SchlüchtemerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblaie- vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
.M 5. Mittwoch, den 18. Januar 1899. 50. Jahrgang.
l^ftoMit ilrtttt auf bie .Schlüchterner Zeitung" UkßrkUU werden noch fortwährend von allen - .......*----------~ Postanstalten und Landbriesträgern
olvic von der Exped^ion entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Jan. Die Thronrede zur Eröffnung des Landtages erklärt, die Finanzlage sei fortdauernd günstig; das lautende Jahr bringe einen befriedigenden Ueberschuß. Für die Neuregulierung der Gehalksver Hältnisse einzelner Klassen der Unterbeamten seien die erforderlichen Mittel über die Anregung des vorigen Landtages hinaus, bereit gestellt. Einige bisher nicht berücksichtigte Kategorien mittlerer Beamten sollen ein- bezogen werden. Die Wittwen- und Waisenversorgung der Volksschullehrer werde anderweit geordnet, die Anstellung und Beworgung der Kommunalbeamten soll gesetzlich geregelt werden, ehrengerichtliche Einrichtungen für Aerzte sollen geschaffen werden und die Befugnis der Aerztekammern erweitert werden. Ferner werden ange- kündigt Vorlagen, betreffend den weiteren Ausgleich der durch die Steuerreformen herbeigefühnen Verschiebungen des Gemeindewahlrechts, kommunale Besteuerung der Waarenhäuser, Vorlagen, betreffend die Erweiterung des Staatsbahnnetzes und die Förderung der Kleinbahnen, ferner eine Vorlage, betreffend den Ban eines Schifffahrtskanals von Dortmund über den Emskanal nach dem Rhein, We er und Elbe. Die Regierung erachtet
eS als ihre erste Pflicht, fortgesetzt auf die Hebung der Landwirthscha't bedacht zu sein; die vorhandenen Wirth- schaftlichen und politischen Gegensätze verpflichteten sie zum Ausbau der staatlichen Einrichtungen im Interesse aller Kreise. Die Grundlagen des Staats- und Volkslebens seien gesund und festgefügt, sodaß mit Zuversicht in die Zukunft geblickt werden kann.
— 92 Millionen Mark für Klebemarken wurden im vorletzten Jahre im Deutschen Reiche ausgegeben. Die Zahl der eingeklebten Marken betrug 430 7a Millionen, im Jahre zuvor hatte die Zahl der Marken 421 Mill, der Erlös 89'/, Millionen Mark betragen. Von den Marken zu 20 Pfg., die von Leuten mit einem Jahres- verdicnst von 500 bis 720 Mk. benutzt werden, setzte der Staat 158 Mill. Stück ab. Von den Marken zu 14 Pfg wurden 1037, Mill. und von den Marken zu 30 Pfg. gar nur 74'/- Millionen Stück verwendet.
— Die halben Kronen sowie die silbernen 20 Pfennigstücke werden nach und nach aus dem Verkehr zurückgezogen. Von ersteren sind nur noch 5,9 Millionen, von letzteren 14,7 Millionen im Umlauf. Im ganzen waren ausgeprägt 27,9 Mill. von letzteren für 35,7 Mill. Mk.
— Vorlängerer Zeit hatten die größeren Seefischerei- gesellschaften einer bedeutend n Anzahl Regimenter in allen Theilen des Reiches Köche zur Verfügung ge teilt, um einen Versuch mit Fi chkost als Soldatenernährung zu machen und welche das Küchenpersonal zur Zubereitung anlernen sollten. Die Versuche sind, wie man schreibt, insofern günstig ausgefallen, als die Fischko"' sich als nahrhafter und billiger als die jetzt übliche Kascrncnkost erwiesen hat und zudem den Mannschaften srhr willkommen war. Man hofft, dem deutschen Fischhandel mit diesen Versuchen ein nennenswerthes Absatzgebiet erschlossen zu haben.
Vom Kyffhäuscr, 11. Jan. In der im Okt. v. I stattgehabten Versammlung des ständigen Kyffhäuser- auSschusses der deutschen Kriegervereine wurde, wie ern jetzt allmählig bekannt wird, betreffs der finanziellen Seite der Kyffhäuferdenkmalsangclegenhcit eine keines- Wegs erfreuliche Schilderung gegeben. Der vor mehreren Jahren ergangenen Aufforderung deS Deutschen Krieger- bundes, auf den Kopf des Mitgliedslandes vom 1. April 1896 je 1 Mark zum Denkmalsfonds zu zahlen, find von den 11,579 Vereinen des Bundes zum letzten gedruckten Abschlüsse erst 2137 nachgekommen, während
8413 Vereine erst zwischen 10 und 100 Pfennig auf den Kopf und 1029 Vereine überhaupt noch keinen
um «uF( um, iv^t, vuiuk uunyun^L uvu, .»uv.. die vollständige Uneinigkeit und beispiellose Gehässigkeit Pfennig gezahlt haben. Dabei betragen die Schulden mit der sich sämmtliche leitenden Personen während des «och 490,000 Mark! Zur möglichst schnell n Tilgung Krieges gegenüberstanden. Diese Zustände, die gegcn- sind die Landesverbände ersucht worden, vom Jahre über einem einigermaßen ebenbürtigem Gegner zu den 1900 ab bis zur Schuldentilgung jährlich auf den Kopf schwersten Niederlagen der Nordamerikaner hätten führen
lich gewesen ist, die Gc'ammtkostcn des Denkmals auf- zubrmgen, obgleich von dem Einzelnen nur ein kleines Op'er gefordert wird, das, auf mehrere Jahre vertheilt. nach wenigen Pfennigen zählt.
Erfurt, 11. Jan. Die hiesige landwirthschaftliche Genossenschaft „Raiffeisen" erbaut neben ihrem Ge schäftshause in der Moltkestraße ein großes Hotel. Die Ausschachtungsarbeiten haben bereits begonnen
Weißen-fels, 12. Jan. Biedere Leute eines benachbarten Städtchens erhielten als Geschenk eine Packung Kakaopulver. Der Hausherr sah es als ein Färbemittel an, versetzte es mit den nothwendigen Ingredienzen und tünchte damit die Wände seines Hauses. Bei einer Nachfrage des Geschenkgebers, wie Ihnen das Nahrungsmittel gemundet habe, klärte sich der Irrthum der einfachen Leute auf. — Ein Sohn vom Lande bekommt von Splittern eine Kiste geschickt, in welcher allerlei ent halten ist, was sein Herz laben soll. In fürsorglicher Weise h 4 nun die Mutter diesmal auch der Sendung eine Blechdose mit weißer Schmierseife beigefügt, da der Sohn geklagt hat, daß es ihm an einem kräftigen Reinigungsmittel fehlt. Jetzt ist nun ein Brief ins Vaterhaus gelangt, in welchem der junge Soldat schreibt: „Liebe Mutter, das nächste mal schicke mir nicht wieder solches verdorbenes Fett; ich habe nach dem Genuß dessalbcn acht Tage lang die fürchterlichsten Beschwerden im Leibe verspürt." In seiner lieben Unschuld hatte der Soldat die Schmierseife für Fett gehalten, da er bei voraufgegangenen Sendungen stets eine Büchse mit Fett erhalten hatte.
Magdeburg, 11. Jan. Die Strafkammer hier hat jetzt ein ganz ungewöhnlich hartes Urtheil gefällt. Dieselbe verurteilte den Redakteur der sozialdemokratischen „Volksstimme", Müller, wegen Beleidigung des Kaisers und des Prinzen Eitel Fritz durch ein „Märchen aus Bagdad" zu 4 Jahren Gefängniß.
Dortmund, 22. Jan. Der 13jährige Knabe Emil Wichmann vergnügte sich damit, mit einer kleinen Pistole nach Spatzen zu schießen. Als ein Schuß nicht losging, drehte der Junge den Lauf der Waffe seinem Körper zu und hantirte an dem Mechanismus. Plötzlich ging der Schuß los und der Knabe sank, durchs Herz ge> troffen, todt zu Boden. — Ein schrecklichen Todt fand in einer Dortmunder Schlackenmühle der Arbeiter Rataiczack. Mit dem Losschrauben der Siebe in der Kugelmühle beschäftigt, berührte er aus Unvorsichtigkeit die Ricmcnausrückcr, die Mühle setzte sich in Thätigkeit und zerquetschte den Mann zu einer unförmlichen Masse.
Emmerich, 10. Jan. Bekanntlich werden die hier
zur Einfuhr kommenden Mengen amerikanischen Obstes und Obst chalcn auf daS Vorhandensein der San-Josö Schildlaus untersucht. Gestern morgen nun wurde dieselbe hier zum ersten Mal vorgefunden, und zwar bei einer Sendung kalifornischer Birnen, deren Einfuhr natürlich so on beanstandet wurde. Man fand das Ungeziefer in größeren Mengen am Stiel und einzeln auch in der Kelchhöhle.
Vicbrich, 7. Jan. Ein interessantes Streiflicht auf die Wiesbadener Wasfcrverhältnissc wirft die Thatsache, daß die Lokomotiocn aus der städtischen Wasserleitung kein Wasser mehr bekommen. Deßhalb müssen seit einiger Zeit sämmtliche Lokomotiven der Schwalbacher Bahn (die übrigen werden in Kanel getränkt) nach Mosbach fahren, um dort Wasser einzunehmen. Es macht einen eigenthümlichen Eindruck, wenn mehrere zusammengekoppelte Lokomotiven hierher fahren, ihren Durst löschen und dann wieder nach Wiesbaden zurück dampfen.
Ausland
Amerika. Das Ergebniß der Kommission, die zur Prüfung der während des amerikanisch '"panischen Krieges vorgckominenen Unregelmäßigkeiten eingesetzt war, ist ge radezu kläglich. Die wochenlangen Zcugcn-Vcrnehmuugen haben nichts anderes zu Tage gefördert, als Belege für
unglaublichen Betrügereien bei den Lieferungen der Lebens- und Arzneimittel, der Bekleidnngs-Gcgenständc und Transportmittel gerade durch die Nebenbuhlerschaft der Heeres- und Flottenführer ermöglicht wurden. — In einem monarchisch regierten Staate wäre derartiges unmöglich gewesen.
Manila. Der Ausbruch des Kampfes zwischen den Amerikanern und den Filipinos erscheint fast unabwendbar. Aguinaldo erklärte, daß er Manila angreifen würde, wenn die Amerikaner Jlo Jlo angreifen. 5000 Amerikaner, welche bereits nach Jlo-Jlo eingeschifft waren, kehrten nach Manila zurück, weil man fürchtete, daß Aguinaldo einen Handstreich auf Manila vorhabe. Auf der Insel Luzon liegen 6u,000 Mann Jnsurgculen- truppen, die meisten bei Malolos und im Lande, etwa 40 englische Meilen von Manila entfernt. Wenn die Amerikaner ihnen entgegenrücken wollen, so führt die Straße durch sumpfige Gegenden. Die Filipinos möchten gern einen Kamps im Busch aufnehmen, worin sie große Erfahrung haben. Diese Erwägungen hindern Die Washingtoner Regierung, dem General Otis den Befehl zu geben, vorzugehen. Möglich, daß die Ju urgenten ihm keine Wahl lassen werden und selber dem Angriff eröffnen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtcru, 17. Jan.
* — Beim dem am 15. d. Mts stattgeundenen Krönungs und Ordensfeste wurden verliehen: Der rothe Adler-Orden vierter Klasse dem Herrn Super, intendentcn Heck und dem Herrn Reutmeister Schnegels- berg zu Schlächtern und dem Herrn Revier;örster Amelung zu Fliedern
* — Der Regierungspräsident hat im Interesse der wirksamen Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche ungeordnet, daß im ganzen Regierungsbezirk die Skall- ungen der Viehhändler durch die amtlichen Thierärzte alle 14 Tage einer Controlle unterworfen werden müssen,
* — Nach einer amtlich veröffentlichten Zusammen- stellung der Einnahmen, welche den Gemeindekassen im Regierungsbezirk Cassel durch den Verkauf des im Jahre 1898 geernteten Obstes zugeflossen sind, wurden gelüst in den Kreisen: Cassel 8<o2 w>k. 6o Psg. Eschwege 6303 Mk. 29 Pfg., Frankenberg 3266 Mk. 27 Psg. Fritzlar 4133 Mk., Fulda 65r Mk. 35 Pfg., Geln- hausen 6661 Mk. 70 Pfg., Gers.eld 398 Mk. 80 Pfg., Hanau 2370 Mk. 31 P;g Hersseld 938 Mk. 16 P g., Hofgeismar 21,469 Mk., Homberg 3482 Mk. 35 Psg., Hün eld 350 Mk. 15 Pfg., Kirchyain 6639 Lllk. 35 Psg., Vkarburg 3777 Äck. 36 P g. Nkelsungen 3125 Mk. 91 P g., Rintcln 4398 Mk. to Pfg., Rotenburg 2753Mk. 35" P g Schlüchtern 2237 Bit. l P g.^Schmalkalden 1301 Mt. 48 Psg., Witzenhausen 12,Uüü Mk. 70 Pfg, Wolfhagen 7065 Ntk. 51 P g, Zicgenhain'38l8 Hilf.
87 Pfg., Summa 105,965 Mk. 43 P g.
* — Klanglose oder zerbrochene Goldstücke. Eine Berliner kaufmännische Firma sandte ein zerbrochenes Zehnmarkstück, welches ein württembergisches, Münzzeichen trug, an das Kgl. württembergische Münzamt mit dem Ersuchen ein, das Geldstück umzulauschen. Sie erhielt folgenden Bescheids „Anliegend folgt eine gute Krone zurück. Schicken Sie künftig derartige Stücke an das Münzamt dort (Berlin); denn es ist gleich, ob der König von Preußen, Württemberg oder ein anderer Regent darauf ist Sämmtliches Geld wird auf Reichs- kosten geprägt und ist Reichsgeld. Deshalb ist auch jede Münzkasse verbunden, sie einzulösen und an das Münzmetall-Depot des Deutschen Reiches in Berlin abzuliefern. Nur gewaltsam beschädigte oder im Gewicht verringerte Stücke werden nicht voll, sondern nur zum Metallwcrth Ungelöst. Bei dem überschickten Stück liegt keine gewaltsame Beschädigung vor; jenes (Selb, aus dem derartige Stücke geprägt sind, war etwas zu pröde, deshalb haben manche Stücke schon unter dem Prägestempel Schaden genommen, wurden anfänglich infolge eines verborgenen Risses klanglos und brechen früher oder später. Königl. Würrttembergische Münzkasse,
* - Im Jahre 1899 werden au; dem Kreuzberge (Rhön) die hauptsächlichsten Wall ahrtstage fein; 4. April, 3. 23. Mai, 4. 13. 24 Juni, 8. Juli, 6. 18.
zwei Pfennig beizusteucrn. Hervorgehoben wurde dabei, .müssen, wurden in den Zcugcn-Vernchmungen eingehend 22. 27. 28. August, 3. 8. 14. 24. September, 4. eS sei schwer verständlich, daß es einer Gemeinschaft geschildert, und dabei wurde festgestellt, daß die erbärm-| Oktober. An den Vorabenden benannter Tage und an von fast zwei Millionen von Kriegern bisher nicht mög-jlichcn Zustände in der Heeres Verpflegung und die fast j diesen Tagen selbst bis Nachmittag werden Mit Rücksicht