WchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 82.
Mittwoch, den 12. Oktober 1898.
49. Jahrgang.
$<>ftfHlfttrtMt auf bie -Schlüchterner Zeitung" KFkß^lUUN^kN werden noch fortwährend von allen .....'" ...... ......J ■ ; Postanstalten und Landbrie trägern owie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
Die Herren Bürgermeister in Ahl. Altengronau, Breitenbach, Brcunings, Eckardroth, Elm, Heubach, Hintersteinan, Hohenzell, Hütten, Jossa, Klosterhöfe, Kreffenbach, Marborn, Marjoß, Mottgers, Neuengronau, Neust all, ^Nicdcrzcll, Oberkalbach, Oberzell, Reinhards, Romschal, Sarrod. Schwarzeniels, Sterbfritz, Uttrichs- Hausen, Vollmerz, Wallroth, Weichersbach, Weiperz und Züntersbach werden hierdurch aufgefordert, das in ihren Händen befindliche Exemplar der Biersteuerordnung sofort einzusenden.
Schlüchtern, den 7. Oktober 1898.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat aus eigener Initiative, von dem Wunsche geleitet, beider Wichtigkeit der in Aussicht stehenden Vorlagen die parlamentarischen Arbeiten in Deutschland keinerlei Aufschub erleiden zu lassen und den Reichstag in Person zn eröffnen, den Wunsch kundge- geben. auf den Abstecher nach Egypten zu verzichten. Die Reise, die erst zwei Monate dauern sollte, wird nun nicht viel mehr als einen Monat in Anspruch nehmen, da für den Abstecher nach Egypten allein drei Wochen festgesetzt waren.
— Neue Enthüllungen über den Diebstahl in der Reichsdruckerei scheinen bevorzustehen. Noch in letzter Stunde ist in der Grünenthalschen Strafsache eine erhebliche Erweiterung der Anklage eingetreten. Während früher die Fälschungen.Grünenthals auf 25 0- bis 360,000 Mark geschätzt wurden, ist jetzt nach einer durch die Reichsbank erfolgten Zusammenstellung konstatirt worden, b<$ bis jetzt bereits 494,000 Mark von gefälschten Banknoten ungehalten worden sind. Dem gemäß ist auch die Anklage auf diesen Betrag erweitert worden Als Grünenthal durch Zustellung der Nachtragsanklage von dieser weiteren Entdeckung erfuhr, soll er völlig konsternirt gewesen sein und erklärt haben, daß er, nachdem nunmehr alles entdeckt sei, er auch feine Veran lassung habe, irgend Jemanden zn schonen; er werde nunmehr alles aufdecken. Es stehen also vielleicht noch weitere Enthüllungen zn erwarten, und man darf an den weiteren Verlauf der Angelegenheit gespannt sein.
— 105903 Heeresflüchtige. Stach der statistischen Aufstellung werden in den Restantenlisten des deutschen Reichsheeres für 1897 105903 Personen als unent- schuldtgt ausgeblieben geführt.
Bremen. Die Auswanderung nach Amerika, welche durch den Krieg unterbrochen worden war, hat nunmehr nach Einstellung der Feindseligkeiten wieder begonnen. In großen Schaaren haben ^die Schiffe wieder Auswanderer nach den Gestaden der neuen Welt gebracht. Unter den 2000 Einwanderern der letzten Wochen nehmen die Deutschen mit 331 die zweite Stelle ein. Das größte Kontingent stellte Italien, die kleinste Zahl von Auswanderern England, nämlich nur 245. In den nächsten Tagen wird ein weiterer Zuzug von 11 000 Auswanderern erwartet.
Aus dem Ruhrkohlenrevier, 6. Oktober. Es kann heute nicht mehr bezweifelt werden, daß eine Lohnbewegung unter der Bergarbeiterscha t des Ruhrkohlenreviers besteht, die zwar in den breiten Schichten der Bergleute noch wenig thatsächlichen Boden hat, die aber in führey- den Kreisen der Bergarbeiter bereits eingehend erwogen wird. Alan wird, sollte die Bewegung die nöthige Unterstützung bei den Bergleuten finden, die Forderung einer zehnprvzentigcn Lohnerhöhung als Grundlage fii dir Verhandlungen mit den Unternehmern aufstellen und diese Forderung mit dem dauernd guten Stande der Bergwerke begründen. Die Stimmung, wie sie zur Zeit Unter den Bergleuten herrscht, läßt cS immerhin Zweifel haft erscheinen, ob diese Forderung, sollte das Unter- nehmerthum sich ablehnend verhalten, wird durch einen allgemeinen Streik durchgesetzt werden können. Jedenfalls -«lieht man der Entwickelung der Bewegung mit Spannung isgttgegen.
Seltne bei Bochum, 7. Oktober. Mord und Todt- schlag, nehmen in unserem Jndustriebezirke nachgerade »btiMidj Um Woche vergeht, wo nicht irgend eine
Ausland
Wien, 8. Oktober. Am 4. Oktober starb in Barcola bei Trieft die Gräfin Regina Nugent, 84 Jahre alt, die Wittwe des Generals Graf Nugent, der 1849 bei BreScia gefallen ist. Vor längerer Zeit ließ sie
grausige Mordthat die Gemüther erregt. In diesen Tagen wurde erst wieder der Bergmann Walter durch drei polnische Bergleute in bestialischer Weise hingemvrdet. Anfangs nahm man als Grund der rohen That Eifersucht an, jetzt hat aber der Thäter Janowski gestanden, daß er die That aus reiner Mordlust vollführte. Wie ruchlos die That verübt wurde, möge daraus erhellen, daß Janowski, als sein Opfer stöhnend am Boden lag, ihm noch mit Kaltblütigkeit die zweite Kugel durch den Kopf jagte, um ihm vollends den Garaus zu machen.
Bottrop. Ein robuster junger Mann von auswärts, aus Holland gebürtig, wollte in einer Schaubude einen Ringkampf, aufnehmen. Ihm wurde eine starke Athcletin in schmuckem Trikot-Anzüge gegenüber- gestellt. Der Kampf begann eben, als Plötzlich der junge Mann in seiner Gegnerin seine leibhaftige Schwester erkannte, welche schon lange Zeit das elterliche Haus verlassen hatte und als Abenteuerin die Welt durchzog, ohne daß man ihre Spur entdecken konnte.
In Oberhausen haben die Stadtverordneten beschlossen, bei Festlichkeiten, die von Sonnabend bis Montag dauern, für den dritten Tag eine Lustbarkeitssteuer von 150 Mark aufzulegen.
Köln. Wie weit es mit den Dienstmädchen in Köln schon gekommen ist, das beweist laut „Köln. Ztg." am besten, daß, um nur ein Dienstmädchen zu erhalten, leider einige Hausfrauen sich haben bestimmen lassen, dem Dienstmädchen den Hausschlüssel auch zur Benutzung nach dem Abendessen, zum freien Aus- und Eintritt in das Hans während der Nacht zu bewilligen, weil „der Liebhaber desselben es so wünscht". Dabei sind jetzt ungefähr gegen 2000 weibliche Dienstboten in Köln, die sich als- Stundenarbeiterinnen anbieten, hauptsächlich um der lästigen Aufsicht des Hauses überhoben zn fein und ihre Freiheit zu genießen.
Aus dem Königreich Sachsen, 8. Okt. In Bautzen geht das beglaubigte Gerücht herum: eine Kommission habe im proteftanti d)en Lehrerseminar Haussuchung gehalten. Das Ergebniß derselben war die Feststellung der Thatsache: daß im Seminar eine geheime Studentenverbindung florire. Die Abzeichen derselben wurden den Seminaristen abgenommen und als Corpus delicti heim geführt. Außerdem stellte sich heraus, daß im Seminar eine anständige Sammlung von sozialistischen Schri ten sich befindet Selbstverständlich wird letzteres Veranlassung sein 5iir Revision an allen Lehrerseminarien und zu Verordnungen gegen die Sozi nebst Anhang Einige besonders „rothe" Seminaristen wurden bereits relegirt.
In Kühnitzsch bei Würzen im Königreich Sachsen ruhte, nach den Leipziger Neuesten Nachrichten auf der Pfarre ein uraltes Recht, das in seiner Eigenthümlichkeit wohl einzig dastand. Der Geistliche war nämlich befugt alltäglich ans der Erbschränke vier Schleif-Kannen Bier für vier Pfennige und im Falle des Mehrbedarfs für fünf Pfennige jede Kanne holen zu lassen oder an Ort und Stelle zu trinken, mochte das Vier hier oder an anderen Orten auch noch so theuer sein. Darüber entstanden aber in neuer Zeit zwischen den P arrherren und den Erbschränken so viele Streitigkeiten, daß im gegenwärtigen Jahrhundert der Amtshauptmann v. Lorentz zwischen dem Erbschränken und dem Pastor einen Vergleich abschloß und vom Konsistorium zu Würzen bestätigen ließ, wonach der Pfarrherr seit dieser Zeit ein aus jährlich vierundzwanzig Thalern bestehendes, in Halbjahresraten auszuzahlendes Bierlegat empfängt.
Aus Lothringen wird geschrieben: Die infolge des Dreyfushandels in Frankreich herrschende Au regung und Unsicherheit hat zahlreiche einheimische Familien, die ihre Söhne bisher über die Grenze schickten, um sie in französischen Pensionaten erziehen zu lassen, bewogen, dieselben von dort zukückzunehmen, um sie elsaß- lothringischen höheren Lehranstalten 6u übergeben. Das ist erfreulich. Zu bedauern ist aber, daß die Schüler, die durchweg im Alter von 12 bis 15 Jahren, fast ohne 'kgliche Kenntniß der deutschen Sprache sind und infolge reffen meistens in die unteren Klassen ausgenommen werden müssen.
durch einen Notar ein Testament aufsetzen, worin sie ihr Vermögen von 300,000 Gulden ihrem einzigen Sohn Laval Nugent vermachte. Einige Tage vor ihrem Tode berief die Gräfin den Notar und theilte ihm mit, daß sie auf Drängen des Pfarrers von Barcola .ein zweites Testament abgefaßt habe, worin sie ihr ganzes Vermögen der Kirche vermacht und für den Pfarrer ein Legat ausgesetzt habe; sie bereue dies aber. Hierauf berief der Notar mehrere Zeugen, darunter einen hohen Justizbeamten, in deren Gegenwart die Gräfin protokollarisch die Erklärung abgab, daß sie ihr zweites Testament aushebe und ihren Sohn wieder als Erben einsetze. Der Fall erregt in Trieft großes Aufsehen.
London, 8. Okt. Nach einer Depesche des Bureau Dalziel aus Shanghai melden Telegramme, die ein Taotai (Regierungspräsident) einer chinesischen Zeitung zur Verfügung stellte, daß der Kaiser Selbstmord begangen habe, nachdem er das Dekret vom 22. September unterzeichnet hatte. Diese Meldung fasse man so auf, daß der Kaiser auf Anstiften der Kaiserin- Wittwe £5 Hung-Tschaugs und des Eunuchen Tih ermordet worden sei. Alle Hinrichtungen von Personen, die als reform- frenndlich verdächtig waren, seien heimlich vorgenommen und alle chinesischen Sekretäre der Immens, die englisch sprechen, seien ergriffen und verbrannt worden. Die Anhänger der Kaiserin erhielten die wichtigsten Regierungsämter. Die Franzosen und Russen, welche das vollständige Gelingen ihrer Pläne unter dem neuen Regime vorherseheu, jubeln offen über die Entfernung des Kaisers. — Der „Central News" zufolge verlautet in Kapstadt, daß eine ernste Erhebung der Eingeborenen in Damaraland stattgefnndcn habe. Elf deutsche Soldaten seien in einem Treffen getödtet worden. Die deutschen Truppen würden baldigst verstärkt.
Newyork, 7. Oktober. Wie eine Depesche aus Walker meldet, fand gestern im Staate Minnesota, 30 Meilen von Walker, ein heftiger Kampf zwischen Truppen der Vereinigten Staaten unter General Bacon und Indianern statt. Einem Telegramm der „Wordl" zufolge wurde Bacon mit der gesummten Mannschaft, die man auf 100 Mann schätzt, niedergemetzelt. Von Washington wurde telegraphisch die Absendung einer Verstärkung von 5000 Mann erbeten.
Wie aus St. Paul in Minnesota gemeldet 'wird, sind die Unruhen in der Reservation der Chippcwa- Judianer dadurch entstauben, daß man ihnen Land hat weguehmen wollen — immer die alte Geschichte. Man wollte die Indianer von Ländereien, die sie innerhalb der Red Earth Agency inne hatten, entfernen, weil diese Ländereien sich besonders für den Ackerbau eigneten. Die Indianer verlangten Entschädigung und Aufbeffer- ung ihres gegenwärtigen Besitzes, allein diese Forderung wurde abgelehnt. Das regte die Indianer auf und als die Polizei einige Indianer, die in ungesetzlicher Weise Spiritussen versau t hatten, verhaften wollte, leisteten die Indianer Widerstand nnd tödteten den Polizei-O'fizier. Darauf wurden Truppen anfgeboten, um die Mörder einzufang n Die Indianer erklärten zugleich den Behörden, daß sie bis zum letzten Mann kämpfen würden. Die Zahl der Ruhestörer wird auf 300 angegeben, während der ganze Stamm 4000 Krieger stark ist.
Peking, 7. Okt. 30 Kosaken und 36 russische Seesoldaten mit zwei Feldgeschützen, 25 britische Seesoldaten, sowie 30 Mann deutsche Marine-Infanterie trafen ein und rückten in die Stadt ein. Große Menschenmassen hatten sich angesammelt, doch es ereignete sich kein Zwischcusall. Die Chinesen erschienen cingeschüchtert.
Shanghai, 7. Okt. In der Chinesenstadt in Hankan wüthete am 1. d. M. eine verheerende Feuersbrunst. Es wurden etwa zehntausend Häuser zerstört; tausend Menschen sollen umgekommen sein. Die Zerstörung erstreckt sich auf eine Fläche von fast zwei englischen Ouadratmeilcn.
Lokales und Provinziell-s.
* Schlächter», 11. Okt.
* — Mittwoch, den 26. Oktober wird in Glut die neue Kirche eingeweiht.
* — Beim Dorfe Hütten befindet sich ein Kartoffel- Acker, ca. 8 Maas groß, dessen Kartoffelstauden noch sämmtlich in vollem grünen Wachsen sich befinden und zahlreiche Kartoffelpslanzen in voller Blüthe wie im Juli stehen.