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SchlWemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 20

Samstag, den 11. März 1899

50. Jahrgang

Deutsches Reich

Berlin. Das Kaiserpaar gedenkt gegen den 20. d. M. zur Feier des zehnten Geburtstages des Prinzen Waldemar, des ältesten Sohnes des Prinzen Heinrich, in Kiel einzutreffen, um dort der feierlichen Einstellung des Prinzen Waldemar als Leutnant beizuwohnen. Der Prinz ist am 20. März 1889 in Kiel geboren.

Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin hat Maßnahmen getroffen, um die Annahme kontraktbrüchiger Arbeiter bei allen Diennzweigen der preußischen Staatsbahnen zu verhüten. Bei Ausnahme von Arbeitern soll für die Folge ganz besonders geprüft werden, ob sie aus ihrem letzten Dienstverhältniß ohne Verletzung der etwa eingegangenen vertraglichen Ver­pflichtungen geschieden sind und sich über die ordnungs­mäßige Auflösung ihres bisherigen Arbeitsverhältnisses auszuweisen vermögen. Als solche Ausweise gelten nur vorschriftsmäßig ausgestellte Abschiedszeugnisse oderAb­kehrscheine", Arbeitsbücher für Minderjährige und Ge sindedicnnbücher. Die Inspektionen und Banabtheilungen wurden beauftragt, auch die in ihrem Bezirke mit der Ausführung fiskalischer Bauten befaßten Bauunternehmer anzuweisen, bei der Annahme von Arbeitern jetzt und künftighin in gleicher Weise zu verfahren.

Aus Würtemberg wird geschrieben: Im Interesse des Gleichheitsprinzips opferte unser Württemberg nach 1870/71 in loyalster Weise bekanntlich alles, was es in seinem Heere bisher an Eigenthümlichkeiten in Uni sormirung, Bezeichnung, Eintheilung usw. besessen hatte. Da ist es denn wohl uatürlich, daß man die mancherlei Neuerungen, die in den letzten Jahren und bis in die letzte Zeit hinein im deut chen Heere durchge ührt wurden, mit den früheren Verhältnissen des Württembergischen Heeres vergleicht, und dabei mit Genugthuung hcrvor- hebt, daß diese Neuerungen für Württemberg eigentlich genommen keine Neuerungen sind, sondern nur .in W^d deraufleben guter alter Einrichtungen bedeuten. Leutenant undOberleutenant" bestanden bei uns von jeher, wurden aber 1870/71 über Bord geworfen. Den Säbel in Stahlscheide als Jnsanterieoffizierwaffe hatten wir ebenfalls. Desgleichen den grauen Mantel, die Lanze für die gesammte Reiterei,^dic Fangschnüre als Schützen- abzeichen, die Zeltausrüstung und so manches andere. Auch ein Meldereiterdetachement besaßen wir, und zwar in den Guiden, die den nämlichen Zwecken dienten wie die Meldereiter. Alles das fiel infolge der Gleich­macherei nach der Konvention von 1870,71. Und nun kommt eines nach dem andern wieder. Auch die alt- württembergische Bezeichnung der Offizierchargen durch Sterne auf den Kragenecken, welche damals gleichfalls abgeschafft wurde, ist ja bekanntlich schon wieder in Sichr!

Rastatt. Als in der Sonnabendnacht eine Abthei­lung Festungssträflinge nach der Kaserne zurückkchrte, ergriff einer derselben vom 25. Infanterieregiment (Rheinisches) die Flucht. Trotz dreimaligen^ Anrufens des Unteroffiziers fetzte der Sträfling seine Flucht fort worauf der Unteroffizier Feuer gab. Der Flüchtling brach zusammen und starb alsbald.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 10. März.

* Daß auch in unserer Stadt der früher sehr vernachlässigten Nutz- und Racegeflügelzucht mit Erfolg Aufmerksamkeit zugewendet wird, beweisen die auf Ge­flügel-Ausstellungen erworbenen Preise. So erhielten auf der Ausstellung in Gelnhausen: auf Plymouch RockS: David Strauß hier, den von Henm Amtsrichter Zimmermann gestifteten Ehrenpreis, auf Brieftauben Bäcker Jean Denhardt den 1. Preis, ferner L. Hildebrandt Löchert Lindenberg, auf Emdener Gänse Ludwig Hilde­brandt den 2. Preis, auf rebhuhnfarb. Italiener Lud­wig Hildebrandt einen 3. Preis, auf Enten D. Kühn auf Schönhof und B. Strauß in Schlächtern.

* Auf der Geflügel-Ausstellung in Gießen er­hielten aus rebhuhnfarbige Italiener: Ludwig Hildebrand den 2. Preis, auf Tauben: Ludwig Hildebrand einen 2. und 3. Preis, auf Bergische Kräher: Adam Wcitzel hier, den 2. Preis.

* Trotzdem der Winter so sehr milde war, sind die Preise für Buchenbrennholz durchweg sehr hohe. einzelnen Gemeinden sind geradezu fabelhaffe Preise be­zahlt worden. nämlich das Raummeter 89 Mk. Das ist doch gewiß weit über den reellen Werth. Auch in den abgelegeneren Zerstörten ist über den Taxwerth ge«

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hoch von dem starken Getränke aus dem Fasse. Der kleinste stürzte bald besinnungslos zu Boden und ver­letzte sich dabei schwer. Beide mußten in ärztliche Be­handlung gebracht werden und liegen noch heute be­sinnungslos darnieder.

Hoos, März. Angeführt scheinen die zu sein, die einem Herren, der hier und in der Umgegend Bestellungen auf Bilder aus demLudwig Blöser'schen Spezialge- schä t" für Oeldruckbilder und Photographien in Siechen- hausen Post Gebern (Oberheffen) Angeld bei der Bestellung gaben. Obschon die Bilder 14 Tage nach Bestellung ankommen sollten, wartet man bis jetzt ungefähr 5 Wochen vergeblich darauf. Da anzunehmen ist, daß der betreffende Herr auch in anderen Gegenden bemüht ist, gegen einen gedruckten Garantie-Schein Angelder von vertrauensseligen Menschen zu erheben, sei zur Vor­sicht gemahnt,

Marburg, 2. März. DaS Dienstland längs bei Bahnkörpers, welches die Bahnwärter seither gegen vcr- hältnißmäßig mäßiges Entgelt in Benutzung hatten, soll fortan, um mehr dafür herauszubekommen, öffentlich meisibietend verpachtet werden.

Langenstein bei Kirchhain, 28. Febr. Dem hiesigen Krämer Kratz wurde dadurch bedeutender Schaden zu­gefügt, daß ihm von roher Bubenhand auf seinem an der Hersfelder-Marburger Straße gelegenen Grundstück zwanzig junge, gutgepflegte Obstbäumchen, Aepfel und Zwctschen, welche theilweise im vorigen Jahre schon ge­tragen, mittelst einer Baumsäge am unteren Stammende vollständig durchgeschnitten wurden. Von dem Thäter hat man noch keine Spur.

Aus dem Wohrathale, 2. März. Kürzlich fand, wie man demC. T." schreibt, eine Erbschaffsange- legenheit ihre Erledigung, die schon über 2 Jahre die Betheiligten beunruhigte. Die betreffenden glücklichen F.misirN sind in verschiedenen Dörfern des WohrathalkS verzweigt. Der Löwenantheil aber ist nach L. gefallen, und zwar an die Wittwe Sch, die sich bereits im Wohl­stand befindet. Die glücklichen Erben sind fast sämmt­lich Bauern. Die Erbschaft stammt aus Amerika, von einer kinderlosen Verwandten in Chicago. Man schätzt auf zuverlässiger Seite die Summe auf ca. 150000 Mk. Wittwe Sch. in L. will, wie man hört, in das dortige Kirchlein eine neue Orgel stiften.

Mosbach. Wie eine Satyre auf die moderne Ver­einsmeierei klingt die für den Fortschritt unserer streb­samen Jugend bezeichnende Nachricht derN. Hess. Bolksbl.", daß kürzlich zu Wenig-Umstadt einSteh- kcagcnverein" gegründet wurde, dem sofort 37 Mitglieder beilraten.

Wie in Wiesbaden verlautet, verkaufte Freiherr v. Stumm-Halberg sein berühmtes Rheingauer Weingut, 45 Morgen groß, für 670,000 Mark an Freiherr» Langwerth v. Simmern. Gestern machte der hiesige Kaufmann Karl Herrmann in seiner Wohnung einen grauenvollen Selbstmordversuch. Er tränkte seine Kleider mit Petroleum und zündete sie dann an. Als mehrere Nachbarn die Flammen in Hermanns Wohnung sahen, eilten sie herbei und löschten die brennenden Kleider aus, doch hatte der Unglückliche schwere Brandwunden am ganzen Körper erlitten, so daß man ihn sofort ins Krankenhaus überführen mußte. Da Herrmann in guten finanziellen Verhältnissen lebt, nimmt man an, daß er den Selbstmordversuch in einem Anfall von Geistesstörung beging, deren Spuren man seit geraumer Zeit an ihm bemerkt haben will.

boten wordeu. Neben dem Brennholz ist das Bauholz in den letzten Jahren in noch viel höherem Maße im Preise gestiegen. Baumstämme, die einen Taxwerth von 5 Mk. hatten, wurden beispielsweise mit 14 Mk. bezahlt.

* Da die Rückfahrkarten für das Osterfest au/ den preußischen Bahnen eine Giltigkeitsdauer von 25 Tagen haben, d. h. 12 Tage vor und 12 Tage nach dem Feste gelten, so können die Karten bereits am 21. März wie auch später gelöst werden. Die Giltig- keit dieser Karten erlischt Donnerstag, den 13. April (Mitternacht).

Der Privatdiskont der Reichsbank, der die seltene Höhe von 6°/0 erst vor wenigen Tagen verlassen hat, wird angeblich in nächster Zeit schon wieder erhöht werden müssen.

* Rechnungen für Behörden. Wegen des Etats­jahres 31. März ist es nothwendig, daß alle Forderungen an Behörden, als Post-, Telegraphen-, Eisenbahn-, Steuer-, Militär- rc. Verwaltungen, bis znm 20. März ein gereicht werden.

* Aus dem Reichsgericht. Wegen schwerer Ur= kundensälichung ist am 19. Dezember v. I. vom Land- gerichte Hanau der Bahnarbeiter Nikolaus Weitzel von Kreffenbach zu einem Monat Gefängniß verurtheilt worden. Am 5. April v. Js. lief beim Bezirkskommando Köln ein mit Adam Weitzel unterschriebener Brief ein in welchen mitgetheilt wurde, daß der Grund, den der Reservist S. angegeben habe, um von einer Uebung befreit zu werden, der Wahrheit nicht entspreche und daß der Bürgermeisterdieses unlautere Verfahren unterstützen. Da der Brief unfrankirt abgesandt war, ging er an Adam Weitzel zurück und die Post verlangte von diesem die Zahlung des Portos. Da derselbe glaubhaft machte, daß er nicht der Absender sei, und Verdacht entstand, doß der Angeklagte der Absender fei, verschaffte sich der Bürgermeister den Brief und brächte ihn zur Kenntniß der Staatsanwaltschaft. Das Gericht erblickte in dem Briefe eine beweiserhebliche Urkunde, soweit er Beschuldigungen gegen S. und den Bürgermeister ent­hielt, und stellte fest, daß der Angeklagte diese Urkunde in rechtswidriger Absicht angefertigt und von ihr Ge­brauch gemacht habe. Die Revision des Angeklagten, der die Urkundenqualität sowohl als das Gebrauch­machen bestritt (letzteres, weil der Brief nicht an die zuständige AmtSstelle gerichtet gewesen sei) wurde vom Reichsgericht als unbegründet veiwonen.

Riirkcrs (Kreis Fulda), 7. März. An einem der letztvergangenen Tage wurden auf der hiesigen Ber­bindungsstraße nach Schweben 21 der Gemeinde Rückers gehörige junge Bäumchen von ruchloser Hand total ver nichtet. Es scheint ein Racheakt vorzuliegen Hoffent lich gelingt es, den Thäter ausfindig zu machen, damit er der verdienten Strafe nicht entgehe.

Beitstembach, 9. März. Vorgestern Abend wurde wieder einmal unser stilles Rhöndörflein durch das Feuersignal in Aufregung versetzt. Es bräunte nämlich das Anwesen des Hüttncr Z., welches voll,.ändig ein­geäschert wurde.

Gelnhausen, 7. März. Die erste allgemeine Ge­flügel- und Vogel-Ausstellung war an den drei Tagen ungemein stark besucht, bewndcrs hat auch die Bcvöl kerung der Umgegend durch zahlreichen Besuch ihr reges Interesse bekundet; gestern waren viele Schulen der Umgegend eingetroffen, um die Ausstellung zu besuchen. Die' Zahl der Besucher hat 3000 erreicht.

Kassel. Für die Zahlmeister und Zahlmeister- Aspiranten der Garnisonen des 11. Armeekorps beginn, Ende dieses Monats im hiesigen Schlachthofe eine Uebung, welche bezweckt, diesen Militärbeamten die Be­urtheilung des Fleisch' und Fettgehaltes der zum Schlachten bestimmten Thiere und deren Gesundheitszustandes zu ermöglichen. Auch die Kenntniß des Schlachtens selbst soll dabei in's Auge gefaßt sein. Die Uebung wird bis in den April hinein dauern.

Kassel, 7. März. Die große Kasseler Straßenbahn- Aktiengesellschaft verkauft am Montag den 20. und Dienstag den 21. ds. Mts. in Folge des elektrischen Betriebes ihren gesummten. Pferdebestand von ungefähr 80 großentheils noch junger Thiere.

Wchlhciden, 3. März. Gestern geriethen drei Knaben über ein Faß Spiritus, welches sich in einem Lagerraum befand. Der älteste schlug den Kork ein, und die beiden andern sogen durch einen Strohhalm 5'/a Centimeter

Vermischtes.

Wien. Hier starb der älteste Mann WienS im 113. Lebensjahre. Er hieß Kohn, war früher Fleisch» haner und lebte seit Jahren von Armen-Unterstützung.

Aus Wien wird berichtet: In Chrudicn wurde der 35jährige Grundbesitzer Norotrup hingerichtet, der seine sieben Kinder bald nach der Geburt vergiftet hatte, weil er kleine Kinder nicht leiden mochte.

Seine Mutter aus Fahrlässigkeit erschossen hat der 21 jährige Sohn des Häuslers Liesiewicz in Neu- Widzim bei Wollstein. Der junge Mann war mit dem Reinigen seines Revolvers beschäftigt, während ihm seine Mutter mit einer Arbeit in der Hand am Tisch gegen» übersaß. Er hatte bereits drei Kugeln aus dem Revolver entfernt und war eben im Begriff, die letzte herauszu- nehmen, als der Schuß losging und die Mutter mitten ins Herz traf, sodaß sie todt vom Stuhle fiel,