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WüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

tM 11. Mittwoch, den 8. Februar 1899. 50. Jahrgang.

PofiMIlttiAMI auf ^ -Schlüchterner Zeilung" pim UHyMl werden noch fortwährend von allen .1 ^------------ Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wohnte am Freitag Abend dem von dem Oberpräsidenten Achenbach den Mitgliedern des brandenburgischen Provinziallandtages gegebenen Diner bei. Anknüpfend an die Worte des Öbcrprüsidenlen über die Thaten des Hohenzollernhauses führte der ' Kaiser aus. die Hohenzollern hielten sich von jeher Gott gegenüber persönlich für ihr Wirken verantwortlich; auch habe die Verantwortlichkeit gegenüber dem Volke allen Hohenzollern innegewohnt. Der Kaiser gedachte sodann seiner Oiientrcise Er habe, auf dem Oelberg stehend, sich aufs neue den Fahneneid geschworen, nichts unversucht zu lassen zum Heile des Volkes. Der Kaiser schloß mit einem Hoch aus die Mark Brandenburg und die Märker.

Der Kaiser hat eine Anzahl Orden des Fürsten Bismarck, die neulich durch den Fürsten Herbert Bismarck zurückgegeben wurden, der Ruhmeshalle überwiesen. Es sind dies der schwarze Adlerorden, der Wilhelmsorden, die Kriegs- und Friedensklasse des Ordens pour le merste, das Großkreuz und den Stern der Großkomture des Hohenzollerschen Hansordens.

Dreißig türkische Offiziere reisen, wie aus Kon- stautinopel gemeldet wird, in der nächsten Woche behn s Eintritts in die deutsche Armee ab und werden vom Marschall Kamphoevener Pascha dorthin begleitet. In früherer Zeit überstieg der Turnus der in deutsche Dienste tretenden Offiziere niemals die Zahl 12.

Wie die Blätter melden, soll in der Spandauer Gewehrfabrik ein neues deutsches Jufanteriegewehr in Arbeit sein. Es wird dort mit Ueberstunden gearbeitet, vom 1 April ab sollen täglich 80 Gewehre fertig geltest werden Kürzlich wurden bekanntlich zwei an diesem Werk betheiligte Arbeiter vom Kaiser ausgezeichnet

* Frauen als Aerzte. Diejenigen Damen, die an einem deutschen Gymnasium das Abiturientenexamen rite gemacht habe, sollen, wie berichtet wird, zu Ablegung der medizinischen Prüfung zugelassen werden und danach die Approbation erhalten. Der Beschluß sei bereits vom Buudesrnth gefaßt worden, so daß die ersten Prüfungen in diesem Semester abgelegt werden können.

Umfragen nach der Brauchbarkeit weiblicher Beamten an den Fernsprechstellen haben ergeben, daß die Damen in der Regel besser hören und in Folge ihrer höheren Stimmlage auch durch den Fernsprecher besser verständlich sein sollen, als ihre männlichen Kollegen. Auch gelten sie im Allgemeinen als aufmerksamer und geduldiger als jene. A?s ein Hauptvorzug wird an- geführt, daß sie billiger arbeiten als Männer.

Ersparnisse deutscher Seeleute. Seit einer Reihe von Jahren ist vom Auswärtigen Amt die Ein- i richtung getroffen, daß deutsche Seeleute im Auslande ihre Ersparnisse durch Vermittelung der deutschen Kon­sulate kostenfrei in die Heimath gelangen lassenJöntien.

S Diese Einrichtung hat sich bewährt und die Teeleute haben von der ihnen gewährten Vergünstigung in immer zunehmendem Maße Gebrauch gemacht. Im Jahre 1878 wurden gegen 36 000 Mk. und im Jahre

' 1898 über 176 000 Mk. solcher Ersparnisse durch Ber­mittelung der Konsulate nach Deutschland überwiesen. Crossen, 6. Febr. Der frühere Reichskanzler Graf Caprivi ist heute Vormittag auf dem benachbarten Gute Skyren gestorben.

Königsberg, 30. Jan. In dem Kirchdorfe War- Puhnen sind beim Schlittschuhlaufen auf dem Dorf­teiche viele Kinder eingebrochen. Ueber 20 sind ertrunken.

Kiel, 3. Febr. Die Pfändung sämmtlicher Ein­wohner im Dorfe Sievershütten infolge ihrer Weigerung, die fälligen Kirchensteuern zu entrichten, scheint jetzt zu einem Schritt Veranlassung zu geben, den die Kirchen behörde bei dem Erlaß der Zwangsmaßregel schwerlich in Betracht gezogen hat. Bekanntlich wollen die Sievers- hüttener von ihrer Einverleibung in die Kirchengemeinde Todesfelde nichts wissen. Die Erbitterung ist nun der­art. gewachsen, daß die Bewohner mit einem Massen- austritt ans der Landcskiiche drohen, falls die P äu- dung nicht rückgängig gemacht und die alte Ordnung wieder hergestellt wird,

jahres 1898/99 bereits am 3. d. Mts. fällig gewesen, die zweite Rate der Kreis-Umlage für das Etatsjahr 1898/99 am 8. d. Mts. fällig ist.

* Alle diejenigen, welche Interesse daran haben, ob die Kleinkinderschule wieder eröffnet werden und weiterbestehen soll in unserer Stadt, seien nochmals auf die in unserem Blatte angekündigte Generalversammlung des Diakonievereins hingewiesen. In dieser wird über das Weiterbestehen oder Nichtweiterbcstchcn der Klein­kinderschule Beschluß gefaßt werden. Vollzähliges Er­scheinen aller Interessenten ist daher nöthig.

* Für Taubenliebhaber kann die ebenso alte wie üble Gewohnheit, sich zugeflogene Tauben kurzer Hand anzueignen, jetzt unter dem Eindruck des Gesetzes zum Schutz der Brieftauben schlimme Folgen haben. So wurde kürzlich in Spandau ein SDlalermeifter, der eine in feinen Schlag verirrte Taube des Militärbrieftauben- vereinsEile" behalten hatte, deshalb zu drei Wochen Gefängniß verurtheilt.

* - Nach Rudolf Falb's Wettervorhersagungen ist der 10. Februar ein kritischer Tag 1. Ordnung, an welchem sich wahrscheinlich ein Nordlicht zeigen wird.

Vom neuen Armeecorps. Die baut Elften zum Achtzehnten (Frankfurter) Armeekorps übertretenden Infanterie-Regimenter Nr. 80, 8 l, 87, 88, 166 und 168 werden vom 1. Oktober ab blaue Achselklappen mit rother Regimentsnummer erhalten, während den vier alten großherzoglich hessischen Regimentern 115118 ihre traditionellen Regimentsfarben roth, weiß, blau und gelb in der Farbe der Ach Mappen erhalten bleiben. Von der Kavallerie des Elften Armeecorps treten die beiden großherzoglich hessischen Dragonerregimenter Nr. 23 und 24, die thüringischen Ulanen Nr, 6 und die hessischen Husaren Nr. 13 zum 18. Corps über, dem außerdem das großherzoglich hessische Trainbataillon Nr. 25 zugetheilt wird, während von der Aufstellung eines Jäger- und eines Pionierbataillons vorläufig ab­gesehen wird itnb Jäger- und Pionierbataillon Nr. 11 beim Elften Armeecorps bleiben.

* Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Dezember 1898 sind von versicherten Personen des Kreises Schlüchteru durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern im Ganzen 171 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende Dezember 1898 zur Erledigung: 103 durch Fest­setzung des Rentenanspruchs, 67 durch Ablehnung, 1 durch den während des Verfahrens eingetretenen Tod der Antragsteller rc. Die bewilligten Altersrenten be= trugen: für 75 männliche und 28 weibliche Personen zusammen jährlich 12,393 Mark Pfg. Von den 103 Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: 59 in der Land- und Forstwirthschaft, 8 in der Industrie, im Handel und Verkehr, 14 dnrch Lohnarbeit wechselnder Art, 14 im Staats- rc. Dienste, 8 im Ge­sindedienste. Ende Dez. 1898 blieben, nach Abgang durch Tod rc., noch 62 Altersrenten mit zusammen 7,633 Mark 20 Pfg. zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 18M, von welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Dezember 1898 durch Ver­mittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 175. Davon kamen bis Ende Dezember 1898 zur Erledigung: 105 durch Festsetzung des Rentenan- spruchs, 44 durch Ablehnung, 21 auf sonstige Weise. Die festgesetzten Invalidenrenten betrugen für 82 männ­liche und 23 weibliche Personen im Ganzen jährlich 13105 Mark 80 Pfg. Von diesen Personen waren beschäftigt: 49 in der Land- und Forstwirthschaft, 24 in der Industrie, 2 im Handel und Verkehr, 1 10 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 6 im Staats- rc. Dienste, 14 im Gesindedienste. Nachdem 36 Invaliden­renten durch Tod der Empfänger und 2 durch Wieder­gewinnung der Erwerbssähigkeit der Empfänger rc. in Abzug gekommen waren, blieben Ende Dezember 1898 noch 67 Invalidenrenten im Gesammtbetrage von jähr­lich 8382 Mark Pfg. zu zahlen.

Fulda, 2. Febr. Nachdem es keine Frage mehr ist, daß die Militärforderung im Reichstag genehmigt wird, tritt man bezüglich des hiesigen Kasernenbaucs bestimmter hervor. Derselbe soll sich auf drei Jahre erstrecken und wird also erst 1901 ganz fertig sein. Zunächst werden nur Gebäulichkei'en für eine Abtheilung

Charlottenburg. Ein Fall von sozialdemokratischem Terrorismus ereignete sich nach derMärkischen Volksztg " vor kurzem in Charlottenburg. Auf einem Bau in der Achcnbachstraße 7 arbeiteten neben den Maurern auch 11 Steinträger, von denen acht gar keiner Or ganisation, dagegen drei dem christlichen VereinArbeiter- schny" angehörten. Anfang Dczem er stellten nun im Einvernehmen mit der Lohukommission der iozialdemo- kratischen Gewerkscha t der Maurer die auf dem Bau beschäftigten organifirten sozialdemokratischen Maurer an die genannten drei Mitglieder des VereinsArbeiter­schutz ' die Frage ob siereine Wäsche" hätten, d. h. ob sie keiner sozialdemokratischen Gewerkschaft angehörten, die Papiere hierüber vorzeigen könnten und ob diese in Ordnung seien. Die drei Gefragten antworteten, sie seien organisirt imArbeiterschutz und wiesen auch die diesbezüglichen Papiere, welche sich in Ordnung befanden, vor. Daraufhin hatten dieGenossen" an dem Verein Arbeiterschutz" allerlei auszusetzcu, auch erkannten sie diesen Verein nicht an, vielmehr verlangten sie von den drei christlichen Arbeitern, sie müßten sich in den social­demokratischen Verband für die Erd-Hilfs-Arbeiter auf­nehmen lassen. Als diese wie auch die übrigen acht Steinträger ein solches Verlangen ablehnten, gaben ihnen die Genossen Bedenkzeit bis Dienstag. 6. Dezember. Als ihr Verlangen bis zu diesem Tage nicht erfüllt worden war, legten die auf dem genannten Bau be­schäftigten sozialdemokratischen Maurer die Arbeit nieder und stellten an den Arbeitgeber das Verlangen, die elf Steinträger zu entlassen, da sie mit denselben keine Stunde länger zusammenarbeiten würden. Der Bau­meister sah sich, um den Fortgang der Arbeit nicht zu stören, gezwungen, das Verlangen derGenossen" zu erfüllen und die Arbeiter sofort zu entlassen. Unter den 11 Entlassenen sind 10, die eine Familie mit mehreren Kindern zu ernähren haben.

Dortmund. Um seinem Freunde einen Gefallen zu thun, nahm der Bergmann Otto Berger von der Zeche Kaiserstuhl eine Dynamit-Patrone mit und zeigte sie dem Freunde. Die Sache kam zur Anzeige und Berger wurde in Dortmund zu 8 Monaten Gefängnis ver- urtheilt, weil er ohne polizeiliche Erlaubnis im Besitz von Dynamit war.

Mainz, 2. Febr. Eine hiesige Frau verbrannte dieser Tage ein Couvert in der Meinung, es sei leer und werthlos. Wie groß war a? ; ihr Schrecken, als sie die Wahrnehmung machte, daß I das Salair ihres Mannes, drei Hundertmakscheine, vennnt hatte.

Ausland.

Rom. Nach einem Telegramm desSccola" aus Buenos-Aires beabsichtigen italienische Aktionäre, 2500 Quadratkilometer Land anzukaufen und deponirten hierzu 500 000 Franken in Gold, unter der Verpflichtung in Argentinien mindestees 35 000 italienische Ackerbauer einzuführen.

China. Die Tage des Kaisers von China, dessen Nachfolger von der Kaiserin-Regenlin bereits erkoren ist, sind gezählt. Er büßt seine Vermessenheit, Re­formen im Lande der Mitte einzuttihren, zweifellos mit dem frühen Tode.. In einem auf der Mitte eines Sees befindlichen Pavillon wird der unglückliche Sohn des Himmels" thatsächlich gefangen ge halten; er darf über eine Zugbrücke hinweg sich nur dann in den Palast begeben, wenn ihn die Kaiserin zu sprechen wünscht. Wie streng die Bewachung ist, geht schon daraus hervor, daß das Eis, welches sich auf dem den kaiserlichen Pavillon umgebenden See bildete, sofort zertrümmert wurde, damit sich nicht etwa eine ver­dächtige Person dem Herrscher nähere und ihm zur Flucht verhelfe. In Hangtschan (China), ist ein Pulvermagazin in die Luft geflogen, wobei 2000 bis 3000 Menschen umgekommen sein sollen Von dem in der Nähe des Magazins befindlichen Soldatenlager von 1500 Mann nebst einem General ist Niemand mit dem Leben davongekommen. Im Umkreise von 3 Kilometern sind sämmtliche Häuser zertrümmert und die darin be­findlichen Familien getödtet worden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 7. Febr.

* Wir wollen nicht unterlassen, darauf auf­merksam zu machen, daß die Staats Einkommen- und Ergänzungssteuer für das letzte Vierteljahr des Steuer­