Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
J£ 78.
Mittwoch, den 28. September 1898.
49. Jahrgang.
s
Wnynn TTn+mJinnnliiiTiri in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der
U1U | ÜPUPPP || || || s wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post-
I || | ||I III I! 11 III’ abonnenten, welche bis spätestens 29. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß
lux ux uuxiuiig ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach
den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin, welche den Tag vorher der Eröffnung des neuen Stettiner Hafens beiwohnten, trafen Sonnabend Mittag im Jagdschlösse Rominten ein.
— Zum Jagdbesuch des Kaisers in der Nominier Haide wird aus Ostpreußen geschrieben: In Folge der Durchforstungsarbeiten in der Haide hat ein Theil der Hirsche den bisherigen Stand aufgegeben und ist nach anderen Schutzbezirken hinüber gewechselt. Aus diesem Grunde haben auch einige neue Pmschsteige für den Kaiser angelegt werden müssen. Die Instandsetzung der alten Pürschgänge und Einrichtung der Schießstände er fordert eine große Sorgfalt. Der Boden muß vom Rasen befreit und sämmtliches Holz, die Aeste, trockene Blätter und Nadeln, durch welche beim Gehen ein Geräusch verursacht werden könnte, müssen beseitigt und die überbrückten Gräben usw. mit Moos belegt werden. Am Ende dieses Pürschsteiges, der an einer Wiese aus- mündet, auf der von den Forstbeamten der Stand der Hirsche seit einiger Zeit beobachtet wurde, ist ein Schieß- stand eingerichtet, der a (seifig mit Tannenbäumchen und Zweigen bedeckt ist. Einige Oeffnungen mit Schießge- stellcn gestatten dem Kaiser, ungesehen das Jagdgelände zu überblicken und den richtigen Zeitpunkt zum Äögcben eines Schusses wahrzunehmen. In dieser Jagdlaube befindet sich auch eine Ruhebank für den Kaiser.
— Vom Jagdaufenthalt des Kaisers in Hubertus- stock. Es ist diesmal recht einsam auf Schloß Huber- tusstock gewesen; Besuche wurden fast gar nicht empfangen, und nur die Jagd trat in ihre Rechte. Der Kaiser fährt früh und Mittags auf seinem Jagdwagen in den Forsts; die Ergebnisse der Jagd waren bisher im Allgemeinen günstig. Mittwoch erlegte der hohe Jagdherr im Revier Eichhaide mehrere Stücke Wild, hierunter einen Zwölfender von 346 Pfund. Ausgebrochen wog das Thier 274 Pfund; die Schußabgabe war auf 250 Schritte Entfernung erfolgt. Auf dem Nachhausctvege von der Pürsche schoß der Kaiser noch einen starken Hirsch; es war ein Meisterschuß, der mitten in das Herz traf. Am vorigen Freitag früh gedachte der Kaiser eine Jagdstreife bis Joachrmsthal zu übernehmen und von dort alsbald mit der Bahn über Eberswalde nach Stettin zu reisen.
— Prinz Heinrich von Preußen kehrt, wie ein Telegramm aus Kiel meldet, im Dezember 1899 auf der »Hertha* von Ostasien zurück.
— Der berühmte Schriftsteller und speciell märkische Dichter, Theodor Fontaine, ist im Alter von 79 Jahren plötzlich gestorben. Er ist eigentlich erst sehr spät zur Berühmtheit gelangt und hat auch nur im Norden Deutschlands, hier aber außerordentliche Anerkennung gefunden.
— Arbeitsnachweise für Reservisten. Auch in diesem Jahre ist wieder seitens des preußischen Kriegsministeriums in umfassendem Maßstabe der Versuch gemacht worden, in den einzelnen Provinzen unentgeltliche Arbeitsnachweise für entlassene Reservisten einzurichten, um insoe- sondere eine Ablenkung der Arbeiter vom platten Lande Nach der Stadt thunlichst zu verhindern. Die landwirth- schaftlichen Kreis- und Bezirksvereine wurden aufgefordert, sich für diese Einrichtung zu interessiren und ihr nach Kräften Vorschub zu leisten.
— Wie die „Kol.-Korr.* meldet, hat sich die Thätigkeit der Goldsucher in Ostafrika neuerdings den Gebieten am Viktoriasee zugewandt, nachdem schon vor einigen Jahren der Prospektor Janke dort Goldfunde gemacht hatte. Seit er, reichlich mit Geld unterstützt, wieder nach Ostafrika gegangen war, hörte man nichts mehr von seinen Untersuchungen. Jetzt verlautet, und zwar aus _ den Kreisen der katholischen Mission in Urundi, daß Herr Janke viel Gold gemnden hat, und zwar in Butundme am Bismarckriff, südlich vom Viktoriasee. Jetzt ist Herr Janke nach Urundi gezogen, da man auch dort Gold vermuthet. Im Uebrigen ist noch i
zu bemerken, daß eine Erschließung dieser Gegenden erst in Frage kommen kann, wenn die englische Eisenbahn nach Uganda gebaut sein wird. In Südwestafrika hat der Bezirk von Gibeon neuerdings viel Interesse erweckt, da dort wie an anderen Stellen des Schutzgebietes der bekannte blaue Thon gefunden worden ist. Obwohl noch keine Diamanten geinnben worden sind, so ist doch eine Art Diamantenfieber dort ausge- brochen und der Werth von Grund und Boden sehr gestiegen.
— Ein „Verein deutscher Eis-Interessenten", Eishändler und Eis-Industriellen soll demnächst ins Leben gerufen werden. Die rapide Entwickelung der Eis-Industrie in unserem Lande geht am besten aus der Thatsache hervor, daß jetzt über 6000 Betriebe in Deutschland mit Kältemaschinen arbeiten.
Memel, 23. Sept. Während einer Sturmflut sind in der Nacht zum Montag an der russischen Küste zwischen Polangen und Libau gegen 120 Schiffer ertrunken.
Trier. Auf dem deutschen Weinbau-Kongreß, der dieser Tage in Trier abgehalten wurde, sprach der Direktor der Weinbauschule in Trier, C. A. Müller, über die Frage: Welche Fortschritte hat der Weinbau an der Mosel und Saar in Den letzten Jahrzehnten gemacht, und wie wäre derselbe noch weiter zu heben? Die seit einer Reihe von Jahren immer mehr zunehmende Vorliebe des Publikums für die mehr leichten, spritzigen, feinblumigen Weine der Mosel und Saar und die von Jahr zu Jahr stärker werdende Nachfrage nach denselben hat einen kolossalen Aufschwung in Mosel- und Saarweinen zur Folge gehabt. All' das mußte naturgemäß auch einen günstigen Einfluß auf die Ent Wicklung und Hebung des dortigen Weinbaues ausüben. Die steigenden Weinpreise waren ein mächtiger Ansporn für den Winzer zu besserem Bau. Im Allgemeinen ist die Kultur viel intensiver geworden, und es wird viel mehr in den Weinbergen gearbeitet, als dies früher der Fall war. Dieser Fortschritt macht sich in der viel rationelleren Vewirthschaftung der Neuanlagen und in den Erträgen der stehenden Weinberge bemerkbar, ferner in dem Bestreben des Winzers, die Weinberge möglichst durch Neubau rasch und zweckentsprechend zu verjüngen, und andererseits, das Weinbaugebiet durch Neuanlagen an Fläche fortwährend auszudehnen.
Karlsruhe, 21. Sept. Ueber den bereits gemeldeten beklagenswerthen Unfall im Manövergelände wird noch Folgendes berichtet: Der Sergeant Scheinhardt ist der Sohn eines Handarbeiters in Schönwerda in Thüringen Er übte die Funktionen des Quartiermeisters und hatte die Oberaufsicht über den Sclbstkocher des Regiments, dem die Zubereitung der Speisen oblag. In der Nacht, welche dem Zwischenfall voranging, wurde Scheinhardt zum Fourangeempfang kommandirt. Die beim Kochen beschäftigten Soldaten vergaßen in seiner Abwesenheit, den Gummireifen am Kochapparat zuzuschrauben, mit welchem derselbe luftdicht abgeschlossen zu werden pflegt. Infolge hiervon wurde das Essen sauer. Ehe Abends das Essen ausgegeben wurde, erhielt Scheinhardt die Ordre, sich wegen Beschaffung von Lebensmitteln nach Hatten zu begeben. Bei seiner Rückkehr war das Essen bereits unter die Mannschaft vertheilt. Rittmeister Graf Stolberg Wernigerode stellte Scheinhardt wegen des verdorbenen Essens zur Rede. Der Letztere entschuldigte sich mit dem Bemerken, daß ihn wegen einer Abwesenheit während der Zubereitung keine Schuld räfe. Später soll der Rittmeister seine Vorwürfe wie- holt und Scheinhardt kränkende Worte zugerufen haben. Als Scheinhardt darauf erwiederte, versetzte Graf Stol- berg dem Sergeanten eine Ohrfeige. Darauf rief Scheinhardt zweien seiner Kameraden zu: „Sie haben gesthen, wie ich geschlagen worden bin." Graf Stolberg ;og hierauf seinen Säbel und verwundete den Sergeanten. Scheinhardt, der versuchte, das Blut mit dem Taschentuch abzuwischen, stellte sich m strammer Haltung, fiel
aber sogleich bewußtlos nieder. Er wurde sogleich nach Hagenau ins Militärlazareth gebracht, wo er am 15. d. M., Abends 83/< Uhr starb, ohne seine Besinnung wieder erlangt zu haben. Am 18. d. M., Nachmittags 3 Uhr, fand die Beerdigung Scheinhardts statt. Der Trauerfeier wohnten sechzig Unteroffiziere seines Regiments (15. Ulanenregiment) bei. Die vierte Schwadron, der der Verstorbene angehörte, sowie die Abtheilungsoffiziere gaben ihm das letzte Geleit.
Eine in Alzey wohnende Wittwe hatte einem dort Verstorbenen nachgeredet, er habe zu seinen Lebzeiten Feldfrevel begangen. Die Kinder des Verstorbenen strengten wegen Beschimpfung ihres Vaters eine Beleidigungsklage an. Das Schöffengericht in Alzey sprach die Beklagte frei, weil sie nicht wieder besseres Wissen das Andenken des Verstorbenen beschimpft habe. In der Berufungsinstanz der zweiten Strafkammer wurde das Urtheil von Alzey abgehoben und die Beklagte zu 100 Mk. Geldstrafe und sämmtlichen Kosten verurtheilt. Halfeshof Ein Bubenstreich schlimmster Art ist zum Nachtheile des Bergischen Elektrizitätswerks in der Rheinprovinz verübt worden. Ein Ruchloser hat einen hölzernen Hochspannungsmast ringsherum tief eingesägt, sodaß wenn starker Wind geherrscht hätte, dieser Mast unfehlbar abgebrochen wäre, dadurch hätten die Leitungen zur Erde fallen und der darin befindliche hochgespannte Strom bei etwaiger Berührung mit Menschen oder Thieren die schlimmsten Unglücksfälle herbeiführen können. Die Berührung eines Hochspannungsdrahtes schließt die direkte Lebensgefahr in sich — unabsehbares Unheil hätte also durch diesen nichtswürdigen Streich herbeigeführt werden können.
Ausland.
Prag. leber Ausschreitungen gegen Italiener wird aus Reichenberg in Böhmen depeschirt: 800 Südtiroler und Krainer Arbeiter demonstrirten am Montag gegen die mit ihnen beim Bahnbau Teplitz-Reichenberg beschäftigten Italiener. Sie zogen unter Vorantragung einer schwarzen Fahne, Trauerlieder singend, durch die Ortschast Christophgrund und vertrieben die Italiener, welche in den Wäldern nächtigen mußten. Es kam zu ernsten Ausschreitungen. Gendarmerie wurde requirirt. Die Unruhen dauern fort.
Frankreich. Die Lage in Paris ist jetzt so kraus wie nur je. Das Civilgericht hat die Verhandlung gegen Picquart verschoben und die Militärbehörden wollen diesem nun einen Prozeß ä la Dreyfus machen. Picquart fürchtet, im Gefängniß ermordet zu werden, wie vor ihm bereits Lcmercier und Henry und hat dies laut im Gerichtssaale erklärt. Die Volksstimmung ist jetzt auf seiner Seite. Aber die Dinge haben sich jetzt so zugespitzt, daß man einen Zusammenstoß der Armee und der Bürger in den Straßen von Paris fürchtet.
Neapel. Der Ausbruch des Vesuvs hat eine er- chreckende Form angenommen. Der Aschen- und Stein» regen ist im Zunehmen begriffen.
China. In wenigen Tagen hat sich in der Regierung des Reiches der Mitte eine vollständige Um« Dünung vollzogen. Die Gefahren, welche der jetzigen Dynastie von allen Seiten drohen, scheinen die Kaiserin- Wittwe zu dem Entschluß gebracht zu haben, die Zügel der Regierung wieder mit eigener Hand fest zu fassen. Ein kaiserliches Edikt zeigt endgiltig an, daß der Kaiser die Regierungsgewalt an die Kaiserin-Wittwe abtrat, welche die Minister anwies, künftig ihr die amtlichen Berichte einzureichen. Die Wirkungen der Aenderung der Regierung seien beträchtliche. Wahrscheinlich werde Li Hung Tschang wieder eingesetzt. Der Regierungswechsel ist eine Folge der Reaktion und bedeutet den Sieg der altchinesischen Partei gegen die jüngst gemeldeten Reformbestrebungen des Kaisers. Die Plötzlichkeit des Umschwungs wird dem Wunsche der Kaiserin- Wittwe zugeschrieben, zu verhindern, daß die Mission des Marquis Jto erfolgreich ausfalle. Marquis Jto erfolgreich ausfalle. Marquis Jto äußerte nämlich,