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SchlWernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

32 9. Mittwoch, den 1. Februar 1899. - 50. Jahrgang.

Nostplllin-isn E dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -' -<"»'.". 'j-l1 1 - Postanstalten und Landbriesträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Eine kaiserliche KabinetSordre ist unter dem 24. Januar an das General-Kommando des 11. Armeekorps ergangen; sie lautet:Als Mein in Gott ruhender Herr Großvater im Jahr 1870 zum Schutze von Deutschlands Ehre und Unabhängigkeit sein Volk zu den Waffen rief, schaarten sich Hessens Söhne voller Begeisterung unter seine Fahnen. An den blutigen Tagen von Wörlh, Sedan, Orleans, Le Mans, St. Quentin, vor Metz und vor Paris bewahrten sie die alte, hessische Tapferkeit in neuen Großthaten, würdig der Ahnen, die in zahllosen Kämpfen, auf den Schlacht­feldern von ganz Europa und in der neuen Welt un- verwelkliche Ruhmeskränze um ihre Fahnen gewunden hatten. Für diese Hingebung und Treue spreche ich den alten hessischen Kriegern heute erneut meinen könig lichen Dank ans. Diesen Dank zolle ich auch den tapferen Söhnen Nassaus, die eingedenk des von den Vätern in Spanien und bei La Belle Alliance errungenen Ruhmes mit ihren hessischen Waffenbrüdern in Aus­übung aller Kriegertugenden gewetteifert und mitgewirlt haben. daß die Tage von Wörth und von Sedan Ehren tage deutschen Heldenmuths wurden. Ich will meinem Herzenswünsche, den Ueberlieferungen großer Vergangen­heit in meinem Heere eine Stätte liebevoller Pflege zu bereiten, dadurch eine Genüge leisten, daß ich diejenigen preußischen Truppentheile, welche im Jahre 1866 hessische oder nassauische Stämme in sich au genommen haben, zu Trägern von deren Geschichte bestimme. Ist es auch nicht angängig, die hessischen -Regimenter, welche den Ereignissen des Jahres 1806 erlegen sind, als in bin fettigen Truppentheilen forlbcstehcnd anzuerkennen, die erst nach Vernichtung der Fremdherrschaft wieder aus­gestellt sind, so weiß ich doch, daß auch deren Thaten in den Regimentern meines tapferen 11. Armeekorps unvergessen bleiben und in ihnen bis in die fernste Zukunft vorbildlich wirken werden."

Prinz und Prinzessin Heinrich werden im Laufe des Monats Februar Kiautschou besuchen. In der Kolonie sind Vorbereitungen zu einem festlichen Empfang bereits im Gange. Zur Heimreise gedenkt die Prinzessin Irene denselben Lloyddampfer zu benutzen, der ihr für die Ausfahrt zur Verfügung stand. Innerhalb der ersten Maihälfte erwartet man die Prinzessin in Deutschland zurück.

Wie in militärischen Kreisen verlautet, soll der gesammten Fcldartillerie Haarbüsche verliehen und Rangabzeichen an den Mänteln eingeführt werden. Auch von entgiltigem Wegfall der Epaulettes ist die Rede, die jetzt schon bekanntlich auf den Parade- und Gesellscha tsanzug beschränkt sind.

Berlin, 26. Jannar. DerVossischen Zeitung" wird aus Kairo unterm 18. geschrieben, daß die wegen des angeblichen Bomben-Attentats auf Kaiser Wilhelm verhaftet gewesenen Italiener mittlerweile ausnahmlos entlassen worden seien, da sich jeder Verdacht als un­begründet erwiesen hat. Die Leute scheinen keine Anar­chisten gewesen zu sein.

DieSachwngävgerei" wird voraussichtlich in diesem Jahre einen Umfang wie noch nie zuvor gewinnen. Der Voss. Zeitung wird darüber aus Posen u a. ge­schrieben: Ein einziges Arbeitervermittlungsbureau in Oberschlcsicn hat bisher schon nahezu 2UU0U Galizic» gemiethet. Andere Bureaus in Schlesien, Po en und Westpreußen, die im vergangenen Jahre nur je 30t bis 900 Arbeitskräfte vermittelten, rechnen dieses Jahr auf eine Unterbringung von je 20005000 Arbeits­kräften. Und dabei ist die Zahl dieser Bureaus eine ganz gewaltige. Dazu kommen noch die vielen Hunderte von Winkelagenten im Grenzbezirk, ferner die Ver- micthungsburcaus in den großen und größeren Städten der vier östlichen Provinzen und die Arbeitsnachweis- burcauS der Landwirthscha tskammern in Breslau und anderen Orten. Außerdem durchziehen aus allen Theilen des Reiches Agenten Oberschlesien, Posen, Ost- uud Westpreußen, um den Zug nach Westen zu bewerk­stelligen. Die Nachfrage aus Mittel-, West- und Süd- deutschland ist augenblicklich eine so gewaltige, wie noch nie. Mädchen oder Frauen allein sind, ohne eine ge­

Lokales und Provinzielles.

* Schlttchtern, 31. Jan.

* Kaisers Geburtstag wurde in hiesiger Stadt wie im ganzen Kreise festlich begangen. Ueberall waren von den Vereinen festliche Versammlungen, Kommerse, Abcnduntcrhaltungen veranstaltet, welche Zeugniß von der beglückenden Thatsache ablegten, daß die Liebe und Treue zum Kaiser in unserem Volk mit tiefer Wurzel sitzt, daß das Volk die Liebe nährt und pflegt trotz allem und allem, was sich auch gegen dieses Gefühl der Volksliebe richtet.

* Im hiesigen Seminar und in den Stadtschulen wurde der Geburtstag unseres Kaisers in der herkömm­lichen Weise gefeiert. Um 9 Uhr versammelten sich die Schüler der Stadtschule in ihren Lehrzimmern und trugen nach einer Ansprache des Lehrers der Feier des Tages entsprechende Gedichte und Gesänge vor. Die Seminarsfeier fand um 10 Uhr statt. Eröffnet wurde dieselbe durch Gesang und Gebet. Die Festrede hielt der Oberlehrer Rcinert, in der er im Anschlüsse an die Nationalhymne die Verdienste des Kaisers um das Vaterland während seiner zehnjährigen Regierung her vorhob. Hierauf wurden von den Seminaristen ent­sprechende Chorgesänge norgetragen. Die Feier beschloß ein gemeinschaftlicher Choralgesang. Um 1 Uhr ver­einigte die Lehrer des Seminars der Stadtschulen und die Zöglinge der Anstalt ein solennes Festmahl in der Aula des Seminars, bei welchem der Herr Scminnrdircklor nach einer feierliche Ansprache das Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser ausbrachte. Abends fanden in der festlich geschmückten Turnhalle theatralische Aufführungen statt, die wie die musikalischen Vorträge reichen Beifall fanden und wesentlich zur Erhöhung der Feststimmung beitragen.

* Die Bestimmungen über die Uebungen des Veurlaubtcnstandcs sind in diesem Jahre bereits er­gangen. Die Gestellungsbefehle sind so früh wie mög­lich zu übermitteln und die Interessen der am meisten beteiligten bürgerlichen Berufskreise, namentlich die Ernteverhältnisse bei der Wahl des Zeitpunkts der Uebungen möglichst zu berücksichtigen. Bei der Infanterie sollen 144,000 Mann eingezogen werden, 500 weniger als im Vorjahre. Beiben Jägern üben 3200, bei der Fcldartillerie 12,000, bei der Fußartillerie 6000, bei den Pionieren 3600 und bei der Eisenbahnbrigade 18000 Mann; die Zahlen sind hier ebenso hoch wie im Vorjahr. Erhöht sind die Zahlen bei der Luftschiffer- Abtheilung von 190 auf 276 und beim Train von

wisse Anzahl Männer heute fast kaum noch zu haben. Und dabei erwägt nach einer Mittheilung aus Petersburg das russische Ministerium ernstlich die Schließung der Grenze für auswandernde Arbeiter. Ein solches Verbot der Auswanderung aber würde die Leute- noth im Osten zu einer wahren Nothlage der Land- wirthschaft steigern

Leipzig. Nach Ausweis der Feuerwehrstatistik sind im vergangenen Jahre nicht weniger als 47 Brand­unfälle durch Kinder verursacht worden. welche mit Zündhölzer spielten ein ziffernmäßigen Beweis dafür, daß man den Kleinen die Feuerzeuge nichthoch genug hängen" kann!

Beuthcn. Unsinnige Wette, Dieser Tage wetteten zwei Arbeiter in einer Destillation in Beuchen (Ober- schlesien) daß sie für 70 Pfg. bzw. für 1 Mk. Schnaps austrinken würden. Als der Schnaps ausgetrunken war, blieb dem Obarschl. Tagebl. zufolge, der eine der Wettenden sofort todt liegen, während der zweite am anderen Morgen im städtischen Krankenhause starb.

Ein nichtswürdiger Streich ist einem Fuhrhalter zu Graudeuz gespielt worden. In der Nacht zum Sonntag und in der darauf folgenden sind 15 Pferden des Herrn R. die Schwänze zum Theil ganz abgeschnitten, zum Theil durch treppenartiges Verschneiden so verunstaltet worden, daß eine Anzahl der ^ferbe monatelang über­haupt nicht im öffentlichen Verkehr verwandt werden kann.

Ansbach. Welch enorme Preissteigung bei den Ver­pachtungen der Bahnho^srestaurationen nach dem von der Generaldirektion genehmigten Statut erfolgen wird, davon lie ert die jüngste Vergebung der Bahnhofsrestaura­tion in Ansbach einen schlagenden Beweis. Während die bisherige Pachtsumme 1300 Mark betrug, muß der neue Pächter Rapp, Besitzer des dortigenHotels zum deutschen Kaiser", 12000 Mk. bezahlen.

6691 auf 7039. Zu den Uebungen der Infanterie, Jäger, Artillerie und Pioniere sollen ungefähr sieben Zwölftel Reservisten und fünf Zwölftel Landwehrmänner herangezogen werden. Dabei ist darauf zu achten, daß die Mannschaften möglichst gleichmäßig im Reserve- und Landwehrverhältniß mindestens je einmal einberufen werden und daß je eine Einberufung möglichst in die letzten Jahre der Dienstpflicht in der Reserve und der Landwehr I. Aufgebots fällt. Bei der Kavallerie können für die Dauer der Herbstübungen Reser­visten bis zu 6 (im Vorjahre 4) Mann auf die Eskadron einberufen werden. Die Landwehrmannschaiten der Infanterie werden in besonderen Kompagnien üben. Von den Ersatzreservisten sollen wie in den Vorjahren je 40 Mann zu einer ersten zehnwöchigen, zu einer zweiten sechswöchigen und zu einer dritten vierwöchigen Uebung behufs Ausbildung im Krankenwartedienst ein« gezogen werden. Auch jetzt ist wieder darauf hingewiesen, daß die Einzelausbildung der Mannschaften und die Festigung der Disziplin erster Gesichtspunkt bei Durch­führung der Uebungen sein soll.

* Von den Kurhessischen Truppen sollen fortan als eins angesehen werden: 1. das Leib-Gardc-Regiment mit dem Füsilier-Regiment von Gersdorff (Hessischen) Nr. 80, mit dem 22. November 1813 als StistungStag; 2. das 1. Jmanterie-Regiment (Kurfürst) mit dem 1. Hessischen Jnfanterie Regiment Nr. 81 mit dem 5. Dezem­ber 1813 als Stiftungstag; 3. das 2. Infanterie- Regiment (Landgraf Wilhelm von Hessen) mit dem 2. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 82, mit dem 30. November 1813 als Stiftungstag; 4. das 3. Infanterie-Regiment (Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen) mit dem Infanterie-Regiment von Wittich (3. Hessischen) Nr. 83, mit dem 22. November 1813 als StistungStag; 5. das Jäger- und Schützen-Bataillon mit dem Hessischen Jäger-Bataillon Nr. 11, mit dem 5. Dezember 1813 als Stiftungstag; 6. das Artillerie- Regiment mit dem Hessischen Feldartillcrie-Regiment Nr. 11, mit dem 22. November 1813 als Stiftungstag; 7. die Pionier-Kompagnie mit dem Hessischen Pionier- Bataillon Nr. 11, mit dem 1. März 1842 als Stiftungstag; 8. die Train-Abtheilung mit dem Hessischen Train-Bataillon Nr. 11, mit dem 13. Juni 1854 als Stiftungstag.

Elm. Der hiesige Kricgervercin, dessen Größe auf die stattliche Anzahl, von 101 Mitgliedern gestiegen ist, feierte am vergangenen Freitag den 27. Januar den Geburtstag Seiner Majestät des Deutschen Kaisers in erhebender Weise und unter zahlreicher Betheiligung von Mitgliedern und Gästen im Stoppelschen Saal. Der Ehrenpräsident des Vereins, Se. Excellenz, der Herr General z. D. von Brandenstein brächte in zündenden markigen Worten den Kaiserloast aus, indem er die wichtigsten politi chen Ereignisse während des letztver­gangenen Lebensjahres unseres hohen Monarchen in trefflicher Weise beleuchtete. Unter dem Hinweis auf das von Sr. Majestät allergnädigst übernommene Pro­tektorat und Ehrenpräsidium über den neugegrünbeten Landeskriegerverband, die ruhmreichen Erfolge der Palästinafahrt sowie alle Bestrebungen den innern und äußeren Frieden Deutschlands als Hort und Schützer seines Volkes zu tördern, feierte Se. Excellenz von Brandenstein die Verdienste unsres theuren Kaisers und Herren, schließend mit dem Wunsch, daß Gott der Allmächtige ihn auch ferner in seinen Schutz nehmen möge. Mit unverhohlenem Stolz blickten sämmtliche Festtheilnehmer auf die heldenhafte Gestalt des in seiner Uni arm erschienenen Trägers so hoher militärischer Würden und nimmten begeinert in das 3malige Hurrah auf Sr. Majestät ein. Mit Begeisterung sangen darauf alle Fcstgcnossm die deutsche Nationalhymne. Herr I. Gärtner, der Präsident des Kriegervereins, welcher sich durch umsichtige, taktvolle und rührige Leitung des Vereins große Verdienste um denselben erworben hat, feierte loßann in seiner Begrüßungsansprache die deutsche Treue Hub ermähnte die Kameraden zu treuem Festhalten an dem ihrem obersten Kriegsherrn geschworenen Gelübde. Nachdem Herr Bahnassistent Kuper die Versammlung mit zwei Gefangesvorträgen erfreut halte, ergriff Herr Pfarrer Seyd das Wort zu einer Festrede, tu welcher er besonders das Bestreben Sr. Majestät des deutschen Kaisers, deutsche Sitte und deutsches Wesen in der Armee zu fördern, heroorhob, und nachdem er darauf hingewiesen halte, wie man auch in den Grenzen unserer