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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

JI2 6. Samstag, den 21. Januar 1899. 50. Jahrgang.

R-HpIlltNNON ""k die .Schlüchterner Zeitung» ^tHllvUUliyl/ll werden noch fortwährend von allen ......................~ Postanstalten und Landbriestrügern owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Bezüglich der von Paris aus lanzierten Gerüchte über Entrevuen des Zaren mit Faure und dem Kaiser Wilhelm wird an hiesiger unterrichteter Stelle versichert, daß der Reiseplan des Zaren für nächste Zeit noch keineswegs festgestellt sei. Nahezu sicher sei nur der für April geplante Besuch b-i Kaiser Franz Josef in Wien, von wo dann der Zar nach Rom zu König Humbert zu reisen gedenkt. Möglich sei auch ein Ausflug an die Riviera und eine Zusammenkunft mit Faure. Daß jedoch auch Kaiser Wilhelm den Zaren an der Riviera besuchen werde, wird als absurd erklärt

Bei der am Freitag im Gruncwald stattgcfnndenen Hofjagd wurden im ganzen 275 Hirsche geschossen, wo­von der Kaiser einige 30 zur Strecke brächte, darunter mehrere Schaufler.

Das württembergische Königspaar trifft am 26. d. M. in Berlin ein, um an der Geburtstagsfeier deS Kaisers theilzunehmen. Für die Zeit des Aufent­haltes in Berlin werden der König und die Königin im hiesigen Schlosse Wohnung nehmen. Am 28. bcgeben sie sich nach Potsdam zu längerem Besuch ihrer Tochter Pauline, der Erbprinzessin von Wied.

Ueber den Aufenthalt des Prinzen und der Prinzessin Heinrich meldet derÜftaf. Lloyd , daß Prinz und Prinzessin Weihnachten sowie Neujahr in Hongkong verbrachten. Mitte Januar gedachten sie eine Reise nach Siam anzutrclen, um dem Könige und der Königin von Siam einen Besuch abzustatten. Vom Lande des weißen Elephanten begiebt sich das prinzluhe Paar nach Kiautschau, via Schanghai. Die Prinzessin beabsichtigt mit dem ReichspostdampserPrinz Heinrich" im April wieder die Heimreise anzutreten.

24*2 Orden und Ehrenzeichen sind am Sonntag vom Kaiser verliehen worden. Es sind dies 474 mehr als im Vorjahre. Von den am häufigsten verliehenen Auszeichnungen wurde der Rothe Adlerorden 4. Klasse

85« Mal (im Vorjahre ?20), der Kronenorden 4. Klasse 168 (142) Mal verliehen. Das allgemeine Ehrenzeichen in Gold erhielten 77 (49 j, in Silber 789 (625) Personen. Die beim Festessen im königlichen Schloß a n Krönungs- und Ordcnsfesie aufgelegte Speise, karle, deren Gerichte nach der Gepflogenheit der kaiser­lichen Familie sämmtlich deutsch bezeichnet sind, lautet folgendermaßen:Berlin, den 15 Januar 1899. Königliche Mittagstafel: Gärtnersuppe. Gedämpfte Sleindutten. Schmorfleisch mitGemüsen. Hummern­auflauf mit Edelpilzen. Wildschwcinskopf. Metzer Hühner, Flüchte, Salat. Biskuit-Sahnen-Speise, Nachtisch." Hoffentlich findet dieses von höchster Stelle gegebene Bespiel in allen deutschen Kreisen endlich Nachahmung. Man sieht und man wird bei ernn« lichen Versuchen allemal sehen: es geht auch so!

Bismarcksäulen. Der Aufruf der deutschen Studentenschaft, dem Andenken des Fürsten BiSmarck überall in Deutschland gewaltige Bismarcksäulen zu errichten, von deren Spitzen am Abend des 1. April Feuerfanale weithin durch das Land leuchten sollen, hat im ganzen Reiche begeisterten Widerhall^gemndcn. Außer in ben 27 Hochschulpädten, wo ein SmdentenconutL die Errichtung einer Säule betreibt, haben sich bisher in nichi weniger als 46 Städten an gesehene Männer zusammenge- funben um der Verwirklichung derJdee näher zu treten Das Ehrenpräsidium des Ausschusses der deutschen Studenten, schaft hat der greife Patriot Oberpräsident a. D. von Bennigsen angenommen.

Ueber die Pläne der Regierung betreffs des Postzcitungstarifcs verlautet folgendes: Die Zeitungs gebühren sollen betragen 10 Pfg. für jede Bezugszeit ohne Rücksicht auf deren Dauer, ferner 15 Pfg. jährlich für das wöchentlich einmalige oder seltenere Erscheinen, sowie 15 Pfg. jährlich mehr für jede weitere Ausgabe in der Woche, und schließlich 10 Pfennig für jedes Kilogramm deS Jahresgewichles, mindestens jedoch 40 Psg. jährlich für jede Zeitung. Die Einzelheiten müssen abgewartet werden, aber soviel kann man wohl sagen: wenn die Angaben zutreffend sind, wird der kleine Mann den Schaden haben, indem ihm die billige Zeitung entzogen wird.

Ausland.

Oesterreich. In Reichenberg hat sich eine Versamm­lung von Bürgermeinern, Ortsvorstehern und Veitrauens- männern des Reichenberger Bezirks für die schärfste Obstruktion ausgesprochen, bis zur Aufhebung der Sprachenverordnungen und bis zur Aenderung des Re- gieruugsshstems. In Prag sind wiederum mehrfach deutsche Studenten von Czecheu augefallen und geprügelt worden. Die Statthalterei hat den Beschluß des Reichenberger Stadlverorduetenkollegiums vom 28. Juni 1889 au'gehoben, welcher bestimmte, daß die Geschäfts- sprache der Stadt Reichenberg nur die deutsche sein soll und daß in einer anderen Sprache abgefaßte Eingaben nicht angenommen werden sollen.

Cadiz, 17. Jan. Der Sarg des Christoph Colum- bus ist geöffnet worden; in demselben befanden sich nur Asche und einige Knochenreste. Der Sarg wurde sodann wieder geschlossen. Der AvisoGiraldar wird den Sarg morgen nach Sevilla bringen, wo er feierlich empfangen und in die Kathedrale überführt werden soll.

Newyork, 14. Jan. Außerordentliche Kälte herrscht in den östlichen Staaten der Un ou. In Newyork stand am Mittwoch der Wärmemesser nur auf 9 Grad Fahrenheit über dem Nullpunkte. In dem gleichfalls im Staate Newyork gelegenen Saratoga aber herrscht eine Kälte von 32 Grad unter Null und in Pittburg und Penusylvanien hatten die Einwohner gar eine solche von 40 Grad unter Null auszuhalten. Viele Menschen sind erröten und die Sterblichkeit hat bedeutend zuge­nommen. In vielen Dörfern auf dem Lande mußten wegen der großen Kälte die Schulen geschlossen werden. Unter den Armen herrscht viel Elend.

KarlSruhe. Neben Reuß ä. L. ist auch das Groß- herzogthum Baden schuldenfrei. Wir haben zwar, schreibt ein Badener, eine Eisenbahnschuld von über 230 Millionen Mark. Alljährlich müssen nebst der Verzinsung auch einige Millionen getilgt werden. Allein das ist keine Schuld im eigentlichen Sinne des Wortes. Der finanzielle Werth des Geschäftsbetriebes und der Ver- mögensgegenstünde beläuft sich auf eine weit höhere Summe.Andere Schulden" hat der badische Staat nicht. Selbstverständlich würde keine Regierung und keine Volksvertretung sich dazu verstehen, etwa durch Verkauf der Eisenbahn dieseSchuld" zu tilgen.

AuS Thüringen, 20. Nov. Wohl in keinem anderen Theile Deutschlands sind unsere Singvögel so sehr der Verfolgung ausgesetzt wie in einigen thüringischen Staaten. Wie arg es hier in dieser Hinsicht getrieben wird, zeigen wieder folgende Mittheilungen. In Saatfeld bot kürz­lich eine Frau aus dem Dor e Menra 1'/« Schock (90 Stück) gerupfte, zum Braten hergerichtete Meisen zum Verkauf aus, und ein aus beriethen Ortschatt nammenber Arbeiter anwortete auf die Frage, wie groß sein Tagesfang sei, es fehlten ihm nur zwei Mandel an sieben Schock (also insgesammt 390 Stück). Aus Rudolnadt wird berichtet, daß bei einer Durchsuchung mehrerer Stellen gegen 800 Leimruthen gefunden wurden. Bei Annäherung der Beamten machten sich allmählich 50 Personen aus dem Staube, die wahrscheinlich sämmt­lich der Vogelstellern obgelegen hatten. Ergriffen wurde leider nur eine Person. Es ist dringend zu wünschen, daß die Behörden auf das Treiben der Vogelsteller scharf aufpassen und strenge Maßregeln ergrei cn. Alle Natur und Thierfreunde werden ihnen baiür dankbar fein und sie in ihrem Vorgehen gern unterstützen In den Vogelschutzvereinen zu Gera und den umliegenden Orten tritt man jetzt lebhaft dafür ein, sämmtliche Vogelschutz- und landwirthschaftlichen Vereine zu veran- lafsen, dahin zu wirken, daß ein besseres Gesetz zum Schutze der Singvögel geschaffen werde.

Nürnberg, 17. Jan. Eine Abordnung der hiesigen und Fürther Kunsianstaltsbesitzer die in ihren Be­trieben (Litographie und Farbendruck) über 3000 Arbeiter beschäftigen und besondeis stark auch für den überseeischen Markt arbeiten hat, derAllg. Ztg." in München zufolge, dieser Tage in Koburg geweilt, um Fühlung zu nehmen wegen Verlegung aller dieser Betriebe ins koburgitche Gebiet. Grund ist die drohende neue baierische Steuergesetzgebung, die den Kunstanstalten die Konkurrenz auf dem Weltmärkte unmöglich machen würde. Die Abordnung hat in Koburg, besonders auch bei der Herzoglichen Regierung, das größte Entgegenkommen ge­funden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 20. Jan.

* Die neuen rothen Postanweisungen, mit 10 Pfennig fraiifirt. welche seit dem 1. Januar b. I. von der Post in Verkehr gebracht sind, haben schon zu mancherlei Unzuträglichkeiten Anlaß gegeben, indem sie von dem Publikum zu höheren Geldsendungen benutzt wurden. Es sei darauf hingewiesen, daß dieselben nur zu Posteinzahlungen im Betrage bis zu 5 Mk. ver­wendet werden dürfen.

* Ein zweijähriges Kind des Händlers März in der Wassergasse fiel heute Vormittag in den Mühlgraben daselbst und wurde von dem Wasser bis an den Rechen der Klostermühle (Eckhardt) getragen, wo es von einem Dienstmädchen bemerkt wurde, welches das schon fast er­starrte Kind herauszog und zu den Müllersleuten brächte, die ihm die nöthige Pflege angedeihen ließen. Hoffentlich hat diese kalte Wasserfahrt keine üblen Folgen weiter.

* Einem Bäuerlein aus dem Dorfe W, das sich Geschäfte halber vorgestern hier aufgehalten und dabei wohl der bösen Nebel wegen den gebrannten Wassern reichlich zugesprochen hatte, geschah auf dem Heimwege das Mißgeschick, daß seine Unterthanen streit* ten und ihn nicht weiter tragen wollten. Zum Ausruhen dünkte ihm der mit Regenwasser randvoll gefüllte Straßen­graben recht geeignet und bald saß er bis an die Schul­tern mitten im feuchten Element. So traf ihn ein Lands­mann, und die Situation für den Schlafenden als sehr bedenklich ansehend, fischte er den Herrn Vetter heraus aufs Trockene und bugfirte ihn heim zu Muttern. Der Empfang den ihm dieselbe zu theil werden ließ, soll recht warm gewesen sein.

Mittel, um hohle Obstbäume zu erhalten. Obst­bäume bleiben noch lange in guter Fruchtbarkeit, wenn man ihre Höhlungen mit Lehm ausfüllt und diesen mit T'-er bestreicht, damit der Regen ihn nicht auflösen kann.

Orb, 17. Jan. Der Verkauf der Saline ist gestern durch Vollziehung des Vertrages seitens der Käuferin, der Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten in Frankfurt a. M. perfect geworden. Die Stadt erhält 15o000 Mk. baar und behält Rathhaus und Jagdhaus. Außerdem ist das die Saline umgrenzende Gelände von der fraglichen Gesellschaft, an deren Spitze Herr Baurath Helftmann steht, zu namhaften Preisen angekauft, so daß insgesammt ca. 500 000 Mark baar an Kaufgeldern nach Orb fließen. Sobald die vorgeschriebene Genehmig­ung der Aufsichtsbehörde eingegangen ist, soll alsbald mit dem Bau von 4 Logierhäusern vorgegangen werden. In Orb herrscht ob der überaus. günstigen Löfung dieser lange spielenden Sache freudigste Erregung. Die Gesell­schaft, welche die Saline betreiben wird, hat sich unter der Firma:Bad Orb, Gesellschaft mit beschränkter Haftung" konstituirt und wird ihren Sitz in Orb haben.

Oberirdois, 17. Jan. Seit einigen Tagen wird hier eifrig agitirt, um die Fortsetzung der zukünftigen Bahnlinie Wächtersbach-Orb nach dem Joßgrund zu erreichen. Die gesummte Einwohnerschaft steht dem Projekt günstig gegenüber.

Lom Bogelsberg, 17. Jan. Wie anderwärts, so steht auch der Vogelsberg. in gewissen Strichen im Zeichen des Verkehrs. Einstweilen jedoch berührt es doch sonderbar, daß in dem Orte E. z. B. ein junger Mann sich mit dem Rad auf die Staatsstraße begiebt, um dort Steine zu klopfen. öben.o erregt es Aufsehen, daß an den Feiertagen junge Bauernsöhne auf dem Zweirad von der höchstens 20 Min. entfernten Mühle zum Gottesdienst in das Dorf fahren und Abends ]ogar in die Spinnstunde.

In Heringen feierte dieser Tage der Kantor Wehnes sein 50jähriges Dienstjubiläum. Eiwähnenswerth dürfte die Thatsache sein, daßals Vorgänger des Herrn Wehnes, der die 50 Jahre als Lehrer hier thätig war, Kantor Rosens ock 54 Jahre hier gewirkt hat; in 104 Jahren sind also nur zwei Lehrer hier thätig gewesen.

Buttlar, 17. Jan. Die hiesige Dampfmolkerei- Gesell chaft hat ihre fämmtlichen Geräthschaften an Herrn Franz Winter jun. käuflich abgetreten und wird derselbe das Geschä t unter eigener Firma weiterführen. Die seitherige Gesellschaft bestand vom August 1888 ab und gehörten derselben die Einwohner der Gemeinden Butt­lar, Borsch, Wenigentaft, Rasdorf, Grüsselbach, Mails« bach, Soislite, Oberbrechbach, Bermbach, Pferdsdors, Sünna und Hofgemeinde Deicheroda an.