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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

8. Samstag, den 28. Januar 1899. 50. Jahrgang.

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UUUy&'ll werden noch fortwährend von allen -" ,^.««^_!.^!.._------- Postanstalten und Landbriesträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Kaisers Geburtstag.

Unser Kaiser vollendete am 27. Januar sein vier­zigstes Lebensjahr. Er tritt in das fünfte Jahrzehnt seines Lebens ein, begleitet von den innigsten Gebeten und wärmsten Segenswünschen aller treugesinnten Deutschen nah und fern. Seit etwas über ein Jahr­zehnt trägt er Preußens und des Deutschen Reiches Krone. Und von Jahr zu Jahr hat sich das persön­liche Band zwischen ihm und dem Volke, dem Gott ihn zum Herrscher gesetzt hat, enger geknüpft. Denn über alle Verschiedenheiten der politischen Meinung hinweg, die Deutschland leider in unnützem Partcihader so viel . werthvolle Kraft verbrauchen lassen, hat überall in den Gemüthern die Erkenntniß Wurzel gefaßt, daß es unserm Kaiser mit seiner Regentenaufgabe ein heiliger Ernst ist, und daß er alle Kräfte seiner hochbegabten Persönlichkeit für sein Amt und für sein Volk einzusetzen gewillt ist. Das fühlt ein Volk bald heraus und das gewinnt dem Herrscher die Herzen des Volkes.

Dem Aufrichtigen läßt es Gott gelingen. Wir können an des Kaisers Geburtstag Gott, dem König aller Könige, nicht genug danken für das Gelingen, das er bisher dem Kaiser in seinem Hcrrscherbcrnf gegeben hat. Es ist durch Gottes Gnade dem Kaiser vergönnt gewesen, unserm Vaterlande dem Frieden zu erhalten nach Außen und Innen. Von der gewalt-gen Machtstellung, die das Deutsche Reich unter den Scepter Wilhelms 1. errungen halte, ist nicht nur nichts ver­loren gegangen; nein, es ist Wilhelm 11. gelungen, das Ansehen Deutschlands in der Welt noch zu meyren, im fernen Ostasien friedliche, hoffnungsreiche Eroberungen zu machen, mit deutschem Fleiß und deutscher Tüchtig­keit neue Wege zu gesegneter Thätigkeit zu bahnen.

k ; Vor allem aber hat erst im vergangenen Jahre die

. Jerusalemreise des Kaisers gezeigt, daß er sich bewußt ist, wo die starken Wurzeln der Kraft unseres Volkes V liegen. Sein freudiges lautes Bekenntniß zum Evan­gelium hat unser aller Herzen wohlgethan und uns aufs neue gewiß gemacht, daß im Hohenzollernhause das Wort Gottes und die Sache Christi allezeit auf-

< richtige Bekennet- und tapfere Streiter finden wird.

Keine größere Wohlthal für ein Volk, als ein Herrscher­geschlecht, das mit ihm denselben frommen und freien Glauben theilt und aus der Quelle des ewigen Lebens . immer frische Kraft schöpft zum Wirken für das gesunde und kraftvolle Leben des ganzen Volkes. Da­rum stimmen wir fm und dankbar mit dem ganzen Deutschland in den Ruf ein: Gott segne, schütze und erhalte unsern geliebten Kaiser und König!

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser besichtigte Mittwoch Nach­mittag im Neuen Museum die eingereichten Konkurrenz- ^ entwürfe zu dem diesjährigen kaiserlichen Preisaus­schreiben. Bei dem gestrigen großen Hosball nahm der Kaiser Meldungen entgegen, darunter diejenigen des Erb- jägermeister von Wesualen Grafen Metternich, des - Konsuls von Zanzibar Freiherrn v. Rechenberg und des nach Siam gehenden Gesandten v. Saldern.

Der Kaiser hat bestimmt, daß die Stellung militärischer Hülfskommandos nur bei thatsächlich bereits eingetretenen oder ersichtlich unmittelbar , bevorstehenden Nothständen stattfindet, wenn andere Hülfe nicht aus­reichend zu erlangen ist, und zwar bei Gefahr für ; Leben und Eigenthum, ausnahmsweise bei erheblichen Störungen des öffentlichen Verkehrs.

Gegen die amerikanische Deutschenhetze ist eine geharnischte Protestkundgebung in Vorbereitung begriffen.

. Wie nämlich anS München gemeldet wird, haben die im amerikanischen Senate gefallenen provozu enden Aeußerungen gegen Deutschland Veranlassung gegeben, daß einige maßgebende amerikanische Perfönlichkeiten in München der Regierung in Washington einen Protest aller in Deutschland lebenden Amerikaner übermitteln werden, worin Deutschlands loyaler Haltung gegen Amerika warme Anerkennung gezollt wird.

Die Reichsregierung bereitet eine Novelle zur Gewerbeordnung vor, welche für Geschäftsangestellte eine

zehnstündige, ununterbrochene Ruhezeit und einstündige Tischzeit, falls außerhalb des Geschä'ts gespeist wird, vorschreibt. Ausnahmen werden für Weihnachten, In­ventur 2C. zugelasfin. Falls zwei bis drei Geschäftsin­haber es beantragen, kann von der Ortsbehörde ein obligatorischer Geschäftsschluß von 8 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens mit dem Verbot des Hausirhandels während dieser Zeit verfügt werden.

In der Novelle zum Jnvaliditäts- und Alters- vcrsicherungsgesctze ist vom Bundesrath eine bemerkens- werthe Neubestimmung au genommen worden, der zufolge die Hauslehrer und Hauslehrerinnen, Erzieher und Erzieherinnen, soweit ihr Jahreseinkommen nicht 2000 Mk. überfteigt, fortan der Versicherungspflicht unterworfen sind

* Eine Zusmmenstellung der Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel für das vergangene Jahr veröffentlicht dieStatist. Korresp." Es geht daraus hervor, daß die Preise fast aller Lebensmittel gegen das Vorjahr gestiegen sind; nur Speisebohnen, Butter, Heu und Stroh weisen Preisherabsetzungen auf. Die Ge­treidepreise haben sich bedeutend erhöht, auch die Fleisch- preise sind gestiegen. So war das Schweinefleisch im Durchschnitt das ganze Jahr um 6 Pfg. für ein Pfund theurer als im Vorjahre.

* Kleingeld. Es ist wahrgenommen worden, daß sich eine ständig wach ende Anzahl von Zehn- und Fünfpfennigstücken im Umlauf befindet, deren Gewicht oder Erkennbarkeit in Folge des längeren Gebrauchs erheblich abgenommen hat. Im Interesse eines ge­ordneten Müuzwesens ist die planmäßige Einziehung dieser Stücke geboten. Durch eine Verfügung des Staatssekretärs des Reichs-Postamts sind die Verkehrs- anstaltcn angewiesen worden, derartig abgenutzte Geld­stücke zum vollen Werthe anzunehmen, aber nicht wieder zu verausgaben, sondern der Ober-Postkasse zuzuführen, weiche diese Münzen dem M ünzmetalldepot des Reichs bei der Königlich Preußischen Münzstätte in Berlin einzusenden hat.

* Eine Kabelgesellschaft, die die Legung eines direkten Kabels von Deutschland nach Amerika beabsichtigt, ist in Köln begründet worden. Das Aktienkapital soll mehr als 10 Millionen Mark betragen.

Köln, 23. Jan. In einer Zuschrift an dieKöln. Zeitung" weist ein deutscher Ansiedler in Kiautschau auf die Angriffe gegen die Verwaltung des deutschen Gou­vernements hin und hebt dabei die unermüdliche Thätig­keit hervor. Dasselbe habe mit wenigen Pioniren schon Unglaubliches im Bau von Straßen und Brücken geleistet. Die Hoffnungen der Regierung seien bisher alle erfüllt. Die Expeditionen des Haufes Carlowitz und der Diskonlagesellschaft seien aus dem Inneren zurückgekehrt wo sie unerschöpfliche Lager von Fettkohlen im deutschen Interessengebiete vorfanden.

Ein seltener Akt fand in der evangelischen Kirche zu Lyck (Ostpreußen) statt. Es wurde an zwei Musketieren des Jnf.-Regt. 45 die Tau e vollzogen, die bisher verabsäumt war und nunmehr auf Wunsch der beiden Soldaten erfolgte.

Ausland

Manila. Der DampferLabuan", welcher aus Port Royalist auf Palawan in Labuan eingetroffen ist, bringt die Meldung, der spanische Gouverneur und seine Offiziere seien beim Verlassen der Kirche von Eingeborenen ermordet worden. Diese hätten sich sodann in die Berge zurückgezogen, wohin sie die Weiber und Kinder sowie einige Männer gefangen mitgeführt hätten. Ein spanisches Kanonenboot und ein Popdampfer seien zu Hilfe herbeigerufen worden, hätten den Platz aber wieder verlassen. Der Kapitän desLabuan" berichtet, daß sich die Gemahlin des spanischen Gouverneurs und die übrigen Gefangenen nunmehr in Sandakan (Britisch Nord-Borneo) in Sicherheit befänden. Die National veesammlung der Filipinos in Malolos gab die Er­mächtigung zur Freilassung der spansichen Civilge­fangenen, die Freilassung der gefangenen Militärs soll demnächst erfolgen.

Lokales und Provinzielles

* Schlüchlrru, 27. Jan.

* Das letzte Vierteljahr der Schulzeit hat für viele Knaben und Mädchen begonnen; kaum ein Dutzend Wochen noch, dann wird der Schultorpister zum letzten­

mal abgeschnallt, und mit derschönsten Zeit des Lebens" ist's vorbei. Von traurigen AbschiedSgedanken wollen aber die Konfirmanden und Konfirmandinnen nichts wissen; sie freuen sich jetzt vielleicht, dem Schul­zwange bald entwachsen zu sein, ja, sie glauben vielleicht gar, das Lernen jetzt nicht mehr nöthig zu haben, weil es ja doch baldvorbei' wäre. Doch eine Lässigkeit im letzten Viertel des Schuljahres rächt sich gar oft. Die Abgangs-Censur aus der Schule wird im späteren Leben noch häufig verlangt werden, und gar mancher junge Bursche hat sich diese schon durch muthwillige Streiche am Schlüsse der Schulzeit verdorben. Die Reue nach Ostern kommt in der Regel zu spät; es dürfte daher das Mahnwort an die Konfirmanden nicht unangebracht sein, gerade jetzt noch alle Kräfte zusammenzunehmen, um die in der Schule erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu bereichern und zu befestigen.Gute Schulkenntnisse" sind unbezahlbar, zuviel kann man da­von nicht bekommen.

* Wie bereits mehrfach veröffentlicht, findet am 4, 5. und 6. März d. I. für die Kreise Schlächtern, Gelnhausen. Hanau und Büdingen in Gelnhausen eine Geflügel-Ausstellung mit Prämiirung statt. Aus­gestellt werden Hühner, Gänse, Enten und Tauben der verschiedensten Rassen und Arten und hat der Kreis Schlächtern 50 Mk. zur Prämienvertheilung beigestcuert. Daß derartige lokale Gcflügclausstellungen der Land­wirthschaft von großem Nutzen sind, braucht wohl nicht weiter eiörtert zu werden, gehen doch jedes Jahr Hunderte von Millionen Mark für Geflügel und Eier in das Ausland, namentlich nach Rußland, Amerika und Italien, welche sich die deutsche Landwirthschaft ohne große Kosten und Mühen verdienen könnte. Es ist deshalb zu wünschen, daß recht viele Landwirthe an obigen Tagen nach Gelnhausen pilgern, um zu sehen, was heute in der Geflügelzucht geleistet wird und ge­leistet werden kann. Wie wir hören wird die Aus­stellung auch von Züchtern unseres KreiseS, z. B. Hofgut Ahlersbach, Rentmeister Jeschke-Ramholz, Züchter und Händler L. Hildebrandt-Schlüchtern und Anderen beschickt werden und dürfte allen Interessenten durch diese Ausstellung reichliche Gelegenheit geboten sein, zu prüfen und dann einen Versuch zur Hebung der Geflügel­zucht zu machen.

* Vom 1. April an werden Butter, sämmtliche Gartenprodukte und geräucherte Häringe zum Fracht­gütertarif angenommen und als Eilgüter befördert. Durch diese Anordnung tritt eine Verbilligung der Fracht um die Hälfte ein.

* Ueber den einjährig-freiwilligen Militärdienst der Volksschullchrer hatte vor Kurzem das Provinzial- schulkollegium in Hannover an den Kultusminister eine Anfrage gerichtet. Darauf ist jetzt die Antwort einge- gangen, daß nach Entscheidung des Reichskanzlers den nicht in staatlichen Lehrerseminaren vorgebildeten Lehr­amtskandidaten, welche zur Seminarentlassungsprüfung zugelassen werden und sie bestehen, die wissenschaftliche Befähigung iür den einjährig freiwilligen Militärdienst nicht zuzueekennen ist. Diest Befähigung ist den Seminarzöglingen nur mit Rücksicht auf die Vorbildung gewährt worden, welche sie sich durch den ordnungs­mäßigen Seminarbesuch angeeignet haben. Die öffent­lichen Schullehrerseminare sind demnach nur berechtigt ihren eigenen Zöglingen nach bestandener Entlassungs­prüfung das Befähigungszeugniß auszustellen.

Soden Stolzenberg, 22. Jan. Der Maurer Josef Grauet war am Samstag, den 14. Januar, Abends, im GasthausZur Fröhlichkeit." Um >/-11 Uhr begab er sich auf den Weg, um nach Hause zu gehen und ist wahrscheinlich infolge des fürchterlichen Unwetters in den Fluß gerathen und hat da seinen Tod gefunden. Der Mann ist 62 Jahre alt und war bekleidet mit einer grauen Lodenjoppe, schwarzen Hose und Plüschpantoffeln.

Vom Spcssart. Holz-Versteigerungen. Bei den jüngsten größeren Eichenholz-Versteigerungen des SpessartS in welchem immer noch mächtige Eichenriesen zu finden sind, wurden mitunter enorme Preise erzielt. Für gutes Schneidholz wurden 100 bis 130 Mark per Kubikmeter erlöst. In Rothenbach kostete ein 7,24 Kubikmeter enthaltender Eichenstamm sogar 1111 Mark, also pro Kubikmeter 153 Mark. Ein solcher Preis wurde im ganzen Spessart kaum jemals angelegt. Auch Lärchen wurden gut bezahlt; ein Stück wurde um 139 Mark abgesetzt- Diese außerordentlich hohe Preise erklären sich