Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^^ft^llitttn^tt ^ die .Schlüchterner Zeitung" jPt-pltUUliyvIl werben nod) fortwährend von allen -' >" ...... ' Postanstalten und Landbriefträgern

vwie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Nov. Das Kaiserpaar reiste nach etwa einstündigem Aufenthalt in Stuttgart nach Baden-Baden weiter. Das großherzogliche Paar war dem Kaiser und der Kaiserin nach Oos entgcgengcfahreu, wo eine herzliche Begrüßung stattfand. Um 9'/a Uhr lief der Separatzug in Baden-Baden ein.

DieM. Z." weist auf die große Gefahr für die deutsche Rübenzuckerindustrie hin, die entsteht, wenn Porto Rico nud in absehbarer Zeit wohl auch Kuba gleichberechtigte Glieder oder Territorien der Vereinigten Staaten werden und dadurch zollfreien Zutritt zu den letzteren erlangen. Die jährliche Zuckerausfuhr Porto Ricos werde dann wahrscheinlich auf 140 000 Tonnen, die Cubas auf 500- bis 550 000 Tonnen mehr als bis­her gesteigert werden können. Nun sei es aber allbe­kannt, wie die Aufwärtsbewegung der Zuckerpreise im Jahre 1896 durch den cubanischen Aufruhr verursacht wurde. Die neuen amerikanischen Erwerbungen drohen uns allmählig aus der nordamerikanischen Kundscha't zu verdrängen. Was das zu bedeuten hat, lehrt ein Blick in die Ansfuhrstatistik. Nach den Vereinigten Staaten gingen 1897 direkt 367 301 Tonnen Rohzucker im Werthe von 62,2 Mill. Mark und 8917 Tonnen Raf­finade, Candis nsw. im Werthe von 2,1 Millionen Mark. Mögen die maßgebenden Faktoren diesmal eine glück­lichere Hand haben!

Eine der traurigsten Erscheinungen im sozialen Leben der Gegenwart ist die Thatsache, daß bereits Kinder im schulpflichtigen Alter zum Selbstmord schreiten. Nach der amtlichen Schulstatistik in Preußen haben in den zehn Jahren 1887/96 407 Schulkinder unter 15 Jahren sich das Leben genommen; sie gehörten durchweg den Volksschulen (Fachschulen) an. Von den lebens­müden Kindern kamen 331 auf die Knaben und 76 auf die Mädchen.

Bezüglich der Postreformen, welche nach Ab­schluß der verschiedenen Conferenzen zur Vorlage an den Bundesrath ausgearbeitet werden sollen, wird derNordd. Allgem. Ztg." die Mittheilung bestätigt, daß außer der Erhöhung des Höchstgewichts der einfachen Briefe von 15 auf 20 Gramm eine Herabsetzung des Ortsbriefbe­stellgeldes für den Berliner Stadtbezirk von 10 auf 5 Pf. vorgeschlagen werden soll. Auch weitere Herab­setzungen des Briefportos im Ortsverkehr sind geplant.

Durch das Gesetz vom 22. Mai 1895 ist aus Reichsmitteln ein bestimmter Betrag dazu flüssig gemacht worden, gänzlich verdienstun'ähigen und dabei nachweislich bedürftigen Mitkämpfern aus den Feldzügen von 1848 bis 1870/71 lebenslängliche Beihilfen von jährlich je 120 Mark zu gewähren. Der bewilligte Betrag reichte nicht aus, um alle, die sich daraufhin um die Beihilfe bewarben und als berechtigt anerkannt wurden, mit der- selben zu bedenken. Vielmehr konnte nur etwa ein i Drittel bedacht werden, während die übrigen zwei Drittel in Anwärterlisten eingetragen wurden und je nach dem Absterben der zuerst bedachten allmälig in deren Stellen

einrücken. Unerwähnt in der Presse ist bis jetzt, daß innerhalb dieses von der Wohlthat bis jetzt betroffenen Drittels Ungerechtigkeiten vorgekommen sind und nach Lage der Sache auch gar nicht vermieden werden konnten. Allerdings wurden Diejenigen, die sich auf die öffentlichen Aufforderungen hin zuerst gemeldet hatten, sorgfältig nach der Reihenfolge der Feldzüge und innerhalb der­selben wieder nach ihrem Lebensalter rangirt. Aber es hatten sich eben damals noch nicht alle Berechtigten ge­meldet, weil viele von ihnen von der Sache keine Kennt­niß hatten. So ist eS gekommen, daß in den einzelnen Kreisen des Staates vielfach jüngere Krieger die Bei­hilfe bereits bekommen, während ältere noch warten Müssen; es sind schon Veteranen aus dem Feldzuge bedacht, während zahlreiche Veteranen aus 1848/49 das Nachsehen haben. Andererseits hat von den bedürftigen Veteranen von 1870/71 fast noch keiner etwas erhalten. Diese Ungerechtigkeiten können nur dann behoben werden, wenn der verfügbare Betrag auf die Hohe des wirklichen Bedarfs gebracht wird.

"" Für Militäranwärter wichtig ist eine jüngst vom

« u«i wuuHranroaner wrcyltg qr eine jungn vom der Befragten gab dem Wunsche Ausdruck,daß den ^ammergericht gefällte Entscheidung, die derM. Z," I Landkansleuten eine solche Nothlage beschieden wäre, wie

Samstag, den 26. November 1898.

zufolge die vom Bundesrath 1882 erlassenen Grund­sätze für die Besetzung der Subaltern- und Unterbe­amtenstellen bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Militäranwärtern als eine gültige Rechtsordnung im Gegensatz einer bloßen Verwaltungsvorschrift erkannt.

Hannover. Eine Pensionserhöhung für die Reichs- und Staatsbeamten haben die in Hannover wohnhaften i Pensionäre durch Petitionen, gerichtet an Reichstag und ' preuß. Landtag, beantragt. Sie begründen ihre Ge- 1 suche mit dem Hinweise darauf, daß die Pensionen, be- ' messen nach den früheren geringen Besoldungssätzen, ab­solut unzureichend sind, um die Bedürfnisse des Lebens ' zu decken. Außerdem haben sie in den Vorzeiten die Pensionen, welche sie jetzt beziehen, durch entsprechende ; Beiträge selber ausbringen müssen, wovon die gegen­wärtig amtirenden Angestellten befreit sind. Sie be- i tonen, daß die Bessergestaltung der wirthschaftlichen Lage > im Staat und Reich die Gehaltserhöhungen, .die vor , zwei Jahren gewährt worden sind, erst möglich gemacht : habe und daß sie die Schaffung dieser Lage durch ihre : früheren Arbeiten in Krieg und Frieden wesentlich als i ihr Verdienst anzuscheu berechtigt seien.

Dresden, 21. Nov. Als Sprecher seiner Arbeits­kollegen rief der streikende Maurer Duda seinem Ar­beitsgeber zu:Wenn Sie nicht sofort uns 45 Pfg. ' Stundenlohn bewilligen, werden wir da ür sorgen, daß : Sie in 34 Wochen keinen Maurer bekommen." Das : Gericht erblickte in diesen Worten eine vollendete Er- : Pressung, und bestrafte den Maurer mit sechs Monaten Gefängniß. Wegen Fluchtverdachts wurde Duda auch sofort verhaftet.

Gotha. Ein theuerer Liebesbrief. Ein in Liebe : entbrannter Jüngling sandte vor Kurzem seiner Ange- ! beteten einen Brief und versah denselben scherzweise mit dem Zusatz:Werth 180,000 Mark." Die Reichs- - Post behandelte den Gegenstand als eine durch den 1 Briefkasten aufgegebene Werthsendung, ließ sie ordnungs- I mäßig versiegeln nnd belegte dann den Brief mit dem tarifmäßigen Porto. Der also Beglückten stiegen bei dieser Ueberraschung des splendiden Liebhabers denn doch gelinde Zweifel auf, weshalb sie die Annahme des Liebesbriefes verweigerte. Der ahnungslose Liebhaber soll ein langes Gesicht gemacht haben, als ihm der theure Gegenstand von der Post zurückgegeben wurde und er seinen Scherz durch Hinterlegung der Porto- summe von 30 Mark u. einigen Pfennigen büßen mußte.

In Göttingen wird z. Z ein berühmtes und in­teressantes Haus, das gar vielen ehemaligen und auch ' gegenwärtigen Musensöhnen in ganz Deutschland, ja in der ganzen Welt bekannt ist, abgebrochen, nämlich die Alte Fink". DieAlte Fink" ist oder war, wie man nun bald wird sagen müssen, ein uralter, zweistöckiger Fachwerkbau in niederdeutscher Art, woselbst die Stu­denten ihre Kneipen hielten. Hier hat auch Fürst Bismark als Korpsstudent der Fidulitas obgelegen. Es

wird wohl selten in der Welt noch ein profanes Haus geben, das so weltberühmt ist wie dieAlte Fink".

Gießen. Vergangenen Freitag traf hier ein Waggon Holländer Schweine ein. Herr Schweinehändlcr Nebhut hat es übernommen, durch Einfuhr dieser von der städtischen Schlachthausverwaltung für gesund und laden- rein befundenen Schweine, eine allgemeine Preisermäßig­ung herbeizuführen. Voraussichtlich gelangt nächste Woche wieder eine Waggonladung an die hiesigen Metzger zum Verkauf.

Würzburg, 10. Nov. Die Klagen aus Handels­kreisen über die zunehmende Concurrenz der Darlehns- kassenvereine hatten die unterfränkische Handels, und Gewerbekammer zu einer Umfrage bei Landkaufleuten veranlaßt, über deren Ergebniß heute Handelskammer- sekretär Dr. Kittel referirte. Es wurde festgestettt, daß die Genossenschaften außer mit Saatgut, Düngemitteln und sonstigen landwirthschaftlichen Bedarfsartikeln auch mit. Zucker, Casfee, Cigarren, Tabak, Reis und Spezerei-, sowie Colonialwaaren, gedörrten Zwetschen, Rosinen, Petroleum, Decimalwaagen, Sicheln, Sensen und an, deren Eisenwaaren, mit Tüchern, kurzum mit allen Be­darfsartikeln Handel trieben, die sonst beim Kaufmann erstanden wurden. Die Genossenschaften verkauften viel­fach an Nichtmitglieder und die wohlhabenden Leute sind alle bei den Genossenschaften eingetragen, während die säumigen Zahler den Kaufleuten verblieben. Einer

sie die Bauern zu erdulden hätten. Dann wären sie (die Kaufleute) sehr zufrieden, denn die Erzählungen von dem Nothstände der Bauern seien nur Lügen." Ein Anderer meinte,es sei schon mancher Kaufmann durch die Darlehnskassenvereine zu Grunde gerichtet worden, dann heißt es aber auf dem Lande, der Kauf­mann sei faul oder dumm gewesen, von einem Noth­stände sei bei ihm nie die Rede." Mehrere andere be­haupteten wieder, die Mitglieder der Genossenschaften hätten keinen großen Nutzen von den gemeinsamen Ein­käufen, weil die Genossenschaftenzu gewinnsüchtig" seien. Darin aber stimmen alle Aeußerungen überein, daß die Genossenschaften, soweit sie Handelsgeschäfte betrieben, den ansässigen Handelsgewerbestand schwer schädigen. In der von der Kammer hierauf angenommenen Resolution heißt es:So wohlthätig und ersprießlich die Darlehns­kassenvereine auf dem Gebiete der Kreditvermittelung wirken, und so sehr eine Ausbreitung dieser Bestrebungen wünschenswerth erscheint, so haben doch diese Genossen- schaften durch die Ausdehnung ihrer Thätigkeit auf den Ein- und Verkauf der verschiedensten Artikel andererseits schwer schädigend auf zahlreiche Branchen des Handels gewirkt. Die Handels- und Gewerbekammer hält nament­lich dann, wenn die Genossenschaften bei ihren Handels­geschäften über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgehen, für unerläßtich, daß die Genossenschaften in rechtlicher Be­ziehung den entsprechenden Händlern gleichgestellt werden. Insbesondere dürfte die staatliche oder sonstige öffentliche Unterstützung sei es durch direkte Subvention, sei es durch niederverzinsliche Darlehen bei solchen Ver­einen, welche ihre Thätigkeit über den Kreis ihrer Mit­glieder hinaus erstrecken, in Wegfall kommen. Es em­pfiehlt sich ferner eine Besteuerung dieser Genossenschaften analog der vom Handel getragenen Gewerbesteuer. Im weiteren sollten die Genossenschaften denselben polizeilichen Anforderungen unterliegen, welche für die Räume, Waaren, Maaße nud Gewichte der Händler tm hygienischen und materiellen Interesse der Consumenten gestellt werde».

Ausland.

Aus London wird telegraphirt: Die Nachricht deS PariserSoleil" über die Haltung Rußlands bezüglich der Faschoda-Frage hat hier sehr ernüchternd gewirkt. Man wird sich jetzt erst klar, in welch großer Gefahr sich Europa zu Anfang dieses Monats befunden hat. Ein früherer englischer Minister, dessen Beziehungen zum Auswärtigen Amt sehr eng sind, erklärte, es sei in der That richtig, daß am 4. Nov. Abends die offizielle Note über den Beschluß der französischen Regierung bezüglich der Räumung Faschodas,veröffentlicht wurde und die fran­zösische Regierung sich 12 Stunden vor Ablauf eines ihr von England zugegangenen Ultimatums befunden hat. Die Flotte hatte Befehl, nach Ablauf der Frist die fränzösischen Häfen zu bombardiren. Der Deutsche Kaiser, welcher von seinem Londoner Botschafter genau über den Stand der Dinge informirt war, kürzte an demselben Tage angeblich wegen der Hitze seine Reise ab und ohne die Weisheit der französischen Staats­männer wäre hente vielleicht Europa in den furchtbarsten

Krieg verwickelt, den es je gesehen hat.

Rußland. Für die zahlreichen neuerbauten russischen Kriegsschiffe müssen 4000 Maschinisten sowie Heizer schnell ausgebildet werden. Da sich jedoch die Spezial­schulen hierzu als nicht auszureichend erwiesen, um in so kurzer Zeit eine solche Menge Fachleute heranzubilden, so wird laut einer Petersburger Meldung beabsichtigt, die jungen Marine-Untermilitärs für eine Zeit lang auf die Schiffe der freiwilligen Flotte als Maschinisten und Heizerlehrlinge abzukommandiren.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 25. Nov.

* Mit Genehmigung des Herrn Regierungs­präsidenten werden in diesem Jahre die VerkaufSstunden im Handelsgewerbe an den beiden letzten Sonntagen vor Weihnachten am 11. und 18. Dezember bis 9 Uhr Abends verlängert.

* Nach dem jüngsten Eis- und Wetterbericht des Gothaer Meterologen H- Habcnicht verstärken sich die Aussichten auf einen gelinden Winter in Nord-, West- und Mittel-Europa, während Nordwest-Amerika einen strengen Winter zu erwarten haben dürfte.

* Neuartige Hundert- und Tausendmarkscheine werden, wie dieNat.-Ztg." mittheilt, demnächst in den Verkehr gelangen, Diese neuen Reichsbanknoten träger,