chlüchterner Zeitung
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owie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Okt. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Am Mittwoch fuhr die Kaiserin nach dem Palais Beyler-Bey am Bosporus und begab sich sodann nach dem Tschamlidscha-Berge bei Skutari. Der Kaiser fuhr zu Wasser nach Jedikule (Burg der sieben Thürme) und ritt von dort über Ejub am Goldenen Horn nach dem Merassim-Kiosk zurück, woselbst Mittags der Empfang der fremden Botschafter mit ihren Damen stattfand. Nachmittags und Abends erfolgte eine Fahrt am Bosporus. Alle Slaatsgebäude längs des Bosporus und am Wege nach Uildiz, ferner viele Privat- gebäude waren beleuchtet. Das Schauspiel war ein großartiges.
— Zur anarchistischen Propaganda wird der „F. Z." auS Kopenhagen geschrieben: „Dieser Tage habe ich Gelegenheit gehabt, von bestunterrichteter russischer Seite über die Umtriebe der russi chen Umstürzler und der Anarchisten Verschiedenes zu erfahren, was in weiteren Kreisen Jntcrrcsse erregen dürfte. So wurde mir von dem in solchen Angelegenheiten kompetentesten russischen Herrn mitgetheilt, daß man seit einiger Zeit innerhalb der revolutionären Kreise in Rußland selbst (Charkow, Odessa u. a.) und im Ausland (namentlich in Brüssel) eine sehr bedenkliche Rührigkeit entwickelt habe; die russische Staatspolizei sei von ihren Geheimagenten in den Reihen der Revolutionäre benachrichtigt worden, daß diese vor nicht langer Zeit sich völlig reorganisirt hättenund fest emschlossen zu sein scheinen, als „Aktionsparrei" aufzutreten, das heißt» die Wirksamkeit der früheren terodristischen Partei wieder aufzunehmen. Mein Ge- währsmann sieht der nächsten Zukunft mit großer Be- sorgniß entgegen, und er meint, daß neue Attentate nicht lange auf sich warten lassen werden. Die Lage sei umsomehr bewrgnißerregend, als auch die Anarchisten fest entschlossen seien, mit ungestümer Rücksichtslosigkeit vorzugehen. „Bor ungefähr 18 Monaten,» sagte mein Gewährsmann, „wurde von dem anarchistischen Haupt- komitee beschlossen, zu neuen Attentaten zn schreiten, und zehn Freiwillige meldeten sich sofort; Luccheni, der die Kaiserin von Oesterreich ermordete, war einer der zehn; die neun übrigen befinden sich noch immer in Freiheit und harren nur einer günstigen Gelegenheit, um einen Coup auszuführen."
* — Die Zahl der Referendare im Königreich Preußen ist jetzt so groß wie noch nie vorher. Sie betrug am 1. August d. I. über 4000 und ist gegen das Vorjahr um 300 gestiegen.
In Leipzig wurde Dienstag, am Jahrestage der großen Dölkerschlächt, in Gegenwart von zahlreichen Vereinen und Ehrengästen, in feierllicher Weise der erste Spatenstich zum Völkerschlacht-Denkmal auf dem Schlachtfelde von Leipzig bei Probstheida gethan.
AuS Niederschlesieu, 11. Okt. In arger Wasser- kalamität befindet sich seit einigen Wochen die Stadt Steinau a. O. Die Sammelbrunnen liegen auf einem Berge und lieferten auch in trockenen Jahren genug Wasser. Beim Bau der Bahn Liegnitz Rawitsch ist nun ein tiefer Einschnitt durch den Berg gelegt worden; seitdem haben die Brunnen nach und nach immer weniger Wasser gegeben, während zu den Seiten des Einschnitts, auch, in dürren Zeiten, das schönste Wasser herausläuft. Da seinerzeit bei Abnahme der Bahnlinie seitens der Stadt in Voraussicht des Eintritts dieser Wassernoth Einspruch erhoben wurde, soll dem „L. Anz." zufolge die Bahnverwaltung regreßpflichtig gemacht werden.
In Saatfeld (Ostpreußen) ist das Königliche Amts- gericht nieder-gebrannt. Sämmtliche Dokumente und Akten sind vernichtet.
Goth.i. Sieben elektrische Bahnen beabsichtigt die Gothaer Regierung von Gotha qu§- nach 25 Landorten herstellen zu lassen. Die Kosten sind auf 5 Millionen Mark veranschlagt. Der Bau soll nächstes Frühjahr beginnen.
Eelle. In dem Orte Bunde in Hannover versuchte der Klempner Schröder an seinem Fahrrad im Beisein W Kaufmanns Duitf eine Acctyleulampe anzuzünden.
Samstag, den 22. Oktober 1898.
Ob Unvorsichtigkeit oder mangelhafte Konstruktion der Laterne schuld war — plötzlich explodirte mit großem Knall der für die Aufnahme des Carbids bestimmte Behälter. Durch die mit furchtbarer Wucht auseinander- gerissenen Stücke wurde Schröder am Kopfe dermaßen verletzt, daß er alsbald seinen Geist amgab. Auch der Kaufmann Duitt erlitt am Kopf und am Arm erhebliche Verletzungen, die jedoch nicht tödtlich sind.
Dortmund, 17. Okt. In eine üble Lage ist unsere Stadt gerathen. Sie hat für 3 ^a Millionen ein Elektrizitätswerk erricht t, ohne sich vorher mit der Aktien- gewllschatt für Gasbeleuchtung auseinanderzusetzen, die ein Privilegium bis zum Jahre 1907 besitzt. Zwischen Stadt und Gasgesellschaft ist es zu einem Prozeß gekommen, der in zweiter Instanz zu Ungunsten der Stadt entschieden ist. Die Stadt darf keine Elektrizität für Beleuchtungszwecke abgeben, ja, sie hat nicht einmal das Recht, ihre eigenen Räume elektrisch zu beleuchten. Gegen das Erkenntniß ist Revision eingelegt, im Februar kommt die Sache vor dem Reichsgericht zur Verhandlung. Inzwischen klagte die Gesellschaft auf Erlaß einer Verfügung, die es der Stadt unmöglich mache, jetzt noch weiter elektrisches Licht abzugeben. Das hiesige Landgericht hat den Antrag abgelehnt, da eine Verdunkelung der Angelegenheit zwecks späterer Regelung der Entschädigungsfrage nicht zu erwarten sei. Heute hat das Oberlandesgericht Hamm aber gegentheilig entschieden, die Stadt darf keine Elektrizität für Lichtzwecke abgeben bei 1000 Mk. Strafe für den einzelnen Fall.
Vom Rhein. Die Reklameschilder am Rhein haben nur ein kurzes Dasein geführt, falls die Vermuthung richtig ist, daß eine Polizeiverordnung für die Kreise Bonn (Stadt und Land) einer allgemeinen Verfügung entspricht Mid in allen Regierungsbezirken, zu deren Gebiet Theile des Rheins gehören, erlassen worden ist. Die Verfügung lautet: Die Anbringung von Reklameschildern und anderen gleichartigen Geschäftsanzeigen außerhalb der geschlossenen Ortschaften in der Nähe der Ufer des Rheinstroms und auf den dieselben umschließenden Höhen i"t verboten. Bereits bestehende Anlagen der genannten Art sind bis 1. Januar 1899 wieder zu beseitigen. Diejenigen Reklameschilder der Gast- und Schankwirth- schaften, die sich mit letzteren in örtlichem Zusammenhänge befinden und auf den Wirthschaftsbetrieb beziehen, unterliegen nicht diesen Vorschriften.
Aus dem Rheingau, 17. Oktober. Noch selten haben die Weinberge einen so traurigen Anblick gewährt wie es in diesem Jahre der Fall ist. In Bezug aus Quantität und Qualität ist der .Ertrag so gering, daß manche Winzer die spärlichen Trauben an den Stöcken hängen lassen, weil die Kosten der Lese den Werth der Ernte nahezu übersteigert. Daß hieraus für die Wein- bergbesitzcr ganz erhebliche Nachtheile erwachsen, liegt auf der Hand, wenn man bedenkt, daß die Anlage und Pflege eines Weinbergs beträchtliche Ausgaben verursacht und damit viele Arbeiten und Mühen verbunden sind.
Würzburg, 19. Okt. Das hiesige Militärbezirks- gericht verurtheilte heute die Gemeinen des in Nürnberg garnisonirenden 14. Infanterieregiments Johann Püls und Johann Hoh, welche in der Nacht des 23. Juli auf dem Heimwege von Fürth nach Nürnberg die drei in Civil per Rad lahrenden Osfiziere, Premier- lieutenant von Passavant, Sckondelieutcnants vom Weg nnd Braun des 21. Infanterieregiments, da Püls vom Lieutenant vom Weg in der Dunkelheit angefahren wurde und obwohl sich dieselben als Offiziere zu trennen gegeben hatten mit ihren Seitengewehren schlugen und zum Theil schwer verwundeten, wegen Aufruhrs zu 7 bezw. 8 Jahren Zuchthaus und zur Entfernung aus dem Heere. — Ein den sozialen Sinn des Landvolkes charakterisirender Vorfall hat sich wieder in einem ober= ifälzischen Dorfe zugetragen. Dort wurde ein im Armenhause untergebrachter Mann todt auf seiner Lagerstätte gefunden. Der Achtzigjährige wurde auf Ge- mcindekosten ernährt; er mußte der Reihe nach zu den einzelnen Gemeindeangehörigen in die Kost gehen. Na- türlich findet so ein armer Pflegling auf keinem Hofe eine freundliche Aufnahme und wenn es einigermaßen möglich ist, bürdet man ihm noch irgend welche Ver- richtungen auf. Der alte Mann konnte seit 21. Sept. das Armenhaus nicht mehr verlassen, er bekam also auch nichts mehr zu essen, kein Mensch erkundigte sich nach lhm oder sah nach ihm. Als man ihn endlich
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durch Zufall fand, mußte der Tod schon seit längerer Zeit eingetreten sein. Man ließ also den Mann verhungern, obwohl auf jedem Hof Lebensmittel zur Zeit in Hülle und Fülle vorhanden find. Aus Gleichgiltig- keit und aus Mangel an wohlbedachter Nächstenliebe.
Ausland.
Amsterdam, 16. Oktober. Die Königin Wilhelmine der Niederlande soll von ihren drei Bewerbern, den Prinzen Wilhelm zu Wied, Bernhard von Sachsen- Weimar und Harold von Dänemark, den Erstgenannten erwählt haben. Sein älterer Bruder, der Erbprinz Friedrich, heirathet in nächster Woche eine Kousine der Königin, die einzige Tochter des Königs von Württemberg. Zu der in Stuttgart stattfindenden Hochzeitsscier erscheint die Königin Wilhelmine zum ersten Male als Königin außerhalb ihres Landes. Prinz Wilhelm, der im März 1876 geboren ist, hielt sich in diesem Sommer einige Zeit mit seinen Eltern auf Schloß Soestdyk bei Utrecht zum Besuche der Königin-Regentin und ihrer Tochter auf. Königin Emma ist eine Kousine des Prinzen Wilhelm, der der Bruder der Königin von Rumänien und ein Neffe des Großherzogs von Luxemburg und der Königin von Schweden ist.
Türkei. Der Sultan hat, wie das Bureau Reuter meldet, die allergrößten Vorsichtsmaßregeln zum Schutze des Kaiser Wilhelm und seines Ge olges während ihres Aufenthaltes in Palästina getroffen. Die Gouverneure der Provinzen, durch welche der Kaiser reist, haben Befehl erhalten, alle Personen, die einwandern, scharf zu beobachten, und alle Verdächtigen, die keine Arbeit und keine Subsistenzmittel haben, auszuweisen. In den verschiedenen Städten ist die Schutzmannschaft sehr verstärkt worden, besonders in Jerusalem. H^^ werden auch Geheimpottzisten verwandt werden. Den fremden Konsuln ist angekündigt worden, daß gegen alle Personen, von welcher Nationalität sie auch sein mögen, deren Aufenthalt im Lande, besonders während der Reise des deutschen Kaisers, anstößig erscheinen mag, energisch verfahren werden wird.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 21. Okt.
* — Dem Königlichen Oberförster Wetzel zu Mottgers wurde der Titel Forstmeister mit dem Rang der Räthe 4. Cl. verliehen.
* — Der Titel „Oberbriefträger" ist nach einer Zeitungsnotiz jetzt neu für die Postunterbeamten eingeführt worden, die auf eine längere Dienstzeit zurückblicken können. Derselbe soll besonders anläßlich von Dienstjubiläen verliehen werden.
* — Genehmigte Hauseollecte für die Zwecke der inneren Mission in der Provinz Posen. Aur den Namen des Vereins für innere Mission in der Provinz Posen ist durch den Herrn Ober-Präsidenten die Abhaltung einer Haussammlung bei den evangelischen Haushaltungen der Provinz Hessen-Nassau genehmigt worden. Die Haussammlung beansprucht ein allgemeineres Interesse wegen der Stellung, die gerade in der Provinz Posen die Anstalten und Arbeiten der inneren Mission einnehmen. Sie spielen bei der Natur der dortigen Verhältnisse nicht nur die Rolle örtlicher Wohlthätigkeitsanstalten und Erbauungswerke, sondern diejenigen wichtiger Mittel- und Stützpunkte der deutschen Sache. Wie Polenthum und Katholicismus dort Hand in Hand gehen („das Kind ist polnisch (= katholisch) getauft" oder „der Mann kann nicht evangelisch (= deutsch) sprechen", ist dort eine den Provinziellen geläufige Verwechselung), so bildet anderer- sctts die evangelische Kirche in den gemischtsprachigen Provinzen eine zuverlässige Stütze des Deutschthums. Nur da, wo neben einem ordentlichen Schulwesen auch leidliche kirchliche Verhältnisse — Küche, Pfarrer und ausreichend große geschlossene Gemeinden — dem Deutsch- thu in seine feste Organisation geben, hat dieses allen Polonisirungsvcrsuchcn siegreich widerstanden. Jede Stärkung der evangelischen Sache bedeutet daher in der Ostmark — wie die Verhältnisse nun einmal liegen — auch eine Stärkung desDeutscht h u m s. Wie schwer es ist, die vereinzelt in der polnischen Diaspora zerstreuten Deutschen bei der Fahne zu halten und vor der rücksichtslosen Propaganda des polnischen Katholicismus zu schützen, kann nur derjenige ganz ermessen, der es selbst beobachtet hat, Mit Anerkennung ist es daher zu bk«