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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 19. November 1898

49. Jahrgang

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Rt»ftf11lt11Ht>11 " ^ dw .Schlüchterner Zeitung« werben noch fortwährend von allen ------- ' Postanstalten und Landbriestrügcrn owie von der Expedition entgegen genommen.

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Deutsches Reich.

Berlin. Nach wie vor erhält sich die Meldung, daß das kaiserliche Paar bei seiner Heimreise in Spanien

nicht landen werde. Dagegen tancht neuerdings die Nachricht auf, daß dem portugiesischen Hofe ein Besuch

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abgestattet werden soll. Es bleibt abzuwarten, ob die Nachricht zutressen wird.

Nachdem im südlichen Mittclmccr eine Abkühlung der Temperatur eingetreten ist, die eine direkte Rückkehr der Kaiserin in gesundheitlicher Beziehung weniger be­denklich erscheinen läßt, wird der Kaiser, von dem Wunsche geleitet, baldmöglichst in die Heimath zurückzukehren, die Heimreise auf direktem Wege über Pola antreten.

DieHohenzollern" ist Donnerstag mit demKaiser- paar an Bord, von derHela" begleitet in See ge­gangen. Während des Aufenthaltes auf Malta wurde das strengste Jucognito bewahrt. Die Kaiserin begab sich Mittwoch Vormittag an Land und besuchte den Palast deS Gouverneurs in La Valetta.

Von dem Einzug des Kaiserpaares in Jerusalem erzählt L. P. in der ,Voss. Ztg." einige kleine Scherze. Er berichtet: Vier berittene Kawassen in blauer goldge­stickter Albanesentracht, die Silberknausigen Stäbe gegen den rechten Fuß gestemmt, und mit den Knäufen weit ab in der Rechten gehalten, eröffneten den Zug. Dann aber sah man das Unglaubliche: an der Spitze ritten der junge Cook im grauen Jackett und neben ihm sein Unterdirektor, ein Men ch, der wie ein ganz ge-

meiner Pferdc-Makler anssieht, in seiner gewohnten

ordnetes Mittel, um sich gegen die Armenier zu schützen, giebt es nicht. Der Türke handelt in Nothwehr!" Es verdient Beachtung, daß diese Darstellung unseres Lands­mannes die Zustimmung seiner Freunde hatte. Wir haben keine Stimme gehört, die sich anders äußerte. Thcilwcise war die Wuth über die Armenier eine brennende. Der Armenier ist der Revolutionär, den die Engländer benutzen, um den Sultan zu stürzen Das war der Refrain von rechts und links.

Seit zwei Jahren etwa beschäftigt man sich bei uns in Deutschland mit der Frage, ob es sich empfehle, auch bei uns die Strafe der Verbannung einzuführen, oder derDeportation", wie man sich tu Deutschland mit Vorliebe apszudrücken pflegt. Von Anfang an neigten sich die Meinungen dahin, daß es sich nicht empfehle, diese Strafe auch bei uns einzuführen. Theils waren diese Bedenken sentimentaler Art, theils aber waren sie auch praktischen Ursprungs, und namentlich wurden Bedenken erhoben in dem Sinne, daß Strafarbeit in unseren afrikanischen Schutzgebieten so ziemlich gleich­bedeutend sein würde mit einem Todesurtheil, weil die Deutschen diese Arbeit nun einmal nicht aushaltcn wegen des Klimas dort. Um nun die Ansichten kennen zu lernen, die darüber an Ort und Stelle herrschen, hat die Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amtes eine Umfrage verunstaltet bei den Gouverneuren unserer Kolonien. Es ist die Frage gestellt worden, in wie weit die Gouverneure es für zulässig, finanziell durch, führbar und im Interesse der Kolonien sowohl, als auch der Sträflinge liegend halten, wenn man die Verbannung in gewissen Grenzen in das deutsche Strafsystem ein­führen wollte. Aber die Antworten der Gouverneure sind ohne Ausnahme verneinend ausgefallen. Diese Antworten gehen einstimmig dahin, daß man Gefangene

2311 schäbig-schmutzigen staubigen Werktagkleidur g mit weiten sprungriemenlosen Beinkleidern, die ihm an den Schicn-

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deinen Heraufrutschten. Die Frechheit in diesem Auf­treten der Engländer, denen man leider die Organisation der Palästinareise des Kaiserpaares anvertraut hat, während die Deutschen, Karl Stangen und seine Söhne

diesen Auftrag mindestens eben so gut, wenn auch wahr- scheinlich um die Hälfte billiger und doppelt taktvoller | und anständiger gelöst hätten, wirkte auf uns deutsche

Zeugen der Szene warhaft empörend. Als der Kaiser beim Davidsthurm, vom Pferde gestiegen, der Gemahlin macht' die Hand bot, um ihr aus dem Wagen zu hellen, ausE : drängte sich ein armer, halbnackter, brauner Straßenbube Der Man ihn heran und streckte mit der ihm schon zur Ge­wohnheit gewordenen Gcberde die schmutzige Hand ent­gegen und zischte das unvermeidlicheChoevage Bak- schisch" heraus. Das schien denn doch dem Kaiser zu viel der Frechheit und er versetzte mit dem Reitstock dem Burschen einen wohlverdienten Hieb.

--In derHilfe" schreibt der bekannte national­soziale Pfarrer Friedrich Naumann über seine Eindrücke in Konstantinopel und namentlich über die dortige Be­urtheilung der Armenier u. a. folgendes: Am letzten Abend, den wir in Konstantinopel verbracht hatten,

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l»«»«4 ivaren wir im deutschen Handwerker Kasino. Es war

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Lim Handwerkerverein, wo wir über die Armenier redeten. |llnd gegenüber saß ein deutscher Töpfermeister, der seit 119 Jahre in Konstantinopel lebt und Anatolien kennt. «Er sagte etwa Folgendes:Ich bin ein Christ und «halte die Nächstenliebe für das erste Gebot, und ich I sage, die Türken haben recht gethan, als sie die Armenier

Mk todtschlugen. Anders kann sich ber Türke vor dem 101 «Armenier nicht schützen, von dem seine Noblesse, Träg- i|^ett und Oberflächlichkeit aufs Unverantwortlichste auS- 91 i|| gemixt werden. Der Armenier ist der schlechteste Kerl

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S° von der Welt. Er verkauft seine Frau, seine noch un= 102 K reife Tochter, er bestiehlt seinen Bruder. Ganz Kon-

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® stantinopcl wird von den Armeniern moralisch verpestet. »Nicht die Türken haben angegriffen, sondern die Ar- kmenier. Wir sind am Tage des Angriffs auf die k Ottomanische Bank auf der Straße gewesen und wissen, wie es zuging. Den unirten Armeniern hat man nichts | gethan, sondern nur den orthodoxen, denn diese sind die

zur Strafarbeit nicht dahin dringest könne, ohne sie ernsten Lebensgefahren oder doch langwierigen Krank­heiten auszusetzen; außerdem würde die Autorität der weißen Bevölkerung leiden, wenn man weiße Straf­gefangene nach den Kolonien bringen wollte. Nament­lich der Gouverneur von Kamerun hat sich sehr scharf gegen die Verschickung von Strafgefangenen ausgesprochen: das würde, meint er, nichts anders bedeuten, als die Verwandlung der Kolonie in ein großes Krankenhaus.

HamAirg. Bei aus Amerka stammenden Obstsendungen wurde, wie bereits früher, so noch in der letzteren Zeit das Vorhandensein der San Josö-Schildlaus wiederholt feftgeftellt. In Hamburg wurden am 29 September bei getrockneten kalifornischen Birnen, am 30. September bei frischen kalifornischen Birnen und am 21. Oktober bei getrockneten kali ornischen Ncktarinen Exemplare der Schildlaus vorge unden. Die Sendungen wurden an­gehalten und deren Wiederausfuhr nach dem Auslande unter amtlicher Controle angcorbuet.

Dortmund, 13. Nov. In später Abendstunde ging gestern vor der hiesigen hiesigen Strafkammer eine An­klagesache zu Ende, die hier ziemlich viel Staub amgc- wirbelt hatte. Der Lehrer Robert Krämer besam 1893 ein Jahr Urlaub zwecks Auswanderung nach Tokomaccho in Honduras, wo er die dortigen Kolonien besichtigen und erforschen wollte, ob sich jene Gegenden zur An- fieblung für Deutsche eigneten. Nachdem er znrückge- kehrt war, machte er Propaganda für die Besiedlung jener Landstriche und erreichte auch, daß sich zahlreiche Personen entschlossen, nach dort auszuwandern. Im November 1896 reiste Krämer mit einer Anzahl Per­sonen ab. Unterwegs schloß er mit den Leuten Land- kaufsverträge ab, indem er behauptete, von der Re­gierung größere Länderstriche erworben zu l)abNL auf welche er bereits Anzahlungen geleistet hätte. Der mre koste 12 Mk.; gewöhnlich nahmen die Leute 100 Acre und zahlten 250 Mk an. Große Enttäuschung herrschte unter den Auswanderern, als sie am Bestimmungsort ankamen, zumal es gerade Regenzeit war. Zu ihren Ländereien konnten sie nicht gelangen, da diese mehrere Stunden abseits lagen, und der einzige Weg nicht zu passiren war. Bald wurde Schmalhans Küchenmeister Viele Kolonisten reisten ab, ohne' ihr Land gesehen zu

knndigungen eingezogen worden. Es wurde festgestellt, daß Krämer an die Regierung von Honduras Zahlungen für das Land nicht gemacht hatte; das Land wird gegen Lösung eines Stempels ohne Weiteres abgegeben, nach Jahren wird das in Angriff genommene Land vermessen, nnd dann ist nur ein Gebühr zu zahlen, die 4 Mk. für den Acre nicht übersteigt. Dem Angeklagten kam zu­gute, daß die Betrugsfälle, begangen gegen die Aus­wanderer, meist im Auslande begangen, also hier nicht strafbar sind. Krämer war ferner wegen Verleitung zur Auswanderung Deutscher unter Vorspiegelnng alscher Thatsachen (§ 144 Str. G.-B.) angeklagt. Es wurde fcstgestellt, daß Krämer mehreren Auswanderern vorgeredet hat, sie würden binnen wenigen Jahren Millionäre sein, wenn sie nur einigermaßen Hand an- legen würden; ferner sagte er, es bestehe nach Toko- maccho eine regelmäßige Dampferverbindung, was nicht wahr ist. Der Staatsanwalt beantragte wegen Betruges und Verleitung zur Auswanderung ein Jahr Gefängniß. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten nur wegen dcs letzteren Vergehens schuldig, das Urtheil lautete auf drei Monate Gefängniß.

Magdeburg, 14. Nov. In vergangener Woche haben die ersten Sonderzüge mit Sachsengängern, die nach Beendigung der Ernte wieder in ihre Heimath zurück­kehren, unsern Bahnhof berührt. Heute sind wieder zwei Sonderzüge über unseren Bahnhof gekommen, in denen etwa 1 500 Sachsengänger untergebracht waren. Die Rückbeförderung sämmtlicher in der Provinz Sachsen beschäftigt gewesenen Sachsengänger wird von nun ab fast täglich erfolgen und dürfte sich, wie dieM. Ztg." mittheilt, 'bis in die erste Hälfte des Dezembers er­strecken. Die Zahl der Sachsengänger, die von hier aus zurückbefördert werden, dürfte sich auf mehr als 18,000 belaufen.

Maiuz, 12. Nov. Auf dem gestrigen Wochenmarkte wurden von der Sanitätspolizei wieder einmal Butter­proben erhoben. Wie sehr das Gewissen einzelner Land- leute belastet war, geht daraus hervor, daß verschiedene ihren ganzen Marktschatz an Butter im Stiche ließen und eiligst davonliefen, als sie die Beamten kommen sahen.

Straßbnrg. Graf Stolberg - Werningerode, Ritt­meister bei dem in Saarburg garnisonirenden Ulanen­regiment Nr. 15, der den Sergeanten Scheinhardt im Manöver erstach, wurde mit Dienstentlassung, sowie 3 Jahren und vier Monaten Gefängniß bestraft. Das Urtheil hat die Bestätigung des Kaisers erhalten.

Mülhausen i. E., 14. Nov. Die Gewohnheit der alten Soldaten",» an den jungen Rekruten wegen jeg­licher Kleinigkeit Lynchjustiz üben zu wollen, hat hier in veiwichencr Nacht zu einem Mord in der Kaserne des 112. Infanterie-Regiments geführt. Mehrere Sol­daten des 2. Jahrganges der 8. Compagnie waren in der Cantine und sangen Reservelieder. Als ein junger Rekrut aus Mannheim mitsingen wollte, drohten sie ihm wegen seiner Bermessenheit auf den Abend eine Tracht

Prügel an. Der Rekrut nahm die Drohung ernst und versah sich deshalb mit einem Schustermesser als er zu Bette ging. Gegen 10 Uhr rückten auch wirklich seine Feinde an, um ihr Vorhaben auSzuführen. Seinem Bette zunächst stand ein Gefreiter und auf diesen hieb er mit dem Messer blindlings ein. Mit zerfleischtem Arm und mehreren Stiche in Brust und Herz brach der Gefreite todt zusammen. Der Mörder wurde sofort verhaftet; er will aus Nothwehr gehandelt haben. Jedenfalls sollte der traurige Vorfall dazu führen, daß mit energischen Maßregeln gegen die Mißhandlungen der Soldaten untereinander vorgegangen wird.

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unverbesserlichen^ Daß die Armenier in Kleinasien besser haben, froh, mit Heiler Haut davongekommen zu sein, seien, ist eine englische Lüge. Ich bin an? den Dörfern Schließlich kehrte auch Krämer zurück, angeblich um sich gewesen und kenne die Dinge. Auch dort ist eS der gegen die von den Auswanderern gegen ihn erhobenen Armenier, der allen Wucher treibt Daß die deutschen Vorwürfe zu rechtfertigen. Dazu war ihm jetzt Ge- Christen Armenierkinder erziehen, hilft gar nichts. Diese legenheit gegeben. Es war ein großer Zeugenapparat

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® lp^"' ebenso schlecht wie die übrigen. Ein ge-! geladen, Minister sind vernommen und sonstige Er-

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Ausland.

Nordamerika. Der frühere nordamerikanische Ge­sandte in Madrid, General Woodford, hat jetzt offen erklärt, der Kubakrieg sei nur durch Hetzereien und Ge- schäftsspckulanten in Nordamerika herbeigeführt. Die spanische Regierung sei schon im Prinzip damit einver­standen gewesen, ihre Truppen bis Herbst. 1898 still­schweigend aus Kuba fortzuzichen. Die Spekulanten hätten aber nicht blos Kuba, sondern auch Portorico usw. einsacken wollen, daher der Krieg.

Kairo, 14. Nov. Marchand und Baratier verließen Kairo am 13. dsS. Acts. Abends nach Faschoda. Marchand gedenkt über den Sobatfluß nach Adis Ababg Dschibnti im Juni zu erreichen.