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hat, steht schon ein Anderer wartend dabei, um sich die schon lange bestellte Maschine nicht von einem andern fortholen zu lassen, denn ein jeder möchte gern die Drescharbeit hinter sich haben! Müller und Händler laufen auf den Aeckern geschäftig hin und her, feilschend, handelnd und sich gegenseitig überbietend. Wie mancher Ackerbürger, der nicht über genügende Räumlichkeiten verfügen kann, ist darauf angewiesen, seine Waare sofort vom Felde weg zu verkaufen. Was der Ertrag der einzelnen Ernten anbetrifft, so muß die Ernte eine gute Mittelerute genannt werden. Für Roggen und Hafer war dieselbe wohl am günstigsten, während der Erdrusch an Weizen sehr verschiedenartig ist und mehrfach Klagen über geringere Erträge desselben laut werden. Besonders solcher Weizen, welcher in Folge der im Frühsommer niedergegangenen Regengüsse znm Lagern gekommen war, liefert meistens nicht mehr als 6 bis 8 Ctr. pro Acker. Stroh dagegen giebt es reichlich und auch an Grünfutter wird genügend eingebracht. Die Fruchtpreise sind seit der Ernte etwas ins Weichen ge­kommen ; da aber aus der alten Ernte fast gar keine Borräthe mit in die neue Ernte hinübergenommen sind, so ist die Nachfrage eine recht lebhafte und können sich die Preise wohl bald befestigen und leicht wieder in die Höhe gehen.

Steinau Der Weißbinder Louis Euler aus Steinau, wohnhaft zu Pittsburg, Pennsilvanien, ist beim Baden in dem Manongahellaflusse ertrunken. Er hinterläßt außer der Wittwe drei Söhne und eine ver- heirathete Tochter.

Salmüuster, 6. Sept. Sicherem Vernehmen nach soll demnächst hier eine Lateinschule als Vorbereitungs­anstalt für die mittleren Klassen des Gymnasiums ins Laben treten. Die Anregung dazu ist von Fulda ge­geben worden. Der verstorbene Bischof Komp soll ein für diesen Zweck bestimmtes Legat hinterlassen haben. Wie verlautet, ist die Stadt Salmüuster entschlossen, ein Lateinschulgebäude auf eigene Kosten zu errichten.

Hanau Furchtbare Folgen hat der unglückliche Schuß des Lehrers B. auf seinen Freund, den Cigarrenmacher Sattler von Kleinsteinheim gehabt. Sattler ist am Sonn­tag gestorben und der Lehrer ist geistesgestört geworden.

Hanau, 8. Sept. Vor der hiesigen Strafkammer stand heute der Rentier Paul Schwengers aus Alten- Haßlau bei Gelnhau^en wegen Vergehens gegen § 360 Abs. 7 und 8 des Strafgesetzbuches. Ihm war im Ja­nuar 1897 von »dem entmündigten Prinzen Reuß j. L. der TitelCammeu^irector" verliehen worden. Wegen Führung dieses Titels und des prinzlich reußischen Wappens wurde er vom Schöffengericht in Gelnhausen in zwei Fällen zu je 100 Mk Geldstrafe verurtheilt. Er legte Beru ung ein, doch wurde dieselbe von der Strafkammer verworfen. Das Verleihen eines solchen Titels stehe nur dem regierenden Landesherrn zu.

Fulda, 2. Sept. Dieser Tage stieß man hier bei den Ausschachtungsarbeiten zum Neubau einer Fabrik in der Nähe von Fulda auf Pfahlbauten. Das Holz­werk, sowie archäologi che Funde wurden im Moorboden in einer Tiefe von ungefähr zwei Metern gefunden. Unter Leitung von fachmännischen Personen sollen die Ausschachtungsarbeiten weiterge ührt werden.

Lanterbach, 4. Sept. Seit einiger Zeit zieht im Großherzogthum Hessen ein Schwindler umher, der ein angeblich unfehlbares Mittel zur Vertilgung von allerlei Ungeziefer feilbietet. Als Empfehlung braucht der Händler den Namen eines Apothekers in Mainz. Die Untersuchung des Vertilgungsmittels, wovon ein Packet 20 Pfg. kostet, hat ergeben, daß es weiter nichts als mit Naphtalin vermischte, gelb gefärbte Kleie und voll­ständig werthlos ist.

Hersfeld, 7. September. Die Absicht, in hiesiger Stadt ein Alumnat für Pfarrersöhne zu errichten, hat sich verwirklicht. Im Hause des Herrn Rentier Börner am Frauenthor sind die entsprechenden Räumlichkeiten ge­miethet worden.

Bebra. Mit Beginn dieses Monats ist die hiesige Bahnhofs-Restauration in die Pacht des Herrn Schwert- feger übergegangen, welcher seither in Göttingen Bahn­hofsrestaurateur war. Derselbe giebt 27 000 Mk. Pacht, während sein Vorgänger 7500 Mk. bezahlte.

Vacha, 3. Sept. Ein hiesiger Einwohner, der in den letzten Tagen in dem durch eine Feuersbrunst so schwer heimgesuchten Schafhausen weilte, macht über das dort Gesehene haarsträubende Mittheilungen. Das schöne Dorf ist in einen Trümmerhaufen verwandelt. Wahr­haft schauerlich soll der Anblick sein, den das niederge- brannte Gotteshaus bietet. Große Verluste haben die Abgebrannten erlitten durch die Vernichtung von vielen landwirthschaftlicheu Geräten. Es verbrannten etwa 30 Wagen, 30 Häckselschneidmaschinen, 7 Dreschmaschinen (darunter einige mit Betrieb), sowie 28 Getreidereinigungs­maschinen. Auch viel Vieh ist umgekommen. Im ganzen sind zwei Bullen, 4 Kühe, 56 Schweine, unge­zählte Gän e und Hühner verbrannt. Auch die herrlichen Obstanlagen um das Dorf herum, aus denen Schaf­hausen vor einigen Jahren in einem Herbste einen Erlös von 8000 Mark erzielte, sind vernichtet worden.

Wendershausen, Kreis Witzenhausen, 4 September. Die 15jährige Tochter des Landwirhs Grölling kam beim Dreschen in das Triebwerk der Maschine. Der Un­glücklichen wurde der Fuß vom Beine getrennt.

KöuigShageu, 6. Sept. Heute bekam unser Ort, der seit 1813 keine Einquartirung mehr hatte, ca. 140 Mann des 32. Infanterie-Regiments ins Quartier.

Biedenkopf, 4. Sept. In dein zwischen hier und Gladenbach gelegenen, 500 Einwohner zählenden Dorfe Gönnern brach gestern Mittag Großtuer aus; 12 Wohnhäuser und 13 Scheunen nebst Stallnngcn sind abgebrannt; auch Wagen mit Frucht gingen auf den Straßen in Flammen au'. Die Bewohner konnten nur das nackte Leben retten, zahlreiche Familien sind obdachlos.

Wiesbaden, 7. September. Die Konferenz derSo- zialdemokraten von Hessen-Nassau beschloß die Be­theiligung an den preußischen Landtagswahlen.

In Frankfurt a. M. hat am 3. September die Vermählung der Prinzessin Sibylle von Hessen, der jüngsten Tochter der verwittweten Landgräfin von Hessen, mit dem Freiherrn von Vincke (ehem. Sekondelieutenant im Husarenregiment König Humbert von Italien Nr. 13) stattgefunden. Der Herzensbund des Paares, das sich auf einer Abendfestlichkeit, welche die Landgräfin in ihrer Frankfurter Villa vor mehr als drei Jahren gab, zum ersten Male begegnete und lieben lernte, war schon lange kein Geheimniß; aber man wußte auch, daß der Ver­bindung der jetzt 21 Jahre alten Prinzessin mit dem schmucken, 24jährigen Husarenlieutenant schier unübcr- steigliche Hindernisse entgegenstanden. Unter diesen war der Widerstand der Mutter der Braut, einer geborenen Prinzessin voll Preußen, und ihrer fürstlichen Verwandten nicht das kleinste, so daß sich Lieutenant v. Vincke vor zwei Jahren gezwungen sah, aus seiner militärischen Stellung auszuscheiden und zu seinem in Wiesbaden wohnenden Vater überzusiedeln. Inzwischen war es aber den unausgesetzten Bemühungen der Prinzessin Sibylle, die in Aufrichtigkeit ihrem Auserwählten zugethan war und unter keinen Umständen von ihm lassen wollte, so­wie dem Einflüsse und der Fürsprache hochstehender Personen gelungen, die Landgräfin umzustimmen, so daß sie nach langem Zögern endlich in die Verbindung ein- willigte, jedoch unter der Bedingung, daß das Paar seinen Wohnsitz im Auslande aufschlage. Die Hochzeit fand in aller Stille statt. Gleich nach dem Mahl ver­ließen die Neuvermählten die deutsche Heimath. Die am Mittwoch vor dem Gewerbegericht zu Frankfurt a. M. stattgehabten Einigungsverhandlungeu führten zur Be­endigung des Maurerstreiks. Die Arbeitgeber bewilligten die hauptsächlichsten Forderungen der Arbeiter, nämlich einen Stundenlohn von 45 Pfennig und zehnstündige Arbeitszeit.

Ueber Rindviehaufzucht.

Seit Jahrzehnten schon, so äußert sich Dr. Schacht- Bredstedt in der landwirthschaftlichen Presse, hat sich oft genug die Wahrnehmung machen lassen, daß Mager- und Fettviehprei e zu einander in nicht richtigem Verhältniß stehen. Die Magerviehpreise sind hoch, die Preise des Mastviehs niedrig. In der neueren Zeit hat sich dieses unharmonische Verhältniß mehr und mehr zugespitzt. Die Erklärung dieser Erscheinung läßt sich mit Leichtig­keit darin finden, daß trotz der nicht unerheblichen Ein­fuhr aus Dänemark das Angebot von Magervieh dem Begehr nicht folgen kann. Das vielleicht nur Zurück - gehen der Viehaufzucht hat seinen Grund hauptsächlich in zwei Umständen:

1. Der Begehr an Magervieh ist dadurch gestiegen, daß mehr Ackerland in Fettweiden niedergelegt worden ist, veranlaßt durch das Steigen der Arbeitslöhne und das Sinken der Fruchtpreise. Die bisherigen Fettweiden sind theils durch ihr Alter, theils durch künstliche Ver­besserung ergiebiger und der Fettweidebetrieb ist rationeller gestaltet worden, wodurch gegen früher mehr Vieh auf derselben Fläche ernährt werden kann.

2. Mit der Vervollkommnung des Molkereibetriebes und der Errichtung der vielen Genossenschaftsmolkereien ist die Viehaufzucht zurückgedrängt worden, womit das Magervieh vertheuert und die Molkereiprodukte verbilligt werden mußten.

Das anzustrebende Ziel ist also, sich in vermehrtem Maße der Viehaufzucht zuzuwenden. Am meisten Interesse hat hierin natürlich derjenige, welcher haupt­sächlich Weidemast betreibt. Wenn er wenigstens einen Theil der erforderlichen Weidemastthiere selbst aufzieht, so spart er an flüssigem Wirthschaftskapital. Das Geld, welches sonst durch den Ankauf von Magervieh aus der Wirthschaft hinausgeht, läuft bei dem selbstgezogenen Vieh innerhalb der eigenen Wirthschaft um. Ein Kapital, welches aus der Wirthschaft hinausgeht, muß zurückge­holt werden, was nicht allemal gelingt. Das in der eigenen Wirthschaft angelegte Kapital brauchen wir nur zu heben, um es zu haben. Durch eigene vermehrte Aufzucht des erforderlichen Weidemastviehs wird der jährliche Reinertrag ein gesicherter. Das zur Mast reife Thier ist das Produkt zweier oder dreier Jahre, in denen theure und billige, futtcrreiche und futterarme Zeiten miteinander abwechseln.

Zur Heranziehung des nöthigen Magerviehes und zur Umgehung der Vieheinfuhr bedarf es vielleicht nur der Au zucht derjenigen Kälber, welche jetzt nüchtern geschlachtet werden. Die nüchternen Kälber sind an sich und für die menschliche Ernährung unschuldig. In dem Verbrauch derselben liegt eine Verschwendung von National­vermögen. In Oesterreich besteht daher schon seit

längeren Jahren ein Gesetz, daß unter 14 Tagen kein Kalb geschlachtet werden darf. Es könnte dieses Gesetz zur Frende aller Freunde fetten Kalbsbratens gern auf ein Alter von 4 8 Wochen ausgedehnt werden. Die Kälber, welche in den Gegenden mit vorwiegendem Molkereibetrieb und in den für den Verkauf der ganzen Milch in die großen Städte arbeitenden Molkereien fallen und nüchtern geschlachtet werden, zählen nach Tausenden. Ihre Ueberführung in die Gegenden mit Jungviehbedarf begegnet keinen Schwierigkeiten, um dort mit einer Kuh mehrere Kälber großzuziehen.

Vermischtes.

In dem Wallfahrtsorte Drei Eichen bei Horn in Oestereich treibt sich seit geraumer Zeit unter den Wallfahrern ein sonderbares Jndividium herum, das die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Ein ärmlich gekleideter Bauer erscheint jeden Sonntag in der Kirche und hat den Kopf mit weißen Tüchern vielfach um­wunden, unter denen einzelne Strohhalmen und Zweige hervorragen. Es heißt von dem Manne, daß er an einem Sonntag Mist ausgeführt habe, und daß zur Strafe für diese den Sonntag entheiligende Handlung jetzt der Mist aus seinem Kopfe wachse. Der Mann selbst erzählt es jedem, der es hören will, und Alles blickt mit Entsetzen nach den unter den Tüchern ..hervorwuchernden Misthalmen." Die Menge bedauert denUnglücklichen", und reichlich fließt Nickel und Silber in seine Hände. Die Behörden, die von diesemWunder" doch bereits Kenntniß haben müssen, fanden bisher keinerlei Ver- anlassung, den mysteriösen Kopfputz diesesGezeichneten" einer näheren Untersuchung zu unterziehen.

Postkartenindustrie. Während des letzten Sommers wurden allein vom Kyffhäuser - Denkmal 148 000 Karten versandt, 128 000 vom Niederwald- Denkmal, 36 000 vom Heidelberger Schlosse, über 572 000 von der Hamburger Garteubau-AuSstellung u. s. w. Aus der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 gingen über eine Millionen Karten in die Fremde. Dieser neue Handelszweig äußert seinen Einfluß nicht nur aus das Reichspostamt, sondern auch auf verschie­dene Industriezweige, namentlich die Papierindustrie, den Buntdruck, die Zeichner und die Albumfabrikation. Erst kürzlich verunstaltete die sächsische Regierung ein Preisausschreiben für 20 der besten Karten mit An­sichten aus Sachsen.

Auf dem Feldberg schrieb kürzlich die Damenriege eines Turn- und FechtklubS inS Fremdenbuch ein Gedicht über das Turner-Motto: .Frisch, fromm, fröhlich und frei." Touristen lasen die HerzenSgüsse, und da sie mit der fortschreitenden Damen-Emanzipation nicht ganz einverstanden sind, setzten sie folgende Antwort da­runter:

Frisch und fromm den Strumpf gestrickt, Und fröhlich dann die Hof' geflickt!

Das ist für Euch, ich sag' eS frei, Die allerbeste Turnerei!"

Standesunterschied. Dienstmädchen:Armer Mensch, so ein nobler Bräutigam! .... Wie er Alles hinunterwürgt, was ihm das gnädige Fräulein heute selbst gekocht hat! .... Da sind in unserem Kreise die Gefühle doch noch aufrichtiger und ehrlicher! Ich glaube, mein Schatz hätte mir in dem Fall' schon die dritte Ohrfeig' gegeben!"

Beim Barbier. Kunde:Wie kommt es, daß ich schon so eine große Platte habe und mein Vollbart noch so schön schwarz ist?" Barbier:Das ist doch ganz einfach, der Bart kommt doch auch ziemlich zwanzig Jahre später zum Vorschein."

In der Markthalle. Dame: «Der Fisch, den Sie mir gestern verkauft haben, war ja schlecht." Fischfrau:Das ist nicht mein Fehler, Madame, ich habe ihn Ihnen ja schon vor acht Tagen angeboten."

Alter Adel.Die Familie Gurgelhausen ist wohl von sehr altem Adel?"O freilich! Die haben noch von den Krcuzzügen her Schulden!"

Gute Rathschläge für die praktischen deutschen Landwirthe.

Man findet heute wohl kaum mehr eine landwirth- schaftliche Zeitung, welche nicht Artikel enthält, in welchen den Landwirthen gerathen wird, von dem Ankauf und dem Verbrauch der Thomasschlacke in diesem Herbst ab- zusehen und an deren Stelle andere Phosphorsäure- dünger zn benutzen, mit der Begründung, daß Thomas­mehl wesentlich theurer geworden sei. Den praktischen Landwirthen muß es deshalb willkommen sein, eine ge­naue Darlegung der wirklichen Verhältnisse zu erhalten, um sich so selbst ein Urtheil darüber bilden zu können, wie es sich denn mit der angeblichen Preissteigerung beim Thomasmehl wirklich verhält? Zahlen geben hier die beste Antwort.

In Hessen-Nassau, südlicher Theil, kosteten im Durchschnitt für den Konsumenten:

SuperphoSphat Herbst 97:15 Pf. perPfb..»/ wassert. Phosphors., »«$ tut Zeit 20 Pf.

jetzt mithin theurer 5 Pf per Pfund oder Mk. lf>0. Pik Waggon )U 200 5tr. und 166/0.

Thomasmehl Herbst 97:20'/, Pf. p Kilo- ,, Phophors.ab Saarbrücken, jur Zeit: 19 , ab Diedenhoftn.

Die Fracht von Saarbrücken beträgt im Durchschnitt Mk. 57./ w o h Diedenhoftn * * 67. /

er rechnet sich mithin der Waggon »u 200 Ctr. wie folgtr