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Mittwoch, den 9. November 1898
49. Jahrgang
fUfldhtttrtlMi^ die .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - - ■ ■ ■ ■ - Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Das kaiserliche Paar ist am Freitag von Jerusalem abgercist und hat damit die Rückreise ange- treten. Am Freitag Morgen um '/r9 Uhr begaben sich die Majestäten, und zwar der Kaiser zu Pferde, die Kaiserin im Wagen, zum Bahnhöfe in Jerusalem. Eine zahlreiche Menge, darunter die in Jerusalem lebenden Deutschen, hatten sich auf dem Bahnhof versammelt und sandten den Majestäten lebhafte Sympathiekundgebungen nach. Das Wetter war hell und sonnig. — Aus Beirut wird am 5. November, Vormittags gemeldet: „Die Majestäten sind um 9 Uhr bei tropischer Hitze hier eingetroffen und werden bis zu der am Montag früh erfolgten Abreise nach Damaskus hier an Bord verbleiben. Alles wohl." Die Rückkehr des kaiserlichen Paares nach Deutschland wird voraussichtlich auf dem Seewege erfolgen. Wie bekannt, herrschte während des Aufenthaltes des kaiserlichen Paares in Syrien und Palästina fortgesetzt ungewöhnliche, große Hitze; und auS Rücksicht darauf ist der Kaiserin von ärztlicher Seite die unvermittelte Rückkehr aus dem Süden nach dem Norden dringend widerrathen worden.
— Das Gesammtresultat der Donnerstag vollzogenen Landtagswahlen ist folgendes: 147 Konservative, 57 Freikonservative, 99 Centrum, 1 Reformpartei (Werner) 74 Nationalliberale, 1U Frcis. Vereinigung, 24 Freis. Volkspartei, 1 Demokrat, 3 Bund der Landwirthe, 14 Polen, 2 Dänen und 1 Fraktionsloser.
Posen. Wegen Theilnahme an einem großen Lotterie- . schwindet, der nach Rußland betrieben wurde, sind in
. Berlin ein Druckereibesitzer und ein aus Rußland . stammender Handelsmann von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Es wurden große Mengen Loose zu einer gar nicht existirenden „Danziger Geldlotterie" her- gestellt, die man dann nach Rußland einschmuggelte. Im russischen Reiche ist das Lotteriespiel verboten; jede Ucbertretung wird mit Gefängniß bestraft. Viele Russen suchen aber heimlich deutsche Loose zu erwerben, weil sie wissen, daß hier die Lotterien unter staatlicher Aufsicht stehen. Der Kaufmann L. in Mlawa ließ nun durch seinen Schwager, den erwähnten Handelsmann, bei dem, Drucker die „Danziger Geldlotterie-Loose", und zwar je 17—20,000 Stück zu vier Lotterien in füll' Klassen nach Art der sächsischen Loose in verschiedenen Farben herstellen. Die noch unnummerirten Loose wurden als „ManlUakturwaaren" an einen Spediteur in der preußischen Grenzstation Jllowo gesandt und dann über die Grenze an den Mlawaer Kaufmann geschmuggelt, der sie mit Nummern versah und vertrieb ES gelang den Grenzbeamten schließlich, eine solche Sendung anzuhalten, worauf die Berliner Kriminalpolizei den Drucker ermittelte. Bei einer Haussuchung fand [ man noch die fertigen Platten vor. Der Druckereibe- sitzcr und der Handelsmann wurden wegen Theilnahme an schwerer Urkundenfälschung in Haft genommen.
Dortmund, 5. Nov. Auf Zeche Borussia sind durch Schlagwetter drei Mann tödtlich verunglückt und 5 verletzt worden. Beim Retten wurde ein Steiger getödtet.
Gtlsenkircheu, 4. Nov. Auf der Zeche Holland in Ueckendorf fand heute auf der vierten Sohle des Schachtes
: 1 und 2 eine Explosion schlagender Wetter statt. Die Zahl der Todten ist noch unbekannt. Bisher wurden fünfzehn Leichen zu Tage ge ördert.
Köln. Wegen unlauteren Wettbewerbs verurtheilte daS Kölner Schöffengericht eine dortige bedeutende Firma zu 1000 Mk. Geldstrafe, weil sie einen Ausverkauf zu ermäßigten Preisen dadurch ge älscht hatte, daß sie während des Ausverkaufs noch fortwährend neue Waaren bezog. Der Charakter des Ausverkaufs war also da- wit hinfällig geworden.
Aus dem Rheinga», 2. Nov. Ein sehr schlechtes Weinjahr geht seinem Ende entgegen. Im Laufe dieser Woche beginnt die Weinlese; so wird, da der Anhang sshr gering ist, bald beendet sein. Die Ernte ist quantitativ so gering, daß viele Gutsbesitzer keine fremden ^-eser annehmen, was seit 1872 nicht mehr der Fall
Qualitativ wird der diesjährige Wein trotz des
,. „ —......... wup vn vuvjiH/mjL «wem uuy uiy eine Nebensache sein, die Möglichkeit eines großen Auf- am Fest- und Ehrentag der Gemeinde Elm lebendig
Ichonen Nachsommers gering; ihm fehlt der Zuckerge-1 standeS und die Ohnmacht des Landes werden zum erzeigten auf Grund des T^t^ 1, Petri 2—5 in Er»
halt. Der Säuregehalt ist nicht hoch. Leser, Fuhrleute und ganz besonders die Gutsbesitzer selbst werden noch lange an den diesjährigen Herbst denken und in unrühmlicher Weise von ihm sprechen.
München, 4. Nov. Die Vorschläge des Landesinspektors für Thierzucht, die dieser auf Anregung des Ministeriums des Innern zur Hebung und einträglicheren Gestaltung der Schweinezucht gemacht hat, gipfeln in folgenden 4 Punkten: 1) Wo nothwendig, soll versucht werden, durch Kreuzung mit geeigneten raschwüchsigen Rassen die einheimischen Bestände zu verbessern, oder geeignete Rassen direkt einzuführen und fort- zuzüchten. 2) In allen Theilen Bayerns sind Zuchtstationen zu schaffen, oder die schon vorhandenen Hochzuchten dazu zu benutzen, um den mittleren und kleineren Schweinehaltern gutes und nicht zu kostspieliges Zucht- material zu liefern. 3) Es sollen Schwcinezuchtge- noffenschaften und Eberstationen zur Förderung der rationellen Zucht gegründet und 4) die Schutzimpfung gegen Schweineseucheu durch thunlichste Verbilligung möglichst verallgemeinert werden. Man sieht aus den 3 ersten Punkten dieser Vorschläge schon, daß der Landesinspektor die bisherige Zucht eincstheils nicht für rationell genug, anderseits nicht für qualitativ genügend hält, sonst würde er nicht so belangreiche Verbesserungen der Qualität vorschlagen. Eines ist in den Borschlägen nicht berührt: der ganz miserable Zustand der meisten Schweineställe. Die Bauern fürchten sich vielfach vor einem intensiveren Betrieb der Schweinezucht, weil sie Angst vor den Schweinekrankheiten haben. Wenn man sich aber die engen, lichtlosen, vom Schmutz starrenden Schweineställe ansieht, in denen die Krankheitserreger ein halbes Jahrhundert lgng awgespeichert sind, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Thiere den Seuchen verfallen. Man wird diesen Umstand auch wohl im Auge behalten müssen, wenn die Landwirthe staatliche Entschädigungen für verseuchte Thiere verlangen.
Freiberg, 3. Novomber. Um seinen Neubau besser in die Augen fallen zu lassen, hatte der Bauunternehmer und Häuserspekulant Gustav Otto Krämer aus Tharandt seinen Arbeiter Karl Friedrich Greulich aus Somsdor, dazu angestiftet, das dem Nagelschmiedemeister Koch gehörige Nebenhaus in Tharandt niederzubrennen. Der neun Jahre alte Sohn des Schmiedemeisters kam in den Flammen um, ebenso starb die 81 Jahre alte Wittwe Hegewald an den Brandwunden, auch ein Schmiedegesell erlitt schwere Brandverletzungen. Aus diesen Gründen erging das schwere Urtheil des hiesigen Geschworenengerichts, welches den anstistenden Bauunternehmer mit lebenslänglichem Zuchthaus und den ausführenden Arbeiter mit 11 Jahren Zuchthaus bestrafte.
Hann. Münden, 3. November. Im Wald bei Oberscheden hat vorigen Freitag der Jagdpächter Weitemeyer eine Wildkatze erlegt. In demselben Walde sind schon mehrere Wildkatzen in den letzten Jahren erlegt worden.
Ausland.
Aus Rom wird gemeldet, die traurige soziale Lage des italienischen Volkes dürfte in allernächster Zeit schon wieder die Ursache zu Straßen Unruhen und heftigeren Revolten werden. In vielen Städten ist das Brod so theuer geworden, daß es die unbemittelten Klassen nicht mehr zu beschaffen vermögen. Eine furchtbare Hungersnoth ist im Anzüge. Die Handelskammern fordern die Abschaffung der Getreidezölle, die Regierung tritt dem Kornwucher entgegen und ließ verschiedene Verhaftungen vornehmen, auch sollen im schlimmsten Falle die Militärmagazine geöffnet werden; aber was will das sagen? Durch derartige Augenblicksmaßnahmen kann der Noth des Volkes nicht abgeholfen werden, und die Kugeln, die nachher zur Unterdrückung der Empörten und Verzweifelten abgeschossen werden, beseitigen das Elend erst recht nicht. Italien braucht Reformen, einschneidende und gründliche Reformen weitherzigster Art, damit es endlich Frieden im Innern erhält und auch den bösen Ruf verliert, Züchterin der Anarchisten zu sein.
Spanicu. In Nordspanien macht sich wieder eine karlistische Erhebung bemerkbar, die nach Pariser Meldungen bereits zu einem Zusammenstoß mit den Truppen ge ührt haben soll, von der Regierung in Madrid aber als Bagatelle bezeichnet wird. Mag es wirklich nur
Eingehen auf die harten amerikanischen Forderungen zwingen.
London, 4. November. Alle britischen Kriegsschiffe sind jetzt vollständig mit Kohlen versehen und im Zu
stand kompleter Kriegsbereitschaft.
Alles Holzwerk ist
von ihnen entfernt.
Dies geschieht gewöhnlich nur vor
einer Aktion, um eine Feuersbrunst durch feindliche Granaten zu verhindern. Auch die Rüstungen in England schreiten rapid fort. In Chatham werden große eiserne Transportschiffe zum Landen von Truppen aus den Kriegsschiffen gebaut. Sämmtliche Küsten- und Ha'enwachtschiffe haben jetzt Mobilmachungsordre. Zwei Volontärkorps erhielten Befehl, sich bereit zu halten.
Petersburg, 3. Novomber. Gestern wurde ein Gesetz veröffentlicht betreffend Gründung einer hebräischen Ackerbaukolonie auf dem Gute des Barons Horace Guenzburg Dshenan Abad in Bessarabien. Das 500 Desjatinen große Gut wird zur Ansiedelung ackerbautreibender Hebräer parcellirt, wobei die Ansiedler während der ersten 4 Jahre keine Abgabe zu zahlen brauchen.
New-Iork, 5. November. Der von Hobson gehobene Kreuzer „Maria Teresa" sank auf der Fahrt nach hier bei Sau Salvador. Menschenverlust gab es nicht. Das Panzerschiff „Maria Teresa" vom Geschwader CerveraS strandete bekanntlich in der Schlacht bei Santiago und wurde später von den Amerikanern flott gemacht.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 8. Nov.
— Die allgemeine Viehzählung im Bereiche der preußischen Monarchie, die in den früheren Jahren am ■ 1. November stattfand, wird in diesem Jahre nach der : „Magd. Ztg." erst am 1. Dezeinber vorgenommen wer^n. Schon im vorigen Jahre ist mit dieser Aufnahme des Viehbestandes zum ersten Male auch eine Zählung des Geflügels verbunden worden, was nun auch in diesem Jahre geschehen soll.
— Die preußischen Siegesthaler vom Jahre 1866 sind von Falschmünzern nachgemacht und in Verkehr gebracht worden. Die Falschstücke sind genau den echten im gewöhnlichen Verkehre selten vorkommenden Münzen nachgcahmt; sie tragen die Jahreszahl 1866, das Münz- zeichen A und sehen ziemlich neu au^ Die auffälligen matten und glanzlosen geprägten Stellen bilden die einzigen Erkennungszeichen der falschen Münzen.
* — Wir machen darauf aufmerksam, daß die Staats-Einko nmenstener für das 3. Quartal 1898.99 bereits am 2. d. Mts. fällig gewesen ist und die Restanten daher in aller Kürze zwangsweise Beitreibung zu gewärtigen haben werden.
Elm. Am 26. Oktober fand dahier die Einweihung unserer neuen Kirche statt. Aus Fern und Nah hatten sich Festgäste in dem schön geschmückten Dorfe eingefunden, und unter den Kirchenbesuchern, deren Zahl sich auf mindestens 1000 belau en mochte, war wohl keiner, der nicht durch den ergreifenden Akt der EinweihungS- seier gerührt worden wäre. Nachdem die Schlüsselübergabe vor dem Hauptportal des Gotteshauses durch Herrn Baumeister Dr. Schönermark an Herrn General- uperintcndent Pfeiffer und durch diesen an den Ortsgeistlichen, Herrn Pfarrer Seyd, erfolgt war, gingen )eügäne und Gemeindeglieder in die Kirche, deren trächtig ausgestattete innere Räume an diesem Tag den Beweis lieferten, eine wie große Menschenmenge sie zu äffen vermögen.
Nach dem Gesang des Liedes „Thut mir auf die chöne Pforte" vollzog Herr Generalsuperintendent Pfeiffer >en Akt der Einweihung unter Gebet und einer er«
greifenden Ansprache, -welcher der Text 2 Cor. 5, 17: das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden" zu Grunde lag. Die Rede bot den Zuhörern ein treffendes Zeitgemälde von einst, wo die Benediktinermönche in im er abgelegenes einsames Thal zogen, um das Licht des Evangeliums auch leuchten zu lassen, und letzt, wo ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt moderne Cultur und leider auch die schädlichen Folgen derselben, als Leichtfertigkeit und Unglaube, vor denen der hoch- vürdige Oberhirte besonders warnte, gebracht hat. Die Altarliturgie hielt Herr Metropolitan Orth aus Ramholz. Sodann bestieg Herr Pärrer Seyd die neue Kanzel, um in kräftiger herzandringender Weise der Gemeinde die besonderen Gnadcncrweiiullgcn Gottes, wie sie sich