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Kettele sich im Vichstall auf ein Strohlager, und eine Minute darauf ertönte ein so mächtiges, rasselndes Schnarchen über der Tenne, daß die Rinder erschreckt die Köpfe hoben. Den Ochsen des Stalles ergriff die Neugierde und es gelang ihm, dem Schläfer so nahe zu kommen, daß er diesem mit der rauhen Zunge über das Gesicht fahren konnte. Der gute Mann erwehrte sich der Liebkosungeu, ohne aufzuwachen, durch Stoßen mit den Händen und Füßen, und die hinzugekommenen Festgäste hörten ihn dem Ochsen eindringlich zurufen: „Langsam, Herr Müller, das Messer kratzt I" Der Dorfbarbier Herr Müller soll über diese Verwechslung noch heute entrüstet sein.

Aus der Rhön, 7. Jan. Bei den furchtbaren Schneestürmen der letzten Tage fand der großherzogliche Gensdarm Krauser in Frankenheim, als er Abends von einem Dienstgange von Obcrweid zurückkehrte, einen Mann bewußtlos und erstarrt am Wege liegen. Mit vieler Mühe gelang es, den Bewußtlosen wieder zum Leben zu erwecken. Jetzt ist er wieder völlig hcrgeslcüt und dankt seinem Lebensretter für dessen thatkräftige Hilfe. Ohne das energische Eingreifen des braven Be­amten wäre der Aermste in kurzer Zeit eine Leiche gewesen. — Wie schrecklich der Sturm war, geht daraus hervor, daß die Personenpost Fladungen-Hilders .nicht weiter konnte und unterwegs ausspannen mußte. Auch verschiedene Personen, welche am Abend nach Franken- heim zurückkehren wollten, waren gezwungen, in den am Fuße liegenden Dörfern zu übernachten. — Betreffs der Theerkohlengrube Sieblos geht der Fuldaer Zig. die Mittheilung zu, daß am 21. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr, Scvoh-Hotel zu Berlin die 3. ordentliche General-Versammlung stattfinden wird, wobei die Neuwahl des Vorstandes auf der Tagesordnung steht. Die Ge­sellschaft hat das bei der Grube belegene Bauerngut Tränkhof angekauft und die Gebäude zu Beamten- und Arbeiterwohnungen ausgebaut. In Folge der günstigen Witterung ist der Fabrikbau soweit gefördert, daß vor­aussichtlich schon im März der Betrieb ausgenommen werden kann. Die AufschließungS-Arbeiten der Grube haben ergeben, daß nicht nur sehr große Mengen Kohlen vorhanden sind, sondern auch die tiefer liegenden Schichten noch werthvoller sind, als im Anfang angenommen wurde. Denn während die anfangs aufgeschlossen Schichten nur einen Theergehalt von 20,4 pCt. reinen The-r enthi lten, haben die beim weiteren Aufschluß gefundenen Kohlen 42 pCt. Theergehalt ergeben. Wenn man dagegen die Schweelereien der Halle'schen Reviere in Betracht zieht, welche bei ca. 10 pCt Theergehalt gute Dividenden geben, berechtigt dies geradezu glänzende Ergebniß zu den schönsten Hoffnungen für die Rentablität des Unternehmens.

Aus dem Vogelsberg, 10. Jan. Herchenhain, der höchstgelegenste Ort des Vogelsberges, droht von der, Bildfläche zu verschwinden. Die ärmlichen Verhältnisse der Gegend haben den großherzoglichen Bürgermeister und Landtags Abgeordneten Scb. Weidner daselbst im Einverständniß mit der gesummten Bevölkerung bewogen, bei großherzogl Ministerium den Antrag zu stellen, die gesammte Gemeinde Herchenhain einschließlich Felder, Wiesen und Hofraithen um den Preis von einer Million — wobei für den Morgen etwa 600 Mark erzielt würden — anzukaufen. Das großherzogl. Ministerium scheint dem Plane nicht ganz ablehnend gegcnüberzustehcn, zumal der Staat trotz des sehr hohen Preises immer noch ein Geschä't machen würde, da die seitherigen Zu­schüsse desselben für Schulwesen und bergt. ziemlich bedeutend sind und es möglich wäre, durch Waldan­lagen auf den 23 unwirksamen Höhen eine sichere und dauernde Einnahmequelle zu erzielen. Die Durchführung des Planes ist dahin projektirt, daß das ganze Grund­vermögen in den Besitz des Staates überginge und diejenigen Einwohner, die gesonnen wären, weiter daselbst zu weilen, ihre seitherigen Anwesen von dem Staate pachten würden; — ob der Plan zur Wirklichkeit wird, ist noch nicht gewiß, immerhin hat derselbe noch einige Aussicht, da vor Kurzem ein höherer Beamter der Forst- abtheilung im Auftrage der Regierung in Herchenhain weilte, und einer Gemeinderathssitzung beiwohnte, in der diese Frage erörtert wurde. Bemerkt sei noch, daß man sich schon in den 40er Jahren einmal mit dem Ge danken trug, Herchenhain in die Gegend von Ulsa (sogen. Harp) zu verpflanzen.

Schmalkalden, 8. Jan Beim Gemüsereinigen ging einem Dienstmädchen von dem Messer der Griff ab und um diesen wieder festzumachen, setzte sie die spitze Klinge auf den Leib und schlug nun krä'tig auf den Griff. Hierbei geschah es nun, daß das Messer die Kleider durchstach und in den Leib eindrang. Die Wunde mußte vernäht werden.

Cassel. Seine Majestät der König haben Aller- gnadigst zu genehmigen geruht, daß der Kommunal- Landtag des Regierungsbezirks Cassel zum 20 Febr. d. J. nach der Stadt Cassel berufen werde.

Cassel, 7. Jan. Zu dem berichteten Unglücksfall im Pflanzenhause auf Wilhelmshöhe geht dem „Tagebl," folgende Erklärung zur Veröffentlichung zu: Der Vater des Verunglückten hat als Fachmann nach genauer Untersuchung d r Unglücksstätte folgendes zu berichten: Der fragliche Schornstein ist nach ganz ungesetzlicher Weise gebaut, so daß am unteren Ende des Schornsteins

kein normaler Mensch sich bewegen und auch wegen des zu engen Rauchcanals nicht ins Freie gelangen kann. Wenn der Schornstein gereinigt werden soll, muß der Schornsteinfeger von oben nach unten und dann wieder hinauf steigen. Da nun mein Sohn diesen ungesetzlichen Schornstein zum erstenmale ohne Aufsicht seines Meisters fegte, mithin die Constrrction des Schornsteins nicht kannte, ist er in der engen Stelle stecken geblieben, und da er nicht unten aussteigen konnte, erstickt und so ein Opfer der da bestehenden Mißstände geworden. Gustav Hartmann, Schornsteinfeger-meister, Stadtilm i Thür.

Carlshafen, 8. Jan. Gestern wurde bei Polle die Leiche jenes Arbeiters gefunden, der am WeihnachiS- vorabend hier in Carlshafen über die Weserbrücke in den Strom gestürzt worden ist.

Hauau. Hansbesitzer-Haftpflicht. Am 22. Oktober v. Js. stürzte in einem Hanse der Nebenstraße (Neustadt) eine Frau mit einer zum Hansboden führenden Leiter, wodurch sie sich einen Knöchelbruch am rechten Fuße zuzog. Da an der Leiter jede Schutzvorrichtung fehlte, blieb der betreffende Hausbesitzer für die Folgen dieses Unfalles haftbar und mußte der verletzten Frau eine Entschädigung von 900 Mk. zahlen, welche ihm aber von der Versicherungsgesellschaft „Allianz" in Berlin, bei welcher er sein Haus gegen derartige Fälle versichert hat, wieder znrückvergütet wurden. Vorgenannte Gesell­schaft hatte außer diesem Falle im vorigen Jahre hier noch 3 Unfälle ans Haftpflicht Versicherung als Haus­besitzer zu erledigen und mußte hierbei 415 Mk., 380 und 200 Mk. zahlen. — Durch die gelinde Witterung scheinen es manche Vögel, die uns für gewöhnlich im Herbste zu verlassen pflegen, vorgezogen zu haben, den Winter bet uns zu verbringen. So beobachtete man am sogenannten kleinen Main dahier zwei Bachstelzen und auf den Feldern bei Wilhelmsbad einen kolossalen Schwärm Starre. — Todte Mäuse im menschlichen Darm? Ein drei Jahre altes Kind entleerte nach Rizinnsöl zwei todte Mäuse Die Mäuse trugen alle Spuren eines längeren Aufenthaltes im Darm an sich Dr. Wilhelm Fritz in Bischofsheim bei Hanau, der die Thiere aus Tageslicht förderte, hat sie in Spiritus gesetzt und berichtet in der „Münch. Med. Wochen chr." über den räthsclhaftcn Fall.

Vilbel, 4. Jan. Ein bedeutendes Terrain Geschäht, wie es nicht ost vorkommt, wurde dieser Tage hier ab­geschlossen. Die Stadt Vilbel verkaufte nämlich das an der Straße Frank urt-Vilbel gelegene sogenannte Ruß­land, Gelände von etwa 1,400,000 Quadratmetern, an ein Frankfurter Bankhans zum Preis von 1 Mk für den Quadratmeter. Dem Vernehmen nach beabsichtigen die Käufer hier Fabriken und Arbeit,rwohnungen zu errichten. Die Anlage der neuen Straßen besorgen die Käu'er, während die Verkäuferin die Unterhaltung üb r nimm'. Die Anzahlung beträgt 4n0,000 Mk.

Dsn Juan.

Erzählung au- dem eudanis^cn Ausstande von Gustav Langen, t Fortsetzung) Nachdruck »erboten.

Die beiden jungen Leute traten ein wenig zurück und beriethen ei rig. wie sie in unauffälliger Weise das Kastell verlassen wollten. Auf dem gewöhnlichen Weg durch das Lager der Insurgenten war es ein ach un­möglich und selbst für den Fall, wenn es ihnen gelang, im Dunkel der Nacht sich unbemerkt dm chzn chlcicheu stellten sich Schwierigkeiten entgegen, die schier unüber­windlich dünkten. Wie sollten sie ohne einen kundigen Führer den Weg durch den Dschungel finden, um zu teil nächsten spanischen Vorposten zu gelangen. Rein unmöglich war dies, denn auch Don Juan konnte sich nicht im entferntesten mehr erinnern, auf welchem Weg er hierhergekommen war. Wollten sie trotzdem das Wagnis unternehmen, so drohte ihnen die Gcahr, sich zu verirren und elendiglich in der stundenweiten Wild­nis umzukommen -- da lieber hier auf gut Glück das Weitere abwarten. Auch die Möglichkeit erwogen sie, den Ver uch zu machen, einen der Insurgenten zu be­stechen und mit dessen Hil'e die Flucht zu bewerkstelligen. Es gab ganz sicher solche Kreaturen unter der Bande, daran war gar nicht zu zwei ein, aber wie den rechten hierzu finden und zu gewinnen, wie mit den Leuten in Verbindung zu treten, ohne Ge ahr zu laufen, vorzeitig verrathen zu werden, denn die Zeit drängte auch. Die Gesichter der beiden jungen Leute wurden immer be­sorgter, je länger sie ihre Berathung pflogen.

„Heureka!" rief plötzlich Silvana. „O, warum ist mir dieser Einfall nicht schon früher gekommen?'

Sie setzte nun Don Juan auseinander, wie unweit des Thurmes, zwischen den Felsen versteckt, eine Vor­richtung sich befand, womit aus den zeitweilig unten ankernden Booten Proviant, Munition und was sonst noch für die Insurgenten bestimmt war und ihnen auf dem Wasserwege zuging, nach oben tn das Kastell be­fördert wurde, es war eine krahuartige Vorrichtung. Da die Aufständischen hauptsächlich aus Amerika Unter­stützung erhielten, so wurde ihnen solche auf diese Weise zugeführt. Versteckt in einer tief einschneidenden Bucht, ankerte ein vorzüglich ausgerüstetes Boot, mit dem die Insurgenten den amerikanischen Dampfern entg-genfuhren, sobald diese in Sicht kamen, um die für sie bestimmte Ladung entgegenzunehmen — alles war vortrefflich ein­gerichtet und ging glatt von Ratten. So kam es auch,

daß die Insurgenten sich hier in dieser Wildnis halten konnten und an nichts Mangel litten, ja zeitweise sogar ein gewisser Ueberfluß herrschte. Den Spaniern war es eben noch nicht gelungen, diese Zufuhr-stelle aufzn- spüren, was bei der großen Ausdehnung der vielfach zerklüfteten Küste auch schwer hielt. Es würde auch nichts genutzt haben, denn daS Landen eines größeren Schiffes an der Stelle, wo oben das Kastell emporragte, war unmöglich und in Booten der in unb um das Kastell lagernden Jusurgentenschar beizukommen zu ver- tuchen, wäre ebenso tollkühn wie nutzlos gewesen, denn von den Felsenriffen herab würden die Spanier bei einem solchen Versuch einem verubtenden G.wehrfeuer ansgesetzt gewesen sein, während sie sich nicht vertheidigen konnten. Dieses Vorzuges ihres Lagers waren sich die Insurgenten wohl bewußt, darum konnten sie auch ziem- lich sorglos hier hausen, ohne befürchten zu müssen, Überfällen zu werden. Dies alles erzählte Silvana mit fliegendem Athem dem gespannt anshorchenden jungen Mann.

„Ganz so ungefährlich, wie Du meinst, mein Kind, ist dieser Weg zur Flucht sicher auch nicht," entgegnete Don Juan mit ernster Miene. „Denke, wir können unmöglich bei Nacht und Nebel denselben antreten, wir müssen das Tageslicht abwarten. Wir würden nun von einem ganz besonderen Glück ^gen können, wenn uns hierbei die ausgestellten Wachen nicht bemerken sollten — male Dir aber einmal die Wuth aus, mit welcher im Falle der Vereitelung unserer Flucht sich die Insurgenten auf mich stürzen würden, umso un­barmherziger. wenn sie erst den Tod ihres Führers erfahren werden."

Wir müssen einstweilen noch über den schmerzlichen Verlust schweigen," rieth Silvana.

„Können wir auch Maja vertrauen?" fragte Don Juan so leise, daß es die noch immer neben dem Sterbelager knieende Negerin nicht hören konnte.

„Sie ist treu wie Gold," antwortete das junge Mädchen ebenso leise.

„Nun, Du bist ja hier auf Cuba ausgewachsen und wirst daher wissen, wie .diese Farbigen unsere Rasse hassen, wenn Du aber hinsichtlich Deiner Duenna von dem Gegentheil überzeugt bist, so will auch ich ihr nicht mißtrauen, denn wir bebüren ihrer Dienste, sie kann uns von großem Nutzen fein, natürlich müßten wir sie dann auch mitnehmen."

„Nicht einen Augenblick hege ich Zwci'cl an ihrer Ergebenheit. Ich weiß, sie liebt mich wie ein eigenes Kind; sie war schon in den Diensten meiner Eltern, noch ehe ich geboren wurde, und mein Vater, welcher gewiß ein Menschenkenner war, hielt große Stücke aus sie, er hat sie daher auch bei unserer Flucht mitgenomm n."

Don Juan trat jetzt au die alte Negerin zu und berührte lere ihre Schulter.

„Stehe ant, Maja, Deine Hcrin wird in wenigen Stunden diesen Thurm verlassen, aber kein Mensch soll ein Sterbenswörtchen davon erfahren, hörst Du, und wenn Dich jemand nach dem Befinden des Herrn fragen sollte, so sagst Du, er schläft."

Und ich soll allein hier bleiben? O. Herr, laßt mich mitgehen," flehte die Alte und umklammerte die Kniee des jungen Biannes, sodaß es bieiem einige Mühe kostete, sich aus diesen Banden zu befreien

„Freist h sollst Du mitgehen, aber vor allen Dingen thue, wie ich Dir geheißen habe, und schweige. Wie werden in ein Land g Heu, wo es viel schöner ist, als auf Cuba, und Du wirst mit Deiner Herrin dann in einem präch'igen Schlosse wohnen "

„Die Maja wird stumm fein wie ein Fisch, und schweigen wie das Grab," beteuerte die alte Negerin und ein freudiges Lächeln verzerrte ihre breiten Gesichts- züge zu einem häßlichen Grinsen.

„Das will ich hoffen ; nun aber erhebe Dich tt ib gehe Deiner Herrin zur Hand, damit sie sich zur Ab­reise vorbereitet!" (Forts, folgt.)

Theater in Schlichtern.

Seit dem 6. Januar weilt die Theatergesellschast Direktion Flora Friedrich Ww. in unserer Stadt. Der Gesellschaft ging ein sehr guter Ruf voraus was wir auch glänzend bestätigt fanden unb zwar am Sonntag, den 8. d. Mts. in dem Volksüück „Die Macht des Goldes" oder „Die feindlichen Brüder" von Rudolf Kneisel. Unsere Erwartungen wurden in nichts ge­täuscht. Welches ein schönes, rundes Zusammenspiel der Gesellschaft wurde uns geboten, wie stand ein Jeder der Mitglieder auf seinen Posten unb mußte seine Rolle vortrefflich durchzuführen, trotz den manuig^acheit Schwierigkeiten, die gerade am Sonntag den Schaw spielern zu Theil wurden. Es war im wahrem Sinne des Wortes eine Muster-Vorstellung. Am Dienstag gingen die beiden Lustspiele „Die Hochzeitsreise" von Görner und „Die Kandidatenwahl" von Kotzebue über die Bretter. Ein paar reizende Lustspiele, die LachmuskelN der Zuhörer wurden in steter Anregung gehalten, die Darsteller lösten ihr Aufgabe in der prächtigsten Weise; es war ein recht gemüthlicher Abend. Wir wollen nur wünschen, daß die pekuniäre Lage der Gesellschaft in Schlüchtern auch nichts zu wünschen übrig läßt, damit uns noch recht viele solcher genußreicher Abende bc» vorstehen. Mehrere Theaterfreunde,