SchWerilerMung
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«M 14. Samstag, den 18 Februar 1899. 50. Jahrgang.
ItUfUIhttl rti»nauf bie -Schlüchterner Zeitung» werden noch fortwährend von allen ' -—-—,— -—---- Postanstalten und Landbriejträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Fürst Herbert Bismarck hat sich anläßlich seiner Ernennung zum Generalmajor beim Kaiser gemeldet und wurde ungemein herzlich empfangen. Die Audienz währte über eine halbe Stunde. — Das Kaiserpaar begab sich am Montag Mittag 1 */. Uhr zu mehrtägigem Aufenthalt nach Hubertusstock. — Der Kaiser hat dem Findelhaus zu Hongkong 5000 Mark überwiesen.
— Kardinal Fürstbischof Kopp hatte während seines mehrtägigen Aufenthaltes in Berlin wiederholt Besprechungen mit dem Kultusminister und hat auch dem Reichskanzler einen Besuch abgeplattet. Sonntag wurde er vom Kaiser empfangen und zur Frühstückstafel zu- gezogen.
— Ueber das Spiel in der Armee wird der „Rhein. West. Ztg.' aus Berlin geschrieben: Der Kriegsminister hat im Reichstage die überraschende Andeutung gemacht, daß die Heeresverwaltung bestimmte Anzeichen dafür habe, daß mit Geld versehene Frauenzimmer aus dem Auslande geschickt würden, um die Offiziere zum Spiel zu verlocken......Es sollen vorwiegend Französinnen sein, welche die Aufgabe haben, preußische Offiziere systematisch zu entsittlichen und so unserem Heere seinen Hauptvorzug, das ausgezeichnete Ofsizicrlorps, zu rauben. Da weibliche Spione längst bevorzugt sind, so klingt es gar nicht so unglaublich, was hier gejagt ist, denn durch Spiel und andere Laster heruntergekommene Personen werden schließlich auch für gemeinen Berrath nicht unzugänglich sein. Namentlich in Berlin und in Hannover dürften solche lockere Dämchen arbeiten
— Bei den diesjährigen Reserveübungen sollen auf kaiserliche Anordnung die Interessen der am meisten beteiligten bürgerlichen BerufSkreise, namentlich auch die Lage der Ernteverhältnisse berücksichtigt werden. Im Durchschnitt soll die Dauer der Reserveübungen vierzehn Tage betragen. Die Bäcker aus der Reserve sind so zeitig eiuzuberufen daß sie vor ihrer Verwendung während der Herbsiübungen gründlich in den Verrichtungen am Feldbackofen bei den Garnisonbäckereien unterwiesen werden können.
— Der Kaiser hat bestimmt, daß die in dem Heere angeordnete Verdeutschung einzelner Fremdausdrücke auch in der der Marine sinngemäß Anwendung zu finden hat.
AuSland.
Ntwyork. Gewaltige Hagel- und Schncestürme suchen Nordamerika heim. Der Eisenbahnverkehr stockt. Seit zwei Tagen ist in Newyork kein Dampser eingetroffen. Die Noth ist unter der armen Bevölkerung groß. Viele sind an Frostbeulen gestorben.
Philippinen. Ein Krieg bis auf's Messer herrscht auf den Philippinen»Inseln, denn die Eingeborenen beginnen ihre Drohung, lieber alle Ortschaften niederzu- brennen, als sie den Amerikanern auszuliesern, wahr zu machen. Als die amerikanischen Truppen in die Stadt Malaham eindrangen, steckten die Insulaner die Häuser in Brand. Die Amerikaner löschten die Feuersbrunst, es kamen aber neue Brandsti tungen vor.
Pretoria, 14. Febr. In Folge des Au tretend der Pest in Middelburg hat die Regierung von Transvaal die schärfsten Maßregeln ergriffen, um die Zulassung der aus Asien direkt oder über Mauritus und Madagaskar kommenden Arbeiter tinzuschränken.
Lokales und Provinzielle
* Schlüiyieru, 17. Febr.
* — Bei dem anhaltenden trockenen Wetter seinen die Besitzer von Gärten darauf aufmerksam gemacht, daß da« Schneiden der lebenden Hecken nur bis Ende dieses Monats erlaubt und vom 1. März bis 30. Juni verboten ist.
* — Ein Zeichen der milden Witterung ist, daß uns seit 8 Tagen öfters lebende Schmetterlinge rc., die im Freien gefangen wurden, überbracht worden sind.
* — In Steinau ist dieser Tage ein neuer »Militärverein» gegründet worden.
* — Von Ostern d. Js. ab soll mit Genehmigung des Königl. Provinzial'Schulkollegiums zu Kassel der seither geltende Lehrplan des hiesigen Progymnasiums eine Er
weiterung erfahren und zwar in der Weise, daß in Zukunft jeder neu eintretenbe Schüler die Wahl hat zwischen einer gymnasialen und einer realen Vorbildung, d. h. daß es ihm frcisteht, als Fremdsprachen entweder wie bisher Lateinisch und Griechisch zu wählen oder Französisch und Englisch zugleich mit größerer Berücksichtigung der für das praktische Leben wichtigeren Fächer: Deutsch, Rechnen, Mathematik (Zeichnen). Ferner soll die Schule nicht mehr, wie bisher, lediglich Vorbereitungsanstalt für andere Schulen sein, sondern daneben auch die Aufgabe einer Mittelschule erfüllen, die ihre Schüler im 9. oder 10. Lebensjahr aufnimmt und ihnen in einem fünfjährigen Kursus eine über das Elementare herausgehende, abgeschlossene Bildung gewährt, wie sie für einen praktischen Beruf vorzugsweise geeignet ist. Diese Ausbildung ist derart, daß sie nur geringer Erweiterung im Deutschen und in der Mathematik bedarf, um die Schüler zu befähigen, sich die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst durch eine Prüfung vor der Prüfungskommission zu erwerben. Als künftiges Ziel der Schule ergiebt sich mithin folgendes: Vorbereitung für die Sekunda sämmtlicher höherer Lehranstalten (Gymnasium, Realgymnasium, Realschule) sowie Ueber- mittelung einer über das Ziel der Volksschule hinausgehenden, abgeschlossenen Bildung.
Selbstverständlich kann dieser neue Lehrplan nicht chon jetzt für alle Klassen in Kraft treten, er gilt vielmehr zunächst nur für die unterste Klasse Sexta, und schreitet so allmählich von Klasse zu Klasse fort. Doch empfiehlt es sich lür die Schüler der jetzigen Sexta, welche später nicht auf das Gymnasium übergehen wollen, statt der Wetterführung des Lateinischen Französisch zu nehmen, und auch in den übrigen Klassen wird es sich ermöglichen lassen, die Realgymnasiasten auf ihren Wunsch von einem Theil der lateinischen Stunden zu befreien und diese durch entsprechend höhere Stundenzahl im Französischen, Deutschen und in der Mathematik bezw. Rechnen zu ersetzen.
Die Erweiterung des Lehrzieles der Schule rechtfertigt sich durch das verschiedene Bildungsbedürfnis de die Anstalt besuchenden Schüler. Diese scheiden sick in zwei Gruppen: erstens solche, welche später das Gymnasium und die Universität zu besuchen beabsichtigen, und zweitens solche, welche von vornherein entschlösse: sind, sich einem praktischen Lebensberuf zu widmen, sie mit Recht aber eine möglichst gute Schulbildung erwerben wollen, mag dieselbe nun mit der Konfirmation ihren Abschluß finden oder bis zur Erlangung.der Berechtigung zum einjährigen Militärdienst fortgeführt werden. Bisher fand in vollem Maße nur das Bildungsbedürfnis der ersten Gruppe Befriedigung, auch nach der seit 1894 getroffenen Einrichtung, daß als Ersatz für Griechisch. Englisch und kaufmännisches Rechnen ge wählt werden kann. Denn Latein — wofür mehr als '/^ sämmtlicher Unterrichtsstunden bestimmt ist — mußten die Schüler, welche von dieser Wahlfreiheit Gebrauch machten, ebenso mitnehmen wie die anderen, obwohl sie vom Lateinischen nicht mehr Vortheil hatten als vom Griechischen. Diese einseitige Begünstigung der gymnasialen Richtung war um so ungerechtfertigter als weitaus die Mehrzahl aller Schüler zur zweiten Gruppe gehörten. Daß für diese aber eine reale, den praktischen Bedürfnissen des Lebens entgegenkommende Bildung die entschieden beste ist, liegt auf der Hand. Dies gilt auch für die, welche Lehrer werden wollen und in richtiger Einsicht des großen Werthes, den die Kenntnis fremder Sprachen hat, vor dem Besuche der eigentlichen Fachanstalten, Präparandenschule und Seminar, wo naturgemäß nur unvollkommene Gelegenheit zur Erlernung fremder Sprachen geboten werden kann, sich dieselbe zu erwerben suchen. Von Latein haben sie wenig oder gar keinen Nutzen, vom Französischen sehr große«.
Man darf hoffen, daß diese Aenderungen der Schule nicht nur keinen Schaden bringen, vielmehr ihr Gedeihen und weiteres Wachsen beträchtlich fördern werden. Ohne die alte, schon in der historischen Vergangenheit der Schule begründete Anknüpfung an das Gymnasium aufzugeben, ist zugleich doch auch den modernen Be- dürfnissen Rechnung getragen und damit der Anstalt die Möglichkeit geboten, nicht nur wie bisher einem verhältnismäßig engen Kreijk zu dienen, sondern wirk
lich den weitesten Kreisen der Bevölkerung Nutzen und Vortheil zu bringen.
Don Juan.
Erzählung aus dem kubanischen Aufstande von Gustav Langen (Schluß.) Nachdruck verboten.
„Bist wohl von Sinnen!" brauste der Marquis auf und sprang wie elektrisirt von seinem Sitz empor. „Wer sollte denn dem lieben Kinde ein Leid anthun wollen?»
„Die Maja lügt nicht, Sennor, es ist doch so und der gehabte Schreck hat meine Herrin wieder ganz krank gemacht, sodaß sie jetzt draußen liegt zum Erbarmen."
In dem alten Herren dämmerte ein schrecklicher Verdacht auf; die Bestimmtheit, mit welcher die alte Negerin ihre Erzählung vortrug, ließ nicht gut Zweifel an ihren Worten entstehen. Sein Gesicht war erdfahl geworden und er mußte sich mit der Hand auf den nächsten Sessel stützen, um nicht unzusinken. Die schwere Beschuldigung hatte ihn aufs tiefste erschüttert — ein Gi tmordversuch in seinem Schlosse und noch dazu an dem jungen Mädchen, welches er trotz ihres kurzen Hierseins liebgewonnen hatte.
„Ich werde die Angelegenheit untersuchen," sagte nach einiger Zeit der Marquis, nachdem er seine Fassung einigermaßen wiedergewonnen hatte. „Kein Mensch erfährt etwas über den Vorgang, verstanden!"
Ohne erst eine Antwort der Dienerin abzuwarten, wankte der alte Herr aus dem Gemach. Er unterließ es, erst nach die näheren Umstände zu forschen, er begnügte sich mit dem kurzen Bericht der Negerin, dieser genügte ihm, um seinen Verdacht nach einer bestimmten Richtung zu lenken; es war ihm zu schrecklich, aus dem Munde der untergeordneten Person den Namen derjenigen zu erfahren, auf die sich sein Verdacht lenkte. Er war allerdings auf eine heftige Szene von feiten Jsabellas gefaßt, sobald sie erfuhr, daß sein Sohn eine andere zur Gattin bestimmt, aber diesen Ausgang hatte er nicht erwartet.
„Der hat einen schönen Schreck bekommen," murmelte Maja vor sich hin, als der Marquis sie verlassen, denn die große Veränderung an dem alten Herrn war ihr nicht entgangen.
Zuerst lenkte Marqnis de Saleedo seine Schritte nach den Gemächern Jsabellas, doch dort erhielt er von der Zofe den Be'chcid, die Donna habe dieselben bereits seit einer geraumen Zeit verlassen und sei noch nicht wieder zurückgekehrt; nun begann er in allen Gemächern des Schlosses nach ihr zu suchen.
„Vielleicht hat sie sich ein Leids angethan?" sprach er vor sich hin und ging nach dem Park, in der Meinung, vielleicht dort eine Spur von der Unglückseligen zu finden.
Als er so wie geistesabwesend die schattigen Parkgänge dahinschritt, führte ihn auch der Weg an der Schloßkapelle vorbei. Wie von ungefähr warf er seinen Blick durch die offene Thür in das Heiligthum und da ah er, wie vor dem kostbaren Altarbilde eine Frauen- sestalt kniete, die Hände flehentlich zu dem Altarbilde emporgehoben.
Kein Zwei'el — die Beterin war Jsabella, welche ich hierher geflüchtet, um Vergebung für lhr schweres Vergehen zu erflehen. Der alle Herr kämpfte einen Augenblick mit sich selbst — endlich schien er einen :eften Entschluß gefaßt zu haben — er trat in die Kapelle ein.
Die schöne Büßerin schreckte durch den Schall der tte aus ihrer Andacht auf und wandte sich um — der Ausdruck ihres Gesichtes war zum Erbarmen — gar deutlich stand darin ausgedrückt, was sie empfand. Sie verließ ihren Platz vor dem Altar und warf sich einige Schritte vor ihrem Onkel zu dessen Füßen nieder.
Gnade! Gnade!" bat sie schluchzend, denn der Blick, der sie aus ihres Onkels Augen getroffen, hatte ihr sofort verkündet, daß er um ihre That schon wußte.
„Steh aus! Kein Wort weiter! Geh auf Dein Zimmer und bereite Dich sofort zur Abreise vor, in einer Stunde erwartet Dich ein Wagen unten im Schloßhof — er wird Dich dahin führen, wo Dir Gelegenheit geboten sein wird, zu bereuen und fortan ein gottgefälliges Leben zu führen.»
Ohne Jsabella eines Blickes zu würdigen, verließ