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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^ 79. Samstag, den 1. Oktober 1898. 49. Jahrgang

SkftHhttl rtMi auf bic -Schlüchterner Zeitung" ^ipitUUliyMl werben noch fortwährend von allen

...... g Postanstalten und Landbriestrügern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Jagdbeute des Kaisers. Wie aus Rominten gemeldet wirb, hat der Kaiser gestern auf der Pirsch einen Vierundzwanzig-Euder erlegt. Während seines jüngsten Aufenthaltes in Hubertusstock hat der Kaiser, wie jetzt bekannt wird, an fünf Jagdtagen im Ganzen J Schaufler und 36 Kapitalhirschc erlegt, darunter 1 Zwanzigender, 1 Achtzehnender und 6 Sechszehncnder.

Der deutsche Kronprinz wird nächstens nach Be­endigung seiner Studien in Plön in die Armee eintreten. Wie aber eine Notiz von denMünch. N. Nachr." wissen will, würde Kronprinz Wilhelm seine praktische militä­rische Laufbahn, entgegen der Tradition im Hohenzollern- Hause, nicht im 1. preußischen Garde-Regiment z. F., sondern im badischen Leibregiment zu Karlsruhe beginnen Mit Recht meint das genannte Blatt, daß ein der artiger Akt des Kaistrs, welcher den Erben seiner Krone bei seinem Eintritt in das öffentliche Leben offiziell mit <Wddeutschland in Verbindung brächte, dort überall sicherlich mit herzlicher Freude begrüßt werden würde.

Kaiser Franz Joseph hat durch die Berliner Botschaft allen denjenigen, die anläßlich der Ermordung der Kaiserin Elisabeth ihm ihre Sympathie kundgegeben haben, seinen Dank ausdrücken lassen.

Die Dauer der Orientreise des Kaiserpaares ist auf zwei Monate berechnet. Die Fahrt wird bekannt­lich am 15. Oktober angetreten, die Rückkehr ist Mitte Dezember zu erwarten.

Die wirtschaftlichen Körperschaften und Ve-cine von Rheinland und Westfalen planen eine Kuuda-dung gegen das Fest - Unwesen, worunter die übermäßrge Häufung der öffentlichen Lustbarkeiten verstanden wird. Auf eine Anregung des Vereins der Industriellen im Regierungsbezirk Köln haben sich die meisten Handels­kammern und sonstigen wirthschaftlichen Körperschaften mit der Absicht, eine Einschränkung dieser festlichen Ver­anstaltungen herbeizuführen, einverstanden erklärt, weil diese häufig Betriebs-Störungen in den industriellen Etablissements zur Folge hätten. Es soll deshalb in einer auf den 15. Oktober nach Köln einberuenen Ver­sammlung über gemeinsame Schritte zur Eindämmung der öffentlichen Lustbarkeiten verhandelt und beschlossen werden.

Bochum, 28. Sept. Ein großes Unglück passirte heute auf der ZecheGeneral Blumenthal ' durch Los­reißen der Königsstange beim Schichtwechsel. Der obere Korb sauste cirka 600 Meter hinab, durchschlug den Boden und bohrte sich tief in den Sumpf, sodaß auch die lebend unten angekommenen Bergleute ertrunken sein müssen. Ein Mann wurde oben herausgeschleudert und fürchterlich verstümmelt. Von den Insassen des unteren Korbes ist einer ertrunken nnb sieben sind verletzt.

DreSden. Vier Ansichten desBebelschen Schlosses" am Züricher See reproduzieren dieDresd. Nachr." Die Ansichten, von einem Amateur-Photographen her­rührend, lassen erkennen, daß BebelsVilla Julie" in der That ein Besitz ist, dessen sich kein .Schlotbaron" zu schämen haben würde. Das Grundstück liegt dicht am See, besitzt ein sportmäßig eingerichtetes Bootshaus, reiche Weinbauanlagen und ist mit einerfeudalen", in massiger Steinarbeit aufgeführten Mauer umgeben.

Ein Opfer der Submission ist der Glasermeister Lust in Freiburg geworden. Er hatte für den Kasernenbau die Glaserarbeit zu so niederem Preise eingegeben und erhalten, daß er nach dem Urtheile jedes Sachverständigen nicht'bestehen konnte. Vor wenigen Wochen hatte nun Lust Konkurs gemacht und ist unter Zurücklassung seiner-Familie nach Amerika geflüchtet.

AuS Schlesien, 25. Sept. Ein Lehrer an einer höheren Bürgerschule unserer Provinz, ein biederer Jung­geselle, hatte seinen Schülern die Aufgabe gestellt, Ge­schäftsbriefe aller Art, Beschwerden, Zahlungsmahnungen, aber auch Todesnachrichten und dergleichen abzufassen, zu kuvertieren und an Verwandte und Bekannte zu adressiren. Das geschah, die fertigen Briefe nahm der Lehrer zum Zweck der Korrektur mit nach Hause. Er legte sie auf den Schreibtisch und ging Abends aus, um sein Tagewerk mit einem friedlichen Schoppen zu be­

schließen. Jedoch, das Unglück schreitet schnell! Die Zimmerwirthin betrat die Arbeitsstube, um zum Rechten zu sehen. Da erblickte sie auf dem Tische die Riesen- korrespondenz. Da ihr die Besorgung von Bric'en als eine Hauptpflicht erschien, so trug sie alle mit einander schleunigst zur Post. Hier machte sie der Beamte ba- rauf aufmerksam, daß die Briefschaften meist mitfrei" bezeichnet waren. Ohne weitere Bedenken verauslagte sie das Porto. Am anderen Morgen klärte sich der vcrhängnißvolle Irrthum auf, aber zu spät. Die Schriftproben hatten schon ihre Reise in die weite Welt ungebeten. Man darf nun gespannt sein, wie die Empfänger der Mahnbriefe, Todesanzeigen usw. dieselben beantworten werden.

Ratibor. Eine Wasserkatastrophe, ähnlich der in Schneidemühl, bedroht die Stadt Ratibor. Eine neu erbohrte Quelle ist nicht zum Stillstand zu bringen. Man hat auf Veranlassung einer aus Breslau ciuge- troffenen technischen Kommission den Abfluß der Quelle dadurch verstopft, daß man in die Kanalrohre Sand- säcke 20. versenkte. Dadurch ist der Abfluß nach der Oder zwar gehemmt, indes tritt nun dgs Wasser durch den Erdboden zu Tage und bildet große Tümpel. Die alten unterirdischen Wasseradern scheinen verschlammt zu fein; da das Wasser nicht abfließen kann, bringt es an die Oberfläche. Endgültige und energische Abhilfe wäre dringend zu wünschen, denn es ist gar nicht aus­geschlossen, daß die unterirdischen Wassermassen sich einen Ausweg bahnen, der gar sehr unerwünscht wäre und leicht eine Katastrophe herbeiführen könnte. Auch die Erdrisse sind voll Wasser. Durch Verstopfen ist die in ihrem Laufe gestörte Quelle jetzt nicht mehr unschädlich zu machen.

Neuöttingen (Ndb3, 15. Sept. Hochgradige Auf­regung herrscht nach derDon.-Ztg." in der Gegend um Neuötting und Trostberg feit dem vor Kurzem e^ folgten Tode des Bürgermeisters Stuber. Dieser be­trieb ein Bankgeschäft in Ncuöttigen mit einer Filiale in Trostberg. Durch sein einschmeichelndes Wesen wußte er das Vertrauen der Leute zu erwerben, so daß Viele ihm ihr Vermögen anvertrauten. Landleute, die Pfand­briefe kaufen wollten, wußte er zu bewegen, lieber einen Depositen Schein" von ihm zu nehmen. Sehr viele Leute gaben ihm ihr Geld für dieSparkasse Neuötting," deren Scheine er mitStuber, Bürgermeister" unter­zeichnete. Die Meinung, daß es sich um eine städtische Sparkasse handle, war eine bittere Täuschung. Die zur Verlassenschaft angemeldeten Summen gehen schon weit über 200 000 Mark. Das Gerücht, daß Stuber an Selbstmord durch Vergiftung gestorben, findet immer mehr Glauben.

Eine Stadtgemeinde in der Mark Brandenburg will Dorf werden! Es ist das Stäbchen Teupitz, welches einen derartigen Antrag bei der Staatsregierung zu stellen beabsichtigt, da der Ort nicht im Stande ist, den jährlichen Etat von 7000 Mark aufzubringen. Der bisherige Bürgermeister, der 32 Jahre laug bei einem unglaublich bescheidenen Gehalt seinen Posten verwaltet hat, ist soeben pensionirt worden, und das war die äußere Veranlassung zu dem genannten Antrag. Die Stadt Teupitz zählt nur 575 Einwohner; sie ist die zweitkleinne Stadt in ganz Preußen und wird nur durch das Städtchen Lagow im Sternberger Kreise an Klein­heit übertroffen.

Ausland.

Kopenhagen, 29. Sept. Telegramm. Heute Morgen um 5/a Uhr ist die Königin Luise von Dänemark ge­storben. Königin Luise war geboren am 7. September 1817; sie erreichte also ein Alter von 81 Jahren. Sie war die dritte Tochter des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel und der Prinzessin Luise Charlotte von Dänemark. Am 26. Mai 1842 vermählte sie sich mit dem derzeitigen König von Dänemark, Christian IX. der am 15. November 1863 die Regierung antrat.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 30. Sept.

t* Herr Assistent Schütz an der Eisenbahn- iuspekiion Fulda ist vorn l. Oktober ab nach Elm versetzt.

* Für die bevorstehende Landtagswahl ist von dem Königlichen Regierungspräsidenten zu Cassel zum Wahleomniissar für den Wahlkreis Gelnhausen-Schlüchtcrn

der Königliche Landrath, Herr Geheimer Regierungs­rath Roth zu Schlüchtern ^ernannt, ^dcn.

* Vergangene Nacht hat ;. m hiesiger Gegend schon so stark gefroren, daß die Dächer schneeweiß waren und Bäume und Sträucher eine dicke Lage Reif auf- wtefen. Der Raubenfraß an den Gemüsen usw. in den Gärten ist vernichtet.

* Die Saubwirthe und besonders die Viehzüchter machen wir auf die Bekanntmachun g des landw. Kreis- vereins im Jnseratentheil dieses Blattes hiermit be­sonders aufmerksam. Wer Platz in seinem Viehstall und Futter genug hat, was wohl durchweg der Fall sein wird, dem wird diese Bekanntmachung sehr gelegen kommen. Die Gewinnberechnung hierbei kann sich ja jeder selbst machen.

* Zu der ant 7. November cr. unter dem Vor­sitze des Herrn Landgcrjchtsraths Kleinmann beginnen» den 3. Schwurgerichtsperiode wurden folgende Herren aus dem Kreise Schlüchtern als Geschworene ausgeloost: Georg Benzing, Bauer von Breitenbach, Philipp Günther, Wirth von Mottgers, August Kramer, Privatier in Schlüchtern, und Carl Heinrich Roll, Wirth von Romsthal.

* Der heutigen Nummer liegt der diesjährige Winterfahrplan der Eisenbahnen hiesiger Gegend bei, worauf aufmerksam gemacht wird.

* Vorsicht bei Annahme von Zwanzigmarkstücken. Großer Schwindel wird gegenwärtig mit holländischen Zehngulden »Stücken betrieben. Die Stücke, die den deutschen Doppelkronen täuschend ähnlich sehen, aber nur einen Werth von etwa 17 Mark haben, scheinen von ein und ^derselben Person geschäftsmäßig untergebracht zu werdem Ein Reisender, der kürzlich größere Summen in der Hertener Gegend einzukassieren hatte, fand beim Nachzählen nicht weniger als drei holländische Zehn- /-^enstücke. Er erleidet damit eine Einbuße von 9 Mark. Vorsicht ist also dringend geboten.

* Sicherheitssignale für die unbewachten Weg­übergänge auf Nebenbahnen. Nach einer neueren Ver­fügung der Eisenbahnbehörde sind den Locomotivbeamten beim Passiren der unbewachten Uebergänge neue Vor­schriften gegeben, welche auch für das Publikum, das die Uebergänge zu benutzen gezwungen ist, von Bedeutung sein werden. Durch Aufstellen von großen weißen Tafeln in der Nähe dieser Stellen, auf welchen rothe Buchstaben angebracht sind, weiß der Locomotiviührer sofort, welche Signale er zu beobachten hat. Bei L. wird nur die Locomotivglocke geläutet, bei L. P. wird geläutet und die Dampfpfeife ertönen lassen, L. 15 kni geläutet und der Zug auf eine Geschwindigkeit von nur 15 Kilometer gebracht und bei L. H. wird geläutet und der Zug auf kurze Zeit zum Halten gebracht.

Vor amerikanischen Schuhwaaren ist vor einiger Zeit gewarnt worden. Von verschiedenen Seiten, nament­lich aus dem freisinnigen und aus dem sozialdemokra­tischen Lager heraus, wurde der Berliner Regierung aus dieser Warnung ein Vorwurf gemacht. Wie ange- bracht indessen diese Warnungen waren, geht deutlich daraus hervor, daß von Nordamerikanischen Behörden selbst jetzt zugegeben wird, daß viel amerikanische Schund­waare auf den deutschen Schuhmarkt gebracht wird.

* Die am Sonntag in Hohenzell gefeierte Kirmes führte am Abend zu einer großen Schlägerei, wie sie in gleichem Umfang seit Jahren nicht in hiesiger Gegend vorgekommen ist. Die Bnrschen bearbeiteten sich ohne Wahl mit Stöcken, Schirmen, Stuhlbeinen, Biergläsern und leider auch mit dem Messer. Zahlreiche Ver- wundungen, oft recht bedenkliche, kamen vor. Der an­wesende Gendarm von Steinau war dem Gewühl gegen­über machtlos; er wurde einfach eingekeilt und bei Seite gefrfwben. Der Hohenzeller Wirth ist zu bedauern, da ihm nicht nur viel zerschlagen wurde, es wird ihm wohl auch auf Jahre hinaus keine Kirmesfeier mehr gestattet werden; er hat also den größten Schaden davon. Nach den Urhebern des Streites wird geforscht.

* Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 26. September. Wegen Beleidigung des Orts­dieners in Sterbfritz wurde der Spengler Adam S. von dort zu 1 Woche Gefängniß verurtheilt. Die Mitan­geklagten, Ehefrau St. und Hebamme I. wurden frei- gesprochen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.

Hcrolz. 58. Sept. Die hiesige Pfarrkirche wurde in jüngster Zeit außen und innen restaurirt. Die Kirche