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SchluchternerWung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 89.

Samstag, den 5. November 1898.

49. Jahrgang.

^oftolhittrtOM auf bie .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen " ......Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Das Kaiserpaar in Jerusalem.

Am Montag ging die feierliche Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem vor sich, zu welcher Kaiser Friedrich den Grundstein gelegt hat. Das Kaiserpaar wurde von einer aus sechs Herren be­stehenden Deputation des Johanniterordens empfangen und schritt unter Glockengeläute in feierlichem Zuge mit den fürstlichen Gästen bezw. deren Vertretern bis zn dem Westportale der Erlöserkirche. Hier hatten sich außer dem Kuratorium der evangelischen Jerusalem- Stiftung die offiziellen Vertreter der deutschen evange­lischen Kirchenregierungen und der außerdeutschen Kir- chengemcinschaften, sowie die Geistlichen aus Jerusalem, , Bethlehem, Jaffa und Haifa versammelt. Nach Ueber« gäbe des Schlüssels und Oeffnung der Thür erfolgte der Eintritt in die Kirche, in welchem Moment der Bläserchor die Hymne »Tochter Zion, freue Dich" intonierte. Hierauf wurde die Weihehandlung von dem Oberhofprediger Dr. Dryander vollzogen, woran der Festgottesdienst sich anschloß. Nach letzterem besichtigte das Kaiserpaar die Kirche, während die Orgel spielte. Zum Schluß wurde die Festurkunde vollzogen. In derselben erinnerte der Kaiser zunächst daran, daß es schon lange das Streben seiner Vorfahren war, der Kirche der Reformation eine bleibende Stätte in Je­rusalem zu bereiten. Der Monarch dankte Gott, daß ' ihm die Gnade zu theil geworden, das Werk zu vollenden nnb am Gedächtnißtage der Reformation die Einweihung der Kirche zu vollziehen. Der NameErlöserkirche" solle kund thun, daß er und alle, die mit ihm in dem Werke der Reformation ein Gnad.nwerk Gottes erkennen und dankbar daran festhalten, zu Jesu Christo dem Ge­kreuzigten und wahrhaft Auferstandenen als zu unserem Erlöser aufschauen und allein durch den Glauben an ihn gerecht und selig zu werden hoffen. Gott wolle die evangelische Kirche bauen und beschirmen und unser deutsches Vaterland segnen.

Das Kaiserpaar wohnte Montag Abend auf dem Oelberge einer vom Oberhofprediger Dr. Dryander ge­haltenen kurzen Andacht bei und sah darauf die Spitzen der anwesenden preußischen Behörden und die Johanniter- : ritter zur Tafel bei sich. Die übergroße Hitze, welche in Jerusalem und ganz Palästina herrscht, hat den Kaiser veranlaßt, von dem sehr umfangreichen Aus- flugs-Programm, das u. a. eine Fahrt nach Jericho dem Jordan, nach Aim Kaim zur Besichtigung des syrischen Waisenhauses, ferner nach dem Kloster Mao Saba und der Klagemauer der Juden enthält, einiges zu streichen. Unbedingt aber sollen die syrischen Städte Beirut und Damaskus besucht werden. Der hohen . Temperatur sind bereits über 20 Pferde erlegen. Bei seinen Ausflügen begleiten den Kaiser stets vier Beduinen i in ihrer malerischen Gewandung mit langen Lanzen voran, darunter derselbe Scheikh, der einst den Kaiser Friedrich auf dessen Orientreise begleitete.

f , Nach der Erwerbung der Dormition de la Sainte ' Vierge hat der Kaiser an den Papst nachstehendes Telegramm gerichtet:

Ich bin glücklich, zur Kenntniß Eurer Heiligkeit

1 bringen zu können, daß ich dank der wohlwollenden Vermittelung des Sultans, der mir bereitwilligst diesen Beweis persönlicher Freundschaft gegeben hat, in Je­rusalem das Dormition de la Sainte Vierge genannte Grundstück habe erwerben können. Ich habe beschlossen, 5 dieses durch so viele fromme Erinnerungen geheiligte Grundstück meinen katholischen Unterthanen und insbe­sondere dem deutschen katholischen Verein vom heiligen Lande zur Verfügung zu stellen. Er hat meinem Herzen wohlgethan, bei diesem Anlaß zu bekunden, wie theuer mir die religiösen Interessen der Katholiken sind, welche die göttliche Vorsehung mir anvertraut hat. Ich bitte Eure Heiligkeit, die Versicherung meiner aufrichtigen Zuneigung entgegenzunehmen."

Der Papst hat hierauf telegraphisch Nachstehendes erwidert:

Wir sind sehr gerührt durch das gütige Telegramm, Eure Majestät an uns gerichtet haben, um Ihre Entschließung zu unserer Kenntniß zu bringen, Ähren

Deutsches Reich.

Berlin. Die Abreise derPrinzessin Heinrich nach Kiaut- schau ist nunmehr endgiltig auf den 11. November fest­gesetzt worden. Die Prinzessin stattet zunächst einen Besuch am Darmstädter Ho'e ab und begiebt sich am 13. November in Genua auf den LloyddampferPrinz Heinrich".

Bremen. Zwischen deutschen und polnischen Ar­beitern einer Bremer Wollkämmerei gab es eine blutige Schlägerei. Die Polen stürmten mit dem Rufe: Schlagt die deutschen Hunde todt!" ein Restaurant. Zwei Arbeiter sind todt mehrere verwundet und viele verhaftet.

Eiscnach, 29. Oktober. In dem benachbarten Dorfe Großensee brach gestern früh auf dem Gehöfte des Landwirthes Bartholomäus Feuer aus, das auch das benachbarte Schulgebäude arg bedrohte, aber zuletzt auf einen Herd beschränkt wurde. Man befürchtete, daß der Besitzer des Gehöftes, da er nicht zu finden war, in den Flammen umgekommen sei; derselbe stellte sich aber gestern Abend hier auf dem Landgerichte, und gab an, > er sein Gehöft angezündet habe. Da sein 20jähr. Sohn ihn mißhandelte und ihn aus dem Hause haben wollte, habe er das Haus angezündet, damit sein Sohn nicht in den Besitz desselben käme.

Stuttgart, 19. Oktober. Im Frühjahr entstand plötzlich unter den Hunden in Stuttgart eine größere Sterblichkeit; eS herrschte zuerst die Ansicht, daß von böswilliger Hand den Thieren Gift gegeben wurde. In­zwischen hat jedoch die Sterblichkeit noch zugenommen, und es hat sich nach Stuttgarter Blättern herausgestellt, daß die Thiere einer Seuche zum Opfer fallen, die in

katholischen Unterthanen das Dormition de la Sainte Vierge genannte Grundstück in Jerusalem zu über­weisen, welches Eure Majestät erworben haben. Indem wir unsere lebhafte Genugthuung bezeugen, sind wir gewiß, daß die Katholiken dankerfüllt für Eure Majestät sein werden, und gern verbinden wir unsere aufrichtigste Danksagung mit denen der Anderen.'

Ueber das Grundstück Dormition, das der Sultan dem Kaiser wie es in der Depesche desselben an den deutschen Verein vom hl. Lande heißt,übereignet" und das er, der Kaiser, dann dem Verein zur freien Nutz­nießung im Interesse der deutschen Katholiken über- wiesen hat, schreibt die .Köln. Volksztg." Folgendes: Die Dormition ist ein das Cönaculum (Abendmahl- saal) umgebender größerer Platz, auf welchem der Ueber­lieferung nach das Haus stand, in welchem die Mutter Gottes nach der Auferstehung des Erlösers mit dem hl. Johannes gelebt hat und wo sie gestorben ist. Auf diesem Platze stand die älteste Kirche der Christenheit; ihr erster Name war Apostelkirche; dann heißt sie Marienkirche oder Sionskirche, auch kurz die heilige Sion. Im vierten Jahrhundert wurde die Sionskirche durch eine Basilika ersetzt. Die Kreuzfahrer fanden nur noch Ruinen; sie bauten eine neue Kirche, welche im Laufe des dreizehnten Jahrhunderts zerstört wurde. Im vier­zehnten Jahrhundert errichteten die Franziskaner eine Unter- und Ober-Kirche, von welcher die beiden noch erhaltenen Räume heute als Cönaculum bezeichnet wer­den. Die jetzt dem Deutschen Verein vom hl. Lande überwiesene Dormition ist somit die Stätte, welche seit den ältesten Zeiten als ein höchst verehrungswürdiges Heiligthum geschätzt wurde. Es haben sich auf dieser Stätte die großen Thatsachen der Fußwaschung, der Einsetzung des hl. Abendmahls, die Erscheinung de» Auferstandenen, die Sendung des hl. Geistes, der Tod der hl. Jungfrau als auf einem unvergleichlichen historischen Schauplatze vollzogen. Der Platz war bis- her in mohammedanischem Privatbesitz. Die frühern Verhandlungen wegen Erwerbes des Platzes für den ge­nannten Verein waren erfolglos."

DieK. Z." meldet aus Jerusalem unterm l.Nov.: Das Grab Davids, welches dem Kaiser und der Kaiserin auf ausdrücklichen Befehl des Sultans gezeigt wurde, war bisher noch von keinem Nichtmohamedaner betreten worden. Der Jmam hielt an den Kaiser eine Ansprache, in welcher er diesen Umstand hervorhob und hinzufügte, daß dem deutschen Kaiser, dem Freunde des Sultans, alle mohamedanischen Institute offen­ständen. Dieses Entgegenkommen des Sultans hat nicht verfehlt, hier überall großes Aufsehen zu erregen.

ihrer äußeren Erscheinung große Aehulichkeit mit der beim Rindvieh verkommenden Maul- und Klauenseuche hat. Trotz eifrigsten Studiums und eingehendster Untersuchungen ist es dem Lehrerkollegium der Thier- ärztlichen Hochschule bis jetzt noch nicht gelungen, den Krankheitsbacillus zu entdecken oder die Ursache der in allermeisten Fällen tödtlich verlaufenden Erkrankung mit voller Bestimmtheit festzustellen. Ganz abgesehen von dem großen Schaden, welcher dem einzelnen Besitzer durch das Verenden der oft sehr werthvollen Thiere entsteht, wird die Seuche auch ihre fühlbare Wirkung auf das Steuer-Budget im nächsten Jahre ausüben.

Ausland.

Nachdem in Wien die Pestgefahr endgültig beseitigt zu sein scheint, taucht das Gespenst der furcht­baren Seuche plötzlich an einem anderen Punkte Eu­ropas auf in Warschau. In das dortige Spital zum Kindlein Jesu wurde, wie der Kuryer Porany meldet, eine 56jähr. Frau gebracht, welche nach 24 Stunden starb. Die Aerrzte konstatierten sibirische Pest. Das Spital und die Wohnung der Verstorbenen wurden sofort desinfiziert. Nähere Mittheilungen bleiben abzuwarten.

Paris, 29. Oktober. Der französische Massenmörder Bacher, der, wie noch erinnerlich sein dürfte, etwa 20 Menschenleben aus dem Gewissen hat, ist eben von dem Schwurgericht Bourg, zum Tode verurtheilt worden. In den Verhandlungen versuchte er den wilden Mann zu spielen, die Geschworenen gaben aber nichts auf seine Mätzchen"

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 4. Nov.

* Bei der gestrigen Wahl des Landtagsabgeord- neten für den Landtagswahlkreis Gelnhausen-Schlüchtern wurde der bisherige Abgeordnete, Herr Amtsrichter Zimmermann in Schlüchtern einstimmig wieder gewählt.

* Dem Bericht der Hessischen Brand-Versicherungs- Anstalt für das Jahr 1897 entnehmen wir für den Kreis Schlüchtern folgendes: Der Brand in Romsthal am 1. Januar wurde mit 1243 Mk. 77 Pfg. entschädigt, der Brand in Sterbfritz am 11. Februar mit 3460 Mk. 5 Pfg., der Brand in Ulmbach am 21. Februar mit 3821 Mk. 25 Pfg., der Brand in Kressenbach am 30. April mit 43 Mk. 70 Pfg., der Brand in Alten- gronau am 17. Mai mit 93 Mk. 70 Pfg., der Brand in Steinau am 6. Mai mit 230 Mk. 78 Pfg, der Brand in Soden am 5. August mit 62 Mk. 60 Pfg., der Brand in Schwarzenfels am 22. August mit 1808 Mk. 36 Pfg., der Brand in Sterbfritz am 5. Septem­ber mit 16,302 Mk., der Brand in Hohenzell am 19. September mit 3573 Mk. 30 Pfg., der Brand in Schlüchtern am 19. September mit 3876 Mk. 26 Pfg., der Brand in Wallroth am 23. September mit 3493 Mk. 89 Pfg., der Brand in Ramholz am 25. Septem­ber mit 4149 Mk. 50 P'g., der Brand in Neuengronau am 28. September mit 3739 Mk. 72 P g, der Brand in Seidenroth am 28. September mit 1391 Mk. 96 Pfg, der Brand in Herolz am 7. November mit 2620 Mk. 80 Pfg., der Brand in Steinau am 23. Dezember mit 94 Mk. 59 Pfg. Diese vielen Brände in 1897 verursachten der Brandkasse eine Ausgabe von 49 964 Mk. 23. Pfg. Entschädigungsgeldern, Berück­sichtigt man, daß nur bis höchstens Zweidrittel des Schadens an Gebäuden rc. vergütet wird, daß Mobilar, Futter rc. aber anderweit versichert oder auch gar nicht versichert gewesen ist, oder auch beim Löschen verdorben ist, so haben diese Brände in 1897 vielen Bewohnern des Kreises Schlüchtern einen enormen Schaden gebracht. Deshalb Vorsicht mit Feuer und Licht!

Gelnhausen, 29 Okt. In einem der hier verkehren­den Bahnzüge sammelte in dieser Woche die Begleiterin eines Ziehharmonikaspielers Geld ein. Ein Fräulein gab derselben auch ein Pfennigstück, mit demselben rutschte aber auch ein Goldstück, welches sie dem Portemonnaie gleichzeitig entnommen hatte, in die Hand der Frau. Diese ließ sich nichts merken und steckte ein, was sie in die Hand besam. Als das Fräulein den Verlust merkte, zeigte sie es dem Schaffner an. Die Frau wurde durchsucht, doch fand sich das Goldstück nicht vor. Der Zug war schon im Abfahren, als einer der Passa- giere erklärte, die Frau müsse das Goldstück im Strumpfe haben, sie habe sich nach dem Einsammeln an ihrem