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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 22. Februar 1899

50. Jahrgang.

Nolso!!nNN«»11 ^ bie "Schlüchterner Zeitung» (IH Ihh wiiyUi werden noch fortwährend von allen =- ' -' " *' Postanstalten und Landbriejträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Vom Kaiserhofe. Beide Majestäten sind aus Hubertusstock nach Berlin zurückgekehrt. Der Aufenthalt im Jagdschlösse ist ihnen vorzüglich bekommen.

Kaiser Wilhelm hat bei dem Ableben des Prä­sidenten Faure nicht nur der Wittwe des Verstorbenen telegraphi ch sein Beileid ausgesprochen und den Bot­schafter Grafen Münster beauftragt, in seinem Namen einen Kranz auf dem Sarge des Todten niederzulegen, sondern er wird sich bei dem Lcichenbcgängniß auch durch eine besondere Mission vertreten lassen. Der Staats­sekretär des Auswärtigen Amts, v. Bülow, begab sich nach dem Emp ang der Trauerbotschaft sofort zum französischen Botschafter, Marquis de Noailtes, und stattete diesem einen längeren Beileidsbesuch ab.

Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaiserpaares, wird sich, wie aus Kiel gemeldet wird, im Frühjahr auf der aus Nordafrika heimkehrenden Schulwegatte Charlotte" einschiffen und im kommenden Sommer seinen ersten Unterricht im Seewesen erhalten.

Ueber ein neues Salzkartcll berichtet dieFreist Ztg ", daß seit dem 1. Januar ein Kartell der kgl. preuß. Salzwerke Staßfurt, Jnowrazlaw, der anhal- tischen Salzwerke Leopoldshall und der wenigen privaten Salzwerke Bernburg Staßfurt gebildet sei. In olge dessen seien die Käufer resp. Verbraucher des Gewerbe- 1 salzes gezwungen, Dasselbe um 20 Prozent theurer zu bezahlen als bisher. Auch dürfe das Gewerbesalz nicht mehr auf dem Wasserwege, sondern lediglich per Bahn bezogen werden.

Kiel, 19. Februar. 325 Seesoldaten gehen am 3. März von hier über Wilhelmshaven nach Kiautschau ab. In Wilhelmshaven schließen sich weitere 325 Mann und 150 Artilleristen ihnen an. Die Abfahrt erfolgt am 4. März mit dem LloyddampferDarmstadt". Wie verlautet, ist heute hier die Meldung eingegangen, daß der Kaiser der Abfahrt des Ablösungstransporls beiwohnen werde.

Dortmund. Bewaffnete Bahnwärter. Auf der Eisenbahnstrecke Dortmund Annen sind die Bahnwärter auf Veranlassung ihrer Vorgesetzten Behörde mit Säbeln ausgerüstet worden. Diese Maßregel ist darauf zurück- zuführen, daß gerade auf dieser Strecke die Beamten bei Ausübung ihres Dienstes wiederholt von Strolchen angegriffen und nicht unerheblich verwundet worden sind.

Die Hauptstadt von Deutsch Südwestafrika, Windhoek, hat sich so weit entwickelt, daß man einen regelmäßigen Marktverkehr einzurichten beginnt. Das Marktwesen ist gerade in Südafrika ganz ungeuicin ausgebildet Zur Regelung des Ve Hältnisses von Angebot und Nach rage bedient man sich im weitesten Um ange der öffentlichen Auktionen. In der Mitte des Marktplatzes im Ort sieht die offene Halle, bei der der Marktverkehr sich ab- spielt. Die Verkäufer bringen zum Theil unmittelbar ihre Waaren zum Verkauf, die meisten Waaren aber werden durch einen Auktionator an den Meistbietenden öffentlich versteigert. Der Verkäufer be nmmt in der f Regel einen niedrigsten Preis, unter dem die Waare nicht abgegeben wird; bleibt sie in olge dessen unverkauft, und nimmt er sie zurück, so hat er eine Kommissions- gebühr nicht zu zahlen; wird sie vertäust so werden meist 5 Prozent bis 7'/- Prozent als Kommissionsge- bühr gezahlt. Gemüse, Obst, Eier, Milch Butter, Ge­flügel wird in der Umgegend von Windhoek schon in so hinreichender Menge gewonnen, daß die Vorräthe wöchentlich einmal zum Verkauf gestellt werden können. Andererseits sind Kauflustige in Windhoek in genügender Anzahl vorhanden, um die sämmtlichen erzeugten Vor- täth verwenden zu können. Leute, welche aus Deutschsüdwestafrika nach Kapstadt zurückgekehrt sind, schildern den Fortschritt des Landes in glühenden Farben. Die deutschen Behörden, so erzählen sie, ge­währen ohne Rücksicht auf Nationalität jedem gleiche Rechte und jede Erleichterung zur Entwickelung des Landes. Der Eisenbahnbau macht große ^Fortschritte, und auch ein Wellenbrecher wird in Swakopmund gebaut.

Lokales und Provinzielles.

* Schüchtern, .1. Febr.

* Die Schaltcrdienststunden des hiesigen Post­amts an Sonntagen und allgemeinen Feiertagen werden vom 1. März ab von den Nachmittags stunden auf die Zeit von 12 bis 1 Uhr Mittags verlegt. Die Schalter­dienststunden bis 9 Uhr Morgens bleiben unverändert. Der Telegraphendienst in den Nachmittagsstunden der Sonntage und allgemeinen Feieitage bleibt nach den bisherigen Fortsetzungen bestehen.

* Im Hinblick auf den gesteigerten Bedarf an Lehrkräften für Volksschulen ist es von der preußischen Unterrichtsverwaltung als dringend erwünscht bezeichnet worden, daß sich zur Vorbildung von Lehramtsan­wärtern für die Aufnahme ins Seminar geeignete Lehr­kräfte und Geistliche vereinigen. Um diesen Zweck thunlichst zu fördern, werden Zuwendungen aus staat­lichen Fonds gewährt werden. Ebenso soll auch die Begründung von Präparanden-Anstalten seitens städtischer Körperscha'ten, soweit ein Bedürfnis für derartige An­stalten vorhanden ist, möglichst unterstützt werden

* Im Jahre 1898 wurden von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin an 11 weibliche Dienstboten in der Provinz Hessen-Nassau für 40jährige Dienstzeit in derselben Familie goldene Dienstbotenkreuze nebst Allerhöchsiselbst vollzogenen Diplomen verliehen.

* Jungen Damen, die Lust haben, einen unentgeltlichen Kursus in der Krankenpflege durchzu- machen, dürfte die Notiz willkommen sein, daß Anfang März in dem gern besuchten Diakonieseminar des Ev. Diakonievcrcins in Erfurt, 2 Stellen frei sind. Die Ausbildung geschieht ganz unentgeltlich bei freier Station und ohne jede Verpflichtung für die Zukunft. Damen, die aus der Krankenpflege einen Lebensberuf machen wollen, finden durch den Verein entsprechende Anslcllhng. Namentlich seien auch die Braute von Geistlichen und Aerzten auf die Gelegenheit aufmerksam gemacht, sich kostenlos eine Ausbildung zu verschaffen, die ih en kün tigen Gatten von großem Werth sein wird. Meldungen sind an den Ev. Diakonievercin in Berlin-Zehlendorf zu richten.

* Die Maler werden in diesem Jahre gute Geschäfte machen. Vom ersten Januar 1900 an, Dem Tage, an welchem das neue Handelsgesetzbuch eingeführt wird, müssen sämmtliche Inhaber öffentlicher Läden, ob sie eingetragene Firmen besitzen oder nicht, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen an der Außenseite oder am Eingänge des Ladens in deutlicher lesbarer Schrift anbringen. Wer sich also neue Schilder machen läßt, sollte gleich auf die neue Verordnung Rücksicht nehmen.

* Auf der Terminsrolle zu den Schwurgerichts­verhandlungen ist nunmehr noch folgender Fall ver­merkt: Dienstag, den 28. Februar: Strafsache gegen die Händlerssrau Rüttger von Steinau wegen Meineids

Gelnhausen, 18. Febr. Die in den Tagen vom 4, bis 6. März dahier statifindende Gcflügelaus- stcllung verspricht nach den vorliegenden Anmeldungen einen großen Umfang anzunehmen. Mit der Ausstellung ist nach eine Verloosung verbunden. Die zur Ausgabe

Ausland.

Frankreich. Der Präsident der Republik Frankreich, Herr Felix Faure, ist am Donnerstag Abend gegen 10 Uhr plötzlich gestorben, wie es officicll heißt, an einem Gehirnschlag. Zum Nachfolger wurde am Sonnabend der bisherige Präsident des Senats, Herr Emile Loubet, mit großer Stimmenmehrheit gewählt.

Brüssel, 18. Febr. Mit dem Zuge, welcher Morgens 5 Uhr 22 Minuten von Tournai abgeht und 8 Uhr 14 Minuten in Forest bei Brüssel eintrisst, wo er Aufenthalt hat, fuhr auf Dem Dortigen Bahnhof der um 6 Uhr 47 Minuten von Mons abgelassene Expreßzug zusammen. Letzterer hat in Folge des starken Nebels die Haltesignale nicht bemerkt. Der Zusamenstoß war furchtbar. Die Lokomotive des Expreßzuges schob sich auf die letzten Wagen des Zuges von Tournai. 40 Personen sollen getödtct, 90 verwundet sein. Die Todten sind zum größten Theil Kinder, junge Mädchen und Arbeiter, die Morgens zum Antritt ihrer Arbeit nach der Hauptstadt fuhren. Die Zeitungen enthalten Ent­setzen erregende Berichte von Augenzeugen. Vor dem Südbahnhof spielten sich furchtbare Scenen ab.

gelangten 3000 Loose sind bereits bis auf eine geringe Anzahl verkauft. Zwecks Ausarbeitung eines Spezial- Projektes für die zukünftige Bahn Wächtersbach-Bad Orb nimmt gegenwärtig ein Ingenieur die erforderlichen Vermessungen vor. Nachdem die Pläne für eine Wasserleitung in Bad Orb von der Firma Breuer u. Co. in Höchst fertiggestellt sind, dürften die Ausführungs- arbeiten bald in Angriff genommen werden.

Fulda, 16. Febr. In Den letzten Tagen sind hier drei barmherzige Schwestern am Typhus gestörten. Auch die Oberin der Anstalt liegt typhuskrank darnieder. Die Schwestern stürben im Contagienhaus des Land­krankenhauses; strenge Sperrmaßregeln sind ergriffen. Eine in Schlüchtern zur Aushilfe gewesene Schwester soll die Krankheit hier eingeschleppt haben. Heute sind wiederum 6 kranke Schwestern aus dem Mutterhause in das Landkrankenhaus ausgenommen worden. Der Fuldaer Vichmarkt am 816. d. Mcs. war mit 1035 Thieren und zwar: 18 Pferden, 1 Bullen, 175 Ochsen, 400 Stieren, 257 Kühen, 134 Kalbinnen und 50 Kälbern, befahren. Die Pferde waren größten- theils ausrangirte alte Thiere von kaum je 1UU Mark Werth. Ochsen erster Qualität waren nicht da. Ochsen zweiter Qualität kosteten 850 Mark, dieser Art waren 15 Paare aufgetrieben. Ochsen dritter Qualität galten 650 - 720 Mark, Stiere, zwei Jahre alt, wurden mit 400500 Mark bezahlt. Der Bestand an Ochsen und Stieren wurde geräumt. Die Preise siud etwas niedriger wie am vorigen Markt. Trächtige gute Kühe und junge Kühe in Milch kosteten 300 400 Mark, ältere und mäßig genährte 250, 200 Mark und weniger. Die Nachfrage nach Kühen war gering. Jährlinge wurden für 130150 Mark lebhaft begehrt. Die Preise für Kälber schwankten nach Qualität zwischen 50 und 100 Mk. Es wären nur wenige auswärtige Händler da. Die Eisenbahn hatte je einen Sonderviehzug in der Richtung nach Sachsenhausen und nach Gießen eingestellt, die gegen 12 Uhr abgelassen wurden. Beim Umbau des Hauses Friedrichyraße Nr. 11, das seit 1798 im Be- sitzthum der Familie Niemeyer war, fand man in einem Versteck eine größere Menge alter Münzen, wie es heißt ungefähr 300 Gulden, von denen die neuesten Münzen vom Jahre 1806 sind. Es ist daher anzu- nehmen, daß der Hofgürtler Niemeyer ohne Wissen seines Sohnes, des verstorbenen Stadtkämmerer Nie­meyer, in diesem Versteck unter dem Fußboden sein Vermögen aufbewahrte und dies jetzt erst, nachdem das Haus verkauft, au gefunden worden ist. Wie man uns mittheilt, beanspruchen die Erben des Niemeyer ein Recht auf diesen Fund.

Rhina, 14. Febr Vor einigen Tagen schoß Herr Förster Zentner von der Ruine Stoppelsberg aus durch einen sicheren Kugelschuß einen Steinadler, sodaß der­selbe vor dem Thoreingange zur Erde niedersiel. Der Adler hat eine Flügelweite von 2,05 Metern.

Sontra, 14. Febr. Gutem Vernehmen nach beab­sichtigt die Firma Siemens und Halste in Verbindung mit noch zwei anderen Berliner Gesellschaften eine elektrische Bahn von hier über Hornel, Weißenhasel, Nentershausen, Süß und Richelsdorf nach Gerstungen zu bauen, und soll genannte Firma bereits an zuständiger Stelle um Konzession eingekommen sein. Es wäre den erwähnten etwas entlegenen Ortschaften zu gönnen, wenn der Plan recht bald würde verwirklicht werde.

Melsungen, 17. Febr. Zu der von dem flüchtigen Sparkassenkaffirer Ahrens veruntreuten Summe von 25 OOo Mark kommt noch die Unterschlagung einer großen Anzahl kleinerer Spareinlagen, die meist von kleineren Ge chüstsleuten im Vertrauen auf die Ehrlichkeit des A. diesem privatim übermittelt, aber nicht der Sparkasse üdcrwicsen worden sind. Die sich aus etwa 4o in dem Nachlaß des A. gefundenen Sparkassenbücher vertheilenden defraudirtcn Gelder sollen gegen 5000 Mk. betragen.

Kassel. In Marburg yarb in der medizinischen Klinik an den Folgen einer Operation der HerrLandes- bauinspektor Baurath Cornelius Udet, ein sehr geschätzter und bekannter Beamter der hiesigen kommunalständischen Verwaltung. Derselbe war 1831 in Steinau, Kreis Schlüchtern, geboren.

Frankfurt, 9. Febr. Im Hauptbahnhof betrachteten zwei junge Burschen den Riesenbau. Ein älterer Herr, der sich an ihrem naiven Staunen ergötzte, erbot sich als guter Lokalpatriot, und da er gerade nichts weiter zu thun hatte, sie durch die Stadt zu jühren. Die