MüchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
____ Mittwoch, den 15. März 1899? 50. Jahrgang.
Amtliches.
J.Nr. 686 K. A. Auf Mittwoch, den 29. März d. Js., Vormittags 11 Uhr, habe ich im Saale des Gasthauses „Zum .Stern" in Schlüchtern einen Kreistag anberaumt.
Schlüchtern, den 6. März 1899.
Der Königliche Landrath: Roth.
J. Nr. 288. St. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden auf die Bestimmung im Artikel 80 der Anweisung vom 31. August 1894 hingewiesen, nach welcher die Einkommen- und Ergänzungssteuer- Zu- und Abgangslisten für das II. Halbjahr 1898/99 durch Vermittelung der Königlichen Kreiskasse hier bis zum 20. d. Mts. an mich einzureichen sind.
Die Aufstellung dieser Listen ist vielfach seitens der B"""-rmeister der Landgemeinden bisher eine recht mangelhafte gewesen. Der Eintrag in Spalte 14 hat genau nach dem Wortlaut der hier s. Zt. berichtigten Kontrollauszüge zu erfolgen. die. Ausrechnung wird hier gemacht werden. Ist einer der Herren Bürgermeister über die Aufstellung der Listen im Unklaren, so hat er sich vorher in meinem Steuerbureau darüber die nöthigen Informationen zu holen.
Schlüchtern, den 10. März 1899.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer • Veranlagungs - Commission.
Roth.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. März. Sonnabend früh hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militärkabinets von Hahnke und des Staatssekretärs von Bülow, worauf er nach Potsdam fuhr und dort den Reit-Besichtigungen der Offiziere der Garde-Cavallerie-Regimenter beiwohnte. Im Königlichen Schlosse zu Berlin wieder eingetroffen, empfing der Kaiser Cecil Rhodes. Abends betheiligte sich seine Se. Majestät an einem parlamentarischen Essen beim Reichskanzler. — Zur Feier des 79. Geburts tagcs des Prinzregenten Luitpold von Bayern fand am Sonntag beim Kaiserpaare eine größere Mittagstafel statt^.
E Eine wichtige Bestimmung ist auf Antrag des Abg. Oertel in den Entwurf des Jnvalidenversicherungs- gesetzes in der betreffenden Reichstagskommission ausgenommen worden. Der Antrag geht dahin, daß die kleinen Betriebsunternehmer, die Gewerbetreibenden und andere wirtbschaftlich selbstständige Personen, bereit soziale Lage von der der Lohnarbeiter nicht sehr verschieden ist, die also einen gewissen An'pruch auf die Segnungen des Gesetzes haben, die Berechtigung erlangen, sich fiel« willig zu versichern. Kleingewerbetreibende und Handwerker klagen vielfach darüber, daß für ihre Zukunft kein Mensch sorgt, während sie ihrerseits für ihre Arbeiter kleben müssen, obwohl sie nach ihrer ganzen wirth- schaftlichen Lage nicht viel besser, oft sogar schlechter gestellt sind als diese. Daß gewisse Vorsichtsmaßregeln gegen den Mißbrauch der Bestimmungen dieses Antrages getroffen werden müßten, sei klar, solche zu finden dürfte aber nicht schwierig sein. Daß sich die verbündeten Regierungen in bleiern Punkte auf einen schlechthin ablehnenden Standpunkt stellten, obwohl sie die Berechn tigung des Grundgedankens zugeben müßten, sei bedauerlich. Hoffentlich werde diese Stellungnahme aber keine endgültige sein.
— Ueber die Aufwendungen von Arbeitgebern zu Gunsten ihrer Arbeiter führt der „Arbeiterfreund", das Organ des „Centralvereins für das Wohl der arbeiten den Klassen", Buch. In der letzten Ehrentafel" werden die im Jahre 1888 von Industriellen, Privaten und Aktiengesellschaften im deutschen Reiche den Arbeitern und deren Angehörigen beziehungsweise nothlcidcndcn Volksschichten gemachten außerordentlichen Geschenke und Leistungen aufgeführt. Die Zeitschrift setzt hinzu, daß diese Zusammenstellung, weil sie nur auf den durch die Presse und Geschäftsabschlüsse ihr bekannt gewordenen Notizen beruht, auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann. So sind zum Beispiel die Stiftungen eines schlesischen Großindustriellen im Betrage von einer Million Mark sowie die Kruppschen Zuwendungen im verflossenen Jahre' nicht erwähnt Aber auch ohne diese deläuft sich die Gesammtsumme der in die Oeffentlichkeit gedrungenen Stiftungen auf 27,4 Millionen Mark, an denen 241 Geber und zwar 103 Aktiengesellschaften,
Ausland.
Rom. Vom Papste. Die Leibärzte Dr. Mazzoni und Lapponi erklären die von einigen auswärtigen Blättern gemeldete Nachricht, daß der Papst an Altersbrand leide, für völlig er unden. Es sei auch unrichtig, daß Mazzoni und Lapponi täglich zweimal dem Papste Krankenbesuche abstatten. Wahr sei nur, daß Lapponi sich gegen 10 Uhr Abends in den Vatikan begebe nnd ihn um 9 Uhr Morgens verlasse. Der Papst nehme so reichlich Nahrung zu sich, wie es seit langer Zeit nicht mehr geschehen sei.
Paris, 12. März. Den letzten Nachrichten aus Toulon zufolge scheint es sich immer mehr zu bestätigen,
90 private Arbeitgeber und 48 sonstige Personen be- theiligt sind.
Aufsehen erregte bei der Musterung in Eupen ein Gestellungspflichtiger, der auf dem Arm seiner Mutter vor der Ersatzkommisfiou erschien. Der „junge Mann" wird im Mai 20 Jahre alt, hat aber nur die Größe eines einjährigen Kindes und wiegt 14 Pfd. Er hört, kann aber nicht sprechen und ist dazu gelähmt. Nach der Vorstellung wurde dem Kleinen von seinen Angehörigen ein Strauß an das Käppchen gesteckt, den er lachenden Gesichts im Spiegel bewunderte.
Dortmund. Vom Dortmund-Ems-Kanal wird aus Dortmund gemeldet, daß im dortigen Hafen der Re- gierungsdampfer „Sticve" mit der Kanalkommission und dem Regierungspräsidenten an Bord als erstes Schiff eintrasi Das Schiff war von Lüdinghausen abgefahren, die Einfahrt und die Ausfahrt am Henrichenburger Hebewerk beanspruchte insgesammt nur 7 Minuten, während man auf etwa 30 Minuten Aufenthalt gerechnet hatte. Die Fahrt von da bis Dortmund (16 Klm.) dauerte nur eine Stunde. Für Benutzung des Hebewerks, sowie für Benutzung der Schleusen werden von den Schiffern keine Abgabe erhoben.
Elberfeld, 10. März. Der Drang nach Abenteuern führt so Manchen, dem es zu Hause zu wohl war, hinaus in die Welt und verleitet ihn, wenn es ihm im Vaterlande nicht so gegangen, wie er gehofft, schließlich dazu, in die Fremdenlegion einzutreten, ein Schritt, den bis jetzt noch Alle bereut haben. So erging es auch einem Elberfelder. Er schreibt an seine Eltern unter anderem aus Uin-Lefra: „Seit dem 29. Juni bin ich in der Fremdenlegion. Noch nicht acht Tage war ich hier, da bekam ich das Fieber. Neun Wochen habe ich daran gelitten. Bis zum Skelett abgemagert, kam ich wieder in das Regiment nach Sidi Bell-Abas. Hier ging es mir sehr schlecht im Essen und im Dienst. Des Morgens um 4 Uhr Reveille, um 9 Uhr Mittagessen, um 5 Uhr Abendbrod, aber das Essen — o je es ist Wasser mit Brodbrocken! Es sterben hier sehr Viele. Es giebt Tage, wo 30—40 Mann sterben, darunter viele Deutsche. Es ist traurig, zu hören, wie sie im Hotel jammern, und zuzusehen, wie die Angehörigen sogar die weite Reise machen, um ihren Sohn zu sehen. Vor vierzehn Tagen war noch ein Vater (folgt der Name) aus Barmen hier, der hier seinen gestorbenem Sohn beweinte. Von sieben Wochen war ein Aufstand der Araber, und mußten wir einen Marsch von 59 Tagen machen, jeden Tag 40 bis 45 Kilometer. Infolge der Hitze und Anstrengung sind sie rechts und links gefallen wie die Fliegen. Von 7000 Mann waren bei der Ankunft nur noch 4050 Mann übrig. 1700 Mann waren im Gefecht bei K......gefallen....... Hier sind viele Deutsche, unter anderen drei Barmer und fünf Elberfelder (folgen Namen). Ich kann sagen, ich bin gestraft, aber der Gedanke an die He math ist zu hart und hat schon Manchen zum Selbstmord gebracht. . . . Mögen diese Zeilen Andere, die der Ueber- muth in die Welt hinaustreibt, vor der Fremdenlegion warnen!"
Meiningen, 8. März. Von denjenigen Regimentern, welche den Sieg bei Wörth mit haben erringen helfen, hat bis jetzt noch kein Denkmal auf dem dortigen Schlacht eld das in hiesiger Residenz garnisonirende 32 Regiment. Diesem Mangel wird noch im lau enden Jahre abgeholfen werden: mit der Errichtung eines auf 20,060 Mark veranschlagten Denkmals für die 32er ist bereits begonnen worden, und am 6. August wird die Enthüllung des Denkmals erfolgen. Die Weiherede hält ein ehemaliger Angehöriger der 32er, Pfarrer Kettels in Meeder bei Koburg.
daß die Explosion des Pulvermagazins auf gewisse Mängel in der Ueberwachung zurückzuführen ist. Fremde Tagelöhner, welche im vergangenen Sommer im Pulvermagazin beschäftigt waren, stehen im Verdacht, die Katastrophe herbeigeführt zu haben.
London, 6. März. Das „Newyork Journal" veröffentlicht die Meldung, Admiral Dewey habe gesagt : „Es scheint mein Schicksal, hier draußen zu sterben. Ich fange an zu glauben, daß Niemand das Vaterland Wiedersehen werde. Der Feldzug nimmt eine derartige Gestalt an, daß ich nicht denken kann, heimzugehen." Die großes Aufsehen in Amerika erregende Bemerkung wird dahin interpretirt, daß Dewey entweder unter der Arbeitslast zusammenbrach, oder daß die militärische Situation viel ernster ist, als man ahnt, und daß Admiral Dewey Voraussicht, daß die Filipinos mit dem Freiheitskampfe für lange Jahre nicht aufhören werden.
Amerika. Eine bemerkenswerthe politische Kundgebung haben die Deutschen in Chicago veranstaltet, um den fortgesetzten Hetzereien gegen ihr Vaterland ent- gegenzuwirken. Eine Delegterten-Versammlung von über hundert deutschen Turn-, litterarischen, WohlthätigkeitS- und religiösen Vereinen, welche zusammen sünszigtausend Mitglieder zählen, beschloß eine Masserversammlung der Deutsch-Amerikaner zu arrangieren zum Protest gegen eine Verbündung der Union mit England oder irgend einer anderen Macht. Die Redner erklärten, es sei eine durchaus verdrehte Darstellung, welche behaupte, daß Deutichland der Union feindlich gesinnt sei. Englands Eifersucht auf den festen Halt, welchen Deutschland in den Herzen der Amerikaner gewonnen habe, sei der Grund des gegenwärtigen Versuchs der Engländer, Deutschland schlecht zu machen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 14. März.
— Nächsten Sonntag Nachmittag findet in Schlüchtern eine Versammlung der Mühlenbesitzer der Kreise Schlüchtern und Gelnhausen statt zwecks Gründung eines Bezirksvereins.
* — Am 12. April findet dahier ein Zuchtbullen- Markt statt, bei dem gegen 50 junge Bullen Simmen- thaler Reinzucht und Kreuzungsprodukte zum Verkauf gestellt werden.
* — Die Diphteritis grassirt in recht bösartiger Form seit einiger Zeit im benachbartem Herolz. Viele Todesfälle unter den Kindern sind bereits vorgekommen.
* — In der Oberförstern Oberzell wurde eine Eiche gefällt, welche einen Durchmesser von 2 Meter 95 Centimeter am unteren Ende hatte. Das Alter dieses Baumriesen wird auf ca. 1000 Jahre geschätzt. Der Baum war noch ganz gesund.
* — Bezüglich des am 1. Mai in Kraft tretenden Sommerfahrplanes sind die folgenden wesentlichen Abänderungen vorgesehen, welche für unsere Leser von Interesse sind: Der jetzt Abends 8 Uhr 49 Min. in Fulda nach Frankfurt a. M. abgehende Personenzug wird etwas später gelegt und erhält Anschluß von Gersfeld und Tann, von wo die letzten Züge in Fulda
8 Uhr 46 Min. und 8 Uhr 50 Min. eintreffen. — b) Der Nachmittagszug Gemünden-Elm, welcher jetzt
5 Uhr 38 Min. in Elm cintrifft, geht in Gemünden 17 Min. früher ab und wird überdies derart beschleunigt, daß die Ankunft in Elm fortab bereits 4 Uhr 17. Min. erfolgt, also der Anschluß an den v-Zug nach Berlin, Hannover erreicht wird. — c) Der Abends 10 Uhr
28 Min. von Frankfurt in Fulda eintreffende und jetzt daselb/t endigende Personenzug wird Sonnabends, Sonntags und Festtags bis Bebra -und weiter geführt, woselbst die Ankunft 12 Uhr 3 Min. Nachts erfolgt. Dadurch ist es möglich, die Abendzüge von Gersfeld, Tann und Gießen zum Personenzugsanschluß nach Hünfeld, Hersfeld zu benutzen. — d) Ein neuer Sonn- und Festtagszug verkehrt ab Bebra früh 5 Uhr 25 Min., welcher bis Gelnhausen geht und in Fulda (an 6 Uhr 46 Min.) Anschluß an die Frühzüge nach Gersfeld und Tann (ab 7 Uhr 16 Min., bezw, 6 Uhr 55 Min.), sowie von den Frühzügcn der entgegengesetzten Richtung (an 6 Uhr 45 Mm., bezw. 6 Uhr 28 Min) und vom Frühzuge von Alsfeld (an 6 Uhr 4a Min.) erhält. In Gelnhausen schließt ber ‘Sonntag« zug so ort an den Zug Nr. 218 an und trifft um 10 Uhr in Frankfurt ein.
* — Ein neuer Eisenbahntarif für die bewaffnete