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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 86.

Mittwoch, den 26. Oktober 1898.

49. Jahrgang.

NpstellllNao-1 "Uf bie .Schlüchterner Zeitung" 6?M*» UllllyMl merben nod^ fortwährend von allen ...............-..... - Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

zurückbringt. Wie die .F. Z." hört, soll diese Be­stimmung durch die für den Reichstag vorbereitete Post- gesctznovelle beseitigt werden, so daß eine direkte Be­förderung mit Umgehung der Post nicht mehr möglich sein würde. .Der Reichstag wird sich schwerlich mit dieser Erweiterung des Postregals einverstanden erklären.

Der Gesetzentwurf zum Schutze Arbeitswilliger, der gegenwärtig in der Vorbereitung begriffen ist, bildet nach der MünchenerAllg. Ztg." z. Z. den Gegen­stand kommissarischer Berathungen zwischen den ver­schiedenen, bei der Ausarbeitung betheiligten Stellen. Trifft diese Meldung zu, so sind auf die Umfrage des Grafen Posadowsky nunmehr die Antworten aller Ein- zclstaaten eingegangen, womit der schwierigste Theil der Vorarbeiten für den Gesetzentwurf erledigt ist, so daß die weitere Arbeit derart wird gefördert werden können, daß der Entwurf dem Reichstage in der bevorstehenden Session unterbreitet werden kann.

Zu den Erhebungen über die Fleischpreise, die der Landwirthschaftsminister angeordnet hat, schreibt die Schles. Ztg ":Es soll eine die Zeit vom I.Jan. 1896 bis jetzt umfassende Uebersicht über die an den Haupt­marktorten im Kleinhandel für ein Kilogramm Rind­fleisch und Speck im monatlichen Durchschnitt gezahlten Preise sowie über die Marktpreise für lebendes Vieh aufgestellt werden. Außerdem aber wünscht der Minister noch einige Fragen, möglichst unter ziffermäßiger Be­gründung, näher erörtert zu sehen. Diese Fragen be­ziehen sich auf etwaige Verschiebungen in der Bevöl­kerung und auf Schwankungen des absoluten wie des relativen Fleischbedarfs, ferner auf den Stand und die Aussichten der inländischen Viehzucht, namentlich der Schweinezucht, sowie auf Viehzu- und Ausfuhr, endlich aus die Preisgestaltung auf den Viehmärkten."

Bei der Grenzregulirung in Kiautschau find wie berichtet, die Loschan-Berge und der Hafen von Tapatur Deutschland zugesprochen worden. Der Tapatur-Hafen liegt noch innerhalb der öO Kilometer-Zone, in welcher die chinesischen Behörden nichts ohne Zustimmung der Deutschen thun dürfen.

Der Gesammtüberschuß der Preußischen Staats- bahnen wird in diesem Etatsjahre nach demFr. G.-Anz." die Kleinigkeit von 175,000,000 Mark betragen. In vielen Kreisen wird diese Summe noch als zu gering berechnet angenommen.

Ueber Mangel an Arbeitern wird in Berlin ge­klagt. DieNat.-Ztg." berichtet darüber: Die Unter­nehmer von Erdarbeiten, namentlich bei Straßenplanir- ungen, können die nöthigen Arbeiter nicht in erforder­licher Zahl und Leistungsfähigkeit erhalten; auch bei der Entlastung der Reserven, auf welche die Unternehmer gerechnet hatten, ist dieser Mangel nicht ersetzt. Die Verwaltung des städtischen Obdaches zu Berlin aber meldet, daß im letzten Monat das Obdach von 12387 Männern ausgesucht wurde, von denen 261 der Polizei und 58 verschiedenen Heilanstalten überwiesen wurden. Darnach scheinen die übrigen gesund und arbeitsfähig, aber nicht alle arbeitslustig zu sein. (Freilich, strolchen ist bequemer, als arbeiten!)

* Nach einer Entscheidung des Reichskanzlers ist den nicht in staatlichen Lehrerseminaren vorgebildeten Lehramtskandidaten, welche auf Grund des § 2 der Prüfungsordnung für Volksschullehrer vom 15. Oktober 1872 zur Seminarentlassungsprüfung zugelassen werden und diese bestehen, lediglich auf Grund des Bestehens dieser Prüfung die wissenschaftliche Be ähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst nicht zuzuerkennen. Diese Be ähigung ist den Seminarzöglingen nur mit Rück­sicht auf die durch den ordnungsmäßigen Seminarbesuch ge­wonnene Vorbildung gewährt worden. Die öffentlichen Schullehrerseminare sind demnach nur berechtigt, ihren eigenen Zöglingen nach bestandener Entlastungsprüfung das in Rede stehende Befähigungszcugniß auszustellen.

Aus dem Ruhrkohlenrevier, 20. Oct. Auf Zeche .Johann Deunelsberg" wurden drei Bergleute, die mit Ausschachtungsarbeiten beschäftigt waren, von gewaltigen GesteinSmasten, welche sich von der Berghalde gelöst hatten, verschüttet. Einer der Verschütteten blieb todt, während die beiden anderen schwer verletzt wurden. Auf SchachtHeintzmann" wurde ein jugendlicher Berg­mann von einem Förderwagen erdrückt. Auf Zeche Mansfeld" ging in dem im Bau begriffenen Schockt der Förderkorb durch die Seilscheibe. Der Korb riß

Amtliches.

Die Abhaltung des für den 27. d. Mts. in Fulda in Aussicht genommenen Viehmarktes ist wegen der im Kreise Fulda und den angrenzenden Gebieten in erheb­licherem Umfange herrschenden Maul- und Klauenseuche durch Verfügung des Königlichen Regierungs-Präsidenten in Cassel verboten worden, was hiermit veröffentlicht wird.

Schlüchtcru, den 21. Oktober 1898.

Der Königliche Landrath: I. V.: Goerz.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Okt. Aus Konstantinopel wird be­richtet : Das deutsche Kaiserpaar wohnte dem gestrigen Selamlik bei. Der Sultan hatte seine beiden ältesten Söhne dem Kaiser als Flügeladjutanten zu besonderem Dienste attachirt. Der Sultan selbst fuhr die Kaiserin nach dem Paradefeld. Die Parade verlief glänzend und hinterließ allgemein den Eindruck der vorzüglichen Ver» fassung der türkischen Armee. Die Truppen marschirten mit preußischer Strammheit an dem Pavillon vorbei, wo der Kaiser mit dem Sultan Platz nahm. Dort hing ein Bild, das einen deutschen und einen türkischen Sol­daten darstellt, wie sie sich die Hände reichen. Nach der Parade strömte eine zahllose Volksmenge auf den Paradcplatz, umringte den Kiosk und brach in begeisterte Jubelruse aus, als der Kaiser mit dem Sultan auf den Balkon des Kiosks heraustrat.

Der Kaiser und die Kaiserin haben nunmehr die eigentliche Reise nach Palästina angetreten. Vom Sultan erhielt der Kaiser einen kostbaren Briefbeschwerer mit großen Smaragden und anderen Edelsteinen, der einst Eigenthum des Sultans Mahmud war, zum Geschenk.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat der Central- Vorstand des Gustav Adolf-Vereins dem Kaiser 36000 Mark für kirchliche Zwecke in Palü^ina zur freien Ver­fügung gestellt. Von diesem Gelde soll in Jerusalem noch eine evangeli che Kirche gebaut werden, für welche der Kaiser bei seinem Aufenthalte einen Ort aussuchen wird. Auch haben der Kaiser und die Kaiserin die Spendung einer größeren Summe als Beihülfe zu den Baukosten zugesagt.

Ein neues Ehrenzeichen. Der Kaiser hat auf Antrag der Kaiserin ein neues Ehrenzeichen, die Rothe Kreuz-Medaille, gestiftet. Die Medaille besteht aus drei Klassen und soll an Personen, die sich um die Be­strebungen des Rothen Kreuzes verdient gemacht haben, verliehen werden. Die kreisrunden, in Bronze be­ziehungsweise in Silber gehaltenen Medaillen dritter und zweiter Klasse zeigen auf der Vorderseite eine Ab­bildung des .Rothen Kreuzes", dessen Balken an ihren vier Enden mit Kronen besetzt sind, während das Kreuz selbst oben von den Buchstaben W und R (Wilhelm Rex), unten von den Buchstaben A und V (Auguste Victoria) bewinkelt wird. Die Rückseite, halb von einem Eichen zweig umgeben, zeigt die Jnschri t:Für Verdienste um das Rothe Kreuz". Auf der Medaille zweiter Klaffe ist das Kreuz in rother Emaille ausgeführt. Das Zei­chen erster Klasse besteht in einem in rother Emaille mit schmaler Silbereinfassung ausgeführtenRothen Kreuz", dessen Balken mit goldenen Kronen besetzt sind. Die Medaillen der beiden unteren Klassen werden an einem rothen, schwarz und weiß geränderten Bande, die erste Klasse in der Art eines Ordensstcrns auf der linken Brust getragen. Zur Verleihung sind nur solche Männer, Frauen und Jungfrauen vorzuschlagen, welche sich durch mehrjährige erfolgreiche Thätigkeit oder durch hervorragende Einzelhandlungen um die Sache des Rothen Kreuzes verdient gemacht haben. Die Vor­schläge zur Verleihung haben ohne Rücksicht auf die Lebensstellung zu erfolgen.

Nach dem bestehendem Postgesetz ist die Be­förderung von Briefen und politischen Zeitungen gegen Bezahlung durch expreffe Boten und Fuhren gestattet, wenn ii.i solcher Expreßbote nur von einem Absender abgeschickt wird und dem Postzwang unterliegende Gegen- stände weder von Anderen mitnimmt, noch für Andere

und stürzte in die Tiefe. Der Materialschaden ist er­heblich, Menschen wurden nicht verletzt.

Eisenach, 19. Okt. Seit ungefähr 14 Tagen hängen in allen Schankwirthschaften und Branntweinläden die gedruckten Listen von 24 Steuer- und Schulgeldrest anten aus. Diesen faulen Zahlern darf weder Bier noch andere spirituöse Getränke verabfolgt werden. Drei haben schon vorgezogen, zu bezahlen, weshalb ihre Namen überklebt worden sind.

Maiuz, 20. Oktober. Der Zinsfuß für Darlehen auf Pfänder bei dem städtischen Pfandhause, der seither 12 Prozent betrug, soll auf 6 Prozent herabgesetzt werden. 12 Prozent Zins in einer gemeinnützigen Anstalt, das ist allerdings auch stark! Die hiesige Metzgerinnung beabsichtigte mit der Eröffnung des neuen Schlacht- und Viehhofes eine Fettschmclze auf eigene Rechnung einzurichten. Die beiden Inhaber der hiesigen Fettschmelze (Hochgesand und Herf) wollten aber in der Sitzung der Schlachthausdeputalion vom 6. Oktober durch ein ganz enormes Gebot die Absicht der Metzger- innung vereiteln. Während nämlich die städtische Ver­waltung für den Qu.-Meter Terrain per Jahr einen Preis von 4 Mk. lestsetzte, wofür die Metzgerinnung das Terrain miethen wollte, boten sie der Stadt für jeden Qu.-Meter 400 Mk. per Jahr; die Pacht beträgt danach 52,000 Mark per Jahr. Nachträglich versucht die Firma, dieses enorm hohe Gebot als einenRechen­fehler ihrerseits" hinzustellen. Demgegenüber ist aber zu bemerken, daß der Stadtverordnete F. J. Usinger in der Deputationssitzung am Donnerstag beauftragt zu sein erklärte, für die betreffende Firma 400 Mk. per Qu.-Meter zu bieten. Diese unumstößliche Thatsache des Auftrags konnte auch keineswegs seitens des Ver­treters der Firma am nächsten Morgen, als auf der Bürgermeisterei der Mietsvertrag sofort geschlossen werden sollte, in Abrede gestellt worden. Die Sache wird in der Bürgerschaft lebhaft erörtert.

Laugeusalza, 20. Oktober. Einem zweifachen Mord ist man in unserm Nachbarort Ufhoven auf die Spur g lommen. Der Zimmermeister Louis $ieje, besten Frau sich seit mehreren Jahren im Irrenhause befindet, unterhielt mit seiner Wirthschaften!!, Namens Riuk aus Sonneberg, ein Licbesverhältniß, das nicht ohne Folgen blieb. Verschiedene Gerüchte veranlaßten die Staats­anwaltsschaft, eine Haussuchung vorzunehmen. Bei derselbe wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes im Kleiderschrank, eine zweite Kindesleiche in stark verwestem Zustande im Keller gefunden. Dieselben wurden be- Ichlagnahmt und gerichtlich seziert. Hiese und die Rink sind verhaftet.

Ausland.

Wie». Ein Fall von Beulenpest, der in Wien in der Klinik des Professors Nothnagel vorgekommen, hat die Wiener Bevölkerung in große Aufregung und Bestürzung versetzt. Das offizielle Kommunique in derWiener Abendpost" enthält folgende bemerkenswerthe Stellen: Der Diener Franz Bariich, am pathologischen Institut im allgemeinen Krankenhaus mit dn Reinigung des

Laboratoriums für baktrorologisches Studium der Pest- krankheit und Fütterung der dazu benöthigten lebenden Thiere betraut gewesen, erkrankte am vorigen Sonnabend unter den Erscheinungen einer Lungentzündung. Er wurde der ärztlichen Behandlung an der ersten Klinik des allgemeinen Krankenhauses, Leiter Professor Noth­nagel, übergeben. Mit Rücksicht auf seine Beschäftigung wurde er in ein Jsolirzimmer gebracht und so gewartet und behandelt, als ob er infizirt sei. Während Anfangs die Symptome auf einfache Lungenentzündung deuteten, stimmte am letzten Krankheitstage der klinische Befund mit dem Resultat der mikroskopische und baktcorologischen Prüfung, die das Vorhandensein von Pestbazillen ergeben hatte, übereilt. Am 18. Oktober Abends starb der Kranke, und es wurden alle sanitätspolizeilicheu Maß­regeln getroffen, um einen weiteren Jnfektionsfall zu verhindern. Beide Wärterinnen, die außer den behandeln­den Aerzten allein mit dem Kranken in Berührung ge­kommen waren, wurden isolirt, und verspricht die Hospital- leitung, ein Bulletin über ihr Befinden zu veröffentlichen Die beiden Wärterinen, welche den Laboratorium­diener Barisch gepflegt haben, sind unter Fiebererschein- ungen erkrankt.

Wien, 23. Okt. Doktor Müller erlag heute früh