SchWemerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg. ■ - ;v:-.v>x-»,<ww=-2iclSeWÄCT^<K7.^RXijlW^..T^.„.lKai;CI-atMelT^.^^ - - ■ -—-——-—-~—~-------——r iimatr inn - imnifMinm—■■inrimn—s~rs~~*——'*—*•"—~~~**~~~*‘~'~~^~~~~~*'~~****~—**~““*~**~*"*
.M 7. Mittwoh, den 25. Januar 1899. 50. Jahrgang.
Rs>Hol!«na-»N ""^ Vu "Schlüchterner Zeitung» yl lU lle^yt ll werden noch fortwährend von allen ■ । .....— - -.........- Postanstalten und Landbrieckrügern vwie von der Expedition entgegen genommen.
geschützt in der Regel nichts. und für die Arbeiterin wird nicht geklebt. Es kommt aber noch etwas anderes dazu, was den Willen des Gesetzes vereitelt. Eine Arbeiterin, die das Einkleben von Marken nach Möglichkeit zu vereiteln sucht, zeigt dem Arbeitgeber, der sie am Dienstag oder an einem der folgenden Tage beschäftigt und sie nach ihrer Karte fragt, diese vor und erklärt ihm, daß die letzte darauf befindliche Marke am letzten Montage eingeklebt sei. Da keine gesetzliche Verpflichtung für den Arbeitgeber besteht, die von ihm eingeklebte Marke entwerthen zu müssen, so kann Niemand, der die Karte nachher in die Hand bekommt, feststellen, wann die letzte Eintragung erfolgt ist. Er muß also der Versicherung der Arbeiterin, daß sie aus der letzten Woche herrühre, Glauben schenken. Andererseits kann auch der gewissenhafte Arbeitgeber vom Dienstag oder Mittwoch (auch solche Fälle kommen vor) dadurch geschädigt werden, daß die Arbeiterin sich von ihm, obwohl schon am Montag eine Marke eingeklebt worden ist, noch eine Marke einkleben läßt, sei es, um Unterlassungen früherer Arbeitgeber wieder gut zu machen oder sich für die nächste Woche, wo sie bet Jemandem arbeiten wird, der das Maikenkleben nicht liebt, einen Vorrath zu schaffen.
Kiel, 19. Jan. Ueber ein Attentat auf einen hiesigen Schutzmann theilen wir Folgendes mit. Der aus der Provinz Hessen-Nassau stammende Bierbrauer Jgnaz Most belästigte in angetrunkenem Zustande die Bewohner eines neben der königlichen Polizeidirektion liegenden Hauses aurs Aergste. Die Bedrängten holten polizeiliche Hilw herbei Als zwei Schutzleute erschienen, flüchtete der Ruhestörer in ein Versteck. Dort fand ihn der Schutzmann Dcutschmann und schritt zur Verhaftung Kaum erblickte Most den Beamten, als er mit einem dolchartigen Messer auf ihn zuschritt und dasselbe dem Unglücklichen in den Unterleib bohrte. Dentschmann brach zusammen, und Most ergriff die Flucht. Der zweite Schutzmann erfaßte den Flüchtling und brächte ihn zur Wache, wo sofort eine Durchsuchung vorgenommen wurde. Dabei fand man einen geladenen Revolver. Der schwerverletzte Schutzmann ist nach den akademischen Heilanstalten überführt worden.
— Ueber die Nationalität der Bergarbeiter heißt es in einem nicht uninteressanten Bericht aus Dortmund: Durch die gewaltige Entwickelung der Kohlen- und Eisenindustrie int rheinisch westfälischen Bezirke ist in den letzten Jahren eine Menge fremder Arbeiter hier eingewandert. Die Zahl der fremden Arbeiter im hiesigen Oberbergamtsbezirk beträgt ein Drittel der sämmtlichen 200 uOO Bergarbeiter. Unter diesen Leuten sind allein 60 000 polnisch sprechende, die nur zum Theil deutsch können, 4000 Oesterreicher und 3600 Italiener, Holländer und Belgier.
Aus Westfalen. In mehreren großen Jndustrie- äbten Westfalens tritt die Influenza in so starkem D/aße auf daß Hunderte von Arbeitern mehrere Tage eiern m ußten Auf der Hermannshüite in Hürde waren an einem der letzten Tage 300 Arbeiter erkrankt.
Zörbig, 8. Jan. Von einem schweren Unglück wurde die Familie des Kcllnes Emil Fritzsche von hier betroffen. Seine beiden Kinder hatten eine Dynamitpatrone gc unden, dieselbe mit nach Hause genommen und damit ge pielt, als sich plötzlich die Patrone entlud und dem einen der Knaben die vier Finger der einen Hand abriß und den Daumen verletzte, während dem anderen die Nase zerrissen und ein Auge ausgeschlagen wurde. Beide Knaben wurden noch am Abend nach der Klinik zu Halle überführt. Die Polizei hat Sonnabend und Sonntag noch 50 bis 6u Stück solcher Patronen auf offener Straße gefunden.
Aus Bayern, 20. Jan. In Augsburg tanzte Samstag Nachts in einer Wirlhschatt in der Wcriach- Vorstadt ein junger Bursche den „Schuhplattler" und stieß dabei seiner Tänzerin mit den Schuhspitzen das linke Auge aus.
Würzburg Ein sensationeller Kuppeleiprozeß, in den höchste militärische und aristokratische Kreise in Würzburg verwickelt sind, wird von dem Würzburger Jour. angekündigt. Es sollen bis jetzt so skandalöse Dinge zu Tage gefördert ein, daß die Verhaftung mehrerer vornehmster Persönlichkeiten bevorsteht. Desgleichen dürfte die Schließung mehrerer Badeanstalten und die Jnhast- nahme des Badepersonals er olgen.
Äschassindurg, 21, Jan. Seit ca. vier Wochen
Deutsches Reich.
Berlin. Am Montag hat der Kaiser in Gotha der silbernen Hochzeit des Herzoglichen Paares beigewohnt und wird am Dienstag in Hannover die Garnison besichtigen
— In dem neuen preußischen Etat sind für Dienst- einkommen-Verbesserung der untern Beamten und einzelner Kategorien der mittlern Beamten rund 12 Millionen Mark eingestellt Davon entfallen auf die Eisenbahn- Beamte 6,2 Millionen (Weichensteller 1,79 Millionen, Bahnwärter rc. 998 000 Mk, Schaffner, Bremser rc. 7 26 000 Mark». Zur Durchführung des Besoldungs- Gesetzes für die Geistlichen sind rund 5'/a Millionen eingestellt.
— „Deutschland" — so hat neulich im Kongreß der Vereinigten Staaten von Nordamerika das Kongreß, milglied Berry gesagt — „sollte von den Amerikanern ebenso verhauen werden, wie Spanien . Gegen diese liebenswürdige Aufmunterung des "heißblütigen Kentuckiers ist durch den deutschen Botschafter in Washington diplomatische Beschwerde bei der nvrdamerikanischcn Regierung erhoben worden. Aber Herr Berry hat nun erklärt, er werde „seine Worte nicht zurückziehen". Er habe „die größte Achtung vor Deutschland, liebe aber nicht die Haltung der deutschen Regierung und des deutschen Kaisers". Dann hat Herr Berry gesagt: „Sollte ein Mitglied des Deutschen Reichstages mich zur Rechenschaft ziehen, so bin ich bereit, jederzeit Rede zu stehen. Meine Adresse ist Newport, Kentucky " Augenscheinlich also hat Herr Berry Lust, mit ein m Vertreter des Reichstages zu boxen oder das Schießeisen zu gebrauchen.
— Die pr.ußiichen Lehrerseminare befinden sich zu einem bedeutenden Theile in den Händen von Theologen Nach einer Zusammenstellung der „Pädagogischen Blätter» gehören nicht weniger als 63 Seminardirektoren, 49 Seminaroberlehrer, 19 ordentliche Seminarlehrer und 8 Hilfslehrer dem geistlichen Stande an. Es steht also über die Hälfte der 118 Lehrer- und Lehrerinnen bildnngsanstallen unter geistlicher Leitung und bei fast der Hälfte der Anstalten ist die erste Lehrerstelle eben falls mit einem Theologen besetzt. Von den 277 preußischen Kreisschulinspcktor.n im Haup'amle sind ebenfalls 49 geistlichen Standes.
— Die Juvaliditäts und Altersversicherungssustalt Berlin hat vor einigen Tagen eine Bekanntmachung erlassen, in der sie sagt es sei zu ihrer Kenntniß gc langt, daß für die im Haushalte beschäftigten Wasch- fronen und Schneiderinnen (Näherinnen) Versicherungs- marken nicht ordnungsmäßig verwendet werden. Diese Bekanntmachung beleuchtet wieder einmal die Unzulänglichkeit des Gesetzes mr diese Katego len von Arbeiterinnen Nach den gesetzlichen Bestimmungen muß derjenige Arbeitgeber die Marken cmklcbcn, der eine Waschfrau
^ oder Näherin zuerst in der Woche beschäftigt In bei Regel wird es Derjenige sein b i dem die Arbeiterin am Montage beschäftigt ist. Wenn diese am Montage aber keine Bcschä ligung gehabt hat, so ist der Arbeitgeber vom Dientiage verpflichtet) unter Umständen kann auch derjenige vom Sonnabend v.rpflichtet sein) nämlich dann, wenn die Arbeiterin die ersten fünf Zage, hat seiern müssen aber vielleicht in ihrer Behausung gewaschen oder genäht hat. Jeder Arbeitgeber ist nach dem Ge- " setze aber auch dann verantwortlich dafür, daß eine Marke für die Woche ordnungsmäßig geklebt wird, wenn sein Vorgänger seine Pflicht nicht e> füllt hat Er muß ihn entweder durch Anrufung der Polizeibehörde dazu veranlassen oder selbst kleben, das heißt für die Pflicht- vergessenheit seines Vorgängers -büßen. Das Eruere wird er gewöhnlich nicht thun, weil er den Gang zum Polizeibüreau nicht machen will, und weil er sich sagen muß, daß, ehe von bieiem die Lache geregelt werden kann. bie Arbeiterin vielleicht schon beim dritten, vierten oder auch zehnten Nach olgcr beschäftigt ist. Das Zweite wird er in den meisten Fällen unterlassen weil er denkt, er brauche nicht für den Fehler eines ihm persönlich ganz unbekannten Menschen aufzukommen, sei auch selbst nicht verantwortlich, da er ja jederzeit die Verschuldung seines Vorgängers nachweisen könne. So
machte sich hier, wie „Augsb. Zig." berichtet, eine Diebesbande bemerkbar, die ihre Thätigkeit haupffächlich auf Delikatessen- und Kolouialwaaren-Geschäfte, sowie auf Restaurationen richtete. Endlich kam man durch Zufall auf die Gesellschaft und sie entpuppte sich als eine Anzahl Realschüler und Kaufmannslehrlinge, Söhne ganz achtbarer Eltern. Das Haupt der Bande ist logar ein Freiherr v H. auch ein Herr v. K. ist darunter. Die Realschüler wurden sofort von der Schule entlassen und die Haupträdelsführer einige Tage in Untciyuchungshaft genommen, aber da kein Fluchtverdacht vorlag, wieder freigelassen. Der Frhr. v. H. Halle nun nichts Eiligeres zu thun, als in der Wohnung eines hiesigen Bierreisendcn 80 Mark zu stehlen und mit noch zwei Komplizen mit dem Expreßzug — nobel! — nach Frankfurt a. M. zu fahren und das Geld zu verjubeln. Bei der Wiederankunft dahier wurde die Gesellschaft dingfest gemacht, und der Staatsanwalt wird nun wohl die Sünder nicht wieder auf freien Fuß setzen. Der gestohlenen Gegenstände ist eine Unmasse, und es ist vorläufig noch ein Räthsel, ob die Bande die Sachen allein verbrauchte oder auch verkaufte. Thatsache ist, daß auch Mädchen (!) von 15—16 Jahren zu der Vertilgung der Eßwaaren beitrugen.
— An den bekannten General Slaff erinnert die folgende kleine Geschichte, die aus Offenbach berichtet wird. Dort ist ein junger Franzose in Pension, der seinem in Paris wohnenden Schwager zu Neujahr gratuUrte. Der Lehrer legte dem Briese seine Visitenkarte und ein Kärtchen mit der Aufschrift „Herzlichen Glückwunsch" bei. Er war nicht wenig erstaunt, als er wenige Tage später neben einem an ihn gerichteten Brief .mit einigen Worten des Dankes einen zweiten, ebenfalls eine Z)aitf|aguitg enthaltenden Brief in seinem BtLeskanen vorjanb, der die Adresse trug: Monsieur Herzlichen Glückwunsch, Offenbach s.M. x-Strasse 15. Man sieht, der 187u aufgetauchte General Staff hat würdige Nachahmung gefunden.
Mainz. Aehnlich wie die niederrheinischen Fleischerinnungen Krefeld, Duisburg, Gladbach rc. in den letzten Tagen beschlossen haben, eine gemeinsame Talgschmelze in größerem Stile zu gründen, beabsichtigen jetzt auch die Innungen von Darmsladt, Frankfurt, Mainz und Mannheim ein Gleiches zu thun. In einer Vorbesprechung der Obermeister genannter Innungen wurde als passend gelegener Ort die von den obigen genannten Städten leicht erreichbare Bahnstation Groß-Gerau in Aussicht genommen. Ein späterer Anschluß der übrigen Innungen des Bezirksverbandes „Beider Hessen und Nassau" ist vorgesehen.
Ausland.
Athen, 23. Jan. Ein Erdbeben hat in der Nacht von Sonntag auf Montag im Pelcpvnncs (ürchterliche Verheerungen angerichtet. Mehrere Ortschaften sind gänzlich, viele tyeilwcffe zerstört und viele Menschen verunglückt. Der König reift heute nach der UngiückS- ftätle ab.
Indien. Eine dem Untergänge geweihte Stadt ist Bombay in Brilifch-Jndiem Bombay befindet sich seit dem August lfc96 in den Klauen der Pest. Tuuienöe von Mcnfchen haben die Stadt verlassen. Die bankerotte Loge Bombays injolge des langen geschäftlichen Slill- imuues läßt teilte Hoffnung übrig, daß der unterirdische Anueckungsherb beseitigt werde, und es wird .rüher oder später oer letzte Bewohner vernichtet oder auSgetrieben werden. So wird sich da, wo sich früher die groß» mächtige Stadt Bvmbay besand, welche einst 9uU0uU Seelen zählte, nur noch ein Rmnenjcld erheben.
Lokales und ProvinzisKes
' «ch,t<chle»».. 24. Jan.
* — Bezüglich der Dauer der Schulpflicht für die- jenigen Kinder, welche der allgemeinen Landeskirche angehören, und sonstige Schulkinder hat die Kgl. Regierung zu Gaffel in einem besonderen Falle folgendes Genügt: Bei den ersteren Kindern falle nach wie voi das Ende der Schulpflicht mit der Konfirmation zusammen, bei den letzteren Kindern endet die Schulpflicht mit den Ablauf desjenigen Schuljahres, in welchem das Kint das 14. Lebensjahr vollendet. Hat dasfclve aber schor vor Erreichung dieser Altersjrufe eine 8jährige Schulze: vollbracht, so ist dasselbe mit dem Ablauf bc^eniget