Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
104. Mittwoch, den 28. December 1898. 49. Jahrgang.
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in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Onartalswcchscl vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der Ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonncmcnts-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
Die Expedition der „Schüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Der letzte, nahezu fünfstündige preußische Ministerrath welchem auch der Kaiser zwei Stunden lang beiwohnte, galt den Dänen-Ausweisungen ans Schleswig. BeiBeginn derpreußischenLandtagssessionwird Herr von Miguel, hierüber Mittheilung machen.
— Der Sultan sandte als Weihnachtsgeschenk der Kaiserin ein Reitpferd und der Prinzessin Viktoria Luise ein Ponnygespann mit einem kleinen Wagen.
— Eine Vorlage über die Besteuerung der Waaren- Häuser wird dem preußischen Landtage angeblich bereits in der nächsten Session zugehen. — Die „Deutsche Tageszeitung" giebt zur der Frage der Bekämpfung der Bazarc einer Zuschrift Raum, in welcher hinsichtlich der geplanten Sonderbestcuerung eine gesetzliche Trennung der reellen Geschäfte von den Ramschbazaren gefordert wird. Lasse sich eine solche Trennung vielleicht auch nicht grundsätzlich und theorethisch festlegen, so werde sie praktisch doch leicht durchzunihren sein. Sollte man von einer derartigen Scheidung indessen absehen, so würde die Sonderbesteuerung aller Großgeschäfte, die sich mit Kleinhandel und dem Vertriebe verschiedener Waaren- gattungen befassen, für das kleinere Uebel anzusehen sein. — Wer den Mittelstand erhalten will, der muß dafür sorgen, daß die Betriebe nicht ins Ungcmessene, Riesen hafte hinauswachsen und daß dieVortheile, die der Großbetrieb an sich zugestandenermaßen hat, durch eine Staffelsteuer ausgeglichen werden.
— Der „Reichsauzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers und Königs an den Minister des Inneren, wonach er die Statuten des Landesverbandes der preußischen Kriegervereine genehmigt, die Wahlen des ersten Vorsitzenden und seiner beiden Stellvertreter bestätigt und das Protektorat über den preußischen Landes kriegerverband annimmt.
— Eine neuartige Einberufung der Rekruten hat das Generalkommando des 6. Armeekorps probeweise angeordnet. Die Rekruten werden nicht mehr bei den Bezirkskommandos gesammelt, sondern sie haben sich direkt zur Truppe zu begehen Die Reise- und Marsch- gebührnisse werden von den Heimathbchördcn gezahlt.
Barmen, 24. Dez. Die Behörde warnt vor dem Genuß von ungekochtem hiesigem Leitungswasser, weil dasselbe durch krankheiterregende Bakterien verseucht sei. Das Wasser liefert der Ruhrfluß.
Eisenach, 20. Dez. Eine jähe, schreckensvolle Unterbrechung fand die gestern vom „Verein zur Hebung des sittlich religiösen Volkslebens" im Gewerbehaussaale ver- anstaltete Weihnachtsfeier, Sie hatte den erhebensten Verlauf genommen, und eine weihevolle, weihnachtliche Stimmung herrschte im Saale, als plötzlich auf der Galerie ein Schuß krachte, dem ein Aufschrei folgte. Wie sich bald herausstcllte, war der Schuß von einem Ppotographenlehrling abgefeuert worden, der während des Festabends den Revolver geladen hat und mit ihm gespielt haben will. Dabei ist ein Schuß losgegangen. Die Kugel ist unglücklicherweise dem neben dem Lehrling Namens Demmer sitzenden Schlossergehilfen W. in die Seite gedrungen, und diesen so schwer verletzend, daß sein Leben stark gefährdet erscheint. Er wurde sofort in das hiesige Diakonissenhaus gebracht.
. Mühlhause« i. Th, 21. Dez. Das Weberehepaar Fischer aus dem hiesigen Landkreise hat im Oktober d. J. den alten Vater der Frau mit einem Dreschflegel- holze in der unmenschlichsten Weise mißhandelt und bis !um anderen Morgen eingesperrt. Der Greis wollte zum viertenmal heiraten, daher der Haß und die Zwie- idacht im Hause. Das Gencht verurteilte den Ehemann zu vier Jahren und die Frau zu drei Jahren Ge !<ingniß.
Naueu. Mit dem Löfflerschen Mäusebazillus ist aus ,r Feldmark von Nauen, wo die Mäue in letzter Zeit uberhand genommen hatten, ein Versuch gemacht worden. Man sing 25 bis 30 Mäuse ein, fütterte sie mit dem
Lokales und Provinzielles
* Schtüchlcru, 28. Dez.
— Das Amtsblatt des Reichspostamtcs veröffentlicht eine Verfügung des Staatssekretärs des Reichs Postamtes, betreffend Aenderung der Postordnung vom 11. Juni 1892. Hiernach wird u. a. das Meistgewicht der Waarenproben von 250 auf 350 Gramm erhöht, ferner wird der Meistbetrag der Postanweisungen von 400 auf 800 Mk. erhöht, ebenso der Meistbetrag der Postnachnahme und Werthgrenze, bis zu welcher Sendungen mit Wcrthangabe Landbriefträgern auf ihren Bestellungen übergeben werden dürfen. Die Postanweisungsgebühr für Beträge bis zu fünf Mark wird aus 10 Pfg. Herab- gesetzt-
Bazillus und ließ sie dann an verschiedenen Stellen der Feldmark wieder laufen. Die Thiere gingen sehr schnell ein und verbreiteten unter den übrigen Mäusen den Ansteckungsstoff; der Erfolg war zufriedenstellend, denn die Mäuse sind fast gänzlich verschwunden.
Eine strenge Strafe verhängte das Schöffengericht zu Rawitsch gegen den Freisteller Wilhelm Guschel aus Wembowitz, Kreis Militsch, der wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt war. Er kam mit seinem Gespann die Chaussee entlang und vor ihm fuhr ein Radfahrer, ein höherer Offizier der Rawitscher Garnison. Mit einem Mal fuhr G., laute Drohrufe ausstoßend, im Galopp auf den Radfahrer zu, sodass sich zwischen beiden Gefährten eine Wettfahrt entwickeln mußte. Dem Radfahrer wurde ein Ausbiegen durch den nachfolgenden G. unmöglich gemacht, und um sich vor den Pferden zu retten, sah er sich schließlich gezwungen, sein Rad in den Chausseegraben zu lenken. Hierbei kam er so unglücklich zu Fall, daß er eine Verletzung des einen Beines davontrug. Das Gericht erkannte auf sechs Monate Gefängnis.
Corbach, 19. Dez. Heute Nachmittag wurde unter zahlreicher Betheiligung von Verwandten und Bekannten ein Amerikaner, Namens Adam Meier, zur letzten Ruhe bestattet. Desclbe, ein tüchtiger Geschäftsmann, hatte in dem amerikanisch-spanischen Kriege Lieferungen für die amerikanischen Truppen auf Kuba übernommen und starb am gelben Fieber in Florida. Seinem Wunsche entsprechend, ließ seine Frau, eine Corbacherin, die Leiche von Amerika nach hier transportiren und hier bestatten.
Ausland.
Newyork, 19. Dez. Das Ge'undheitsamt von Newyork erklärt öffentlich, daß die hier herrschende Grippe epidemisch und ansteckend sei, und gibt dem Publikum Rathschläge. Dem „Herald" zufolge behaupten die Aerzte, daß seit 1890 keine so schlimme Epidemie in Newyork geherrscht habe. Au der Universität Aule sind 400 Studenten und 50 Professoren, in Newhaven 30 Aerzte an der Grippe erkrankt.
In Montenegro sind starke Schneefälle eingetreten; der Verkehr ist unterbrochen. Mehrere hundert Soldaten, die auf dem Marsche von Masojewitschi uach Podgorica waren, wurden in einer Schlucht vom Sturm überrascht Seit zwei Tagen hat man keine Nachricht von denselben; zu ihnen jn gelangen, ist unmöglich.
Türk-i. Formell gehört Kreta noch zur Türkei. In Wirklichkeit ist Prinz Georg von Griechenland der neue Herr. Mittwoch hat er seinen feierlichen Einzug in Kanea gehalten und in seiner Ansprache an die Bewohner von Kreta gab er der Versicherung Ausdruck, gerecht und unparteiisch regieren zu wollen und legte den Christen wie den Muhamedauern an's Herz, ihren gegenseitigen Haß zu vergessen. Für das Wohlergehen des Landes sei es erforderlich, daß die ganze Bevölkerung ihm ihre Unterstützung leihe. Die Ansprache wurde dann an die Mauern angeschlagen. Abends war die Stadt glänzend beleuchtet, auch die Häuser der Moha- medaner.
Salmünster, 23. Dez. Der langgehegte Wunsch' unsere Stadt mit einer Wasserleitung zu versehen, ha^ sich jetzt erfüllt. Dieselbe wird von der Firma Breuer zu Höchst a. M. gebaut und kostet ca. 60000 Mark.
Ulmbach. Am Abend des zweiten WeihnachtStnges schnitt sich ein hiesiger älterer Einwohner, nachdem er zuvor im Wirthshause mit seinem Sohne einen Streit gehabt, bei seiner Rückkehr in seine Wohnung die Kehle durch; zum Glück jedoch nicht tief genug. sodaß es dem Arzte wohl gelingen wird, ihn wieder herzustellen.
Orb, 23. Dezember. Am Mittwoch den 21. Dezember, zwischen 2 und 3 Uhr entstand ein Zimmerbrand ist der Wohnung des Landwirths Anton Engel in der Heppengasse. Engel war auf das Feld und die Frau wahrscheinlich auf Besuchen. Als die Rauchwolken zum Fenster herausschlugen, sprangen Nachbarsleute hinein, um zu helfen, aber die Thüre war verschlossen, worauf der Nachbar Heinrich Prähler eine Axt holte und das Schloß von der Thüre schlug, daß sie hinein konnten; sofort kam eine Parthie brennender Fetzen zum Fenster heraus, auch die im Zimmer anwesenden vier Kinder waren schon dem Ersticken nahe. Wieder eine Warnung, daß die Eltern ihre Kinder nicht allein lassen sollen.
Fulda, 23. Dez. Bei der gestern und heute vor- genommenen Prüfung der Zöglinge der Lehrschmiede Fulda, hat abermals ein Hufschmied aus dem Kreise Schlüchtern, nämlich Wilhelm Heil aus Odcrzell die erste Zensur und die Prämie des Curatoriums für sehr gute theoretische Kenntnisse und tüchtige, praktische Fähigkeiten erhalten.
Eschwege, 24. Dez. Ein überaus raffinierter Dieb- stahl wurde gestern Abend gegen 10 Uhr in einerhiesigen Konditorei verübt. Als die Verkäuferin den Laden aus einen Augenblick verlassen hatte, ist der Thäter einge- brungen, hat mit Hilfe des einem Schräukchen entnommenen Kassenschlüssels den Kassen-Schubkasten aus dem Ladenti ch herausgezogen und sich dann mit demselben ebenso heimlich, wie er gekommen, entfernt. Der leere Kasten wurde später nur der W.rra treibend aufgefuudeu, sein Inhalt an Baargeld, über 80 Mk., dürfte als verloren zu betrachten sein Die Diebe [inb in zwei jungen Burschen von der Polizei ermittelt und verhaftet worden.
Vom Maine, 52. Dez. Die ganze kanalisirte Strecke des Maines von Mainz bis Frankfurt bedeckt sich mehr mit gewerblichen Anlagen. Die weltbekannten Färb« werke zu Höchst und chemischen Fabriken zu Griesheim errichten stets neue Arbeitsräume und grosse Komplexe von Arbeitshäusern. Eine neue Fabrik chemischer Erzeugnisse ist in Flörsheim entstanden und nunmehr im Aufblühen begriffen. Die Besitzer der Cellulosen- (Holzstoff) Fabrik Okristel erweitern ihre Fabriken zu voll- ständigen Papierfabriken und werden mithin den bisher exportirten Holzstoff bis zum fertigen Papier weiterver« arbeiten. Mit großen Plänen trägt sich der hessische Fiskus. Er will im Mönchwalde, Okristel gegenüber, also in der Mitte zwischen Mainz und Frankfurt unmittelbar um Main einen umfangreichen, Tausende von Klaftern fassenden Holzlagerplatz errichten und in den- elben Kleinbahnen münden lasten, welche die viele Quadratmeilen großen Domäne-Waldungen von werthvollen Holzbeständen (meist Nadelholz) durchlaufen und die Holzab uhr bewerkstelligen sollen. Große Holzv:r- teigerungcn sollen statt wie bisher an Ort und Stelle im Walde, künftighin an dieem Rusten-Lagerplatz statt« indem Das Gelände ist hierzu wie geschaffen: hm« änglich hoch, um gegen die Wassergefahr gefchützt zu ein und vom Wasser aus zugänglich, indem die großen liheinschiffe unmittelbar am Ufer landen können. Auf diese Weise wird das hessische Domänenholz dem engern Wettbewerb entzogen unb dem Welt«Weltbewerb übergeben.
Caub, 21. Dez. Als gestern Abend ^der Schiffer eines hier ankernden SchoonerS in der Stadt weilte