ZchlWernerZttung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 15. Februar 1899.
50. Jahrgang.
üoftoIhtttAMI nuf bie .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - - - -----------1 Postanstalten und Landbriesträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser nahm am Sonnabend an einem größeren Essen Theil, welches beim kommandirenden Admiral v. Knorr in dessen Wohnung stattfand. Der Kaiser war bei vorzüglicher Laune und führte eine lebhafte Unterhaltung. - Wie verlautet, soll in Kurzem der Schwager des Kaisers, Prinz Adolf von Schaum- durg-Lippc an Stelle des Fürsten Hohenlohc-Langeu- burg Statthalter von Elsaß-Lothringen werden.
— Die diesjährigen Kaisermanöver finden bekanntlich wieder in Süddeutschland statt; das 13. württem- bergische, das 14. badische und 15. clsässische Armeekorps sind da ür bestimmt. Eine Betheiligung der Cavallerie daran ist auch diesmal in Aussicht genommen. Bei dem Württembergischen und badischen Armeekorps wird je eine Cavallerie - Division aufgestellt, die besondere Cavallcrie-Uebungen abhalten und dann an den Kaisermanövern thcilnehmcn sollen, und zwar erhält das 13. Corps die 25. großherzoglich Hess. Cavalleriebrigade zugetheilt. Außerdem wird sich bei dem 13. u. 14 Corps je eine Luftschifferabtheilung befinden.
— Sommeruniform für die Postbeamten. Auf kaiserliche Bestimmung soll den bisherigen DienstkleidungS- stückcn der Unterbeamten der Reichspost- und Telegraphenverwaltung ein Sommerrock hinzutreten. Der Sommcrrock wird nach der »Deutschen Verkchrs-Ztg" aus leichtem dunkelblauen Wollstoff in Litewkemorm hergestellt. Der Umlegekragen aus demselben Stoffe ist vorn auf beiden Seiten mit einem 60 mm langen und 30 mm breiten Spiegel aus orangefarbenem Tuch besetzt. Für die eingestellten Unterbeamten wird in der Mitte des Spiegels eine 9 mm breite Goldtresse ange- bracht. Die Unterbeamten, welchen zu ihrer Amtsbezeichnung das Prädikat „Ober" beigelegt worden ist, tragen außerdem aus beiden Seiten einen goldenen Stern nach Art der Sterne an den Kragen der Beamten. Zum Schließen des Rockes dienen fünf polierte Knöpfe aus gelbem Metall mit ausgeprägtem kaiserlichen Adler. Der Rock wird zugeknöpft, dazu eine schwarze Halsbinde getragen.
— Die Budgetkommission des Reichstages bewilligte eine Vermehrung der Fuß-Artilleric um 69 Haubitzen- Batterien.
Strossen, 10. Fcbr. In der vergangenen Nacht wurden, wie das „Krossener Wochenblatt" mittheilt, vom Grabe des verstorbenen Grafen Caprivi die Quasten von den vom Kaiser und vom König von Sachsen gespendeten Kränzen gestohlen.
Bom Kyffhäuscr, 8. Febr. Die Gelder für das Kyffhäuserdenkmal fließen jetzt wieder etwas reichlicher, da der Beschluß, innerhalb der zum Deutschen Kriegerbunde gehörigen Vereine am Kaisersgeburtstage zu sammeln, am letzten Kaisersgeburtstage zum ersten Male zur Ausführung gebracht worden ist. Hiermit soll so lange fortgefahren werden, bis der Denkmals-, fehlbetrag beisammen sein wird. Leider fallen infolge dessen allerdings die Kmsersgcburtstagssammlungen für die Kriegerwaisenhänser fort.
Elbrrfcld. In dem Elberfelder Scandalproccß gegen Dr. Z. und Genossen wegen absichtlicher Untauglich- machung zum Militärdienst sind bereits 53 junge Männer als Zeugen vernommen worden. Den militärpflichtigen Personen sollen Pillen, nach deren Genuß eine erhöhte Herzthätigkeit eintreten mußte, ausgehändigt worden sein. Die Untauglichkeit zum Waffendienst erschien bei den Personen, die nach dem Gebrauche der Pillen von Militärärzten untersucht wurden, erwiesen.
Sonderslebe», 10. Febr. Vor einiger Zeit wurde bei einer Rcvlsion der hiesigen Darlehnskasse die überraschende Entdeckung gemacht, daß ein Vorstandsmitglied, dem man das größte Vertrauen geschenkt, etwa 72,000 Mark Kassengelder im Laufe der Jahre unterschlagen habe. Der Betreffende, der Kaufmann und Stadtrath Lorenz, wurde in Haft genommen, jedoch aus Gesundheitsrücksichten wieder aus freien Fuß gesetzt. Trotzdem man am alle mögliche Art bemüht war, die Mitglieder der Kasse zu beruhigen, hat nun doch das Institut gestern seine Zahlungsunfähigkeit erklärt. Es $ dies ein harter Schlag für viele hiesige Einwohner,
Lokales und Provinzielle
* Schlüchter«, 14. Febr.
* — Als ordentlicher Lehrer am hiesigen Progymnasium ist Herr H. Fladung. z. Zt. wissenschaftlicher Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften in Angermünde, vom Schulvorstand gewählt und durch das Königl. Provinzial-Schulkollegium zu Kassel bestätigt worden. Herr Fladung, dem der Ruf eines sehr tüchtigen Lehrers vorausgcht, tritt sein Amt am 1. April, mit Beginn des neuen Schuljahres, an. — Von dem gleichen Zeitpunkt ab sollen dem Vernehmen nach versch ebene Aenderungen des seitherigen Lehrplans in Kraft treten. Etwas genaueres hierüber zu hören, würde sicherlich allen Eltern erwünscht sein.
— Der Aprilumzug wird in diesem Jahre ganz besonderen Schwierigkeiten begegnen. Der 1. April fällt auf einen Samstag dann auf den 2. und 3. April der erste und zweite Osterfeiertag,. auf den 31. März also der Charfreitag. In jedem Falle wird der Umzug, namentlich den Miethern größerer Wohnungen, besondere Unannehmlichkeiten schaffen.
Fulda. In jüngster Zeit tauchte hier ein Unterstadtbahn Projekt ant, dem man in industriellen und Handclskreijeu lebhaftes Interesse entgegenbringt und das in den Blättern sympathisch besprochen wird. Es ist eine Menge großer Fabriken hier und in nächster Umgebung entstanden; die meisten haben einen bedeutenden Wagenladungsverkehr; einzelne beziehen und versenden wöchentlich 25 bis 30 Waggon ohne ein directen Bahnanschluß, müssen also entweder eigenes Geschirr halten oder Spediteure in Anspruch nehmen. Nach den Kosten- voranichlägen würde die Ausführung des Projects einer Unterstadtbahn in einer Länge von 4 kni 5— 600 000 Mk. kosten, zu welchen die Stadt, die Interessenten und die Eisenbahnverwaltung ihren Theil beitragen müßten.
Neukirchen (Kr. Hümeld), 8. Februar. In unserem Kreise ist die Diphteritis wieder auf dem Plan und fordert ihre Opfer. Ein Burghauner Elternpaar hat an jedem der drei letzten Sonntage eins seiner an DiphtheritiS verstorbenen lieben Kleinen zu Grabe geleitet, während ein viertes im Fuldaer Krankenhause und ein fünftes zu Hause an derselben Krankheit dar, niederliegen. ,
HcrSfeld, 10. Febr. Wie die „Hersfelder Ztg." meldet, ist die Errichtung einer Telegraphenstangen-Zn- bereitungs Anstalt zwischen Hers'eld und Friedlos in Aussicht genommen. Hier sollen die frisch geschlagenen Hölzer nach der Methode deS französischen Arztes Boucherie imprägnirt werden, um sie gegen Fäulniß und Wurmfraß zu schützen. Durch den Druck einer Wassersäule wird eine Lösung von Kup ervitriol aus einem hochgelegenen Reservoir durch Röhren derart gegen das Hirnende deS Holzstammes geleitet, daß die Lösung nur
denn etwa 50 — 60 Personen, meist Handwerker und sogenannte kleine Leute, verlieren auf solche Weise ihre ganzen Ersparnisse.
Ausland.
Petersburg, 10. Febr. Die Russische Telegraphen- Agentur meldet aus Krasnojarsk: Der Goldminenbe- sitzer Monasistrschin erhielt hier einen Brief des Inhalts, Tungusen hätten am 15. Januar den Polizeichef mitgetheilt, daß sie am 7. Januar zwischen Komo (?) und Pet im Jenisseibezirk, 150 Werst von dem Sawinschen Goldgebiet eine Hütte aus Stoff und Tauwerk in der Art eines Ballons gesunden hätten. Nicht weit davon hätten drei menschliche Leichname, einer mit gebrochenem Schädel, und rings herum zahlreiche ihnen (den Tungusen) unbekannte Instrumente gelegen. Der Polizeichef ist, wie der Brief weiter besagt, sofort abgereift, um die Sache zu untersuchen. Man vermuthet, daß es sich um den Andreeschen Ballon handelt.
Valparaiso, 10. Februar. Dem Reuter'schen Bureau wird aus Bolivien vom 9. Februar gemeldet: Ein Gebäude der in chilenischem Besitze befindlichen Bergwerke von Corocoro wurde von mehr als 1000 Indianer umzingelt und geplündert. Der Direktor, seine Frau und ein Beamter suchten zu entkommen, indem sie 30u0 Dollars für ihr Leben boten. Als daS Angebot abgeschlagen wurde, erschoß der Direktor seine Frau, den Beamten und dann sich selbst. Das Vor- kommniß dürfte zu Schwierigkeiten zwischen Bolivien und Chile führen.
in die Poren des Holzes eintreten, nirgends aber seitlich ausfließen kann. Die Anstalt soll bereits vom 1. März ab eingerichtet werden und einen solchen Umfang erhalten, daß jährlich bis zu 24,000 Stangen zubereitet werden können. Zum Betriebe der Anstalt sind außer den Sachverständigen ungefähr 40 Tagearbeiter erforderlich, von denen 15 beieit§ vom 1. März ab eingestellt werden sollen.
Rotenburg, 7. Februar. Nach einem heute morgen eingelaufenen Schreiben Seiner Hoheit des Landgrafen Alcxis hält der Kriegsminister das Gelände und die örtlichen Verhältnisse von Rotenburg als ungeeignet zur Aufnahme eimr Garnison und lehnt es deshalb ab, Rotenburg als Garnisonsort Sr. Majestät dem Kaiser zu empfehlen. Es waren also alle Mühen und Anstrengungen vergeblich.
Melsungen, 8. Februar. Seit gestern hat hier eine allgemeine Aufregung Platz gegriffen. Der Schwiegersohn des früheren Bürgermeisters Lotz, der Kaufmann und Sparkassenrendant Ahrens, klagte gestern Vormittag über Unwohlsein. Gegen 12 Uhr verließ er trotz Ab- rathens seiner Angehörigen seine Wohnung, um, wie er sagte, frische Luft zu schöpfen. Er hat den Weg durch die Vorstadt und unter dem Viadukt durch nach dem Lindenberg zu genommen. Seitdem ist er nicht mehr gesehen worden. Da die sofort nach dem Verschwundenen angestellten umfangreichen Nachforschungen bis jetzt erfolglos verlaufen sind, liegt die Annahme nahe, daß dem im besten Alter stehenden Manne ein Unfall zugestoßen ist. — Jetzt stellt sich heraus, daß Ahrens flüchtig ist; er wird bereits steckbrieflich ver olgt, weil er einen bedeutenden Betrag aus der städtischen Sparkasse unterschlagen hat. Bei der heute Morgen in Gegenwart des Herrn Landrathes vorgenommenen Revision vermißte man die @mpfangSbe;d)einigungen über zwei Beträge von je 10,000 Mark und 15,000 Mark, welche nach der Rechnung im November 1897 und Februar 1898 zur Reichsbank durch A. abgeführt werden mußten, jedoch wie sich auf Anfrage bei der Bank herausstcllte, von A. veruntreut worden sind. Ferner fehlten noch ca. 1000 Mark in der Tageskasse, die von Verwandten des A. gedeckt sein sollen. Heute Nachmittag wurde Arrest aus sämmtlichen Besitz des A. gelegt.
Melsungen, 10, Februar. Die Veruntreuungen des Sparkassenkassirers Ahrens lassen sich bis auf etwa 4 Jahre zurückführen und hat Ahrens bei den jährlichen Revisionen jedesmal dementsprechend die Journale gefälscht. Er konnte dies um so leichter, als er keinen direkten Vorgesetzten mehr über sich hatte. Die unterschlagene Summe beläuft sich, wie vo- läufig festgestellt, auf 26 800 Mk Dazu kommen aber noch kleinere Beträge über Einlagen, Depositen, die sich erst nach einer genauen Untersuchung jeftftellen lassen, sodaß an 30 000 Mark nicht viel fehlen dürfte. Es fiel seinen Untergebenen in der letzten Zeit auf, daß Ahrens häufig zerstreut war. Das mag wohl daher kommen, daß er in Kürze eine außergewöhnliche Revision zu befürchten hatte und nun doch an die Möglichkeit dachte, daß die Unterschlei en an's Licht kämen. — Heute ist über das Vermögen Ahrens der Konkurs erklärt und Rechtsanwalt und Notar Spohr zum Konkursverwalter ernannt worden. Desgleichen find die Außenstände des in Mitleidenschaft gezogenen früheren Bürgermeisters Lotz mit Beschlag belegt worden. Allgemeine Verwunderung und Mißbilligung ist dadurch hervorgerufen, daß dem letzteren gestern von der Sparkasse noch 4000 Mark aus einem Guthaben ohne vorherige Kündigung ausbezahlt worden sind, während man sich sonst bet derartigen Fällen auf die Statuten beruft und selbst die Auszahlung von kleineren Beträgen verweigert. Den Umfang der ganzen Schuldenlast anzugeben, ist heute unmöglich, da nach Veröffentlichung der traurigen Angelegenheit die Forderungen von allen Seuen entlaufen und nicht im mindesten von Cassel, von wo etn Herr sich heute mit einer Fordei ung von 4000 Mark meldete und die Einleitung des Konkursverfahrens beantragte. Betrügereien an Spar- und Darlehnskassen gehören ja leider nicht mehr zu den Seltenheiten, wohl aber, daß die in einer so plump ausgelührlen Weise, wie es hier der Fall gewesen ist, gemachten Unterschlagungen so lange un- entdeckt geblieben sind. Die Hauptschuld trifft den Kontrolleur, der den zu kontrollierenden Kassierer mit 25000 Mk. nach Kassel fahre« ließ - einmal mit 15 OUQ