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SchWernerZÄung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^N 90. Mittwoch, den 30. November 1898. 49. Jahrgang.

Rpk^pIlntlN^« '^ bic .Schlüchterner Zeitung" UUllyVll iverbcn nod) MtwährAd von allen - - ....... ' - Postaustalten und Landbrie trägern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Attliliches.

Bekanntmachung.

J.-Nr. 7092. Das Königliche Proviantamt in Hanau kauft gesunden, gut gereinigten Hafer, gutes Pferdeheu sowie gesundes Roggen-Flegel- I stroh. Bei Hafer-Angeboten id die Einsendung einer Probe von reichlich */< Liter erforderlich. Angebote von Producenten werden, so ern das angebotene Natural ,ben vorgeschriebenen Bedingungen entspricht, besonders G berücksichtigt.

* ES bietet si h somit den Herren Landwirthen eine günstige Gelegenheit, ihr Natural ohne Zwischenhandel Vortheilhaft zu verkaufen.

Den Producenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wun ch der Verkäufer Magazinsäcke, jedoch unfrankiert, zur Ver­fügung gestellt. Die Abfuhr von der Bahn wird auf ' Wunsch für Rechnung des Verkäufers übernommen. Jede weitere Auskun t wird bereitwilligst von dem genannten Amte mündlich wie schriftlich ertheilt.

Schlüchtern, den 19. November 1898.

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Seit Sonnabend weilen Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Viktoria in Potsdam. Die An­kunft in Potsdam er olgte Vormittags 11 Uhr aus dem festlich geschmückten Bahnhof. Die jüngsten vier kaiser- [ lichen Kinder waren zur Begrüßung erschienen und überreichten den Eltern Blumensträuße. Die Leib- Eskadron des Gardes du Corps-Regiment war als Ehren­wache aufgestellt.

DerReichsanzeiger" schreibt: Das Kaiserpaar wurde bei seiner heutigen Ankunft in Potsdam durch f das ge'ammte Staatsministerium begrüßt. Namens des - Ministeriums gab der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe ) der lebhaften Freude über die glückliche Heimkehr des « Kaiserpaares warmen Ausdruck. Der Kaiser versammelte hierauf die Staatsminister um sich und machte ihnen I Mittheilung über die erreichten und für die Zukunft noch zu erhoffenden Ergebnisse der Orientreise sowie | über die augenblickliche politische Lage am Mittelmeer - unter dem Ausdrucke der Befriedigung mit den erzielten Erfolgen.

Die Einbcru'ung des Reichstages ist auf den 6. T ecember festgesetzt worden.

* An der Lösung der großen Aufgabe der innern Kolonisation bethciligt sich auch der preußi che Minister des Innern. Nachdem sich hcrnusgcstllt hat, daß die £ schon früher von privater Seite, von landwirthschaftlichen L Vereinen u. s w., gemachten Versuche der Umwandlung I von Moor- und sonstigem Unlaud in Kulturland in der »Eisel erfreuliche Erfolge aufzuweisen haben. Hat das ^PUnisterium des Innern nunmehr auf dcr hohen Been

30 J Morgen solchen Ualandes erworben und I läßt sie durch Strafgefangene in Kulturboden umwandeln. Die Nachfrage nach solchem kulturbar gemachten Ge lände ist so lebhaft, daß der Er olg dieser Maßnahme des Ministers zweifellos ist und sicherlich eine Fortsetzung in größerem Maßstabe in Aussicht genommen sein dürfte.

Vorbereitungen für die Einführung des Bürger­lichen Gesetzbuches werden schon jetzt getroffen. So soll

. bic große Zahl der nach dem 1. Januar 1900 er- | forderlichen Formulare so früh fertig sein, daß die Ge k richtsschreibebeamten sich vorher gründlich in deren Ge­brauch und damit in die ihnen obliegende Handhabung | der neuen Gesetzesvorschriften einarbeiten können. Um | bin Richtern Zeit zum Studium zu verschaffen, soll Reine größere Summe zur Anstellung von Hilfsrichtern

iu den nächsten Etat eingestellt werden.

| Auf dem Geldmärkte ist ein Ereigniß ersten

| ^ngca eingetreten: die Reichsbank hat den Wechsel- | Diskont auf 6 Prozent und dem Lombardzinsfuß auf I' Prozent erhöht. Die Erhöhung des Diskonts ist ein Mittel, um die zu hohen Anforderungen an die Reichs- bank abzuwehren, das richtige Verhältniß zwischen Noten- Umlau: und Baar-Bestand herzustellen und vor zu hohen Spekulationen zu warnen. Je mehr Geld von dcr Vank verlangt wird, desto höher wird der Diskont, desto

theurer wird das Geld. Wenn man bedeukt, daß der Satz von 6 Prozent seit dem Bestehen der Reichsbank erst zwei Mal dagewesen ist, so wird auch der Laie be- grei'en, daß ungewöhnliche Verhältnisse auf dem Geld- martte herrschen. Den unmittelbaren Anlaß zum An­ziehen der Diskonto Schraube bot der Reichsbank deren vorletzter Wochen Answeis. Die Reichsbank ist berechtigt, einen steuerfreien Notenumlauf von 293,4 Millionen Mark zu halten. Giebt sie über diesen Betrag Noten aus, so muß sie den Ueberschuß versteuern. Am 30. September betrug dieser Ueberschuß 276 Millionen Mark; er hatte damit eine nie erreichte Höhe erlangt Seitdem ist die Überschreitung der steuerfreien Summe stehend geworben. Der Grund für diese auffallende Erscheinung sind die großen Ansprüche aus Handel, In­dustrie und Emmiisions Wesen. Schon vor Monaten',hatten die Directore derReichsbank zu erkennen gegeben, daß die an sie gestellten Anforderungen zu einer weiteren Steigerung des Diskonts führen müßten. Diese Mahnung hat keinen Erfolg gehabt. Fast alle Großbanken haben ihre Aktien-Kapialien erhöht, und die Emission n von neuen Papieren wollen kein Ende nehmen. Da darf es Einen nicht wundern, daß auf dem Kapitelmarkte die flüssigen Mittel allmählich festgelegt sind und der Kredit der Reichsbank in so ungewöhnlicher Weise in Anspruch ge­nommen wird. Manche sehen in diesen Erscheinungen auf dem Geldmärkte einen Beweis für den Aufschwung, den unsere Industrie auf fast allen Gebieten genommen hat. Bis zu einem gewissen Grade ist das richtig Anderseits darf aber nicht vergessen werden, daß der Optimismus auch zu groß sein kann. Es läßt sich in der That nicht bestreiten, daß manche Werthe infolge der Spekulation weit über ihren Ertragswerth hinaus­getrieben worden sind. In volkswirthschaftlichen Zeit­schriften ist schon lange auf diese Thatsache hiugewiescn worden. Bemerkenswerth ist ein Artikel desDeutschen Oekonomisten', der dargelegt, daß die indnstrielleLeistungs iähigkeik Deutschlands einen Auffchwung genommen hat, der der dauernden Verbrauchsfähigkeit bedeutend voraus eilt und die Merkmale einer Krisis in sich schließt So­gar Blätter, die sonst das Interesse der Börse vertreten. Halten es allmählich für angezeigt, ihre warnende Stimme zu erheben.

Wie die ..Post" hört, werden die Konservativen gleich nach Beginn der Reichstagsfession eine Inter­pellation in der Quebrachoholz-Frage einbringen. Die Einfuhr von Quebrachoholz hat sich im Laufe des letzte! Jahrzehntes verzehnfacht und betrug im Jahre 1897 nicht weniger als 133 000 D. Ctr. mehr als 1896. Außerdem wurden 1897 noch 21 500 D -Ctr. Quedracho- Holz-Extrakt gegen 6000 D.-Ctr int Jahr zuvor ein­geführt. Die Interpellation wird sich auf folgende drei Punkte stützen. Die Eicheuschülwaldkultur, die von nicht zu unterschützender Bedeutung ist und fast ausschließlich von Bauern betrieben wird, geht unter den jetzigen Ver­hältnissen immer mehr zu Grunde. Ferner werden die auf Eichenlohe eingerichteten mittleren Gerinnen durch die zunehmende Einfuhr des Quebrachoholzes immer mehr außer Betrieb gesetzt und endlich wird das für deutsches Schuhwerk zu verarbeitende Leder verschlechtert. Das Militär wird unter solchen Umständen sehr bald nicht mehr in der Lage sein, mit Eichenrinde gegerbtes Leder für seinen sehr bedeutenden Bedarf sich zu beschaffen.

Ueber die Industrie der Ansichts-Ponkarten schreibt derBerl. Börs. Kur." Es befindet sich der Post kartensammelsport zum großen Leidweisen der Postbe hörde stark im Rückgänge. Seinen Höhepunkt hatte er im vergangenen Sommer erreicht. Die Benutzung der Ansichtspostkarten zu Korrespondenzen und Erstattung schriftlicher Grüße war so bedeutend, daß die Behörde für den Verkehr derartiger Karten besondere Verfügungen erlassen mußte. Innerhalb des deutschen Reiches wurden täglich 3 -400,01'0 Ansichtspostkarten expedirt, wodurch der Post eine tägliche Extraeinnahme von 1520,000 Mark erwuchs. Inzwischen hat sich aber die Spekulation dieses Sports bemächtigt und in der Herstellung von Ansichtspostkarten wohl geradezu Unglaubliches geleistet. Dies mag wohl die Veranlassung zu dem Rückgang in der Sammelwuth der Ansichtskarten gegeben haben. Wie bedeutend er ist, zeigt die Thatsache, daß die Post­behörde nur noch zirka 1000 Mark täglich Mehrein­nahme aus den Postkai ten zu verzeichnen hat.

München. 24. November. Während der Anwesen­heit des Kaisers in München ist durch direkte Besprecht

ung zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten über die Militärstrafprozeßordnung volle Verständigung erzielt worden. Der Prinzregent hat in die Errichtung eines bayerischen Senats mit dem Sitze in Berlin beim obersten Militärgcrichtshofe eingewilligt, dagegen hat der Kaiser Bayern das Recht der Ernennung des Vor­sitzenden sowie der Mitglieder in diesem bayerischen Senate und des Militär-Anwaltes in demselben einge- rünmt.

Stuttgart, 26. Nov. Bei dem Besuche des Kaiser- paares fi Ich die sehr strengen Asperrungsmaßregeln auf, die in der Nähe des Bahnhofes durchgeführt wurden. Nunmehr meldet das Süddeutsche Korrespondenzbüreau: Während des Durch'ahrens des kaiserlichen HofzugeS war die württembergische Bahnstrecke polizeilich bewacht. Die italienische Regierung hatte die württembergische verständigt daß von Italien der als Anarchist geltende Humberto Zanardi, 23 Jahre alt, nach Württemberg gereist ist. Nach Zanardi wird eifrig gefahndet." Ent­lang der Bahnlinie waren denn auch Landjäger in ver- hältnißmäßig engen Abständen schußbereit aufgestellt, die nach Eintritt der Dunkelheit Fackeln trugen. Auch aus München verlautet über die Absperrung und Be­wachung des Hauptbahnhofes, sowie über die Bewachung der ganzen Bahnstrecke von Pola bis Baden-Baden; selbst die Keller der Stationsgebäude wurden untersucht. Auch hier werden Anarchisten-Nachrichten der italienischen Regierung als Grund angegeben.

Elberfeld. Daß man Damen in keinerlei Weise be­lästigen darr, auch im Eisenbahnkoupce nicht, erfuhr ein schon vorbestra ter Kaufmann aus Barmen, welcher auf der Fahrt von Rittershausen nach Wipperfürth daS Ladenfrünlein Anna Schmitz bei der Fahrt durch einen Tunnel trotz ihres Widerstrebens umarmt und geküßt hatte. Der Angeklagte wurde trotz seines LeugnenS zu einem halben Jahr Ge ängniß verurteilt.

Dortmund, 22. Nov. Mit einem eigenthümlichen Falle von fahrlässiger Tödtung hatte sich die hiesige Strafkammer zu befassen. Die Firma Rose und Ema- nual hielt zur Bewachung des Geschäftslokals zwei bissige Hunde, die, wenn sie nicht an der Kette lagen, in einen Hofe ihren Au enthalt hatten, der stets ge­schlossen sein sollte. Am 25. August war der Hof nicht ordentlich geschlossen worden. Ein städtischer Steuerbote wollte' ihn passieren, beide Bestien fielen aber über ihn her und zerfleischten ihn gräßlich. Es kostete große Mühe, die Hunde von ihrem Opfer los zu machen. Der Beamte ist nach wenigen Tagen an den Folgen der erlittenen Verletzungen gestorben Die Stra kammer verurteilte nun heute einen Lehrling aus dem betreffenden Geschäft, weil er das Thor nicht ordentlich geschlossen hatte, wegen fahrläfsiger Tödtung zu 4 Monaten Gefängniß. Die Hinterbliebenen des Beamten haben gegen die Inhaber der Firma Klage auf Gewährung einer dauernden Rente rc. angestrengt.

Bonn. Grobe Schwindeleien hat ein Abenteurer, Heinrich Haug aus Freiburg, in der Umgebung ausge- führt. Er hat wiederholt die Vertretung von Aerzten übernommen, ohne je ein medizinisches Examen bestanden zu haben. Er meldete sich in Vertretungsfällen einfach als Dr. med. und praktischer Arzt, und die Sache war in Ordnung, er erhielt 5-6 Mark Diäten und freie Station Nach der staatlichen Approbation hat Niemand gefragt. Haug war alsstellvertretender" praktischer Arzt ziemlich vielseitig; er behandelte die Patienten zu deren Zu riedenheit, erleichterte ihnen aber auch nebenbei das Portemonnaie durch Anleihen. In einem Falle waren es 500 Mark. Mit den Damen knüpfte er zarte Verhältnisse an; auf stille Verlobungen kam eS ihm auch nicht an. Schließlich heirathete er sogar eine Dame aus einer hiesigen angesehenen Familie unter täuschen­den Angaben über seine Person. Es ist bereits die Ehescheidungsklage eingclcitet. Der Staatsanwalt bean« fragte gegen den Abenteurer, der nach seiner Angabe längere Zeit Medizin studirt hat, 6 Jahre Zuchthaus Das Urtheil wurde vertagt.

Worms, 26. November. Im nahen Michelbach wurden 24 Italiener, welche an dem Tunnelbau dort- selbst beschä tigl sind wegen anarchistischer Umtriebe verhaftet.

Aus Biberach (Württemberg) wird derFranks. Ztg." geschrieben: Eine Million Deckelschnecken kauften dieser Tage zwei Pariser Händler in dem schwäbischen Alp- dor,e Gutenstein au . Das Tausend dieser Weinberg» schnecken wurde mit 8,50 Mk. bezahlt.