der Kaiser habe ihm die Hoffnung ausgedrückt, er werde von Jtos Rathe bei der Einführung von Reformen Nutzen ziehen.
— Ueber den Orkan in Westindien wird zur Ergänzung der bisherigen Berichte gemeldet: Am meisten sind Menschen in Kingstown auf St. Vincent umge- kommen, nämlich 300. Die Stadt ist völlig zerstört worden. 20,000 Einwohner sind obdachlos. Tausende werden auf öffentliche Kosten gespeist, viele aber sterben Hungers. Die Leichen werden in den Laufgräben bestattet. Der Orkan war von Hochfluth und furchtbarem Regen begleitet. Die Kakaoplantagen in der Umgegend wurden vewüstet. Auf St. Vincent ist der angerichtete Schaden so groß, daß man ihn zur Zeit nicht abschätzen kann. Alle kleineren Häuser sind zerstört worden. Selbst viele größere Häuser und Kirchen sind umgewcht worden. Auch unter den Schiffen an der Küste hat der Orkan entsetzlich geherrscht. Eine Anzahl Küstenfahrzeuge scheiterten und wurden dann in die See hinausgefegt. Die Hauptstadt von Barbados, Bridgetown, ist eine Stätte der Verwüstung. Ueberall sieht man eingestürzte und dachlose Häuser. Fast kein Baum ist stehen geblieben. Da die Telegraphendrähte gerissen sind, fehlen Berichte aus dem Innern.
— Ueber die furchtbaren Verheerungen, welche der Orkan am 10. September auf den westindischen Inseln angerichtet hat, liegen folgende weitere Nachrichten vor: Auf Barbados hat der Sturm 10,000 Arbeiterhütten zerstört. Das Elend ist furchtbar. Die Obdachlosen sind in Kirchen und StaatsgebLudcn untergebracht. Auch viele Wohnungen der besser situirten Klassen sind zerstört und die Zuckerfabriken sind meistens stark beschädigt worden. Viele sind ganz umgewcht, während unter den Pflanzungen große Verwüstungen angerichtet worden sind. Viele kleine Fahrzeuge sind an der Küste untgegangen. Die Postdampfer sind unbeschädigt geblieben. Die englische Admiralität hat den Schiffen des westindischen Geschwaders Befehl ertheilt, Lebensmittel von Jamaica und Halifax nach St. Vincent zu befördern.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 27. Sept.
* — Die Lehrerin G öb in Ulmbach, Kreis Schlächtern, ist nach Magdlos, Kreis Fulda, versetzt worden..
* — Die Zahl der verhältnißmäßig noch jungen Kreissparkassen im Regierungsbezirk Kassel wird mit dem Jahre 1899 um 2 — in Hanau und Fritzlar — vermehrt. Es sind alsdann 13 und mit den 4 Amts- und Bezirkskassen 17 vorhanden. Das Einlagekapital dieser 11 bezw. 15 Kreissparkassen betrug Ende 1896 36.408.317 Mk. 53 Pfg.; das der weit älteren 31 städtischen Sparkassen in unserem Regierungsbezirk betrug 66.431.549 Mk. 73 Pfg.
Reuhos, 23. Sept. Nach kurzem, aber schwerem Leiden ist in Folge von Blutvergiftung gestern Abend hier der praktische Arzt Dr. Karl Ackermann gestorben.
Hanau. Eine Radtour mit Hindernissen, die leicht einen gefährlichen Ausgang hätte nehmen können, unternahm am vergangenen Freitag Abend ein hier beschäftigter Arbeiter aus Mottgers, um seinen in Fechenheim arbeitenden Bruder zu besuchen. Erst nach eingetretener Dunkelheit trat er den Rückweg an und hier wurde ihm die in der Nähe der Mainkur neu ausgestellte Laterne zum Verderben, denn durch das Licht derselben geblendet verwechselte er die Landstraße mit dem Main-und fuhr bei den Pappelbäumen die Böschung hinunter in den Main und Reiter und Stahlroß verschwanden in den Wellen des an dieser Stelle sehr tiefen Mains. Zum Glück für den Radier war derselbe ein guter Schwimmer und vermochte sich so dem nassen Element alsbald wieder zu entziehen. Total durchnäßt kehrte er nach Fechenheim zu seinem Bruder zurück, wo er übernachtete. Am Samstag Morgen nach Tagesanbruch begab man sich auf die Suche nach dem Rad, das etwa 100 Meter stromabwärts auch glücklich wieder zu Tage gefördert wurde. Der so glücklich dem nassen Element Entronnene ist ver- heirathet und Vater zweier Kinder.
Wilhelmsbad (bei Hanau), 23. Sept. Gestern Morgen fand die Verpachtung unseres domänen-fiskali- schen Wirthschafts-Etablissements Wilhelmbad statt. Die bisherige Pachtsumme betrug 3300 Mk., während die jetzigen drei Höchstgebote sich auf 5200, 5100 und 5000 Mk. stellten. Die Hof-Bierbrauerei Hanau, Aktiengesellschaft, vormals Koch, bot 5200, Restaurateur Dietr. Meyer 5100, BahnhoMestaurateur Hoppe vom hiesigen Ostbahnhof 5000 Mk. Der Zuschlag wird später ertheilt werden, der Pachttermin beginnt am 1. April 1899.
Frankfurt. Ein Großstadtbild. Die Frankfurter Zeitung berichtet: Ein Mann entwendet ein Brod von einem Bäckerkarren am Paulsplatz und flieht nach dem Main zu. Auf der Flucht bricht er ein Stück von dem Laib und ißt es gierig. Verfolgt und festgenommen, er störte er, aus Hunger gestohlen zu haben: „Verhaftet mich, aber schenkt mir das Brod!" Der Bäckerbursche mag den Hungernden nicht anzeigen. Zum Beweise aber, daß wirklich der Hunger den Dieb plagte, muß dieser auf der Stelle das Brod verzehren. Und das that er redlich „zur großen Belustigung der Umstehenden". Es ist oft eine grausame Sache um den Volkshumor.
Hersfeld. 23. Sept. Wie aus Darmstadt gemeldet wird, hat sich der vierte Ausschuß der zweiten Kammer dortselbst für die Erbaung einer normalspurigen Eisen
bahn von Alsfeld nach Hersfeld ausgesprochen. — Der einzige Sohn und Ernährer einer armen alten Wittwe aus Gersdorf bei Oberaula war bei einem Anstreicher- meister in der Lehre. Auf dem Dache eines Hauses beschäftigt, bekam er plötzlich einen Schwindelanfall und stürzte hinab auf den gepflasterten Hof, sodaß er mit zerschmetterten Gliedmaßen todt liegen blieb.
Bebra, 23. Sept. Eine überaus rege Bauthätigkeit entfaltete sich in diesem Jahre hier am Orte. Nicht nur sind sämmtliche durch die Feuersbrünste im vorigen Winter zerstörten Wohnhäuser und sonstigen Gebändc wieder aufgcrichtet, es sind auch außerdem viele andere Neubauten hergestellt bezw. in Angriff genommen. Diese finden wir sowohl nach Weiterode hin als auch neuerdings an der nach GiOershausen führenden Straße. Der Umbau des Kirchhofplatzes, der bereits begonnen und der mit Anlagen versehen werden soll, sowie die geplante Erweiterung des Lindenplatzes, der späterhin vielleicht als Marktplatz dienen wird, werden voraussichtlich mit zur Verschönerung unseres Ortes beitragen
Obersuhl, 22. Sept. Die Dummen werden nicht alle! So giebt es in unserem aufgeklärten Zeitalter immer noch Leute, die in zweifelhaften Fällen ihre Zuflucht zu Kartenschlägern nehmen, um sich bei denen Rath und Hilfe zu suchen. Einem Manne aus der Nachbarschaft wurde fein Hahn getödtct. Der Nachbar soll die That verübt haben, wovon der natürlich nichts wissen will. Da läuft der Geschädigte zu einem Karten- schläger, um sich hier Aufschluß zu holen. Der weise Mann sagt: „Zwei Männer in der Nachbarschaft sind krank; wer von ihnen zuerst stirbt, ist der Thäter." Von den beiden, welche in einem Hause wohnen, stirbt nun auch bald der eine. Nun muß natürlich dieser, der in Wirklichkeit keinem Huhne etwas zu leide that, und der bis dahin unter gar keinem Verdachte gestanden hatte, der Thäter gewesen sein. Leider ist er, zum Aergcr des Hahnbcsitzers, von dem irdischen Arme der Obrigkeit nicht mehr zu erreichen.
Hess. Lichtenau, 21. Sept. Die Berliner Kleinbahn- Aktiengesellschaft beabsichtigt, von hier nach Spangenberg eine Bahn zu bauen. Die in Betracht kommende Strecke ist bereits von einem Beamten der Gesellschaft besichtigt worden, und letztere hat auch mittelst Fragebogen die nöthigen Erkundigungen eingezogen. Hoffentlich kommt das Projekt zur baldigen Aus ührung.
Gcoßalmerode (Kreis Witzenh.), 23. Sept. Die Kartoffelernte hat nunmehr in unserer Gegend begonnen Der Ertrag ist überall recht zufriedenstellend. Die Kartoffeln sind wohl selten so rein und trocken in den Keller gekommen, wie in diesem Jahre. Nur wird sehr über die Härte des Erdbodens geklagt, welche das Ausgraben der Kartoffeln, namentlich in den trocken gelegenen Län- dereien, sehr erschwert.
Caffel, 26. Sept. Der Herr Regierungspräsident Graf Clairon d'Hauffonville hat einen längeren Urlaub angetreten. — Glück im Unglück hatte die im H ruse Nr. 66 in Wchlheiden an der Wilhclmshöher Allee wohnende Frau eines Landmessers. Ihr Mann hatte schon früh in dienstlichen Angelegenheiten das Haus verlassen, als der Anbau desselben, in welchem sich im zweiten Stock das Schlafzimmer derEheleute befand, zusammenstürzte. Die Frau wurde im Bett unter den Trümmern begraben und wäre unfehlbar erschlagen worden, wenn sich nicht ein umfallender Schränk so weit auf die Bettenden stützend gelehnt hätte, daß er eine Schutzwand bildete. Die schnell zur Hilfe herbeigeeilte Feuerwehr befreite die Frau aus ihrer gefährlichen Lage. Der Morgens gegen 6 Uhr erfolgte Einsturz des vor 30 Jahren ausgeführten Anbaues soll mit einer neuerdings ausgeführten Abortkanalanlage Zusammenhängen.
Frankenberg. 22. Sept. In fast noch nicht dagewesener Weise nimmt das Zigeunerunwesen in un erer Gegend eine immer lästigere Gestalt an; es ist zur reinsten Landplage ausgeartet. Große Trupps Zigeunerweiber und Kinder machen durch ihre zudringliche Bettelei selbst die öffentlichen Straßen unsicher und erregen Angst und Schrecken in den Ortschaften, in denen während der Erntezeit oft nur Greife und Kinder zu Hause sind. Die Männer treiben in den meisten Fällen P^erdehandel und haben einen vorschriftsmäßig ausgestellten Gewerbeschein. Sollte es denn gar keine Mittel geben, dieser Landplage abzuhelfen. Diesen braunen Gesellen gehört einfach kein Gewerbeschein, der nur das Mittel bietet, um bettelnd und stehlend deutsche Gauen, Städte und Dörfer zu belästigen und zu schädigen. Wie uns mit- getheilt wird, haben sämmtliche Polizeibeamte in Waldeck die Weisung erhalten, anrückende Zigeunertruppen sofort über die Grenze zu bringen, was in diesem Lande allerdings leichter als bei uns auszu ühren ist. Immerhin sollte es sich jede Polizeibehörde auch bei uns zur Pflicht machen, dieses arbeitsscheue Volk so rasch als möglich weiter zu befördern Den Bewohnern aber geben wir den Rath, den braunen, schmutzigen Bettlern energisch die Thüre zu weisen, denn als diese neulich zur Arbeit aufgefordert wurden, erwiderte ein Weib: „Wir brauchen nicht zu arbeiten, wir haben Geld genug."
Der Boykottaufruf gegen das Thomas« schlackenmehl. (Schluß.)
Wenn die Bezugsvereinigung der deutschen Landwirthe die Thomasschlacke lediglich als ein Abfallprodukt hinstellt, welches ohne Kosten gewonnen wird, daher zur
Vermahlung ohne nennenswerthen Preis abgegeben werde« muß, so berücksichtigt sie nicht, daß die Stahlwerke große Ausgaben für Zuschlag Phosphorreicher Eisenmaterialien, Kalk, Maschinenabnutzung Arbeitslohn usw. haben, wo^ür sie lange Jahre hindurch nicht an« nähernd chen vollen Ersatz ihrer Auslagen erhielten, und daß heute alle Stahlwerke ohne Ausnahme auf eine hohe Einnahme von Schlacken rechnen müssen. Man will nicht anerkennen, daß, je mehr die Thomasstahl, werke prospericren und sich vermehren, desto mehr Thomasmehl in Konkurrenz dem Superphosphat gegen« Übertritt und dessen Preis niedrig hält. Soweit sich zusammenstellen läßt, werden in Europa 30 Millionen kg-®entner Superphosphat fabriziert gegenüber 13 Millionen kg-Sentuer Thomasmehl. Dagegen sind allein in Deutschland bei einer Kulturfläche von rund 100 Millionen Morgen Ackerland und rund 40 Millionen Morgen Wiesen und Weiden mindestens 45 Millionen kg-Sentner Phosphorjäuredünger jährlich nöthig, um die Ernten auf ihrer jetzigen Höhe zu erhalten und den Phosphorsäureentzug wieder zu ersetzen, ganz abgesehen davon, daß eine wesentliche Ertragssteigerung größere Mengen Phosphorsäure jährlich er ordert. Es ist daraus zu ersehen, daß niemals das Thomasmehl ausreichen wird, das Superphosphat zu verdrängen, sondern daß beide Produkte nothwendig ffind, um den Bedarf an Phosphorsäure nur annährend zu decken.
Die Propaganda Seitens der Thomasmehlfabrikanten hat dazu beigetragen, daß der deutsche Gesammtverbrauch in Phosphorsäuredüngern, welcher hier im Jahre 1896 nur etwa 5 Millionen kg-Sentner betrug, jetzt auf 15 Millionen angewachsen ist, und jetzt allgemein anerkannt wird, daß die wesentliche Grundlage eines rentablen Gutsbetriebes in der vermehrten Phosphorsäuredüngung liegt, diese aber leider noch in sehr ungenügender Weise ausgeführt wird. Brächte doch die Kaliphosphatdüngung Ulf Wiesen und Leguminosenftldern stark vermehrte und an Stickstoff reichere Heu-Erträge, und konnte damit der Viehstand so vermehrt werden, daß die Fleischeinfuhr trotz der sehr gestiegenen Bevölkerung sehr eingeschränkt worden ist. Die damit verbundene Produktion größerer Mengen von Stalldünger hat zur Folge gehabt, daß die Erträge an Getreide, wie die Statistik nachweist, in Deutschland in den letzten 10 Jahren um rund 100 kg pro Hektar gestiegen sind. Während im Durchschnitt heute in Deutschland überhaupt der Hektarertrag an Körnern rund 14 kg-®entner beträgt, weisen exakte Düngungsversuche auf minderwcrthigen Bodenarten nach, daß durch rationelle Anwendung von künstlichen Düngemitteln oben erwähnte Durchschnittserträge verdoppelt werden konnten. Wir bedür en aber nur eines Mehrertrages von 2 K^-Centner Körner pro Hektar, um alle Einfuhr fremden Getreides unnöthig zu machen, und es ist gewiß, daß dieser Fortschritt eintritt und gleichen Schritt halten wird mit der wachsenden Bevölkerung, wenn nach und nach statt '/* der Ländereien sämmt« lichcs Kulturland ausreichend gedüngt wird. Darin stimmen alle klar sehenden Landwirthe überein, daß bei einer sehr gesteigerten Produktion auch eine große Vcr- billigung der Produktionskosten eintritt und die deutschen Landwirthe mit angemessenen Schutzzöllen gegen die ausländische Konkurrenz bestehen können.
Die Au hetzung der Bezugsvereinigung gegen Industrie und ihre Kapitalien, welche ihr so nützlich zur Seite stehen, muß auchören, es muß vielmehr ihre Einwirkung sich dahin geltend machen, daß allgemein die Ertragssteigerung der Kulturflächen durchgeführt wird.
Der Abfluß von einer Milliarde jährlich für Nahrungsmittel ins Ausland muß thunlichst beseitigt werden; es könnte und sollte für eine steigende Bevölkerung das nöthige Fleisch und Brot nach Möglichkeit im Julande selbst beschafft werden.
Es wird wohl niemand bezweifeln, daß derartige Aufrufe, wie sie die Bezugsvereiniguug erläßt, nicht zur Belehrung der Landwirthe beitragen können, sondern den landwirthschaftlichen Lehrkräften ihre Arbeit, die Landwirthe zu einer rationellen Düngung zu bewegen, unendlich erschweren. Durch Belehrung und Ermahnung der zurückgebliebenen Landwirthe ist dies zu erreichen, nicht aber durch ruinöse Düngerpreise, daß die in diesen Fabriken für die Landwirthschaft angelegten vielen Millionen nicht mehr rentieren und, statt vermehrt, zurückgezogen werden. Träte deshalb auch wirklich eine Preiserhöhung von 1 ’/s bis 2 Pf. f. d. kg Phosphorsäure ein, so würde solches bei einem regelmäßigen Ersatz von 300 kA Thomasmehl pro Hektar rund 80 Pf. bis 1 Mk. betragen; eine winzige Summe gegenüber dem sicher zu erzielenden 10fachen Ertrage der Ge- sammtdüngungskosten in den nächsten 3 Jahren."
Vermischtes.
— Moderne Hochzeitsreise. Sie: „Ich bitte Dich, lieber Ferdinand, thue vor den Leuten so, als ob Du mich nicht wegen der Mitgift, sondern aus Liebe ge- heirathet hättest, es macht sich besser."
— Kameel und Chamäleon. Herr Schulze (der seit einer Stunde im Zoologischen Garten unausgesetzt bei den Kameelen steht): „Nee, so ’n Mumpitz! Da lügt uns so ’n verdrehter Naturforscher wat vor und nachher is et nischt! Da hock ik nu schon ’ne ausgeschlagene Stunde bei die Kameeleons hier und noch hat keenS nich die Farbe gewechselt!"