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Erscheint Mittwoch und Samstag.

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scheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleinL/GKMtzde^ deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 4. Januar 1899.

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50. Jahrgang.

kein Gut in Polen oder in der Nähe von Ansiedlungs- gütern, so kaufen sie ein Gut in solchen Bezirken an. Da sie sehr hohe Preise fordern, lehnt die Ansiedlungs Commission den Ankauf zunächst ab. Nun wird das Gut den Polen angeboten. Zugleich liest man in den Zeitungen, der deutsche Besitzer X. A. oder Z. unter- Haudele wegen Verkaufs seines Gutes mit einer polnischen Bank. Das Ende vom Liede ist die Ansiedelungs­Kommission kauft zu einem recht anständigen Preise das deutsche Gut von dem deutschen Besitzer, um es vor dem Uebergang in polnische Hände zu retten.

Den Morgenblättern zufolge wird dem Reichs­tage noch in der gegenwärtigen Tagung eine Vorlage zugehen, die das Gewerbe der Gesindevermiether und Stellenvermittler konzessionspflichtig macht.

Nicht unrecht die Korrespondenz des Bundes der Ländwirthe mit dem Hinweise darauf, daß innerhalb des deutschen Reiches noch 3 '/s Millionen Hektar Oed ländereien bestehen, und daß wir auch für diese Oed- lündercien unsere Hände rühren sollen, nicht allein für unsere tropischen Schutzgebiete. Derselbe Wunsch ist schon oft geäußert worden, bisher leider immer mit sehr geringen oder ganz ohne Erfolg. Und doch wäre es recht wünschenswerth, daß der Wunsch endlich einmal auf fruchtbaren Boden fiele.

Dessau, 29. Dez. Der präsumptive Thronerbe Anhalts, der Sohn des Prinzen und der Prinzessin Eduard von Anhalt, Prinz Leopold Friedrich, der im Februar sein zweites Lebensjahr vollendet haben würde, ist gestorben. Bekanntlich starb der Erbprinz, ohne einen Sohn zu hinterlassen, seine junge Wittwe Unterblieb mit einer Tochter, Prinzessin Antoinetto; der zweite Bruder, der nunmehrige Erbprinz, ist kinderlos. Prinz Eduard hatte vor diesem Prinzen Leopold eine Tochter, die wie dieser Sohn im zarten Alter starb, und die Ehe des Prinzen Aribert, der bekanntlich in Berlin bei den Garde-Dragonern steht, ist ebenfalls kinderlos.

Eine rührende Weihnachtsüberraschung wurde einer zu Dresden in dürftigen Verhältnissen lebenden hochbetagten Dame, die früher als Pflegerin in einer dortigen Krankenanstalt thätig war, zu Theil. Sie erhielt dieser Tage einen Brief aus Amerika. Als st ihn öffnete, fand sie darin zu ihrer Freude zwei Ban noten von je 500 Mk. Dabei lag ein Schreiben folgen >en Inhalts:Liebe Frau N.! Vor nunmehr 15 Jahren ag ich krank und elend dort im Krankenhause, wo Sie mich pflegten. Als ich das Krankenhaus verließ, hatte ch keinen rothen Heller. Sie schenkten mir aus Mit- eid, obgleich Sie selbst nicht mit Glücksgütern gesegnet waren, von Ihrem mühsam Ersparten dennoch 3 Mark. Gestatten Sie mir heute, Ihnen mit der beiliegenden Rabe so zu danken, wie ich es früher schon gern gethan jätte und wie ich es in Zukumt weiter thun werde, so wie Sie als meine Wohlthäterin es verdienen!"

Sdmnbau, 30. Dez. Einem Schiffer, der in seiner Schaluppe stand und sie eifrigst ausschöpste, war sein offenes Notizbuch, in welches er acht Einhundmarkscheine gelegt hatte, in die Elbe gefallen. Nachdem er seinen Verlust bemerkt, begab er sich mit einem Bootsmann auf die Suche. Beide hatten an der Elbbrücke (Carola­brücke) das Glück, zwei Einhundertmarkscheine im Wasser zu finden, die anderen sechs konnten aber trotz eifrigen Suchen«, sogar bis nach Halberstadt hinunter, nicht ge­funden werden. Mittlerweile gab aber ein Knabe in der Redaktion derElbezeitung" einen derartig ge fundenen Schein ab; schließlich hörte man, in Prossen habe eine Frau ebenfalls viel Geld gefunden. Die Frau gab, wie die «Drcsd. Ztg." mittheilt, zu, daß sie fünf Einhundertmarkscheine, welche am Elbdamme lang­sam hin und her getrieben, an sich genommen, sie war aber der Meinung gewesen, daß solches Papiergeld, welches man in die Elbe geworfen, wohl nicht echt sein könnte. Die Scheine gab sie selbstverständlich zurück und so kam der Verlierer zu seinem Gelde.

Erfurt, 30. Dez. Das Opfer zu starken Schnürens wurde die Gattin eines hiesigen Kaufmanns. Die junge Frau war trotz ihres blühenden Aussehens stets krank und suchte alljährlich Bäder auf, um das Leiden, als dessen Ursprung Gallensteine vermuthet wurden, zu heben. In der letzten Zeit steigerte sich das Leiden derart, daß die Dame sich nach Jena begeben mußte, um sich in der dortigen Klinik einer Operation zu unterziehen. Die letztere hat nun, wie mitgetheilt wird,

B^fT^flltitAOtl nu^ ^^ »Schlüchterner Zeitung" i-lltUmiylll werden noch fortwährend von allen - - Postanstalten und Landbriesträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Jan. Heute Vormittag fand im Schlosse die übliche Nenjahrsgratulatronscour statt. Der Kaiser war jedoch wegen einer leichten Erkältung in Potsdam verblieben. Bei der Paroleausgabe im Zeughause er­schien der Kronprinz mit dem Hauptquartier des Kaisers.

Die Kaiserin hat Weihnachten mehreren Hofbe amten, die die Orientreise nicht mitgemacht hatten, Gegenstände aus Jerusalem geschenkt.

Die Kaiserin Friedrich wird den Winter in Italien bezw. an der Reviera zubringen und erst im April nach Berlin zurückkehren.

Die Halloren-Deputation, welche dem Kaiser be kanntlich alljährlich am Neujahrstage bei der Hotafel zum neuen Jahre Glück und Segen wünscht und Ge­schenke (Wurst, Sooleier und Salz) nebst demCarmen" der Bruderschaft barbringt, ist in Berlin eingetroffen. Sie hat etwa 80 PfundKaiserwurst", prachtvolle Schlackwurst, mitgebracht. Die Rückkehr der Abord­nung nach Halle erfolgt erst am 9. Januar.

Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht eine kaiserliche Kabinetsordre, welche besagt:

Um die Reinheit der Sprache in Meinem Heere zu fördern, will Ich bei voller Schonung der Ueber­lieferung auf Mir gehaltenen Vortrag bestimmen, daß von heute ab nachstehende Fremdenausdrücke durch die neben an- gc'ührten deutschen Wörter zu ersetzen sind: Osfiziers- aspirant im aktiven Dienststande durch Fahnenjunker, Portepeesähnrich durch Fähnrich, Sekondelieutenant durch Leutenant, Premierlieutenant durch Oberleutenant, Oberstlieutenant, Generallieutenant durch Oberstleutenant Generalleutenant, Charge, Funktion, Avancement, Ani- ciennctät durch Dienstgrad, Dienststellung, Beförderung. Dienstalter. An Stelle der Bezeichnungetatsmäßiger Stabsoffizier" sind künftig dem Dienstgrade die Worte beim Stäbe" hinzuzufügen. Ebenso sind bei den von der Stellung als Batteriechefs entbundenen ältesten Hauptleuten der Feldartilleric und den dem Pionier­bataillone zugethcilten zweiten Stabsoffizieren und ältesten Hauptleuten, neben dem Dienstgrade die Wortebeim Stäbe" hinzuzufügen.

Kaiser Wilhelm besitzt jetzt 50 Schlösser, nach­dem ihm jüngst Gut und Schloß Sabinen bei Elbing vermacht worden sind. Davon sind drei in Berlin.

13 in Potsdam, die übrigen ebenfalls in der Mark bezw. im Rheinland, Hessen-Nassau, Hannover, Hohen- zvllcrn, Schlesien und Ostpreußen.

Der Kaiser als Sprachreiniger. Bei der Ein­weihung der Trinttatiskirche in Charlottenburg unterhielt sich der Kaiser unter anderem auch mit dem Magistrats- sekretär Bartels. Da ereignete sich folgender heiterer Zwischenfall. Der Kaiser fragte Herrn Bartels nach seiner Beschäftigung, worauf er die Anwort erhielt: Magistratssekretärl"Ach so," meinte lächelnd der Kaiser, Stadt chreiber!"

Oberstlieutenant a. D. Christoph Moritz v. Egidy ist am Donnerstag in Potsdam an Herzbeutel und Brustfellentzündung gestorben. Das Leiden hatte ihn jüngst aus einer Bortragsreise, die er durch Süd- deutschland machte, befallen und zur Heimkehr gezwungen. Herr v. Egidy war 1847 in Mainz geboren. Er diente zuerst im preußischen, dann im sächsischen Heere. Als solcher hat er im Jahre 1890 sein BuchErnste Ge­danken" und im folgenden Jahre die BücherDas einiges Christenthum" undErnstes Wollen" erscheinen lassen. Sie wurden die Ursache, daß er aus der Armee austrat. Von nun an vertrat er seine Bestrebungen, eine Reformation von Dogma und Kirchen- glauben einzuleiten, ein praktisch-nationaleS Christenthum zu begründen, durch öffentliche Vorträge. Doch gcrieth er, zumal seit der Reichstagswahl 1893, in harte Kollision mit der Praxis, der gegenüber seine Theorien nicht Stand zu halten vermochten.

Unlautere Manöver deutscher Grundbesitzer gegenüber der AnsiedlungSkommission deckt dieKöln. Volkszeitung' auf, die zu vertreten hat, waS sie mittheilt. Danach hat eine kleine Gruppe deutscher Grundbesitzer «in geheime- Kartell geschloffen. Besitzen die Herren

nicht Gallensteine, wohl aber zu starkes Schnüren als Ursache der Krankheit festgestellst. Die inneren Organe waren derart verwachsen, daß eine Hilfe nicht mehr möglich war; die Dame starb.

Crefeld. Mit welcher Unvernunft der Ausstandder Sammetweber in Crefeld vom Zaune gebrochen ist, zeigt folgende Berechnung:.Ein Ausstand, der deshalb entsteht, weil die Löhne erhöht werden, ist bis jetzt wohl noch nicht dagewesen. Die Crefelder Sammetwebcb haben dieses Novum geschaffen. Dafür ein kurzes Beispiel. Am Mittwoch reichten sämmtliche Weber der Sammetfabrik von R. Schelleckes u Cic. ihre Kündig­ung zum 10. Januar 1899 ein. Als Grund gaben sie die neue, von der Fabrikantenvereinigung ausgestellte Lohnliste an. Nun haben. die Weber der Fitwa R. Schelleckes u. Cie. vom 1. Dezember 1897 bis 30. No­vember 1898 bei durchschnittlich neunstündiger Arbeits­zeit im Durchschnitt je 22 Mark 19 Pfg. wöchentlich und vom 1. Juni bis 30. November 1898 bei durch­schnittlich zehnstündiger Arbeitszeit 24 Mark 30 Pfg. verdient. Nach der neuen Lohnliste würde aber der Verdienst bei den gleichen Arbeitsverhältnissen auf 23 Mark 23 Pfg. bezw. 25 Mark 43 Pfg., also um etwa 4% Prozent steigen. Trotzdem wollen die Arbeiter streiken und zwar wegen der neuen Lohnliste. Daß eS nicht Unkenntniß der Verhältnisse ist, geht schon da­raus hervor, daß die Firma ihren Webern diese Be­rechnung schon am 16. Dezember eingereicht hat. Aehn- lich liegt der Fall bei den übrigen Firmen. So haben die Arbeiter der Firma F. Ebeling u. Cie., die schon über bret Wochen ausständig sind, in den letzten sechs Monaten rund 103,000 Mark verdient. Diese Summe würde nach der neuen Lohntiäc auf rund 107,000 Mk., als! nahezu um 4 Prozent steigen. Trotzdem wird von der neuen Lohnliste behauptet, daß sie die Arbeiter be« nachtheilige! Bei der gesteigerten Konkurenz spielen die Weblöhne eine so große Rolle, daß die Fabrikanten schon aus diesem Grunde eine weitere Aenderung nicht vornehmen können. Es handelt sich also, wie wiederholt betont worden ist, nur um eine Kraftprobe, bei der die Arbeiter unbedingt unterliegen müssen.

Aus der Pfalz, 30. Dez. Sehr schlimme Nach­richten kommen aus dem Centrum der Schuhindustrie, der Stadt Primasens. In dem dortigen Schuhgeschäft kriselt es ganz gewaltig. In den letzten Tagen haben drei große Firmen ihre Zahlungen eingestellt. Es sind dies die große Schuhfabrik Gebrüder Ferckel, die Schuh­fabrik Adam Ziegler, sowie die. Lederhandlung Adolf Cohncn. Weiteres Fallissements stehen noch bevor. Außerdem hat erst vor Kurzem hier ein Ledergrossist mit Mk. '/< Millon Unterbilanz Bankerott gemacht. Schuld an diesen mißlichen Verhältnissen ist der schlechte Geschäftsgang in Folge der für die Schuhbranche un« günstigen Witterung in den letzten Wintern.

Metz. Ein Bataillon des in Metz garnisonirenden 130. Infanterie-Regiments befindet sich in einer benei« denswerthen Vermögenslage. Dasselbe konnte am Weih­nachtsfest 80 Stück pommersche Gänse mobil machen, odaß auf etwa 6 Mann ein solcher feister Vogel kam, Klingenberg 30. Dez, Die fünf großen Unter­nehmungen zum Wohle Klingenbergs: Brücke, Wasser­leitung, Kanalisation, elektrische Beleuchtung und Schlacht- Hofbau, sind nahezu vollzählig vollendet. Das elektrische Licht, von Schuckert in Nürnberg eingerichtet, erstrahlte zum ersten Male am Christabend. Das Schlachthaus wird als letztes der genannten fünf Werke demnächst,' fertig werden. Trotz der erheblichen Aufwendungen ver--, bleibt ein namhafter Betrag zur Vertheilung an die überdies steuerfreien Bürger übrig, alles dank der Er­giebigkeit unserer Thonwerke.

Ausland.

Spanien. DasNewyork. Journal" stellt die Frage, was der Krieg Spanien gekostet hat: 22 Kriegsschiffe, zweie gefangen genommene Armeen, Kuba (41,865 englische Quadratmeilen und 1,600,000 Einwohner, Portorico. (3500 englische Quadratmeilen und 800,000 Einwohner), die Philippinen (114,326 englische Quadratmeilen mit 8,000,000 Einwohnern), die Suluinseln (950 Quadrat­meilen mit 75,000 Einwohnern) und, verschiedene andere Inseln. Vor einem Jahre hatte Spanien 10,000,000 Unterthanen in seinen Kolonien, jetzt sind weniger als 200,000 übrig geblieben,,