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in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß w ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß auch den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmcn.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Dez. Unser Kaiser ist von seinem (Jagdausflug nach Springe im besten Wohlbefinden nach ! Potsdam zurückgekehrt. Am Sonntag beteiligen beide Majestäten sich an der Wiedereröffnung der Potsdamer s Garni onskirche.

Die Prinzessin Heinrich von Preußen ist in Ausführung ihres Weihnachtsbesuches bei ihrem hohen s Gemahl am 15. Dezember an Bord des Lloyddampfer Prinz Heinrich" in Hongkong eingetroffen. Der Prinz tunb die Prinzessin werden das Weihnachtsfest in Hong­kong verleben; erst im Februar gedenkt die Frau f Prinzessin nach Kiautschau weiter zu reuen.

Ein neuartiges Jagdgewehr benutzte der Kaiser, Mnämlich ein von Maxim konstruirtes ganz kurzes Maga- k zingewchr, dessen Lauf kaum länger ist als ein Fuß. WDie Waffe giebt einen eigenthümlichen kurzen Hellen « Knall und bietet den großen Vortheil, daß sie nach dem M Schuß nicht geöffnet zu werden braucht. Der in einer K Schiene bewegliche Lauf bewirkt durch den Rückstoß A von selbst das Herausschleudern der Patronenhülse, so | daß der Schütze zehnmal hinter einander nur den Ab- Mzug zu bewegen braucht, um die zehn im Magazin bc- kfindlichen Patronen abzustuern. Vermöge der Leichtig- Rteit kann die Waffe ganz gut mit einer Hand regiert werden.

Wegen Ankaufs der Karolinen schweben wirklich, | wie der MadriderJmparcial" bestätigt, Verhandlungen M zwischen Deutschland und Spanien.

Der Titel eines Herzogs von Lauenburg, von dem Fürst Bismarck niemals Gebrauch gemacht hat, Rist auf den ältesten Sohn Bismarcks nicht übergegangen. kJm neuen Gothaischen Hofkalender wird ausdrücklich bemerkt, daß Fürst Otto Bismarck preußischer Herzog von Lauenburg ad personam gewesen sei.

Das Schießen von Wachtposten und von Pa- Utrouillen auf Verhaftete hat, wie bekannt, in neuerer »Zeit vielfach unliebsames Au scheu erregt. Die Vor- Dschriften, nach denen bisher dabei verfahren wurde, sind D nicht weniger als 50 Jahre alt. Inzwischen sind unsere D Schußwaffen so ganz anders geworden, daß die Aus- Rführung dieser alten Schießvorschriften regelmäßig eine | allgemeine Gefahr für Leib und Leben derer bedeutete, 8 die ruhig unb nichts ahnend ihre Straße daherwandelten. | Nunmehr hat der Kaiser Ergänzungen erlassen zu den k Garnisondienst-Vorschriften, wonach von jetzt abin L verkehrsreichen Straßen der Transport verhafteter und vorläufig festgenommener Personen (Militär und Civil) »möglichst in geschlossenen Wagen zu erfolgen hat." Je »nach der Lage des einzelnen Falles soll der Festge- Rnommene geesselt werden, um ihn auch so von Flucht- versuchen abzuhalten.

Neue Nachrichten aus Deutsch-Südwestafrika I lassen den Aufstand der Hottentotten in Groß-Namaland k als bedeutender erscheinen, da an der Bewegung außer | dem Häuptling von Bethanien auch der von Warmbad I beteiligt ist. Man hofft aber, daß die von Major Leutwein aufgebotene und durch die Wilbooi-Leute ver- I stärkte Macht einschüchternd wirkt, so daß es ohne Blut- I vergießen abgehen wird. Ueber die Lage des Volkes im I Süden des Schutzgebiets ist wenig Erfreuliches zu be- I richten. Die Leute gehen durch die Brantweinpest lang- | sam, aber sicher zu Grunde.

Oldenburg, 14. Dez. Wegen Ermordung des Vaters | resp. Schwiegervaters wurde ein junges Ehepaar ver- 8 haftet, das zwecks Vermeidung einer jährlichen Alimen- tation von 700 Mark ihn mit Arsenik vergiftet hatte.

Arnstadt. Ein heiteres Vorkomniniß, das den Vor- | MJ hat, wahr zu sein, ereignete sich jüngst in einer | Ortschaft bei Arnstadt. Dort besuchte ein Arzt auf | seinen Gängen auch dieDorfälteste", ein altes 95jähriges j Mütterchen, dasselbe im Laufe des Gespräches nach dem; | Zustande seiner Gesundheit fragend.Ach, Här!", so | "feinte die 95jährige,ach, Här! Ett will nitt mich rächt', Ett fällt mech schwer, noch de Köh zu melke!"

China. Die Kaiserin läßt unbarmherzig Alle, von welchen sie fürchtet, dem Kaiser mehr anzuhängen als ihr, ermorden. Neulich sind die Lieblingssklavinnen im Harem des Kaisers erdrosselt, mehrere Eunuchen wurden enthauptet, ebenso vier Kammcrjungfrauen. Da die Letzteren aus hohem Stande waren, mußten auch alle ihre Kameraden sterben. Der Scharfrichter arbeitet er­staunlich schnell: eine üble Laune der Kaiserin, ein Wort, und der dem Tode Geweihte wird, wie er geht und steht, dem Henker zugeführt.

Die Kaiserin Wittwe von China sendet zwei Würdenträger ihres Hofes nach Kiautschou, um die Prinzessin Heinrich von Preußen nach ihrer Ankunft dort zu begrüßen und zu einem Besuche der Residenz­stadt und der kaiserlichen Familie einladen zu lassen. Wie sich die Zeiten geändert haben!

Alaska. Aus Port Townsend kommt die Nachricht von einer der grausigsten jener vielen dunklen Tragödien, die sich in dem fernen Goldlande am Klondyke abspielen. Im vergangenen Frühjahr verließ der kleine Dampfer Jesse" mit 18 goldlüsternen Personen an Bord den Hasen von Townsend, um nach dem Kuskokwim-River abzugehen. Sechs Wochen hindurch hörte man nichts von dem Schiff und dann verbreitete sich die Kunde, daß cmc Anzahl bis zur Unkenntlichkeit entstellter Leichen an der Kuskokwim-Küste geschwemmt wäre. Bald ba= .auf brächte man in Erfahrung, daß dieJesse" in unmittelbarer Nähe ihres Bestimmungsortes gestrandet war. Vor einiger Zeit nun langte an die Adresse des Dampfereigenthümers in Port Townsend ein Brief an, der über das Schicksal der achtzehn Passagiere und des Schiffspersonals entsetzliche Enthüllungen machte. Das Schreiben kam von einem Händler auf Nuvivak-Jsland, einer Insel, die etwa 10u englische Meilen von der Mündung des Kuskokwin entfernt liegt. Die Frau des Händlers, die eine Indianerin vom Kuskokwim- Stamm ist, hatte ihren Angehörigen bald nach der An­kunft derJesse" einen Besuch abgestattet und dabei zufällig die in dem Briese mitgetheilte grausige Ent- deckmig gemacht. Bei einem Fest, das ihre Stammes­genossen während ihrer Anwesenheit verunstalteten, hatten sich die meisten Männer derart betrunken, daß sie, ihrer Sinne nicht mehr mächtig, verschiedene Anspielungen auf eine Massacre von Weißen fallen ließen. Nachdem die Orgie vorüber war, gelang es der Händlersfrau, das ganze schauerliche Geheimniß aus ihrer eigenen Groß­mutter, einer der ältesten Squaws, herauszuziehen. Nach dieser Erzählung war der Dampfer mit den vom Goldfieber erfaßten Leuten thatsächlich in der Nähe der Kuskokwim-Mündung auf eine Klippe gerathen und so­fort von Indianern anscheinend freundschaftlich um- schwärmt, die jedoch die Besatzung alsbald niedermachten. Unter den Ermordeten befand sich auch der mährische Missionar Webber mit Frau und Kind, der die Absicht hatte, den Jndianerstämmen im wilden Nordwesten das Evangelium zu predigen. ______

Lokales and Provinzielles.

* Schlüchtern, 20. Dez.

* Der prakt. Arzt. Dr. Cauer zu Arolsen ist vom 1. Januar 1899 ab zum Kreisphysicus in Schlüchtern ernannt und wird seine ärztliche Thätigkeit dahier alsbald au nehmen.

* _ In der vorletzten Nummer unseres Blattes haben wir in bereitwilliger Weise einer die neue Spar- nebenstelle der Hanauer Leihbank empfehlenden Zuschrift, die uns von dieser Verwaltung angegangen war, Auf- nähme gewährt. Es dürfte der Billigkeit ent sprechend, wenn wir bei dieser Gelegenheit die Sparer darauf ver- weisen, daß dem Sparbcdür.rüß in ganz gleicher und völlig befriedigender Weise bereits Seitens der Kreis- Spar und Leihkasse für den Kreis Schlüchtern und Seitens der beiden Städtischen Spar- und Leihkassen in Schlüchtern und in Salmünster genügt wird, so daß ein Bedürfniß für Errichtung dieser Sparstelle woht

Breslau, 15. Dez. Die hiesige Handelskammer be- schä'tigte sich in ihrer gestrigen Sitzung aus Ersuchen des Verbandes deutscher Eisenwaarenhändler in Mainz und der Handelskammer zu Kassel mit den Raiffeisenge­nossenschaften und der Konkurrenz, die diese öfters mit staatlichen Mitteln unterstützten Vereine dein Eisen- waarenhandel durch den Verkauf landnurthschaftlicher Geräthe machen. Es wurde besonders daraus hingc- wiesen, daß gerade die politisch konservativen Leiter der Raiffciseuvercine, hauptsächlich Gutsbesitzer und Pastoren, stets das Wort von derMittelstandspolitik" im Munde führen, in der That aber bemüht seien, den Zwischen­handel treibenden Mittelstand auszuschalten. Reichstags- Äbgcordncter Gothein warnte davor, sich allgemein gegen die Genossenschaften zu wenden. Auch die Raiffeisen- kassen hätten ihre großen Verdienste gehabt, solange sie sich lediglich auf dem Gebiete der landwirthschaftlichen Kreditgewährung bewegten. Man müsse aber verlangen, daß kein bevorzugter Kredit aus der staatlichen Central- genossenscha tskasse an Vereine gegeben werde, welche den Zweck hätten, dem Zwischenhandel Konkurrenz zu machen und daß ferner unmittelbaren und mittelbaren Staats beamten sowie Geistlichen verboten werde, an derartigen Bestrebungen thätigen Antheil zu nehmen. Schließlich beschloß die Breslauer Handelskammer, in diesem Sinne eine Eingabe an den Handelsminister zu richten. ; Im Anschluß hieran wird es. von Interesse sein, zu erfahren, daß der Verbandsausschuß der ländlichen Raiff­eisengenossenschaften für Schlesien soeben ankündigt, daß er in Breslau eine Weinniederlage der rheinischen, pfälzischen und elsässischen Winzer- und Raiffeisenvereine errichtet hat.

Das Schöffengericht zu Alzey verurtheilte einen jungen Bauernburschen, der sich mit einer Leiter quer über einen Weg gestellt hatte, um einen daher fahrenden Radler zu stürzen, zu vier Wochen Gefängniß. Der Radfahrer wurde durch den Absturz schwer verletzt.

Mainz, 15. Dez Auf dem Verbandstag der hessischen Raiffeisen Vereine klagte der Vorsitzende über Mißstände, die sich in den einzelnen genossenschaftlichen Vereinen eingeschlichen haben. Einen großen Aufschwung nahm die in Frankfurt a M. errichtete Centralankau^sfielle laud- wirthschaftliche Maschinen, 1896 hatte sie einen Umsatz von Mk. 18,000, 1898 von Mk. 1,700,000. Es be steht die Absicht, das Großherzogthum Hessen in bret Unterverbände zu theilen. In Mainz soll eine Ge- treideniedcrlagehalle errichtet werden.

Offenbach, 16. Dez. Bei den hiesigen Stadtver- ordnctcnwahlen sind 16 Sozialdemokraten gewählt worden.

Ausland.

Italien. Der Abgeordnete Cimati gab vor einigen Tagen in der Kammer der Befürchtung Ausdruck, daß in den Militärmagazinen ganz andere Dinge anfgestapelt seien, als aus dem jährlichen Inventar erhelle. Als Beleg führte er an, daß sich in Patronen, die von der Militärverwaltung verkauft worden seien, Sand statt Pulver vorgesunden habe. Die Sache schien unglaub­lich und man maß ihr kein Gewicht bei. Heute aber sucht dieJtalia Militaria" Aufklärungen über die Be­hauptungen des Abgeordneten Cimati zu geben, und da erführt man denn, daß die Sandpatronen kein Märchen sind. Infolge der Einführung des kleinkalibrigen Ge­wehres verkaufte das Kriegsministerium an dieItalienische Gesellscha t von Explosivstoffen" 40 Millionen Patronen des Carcanogewchrs und 27 Millionen Patronen des Veterligewehrs. Unter den ersteren entdeckte man bisher 1500, die mit Sand statt mit Pulver gefüllt waren. Diese Patronen stammten sämmtlich aus der Patronen- fabrik von Capus. Das Vertrauen der italienischen Soldaten in ihre Waffe kann durch derartige Entdeck­ungen natürlich nicht gestärkt werden. (Das geht fast noch über die ungeladenen Torpedos, mit denen die edlen Hellenen im griechisch-türkischen Kriege operirten.)