranziehung der alten Arbeuer nach Rüsselsheim verlegt. Die Fabri­kation von Motorwagen wird unter der bewährten Leitung des Herrn Lutzmann mit erneuter Kraft weiter­geführt. .

Eingesandt.

Soden-Salmünster. Es ist wohl sicher von all­gemeinerem Interesse, zu erfahren, daß unser Badeort mit sei e r vorzüglichen Soolquellen, sowie mit einer unter hervorragender Leitung, stehenden Natur Heilanstalt (Sanatorium Stolzenberg) so viele Namen hat, daß er für Fremde nicht oder nur mit Schwierigkeit aufzufinden ist. Als unser Ort noch nicht Badeort und von Fremden ausgesucht war, wurde es und wird jetzt noch genannt also: amtlich : 1. Soden (Kr. Schlüchteru), ferner 2. Soden-Stolzenberg, weiter 3 Soden-Sal­münster und zuletzt gar noch 4. Stolzenberg-Sooden. Letztere Bezeichnung ist in der Zeitschrift des Kgl. Prß. Statischen Bureaus, herausgegeben von dessen Direktor E Blenk im 38. Jahrgang 1898 zu finden. Ueber den Ursprung dieser Bezeichnung ist dem Schreiber dieses nichts bekannt. Ein Herr, der sich über unser Soden unterrichten wollte, sagte dem Schreiber dieses: ich kann aber Ihr (unser) Soden gar nicht finden!" Seite 265 der Zeitschrift steht nämlich unter Provinz Hessen-Nassau u. A.:. Soden am Taunus, Sooden a. d Werra, Stolzenberg-Sooden, das letzte also soll unser Soden sein. Es ist ein geradezu trauriges Vor- kommniß, daß der doch schon durch Jahrzehnte erfolg­reich ausgesuchte und au'strebende Badeort bis jetzt noch eine bestimmte zeitgemäße Bezeichnung finden konnte, an die sich sein Ruf knüpst und die ihn gleichzeitig von weit her in unserer heutigen Zeit leicht, auf- 'inden bzw. erreichen läßt.

Sollte nichtSoden-Salmünster" die geeignetste Bezeichnung sein? und zwar aus folgenden Gründen:

1. Die beiden nur 1015 Minuten beiderseits der Kinzig gelegenen Orte haben gleichlaufende Interessen und ergänzen sich gegenseitig.

2. Im Deutschen Reiche giebt es keinen zweiten Ort dieses Namens und sind somit Verwechselungen jeder Art ausgeschlossen.

3. Neuerdings heißt die früher nur Salmünstek