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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^ 100. Mittwoch, den 14. December 1898. 49. Jahrgang.

Braunschweig. Ein Finanzgenie ersten Ranges besitzt der braunschweigische Landtag in der Person des Ab­geordneten Lambrecht Reinsdorf, dessen Findigkeit Herrn v. Miguel wohl den bittersten Neid verursachen wird. Er ein Führer der ländlichen Partei trat mit vollem Erst da ür ein, daß bei der Ergänzungssteuer nicht nur das fundirte Vermögen, sondern auch das wissenschaftliche Vermögen besteuert werden müsse. Man sage ja immer, wer etwas gelernt habe, besitze ein Kapital, das hohe Zinsen bringe, und ein solches Ver­mögen dürfte nicht steuerfrei bleiben. Wie hoch mag wohl Herr Lambrecht Reindorf fein .wissenschaftliches Vermögen" ein'chätzen?

Heiligenstadt, 9. Dez. Ueber Pflege der Eitelkeit im hiesigen Ge ängniß ist folgendes »Kuriosum zu be­richten. Den Beamten der hiesigen Gefangenen Anstalt fiel es auf, daß mehrere Sträflinge Morgens stets mit fein gewichstem Schnurrbart antraten. Man forschte nach der Ursache dieser Erscheinung, nnd da stellte sich heraus, daß ein Gefangener, Schuster seines Zeichens, aus Leder-Abfällen Schnurrbartbinden gefertigt und diese an seine Genossen vertheilt hatte. Die Gefangenen pflegten damit Nachts ihre Bärte und konnten dann am Tagenobel" auftreten.

Ein seltsamer Schulamtskandidat. In Billwärdcr (Hamburger Gebiet) ist am 1. Januar 1899 eine Hil's lehrerstelle zu besetzen. Kürzlich erhielt der Leiter der Schule ein Bewerbungsgesuch des Unteroffiziers der Reserve M. aus Bremen, der seine gesammte Vorbildung der Unterofsizierfchule in Bicbrich verdankt, und der sich nun, nachdem er wegen Mißhandlung eines Untergebenen entlassen worden, für fähig hält, ein Lehramt zu verwalten.

Remscheid, 6. Dez. Der Arbeiterausstand, der wegen den Krankenkassen entstanden war, ist beendet Die Fabrikanten haben den Sieg davongetragen. Die ausständigen Arbeiter haben die Arbeit wieder ausge­nommen unb sich zum Eintritt in die Betriebskranken­kassen bereit erklärt. Insgesammt sollen in Remscheid einige 20 Betriebskrankenkassen gegründet werden, die zusammen etwa 2010 Mitglieder haben werden. Die Ortskrankenkasse hat jetzt 10 000 Mitglieder, so da ihr 8000 Mitglieder verbleiben. Es ist aber nicht ab zusehen, ob es nicht zu weiteren Abspaltungen von der Ortskrankenkasse kommen wird.

Vom Rhein. Dieser Tage ereignete sich in Ober lahnstcin der gewiß seltene Fall, daß eine Frau zu fa gleicher Zeit Großmutter und Urgroßmutter ward Beide recht gesund ins Leben getretene Weltbürger sind Jnngens, und was werden diese beiden Spaß haben, wenn der Onkel mit seinem Neffen dereinst zur Schule kommt oder gar zum Militär eintritt.

Mainz, 10. Dez. Das Pferd eines Landwirthes aus Finthen war mit dem Hufeisen in einer Mainzer Straßenbahnschiene hängen geblieben, es kam dabei zu Schaden und konnte nicht mehr verwendet werden. Eine Entschädigungsklage gegen die Straßenbahn wurde vom Landgericht abgewiesen, weil die Hufeisen der Pferde in einer Stadt mit Straßenbahnschienen derart konstruirt sein müßten, daß ein Hängenbleiben nicht erfolge. Allerdings müßte die Konstruktion der Straßenbahnschienen auch allen An orderungen entsprechen, was aber hier der Fall gewesen sei.

München, 7. Dez. Unter finanzieller Mitwirkung der Regierung wurde für Fleckenvieh in Mittelsranken ein Zuchtverband gegründet auf Kosten der Staatskasse und ein Thierarzt als Zuchtinspektor aufgestellt. Es bestehen nun in Bayern nahezu für alle bedeutenden Rindmehschläge derartige Zuchtvereinigungen.

Gießen, 9. Dez. Die drei Korps,die Garde" der hiesigen Studentenscha't, wie sie vor nicht langer Zeit von einem Rechtsanwalt vor Gericht bezeichnet wurden, ind aus ein Semester suspendirt, ihre Chargirten er­hielten sämmtlich das Consilium abeundi. Die Ursache zu dieser Maßreglung liegt in dem widersetzlichen und irovozirenden Verhalten, das diese Herren anläßlich der ürzlichcn Denkmalsenthüllung in Darmstadt dem Rektor und der übrigen Studentenschaft gegenüber sich erlaubten. Nach einem vor längeren Jahren von dein Studenten­ausschuß festgesetzten Turnus hätten die drei Korps bei dem Festzuge in Darmstadt am Schlüsse der Gießener Studenten marschiren müssen, da sie bei der letzten öffentlichen Feierlichkeit den ersten Platz hatten. Allein die Herren weigerten sich, diesmal dem Statut gemäß zu handeln) sie beanspruchten aus geradezu lächerlichen

Amtliches.

J.Nr. 4304 K. A. Unter Hinweis auf meine Krcis- blatt-Bekanntmachungen vom 20. Febr. 1896, 5. Jan. 1897 und 22. Febr. 1898 ersuche ich die Herren Bürger­meister der Stadt- und Landgemeinden, mir bis zum 20. dss. Mts. zu berichten, evtl. Bacatanzeige zu erstatten, ob bei den pro 1898 gewählten Schieds- münnern in Viehseuchen-Angelegenheiten eine Aenderung eingetreten ist.

Schlüchtern, den 7. Dezember 1898.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser empfing am Sonntag das Reichs­tagspräsidium.

Die Kaiserrede in Damaskus. Die vom Kaiser in Damaskus gesprochenen Worte geben noch immer zu manchen Erörterungen Anlaß. Der bekannte Pfarrer Nauman theilte in einer größeren Berliner Versammlung mit, daß der Kaiser in seinem in Damaskus ausge­brachten Trinkspruch die Worte:Möge Seine Majestät der Sultan und mögen die 300 Millionen Muhamme- daner, welche auf der Erde zerstreut lebend in ihm ihren Khalifen verehren, dessen versichert sein, daß zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird," türkisch gesprochen habe. Im Türkischen gebe es keinen Aus­druck für Freund, so daß der Kaiser das WortBiüder" habe gebrauchen müssen und auch unter stürmischem Bei­fall gebraucht habe.

Die Zeitungsnachricht, es solle dem preuß'schen Landtage eine Vorlage über die Bestreitung der Kosten der Orientfahrt des Kaisers zugehen, wird von den offiziösenNordd. Allg. Ztg." als jeder Bcgründun entbehrend bezeichnet.

Wieviel und was für Kriegsschiffe besitzen >pir? Die neueste Liste unserer Kriegsschiffe hat gegen das Vorjahr durchgreifende Veränderungen und Verschiebungen erfahren. Die BezeichnungPanzerschiffe 1. und 3. Klasse" ist gänzlich in Fortfall gekommen und an ihre Stelle sind dieLinienschiffe" mit elf an der Zahl ge treten. Die bisherigen Panzerschiffe 4. Klasse heißen fortanKüstenpanzer"; es hat sich in ihrer Zahl nichts geändert. Die 13 bisherigenPanzerkanonenboote" sind dieselben geblieben. DieKreuzer" sind nicht mehr in vier Klassen, sondern in zwei alsgroße" undkleine" eingetheilt; zu den ersteren gehören acht und zu den letzteren, in welche die bisherigen Avisors an genommen sind, 23.Kanonenböte sind nur noch zwei vorhanden; ferner 16 Schulschiffe, 9 Spezial- und 5 Hafenschiffe.

Verunglückungen des Eisenbahnpersonals bei Prüfung der Fahrkarten im rollenden Zuge gehörten bekanntlich früher zu den regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen. Diese beklagenswertsten Umstände gaben hauptsächlich den Anlaß, die Fahrkartenprüfung von den Zügen an die Bahnsteige zu verlegen und die Bahnsteig sperre kinzuführen, eine Maßregel, mit der in Preußen am 1. Oktober 1893 begonnen wurde und die nunmehr fast vollständig zur Durchführung gelangt ist. Die Folgen dieser Maßnahme auf Leben und Gesundheit des Fahrpersouals sind außerordentlich günstige gewesen. Im Jahre 1894 wurden bei der Fahrkartenprüfung nur noch 2 Personen gelobtet und 12 verletzt. In den Jahren 1895, 1896, 1897 und 1898 (bis 1. Oktober) sind Tödtungen überhaupt nicht mehr vorgekommen, es wurden 1ö95: 3, 1896: 2, 1897: 4 Fahrbedienstete auf den preußischen Staatsbahnen verletzt und in der Zeit l. Januar bis 1. Oktober 1898 sind auf diesen auch Verletzungen jener Bediensteten aus solchem Anlaß nicht mehr vorgekommen. Sind schon diese Folgen der Einführung der Bahnsteigsperre gewiß in hohem Grade erfreuliche, so ist vielleicht noch größer der Gewinn zu veranschlagen, den die bessere Erhaltung der Gesundheit

hier in Frage kommenden Fahrpersouals darstellt. Die WilterungSeinflüsse, denen die auf den Trittbrettern Üch bewegenden Beamten namentlich in der rauheren JahreSzest ausgesetzt waren, erwiesen sich für den Ge- lundheitszustand derselben geradezu verderblich.

.. Man spricht in Altenburg von der Möglichkeit, daß sich der Herzog, der jetzt im Alter von 72 Jahren steht nd vor Jahresfrist seine Gemahlin durch den Tod erlor, noch einmal vermählen würde und zwar wird rtU^ Mary von Hannover als die Fürstin be- & auf welche des Herzogs Wahl fallen würde.

P Mary vollendet im Dezember das 49, Lebensjahr.

Gründen, aus Einbildung und Ueberhebung, bei dieser patriotischen Feier den Vorrang. Anderenfalls würden sie einen Sonderaufzug veranstalten, der übrigens aber auch gegen die Universitätsstatuten verstoßen hätte. Erst auf Androhung der Suspension erklärten sie Sr. Mag- mfizenz, sich fügen zu wollen. Trotz alledem gelang es ihnen aber doch durch Hinterlist und mit Unterstügung des Festordners, Rechtsanwalt Bopp, eines alten Korps­studenten, in Darmstadt sich an den ersten Platz zu drängen. Interessant ist dabei, daß der Festordner da­mit noch gegen die Beschlüsse des Festkomitees handelte und daß Se. Magnisizenz und einige Professoren, die in Darmstadt nochmals zu vermitteln suchten, sich außer­dem von den Herren Studenten sowohl, wie von dem Festordner anmaßende Antworten und persönliche Be­leidigungen bieten lassen mußten. Das nennt man dannEhre" undPatriotismus". Und diese Leute sollen dann einmal Stützen des Staates werden!

Ausland.

Paris, 10. Dez. Der Friedensvertrag zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten wurde heute Abend 8 Uhr unterzeichnet.

Nord-Amerika. Daß der Krieg den Amerikanern ein tüchtiges Stück Geld gekostet, geht aus dem Um­stände hervor, daß die amerikanische Staatsschuld im zu Ende gehenden Jahre um 10'/, Millionen Dollars zugenommen hat. Die feste Angliederung der gewon­nenen Colonien wird aber noch ungleich mehr Millionen verschlingen, die sich auch im günstigen Falle erst spät verzinsen werden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 13. Dez.

Nächsten Sonntag ist der Postschalter den ganzen Tag wie an Wochentagen geöffnet.

* Wie aus der Bekanntmachung der Leihbank zu Hanau vom heutigen Tage ersichtlich ist, hat dieselbe für den Sparkaffen-Berkehr bei der hiesigen LandeS- Renterei eine Nebenstelle errichtet. Für die Sicher­heit haftet außer der Leihbank der Bezirks-Berband des Regierungsbezirks Gaffel mit seinem Vermögen der ständische Schatz beträgt allein ca. 25 Millionen Mk. und können wir daher dieses Credit-Institut, welches im Jahre 1738 für die ehemalige Grafschaft Hanau ge« gründet worden ist, allen Interessenten auf das Wärmste empfehlen.

* Da durch den Gebrauch von Petroleum- und Spirituskochern seitens der Reisenden während der Fahrt schon Wagenbrände verursacht worden sind, so sind nach einer neuen Verfügung der Eisenbahn-Direktion die Schaffner angewiesen worden, den Gebrauch solcher Kocher während der Fahrt zu verbieten.

* Seitens der Minister des Kultus und des Inneren ist genehmigt worden, daß die Ruhegehälter aus der Pensionskasse für ausgediente Elementarlehrer in Höhe von 120 Mark jährlich fortan nicht mehr vierteljährlich, sondern monatlich nachträglich gezahlt werden sollen. Gleichzeitig wurde versuchsweise und unter Vorbehalt des Widerrufs auch die Zahlung dieser Pensionen im Wege des Postanweisungsverkehrs ohne Mouatsquittung gestattet.

Aus dem Kreise Fulda. Am 1. Dezember sind 25 Jahre verflossen, seitdem der Lehrer Zabilski zu Start bei Mieden im Schulamte thätig ist. Der Ju­bilar fand am 1. Dezember 1873 seine erste Anstellung zu Karschin, wirkte dann in Klodnia, Regierungsbezirk Rarienwerder, bis er am 1. Januar 18b 7 nach Ras- dorf, Kreis Hünfeld, versetzt wurde. Am 11. Dezember 1893 wurde er nach Stork versetzt.

Fulda, 8. Dez. Nach Mittheilung des Herrn Reichtagsabgeordneten Müller ist in den Etat deS Reichs­tages (Militärverwaltung) eine Summe für Miethe einer Kaserne in Fulda ab 1. Oktdber 1899 eingestellt. Hiernach ist es nicht mehr zweiselhaft, daß das Kriegs­ministerium die Verlegung von Truppenkörpern und zwar von Artillerie nach Fulda dem Reichstage vor- chlagen wird.

Kassel, 8. Dez. Wegen Veröffentlichung einer BroschüreDer Bürgermeister von Melsungen und seine Thätigkeit" und mehrerer Artikel über denselben Gegen­stand. im , Volksblatt für Hessen und Waldeck" ist gegen den Mühlcnbcsitzer H. Kowes in Melsungen Anklage wegen Beleidigung des Bürgermeisters Lotz von Melsungen