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chlWernerAttung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^N 73. Samstag, den 10. September 1898. 49. Jahrgang.

NostpIlllliapll ^ bic -Schlüchterner Zeitung" derben noch fortwährend von allen ------------------- - Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin Der Kaiser in Westfalen. Der Kaiser er­wiederte bei dem Festmahl der Provinz Westfalen in Porta auf die Begrüßungsrede des Vorsitzenden des Pro- vinziallandtagcs: Ich hoffe, daß sich der Ausblick für die Provinz, namentlich für die Landwirthschast zum Besten gestalte, daß alle großen Gebiete des Erwerbslebens sich mit einander verbinden und so die Größe und die Ent­wickelung des Vaterlandes gewährleisten. Dies ist jedoch nur möglich unter dem Schutze des Friedens, welcher nie besser gewährleistet wird als durch ein schlagfertiges, kampfbereites Heer, wie es jetzt im Manöver zn be­wundern gewesen ist. Gebe Gott, daß es uns immer möglich sein wird, mit dieser stets schneidigen, gut er­haltenen Waffe für den Frieden der Welt zu sorgen. Der Kaiser schloß mit einem Hoch auf die Provinz Westfalen.

Deutschland und' Frankreich. DieKölnische Zeitung" schreibt zu den neuesten Pariser Ereignissen: Wenn die sogenannten Generalstabsblätter den Glauben zu erwecken suchen, daß Frankreich durch die Veröffent­lichung der gesammten Drehfus-Schriftstücke die Ge ahr eines Krieges mit Deutschland herausbeschwöre, so macht dies auf Deutschland nicht den allermindesten Eindruck. Man wisse, um welche Schriftstücke es sich handle und daß namentlich angebliche Briese des deutschen Kaisers in Betracht kommen, welche dieser an Dreyfus geschrieben haben soll. Deutschland sehe der Veröffentlichung bHer Fälschungen mit außerordentlichen Gleichmuth entgegen. Ein Deutscher Kaiser führt keinen Schriftwechsel mit für Deutschland arbeitenden Spionen.

Der neue Zolltarif, dessen Ausarbeitung seiner­zeit Graf von Posadowsky als Staats-Sekretär des Reichs-Schatzamtes im Reichstage als ein dringendes Erforderniß für den Abschluß neuer Handels-Verträge bezeichnet hat, ist nunmehr in der genannten Behörde fertig gestellt und wird den betheiligten Ressorts zur Aeußerung zugehen. Die Eintheilung wird, wie schon vor mehreren Jahren vom Grafen v. Posadowsky her­vorgehoben ist, wesentlich spezialisiertet sein und insbe­sondere den Fortschritten der Technik und Chemie, welche seit der letzten Fassung des Zolltarifs zahlreiche neue Waaren und Produkte hergeliellt haben, Rechnung tragen.

Eine für. .Kriegervereine wichtige Verfügung, welche in umgekehrtem Verhältniß zu dem für die Unter­offiziere und Mannschaften geltenden kriegsministeriellen Verbot hinsichtlich der Betheiligung an Vereinen und der offenen Bethätigung revulutionärer oder sozialdemo- kratischer Gesinnung steht, ist neuerdings von dem Minister des Innern im Einverständniß mit dem Kriegs­minister erlassen worden. Durch diese Verfügung ist nämlich der § 18 der Normalsatzungen für Krieger- vereine abgeändert worden, und hat folgende Fassung erhalten:Gästen d.arf der Zutritt zu Festlichkeiten und sonstigen Veranstaltungen des Vereins gestattet werden. Gäste können zu Vereinsitzuugcn nur dann eingeführt werden, wenn sie den Anforderungen des § 2 genügen. An den Verhandlungen (§ 7) dürfen sie nicht theilnehmen. Auch darf die Zulassung desselben Gastes zu Vereins­sitzungen höchstens dreimal erfolgen." In diesem § 2 der Normalsatzungen aber heißt es, daß Mitglieder von Kriegervereinen nur solche Personen werden können, die Soldat gewesen, im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind, ein achtbares Leben führen und treu zu Kaiser und Reich halten. Diese Bedingungen werden also von jetzt ab auch auf solche Gäste ausgedehnt, die an den Vereinssitzungen theilnehmen wollen.

^ Belzig. Vom Zweirad herabgeschossen wurde am Sonntag Nachmittag auf der Chaussee zwischen Belzig und Treuenbrietzen ein Berliner Radfahrer, der l8jähr. Mechaniker Töpfer, Nostizstraße 19. Töp'er kam auf der Landstraße ahnungslos daher, als plötzlich ein Mann aus dem angrenzenden Walde hervortrat, einen Revolver auf ihn anlegte und ihn so schwer verwundete, daß er vom Rade stürzte und blutüberströmt liegen blieb. Der Angreifer schwang sich alsdann aus das Rad des Ueberfallenen und fuhr in rasendem Tempo in der Richtung nach Potsdam davon. Gegen Abend wurde der Schwerverletzte aufgefunden und nach Belzig

Ausland.

Holland. Die Königin Wilhelmine hat am Montag ihren Kröuungsciuzug in Amsterdam gehalten, wo sie von der überaus zahlreich zusammengeströmten Be­völkerung mit größtem Euthusiasmus empfangen wurde. Dienstag fand die Krönung statt. Die Regentschaft in Holland hat damit ihr Ende erreicht. Die Königin Wil­helmine von Holland hat am 31. August das 18. Le­bensjahr vollendet, ist großjährig geworden und hat nun das Szepter der Regierung selbst ergriffen, nachdem ihre Mutter, die Köuigin Emma, fast 8 Jahre hindurch die Regentschaft geführt hatte.

London, 7. Sept. Eine Depesche des britischen Konsuls in Kanea, Biliotti, vom heutigen Tage aus Kandia besagt, ein zu der britischen zeitweiligen Wache des Zehntenhauses gehörender Soldat wurde plötzlich niedergestochen, sein Gewehr ging los, als er nieder- 'türzte und tödtete einen Mohamedaner. Inzwischen begann das Schießen in der Stadt, und in kurzer Zeit wurde eine Abtheilung Engländer von etwa 20 Mann, welche sich zu ällig am Quai zusammengesunden hatten, beschossen und fast ganz aufgerieben, bevor sie auf das Schiff gelangen konnte. 45 britische Soldaten, welche in der Nähe der Telegraphenstation einquartirt waren, wurden aus ihren Behausungen vertrieben und müssen chwerc Verluste erlitten haben. Wie bisher bekannt, ind im Ganzen 60 Mann getödtet und verwundet: aber die Verluste können noch größer sein, da keine Kommunikation zwischen den verschiedenen Stadtvierteln icsteht. Ueber das Schicksal der Christen in der Stadt ist nichts bekannt; man fürchtet aber, daß nur diejenigen gerettet sind, welche im Konak Zuflucht suchten. Der uitische Vizekonsul ist in seinem Hause verbrannt.

Bordeaux. 6. Sept. Durch einen Brand der Kiefern- Waldungen bei Marche Prime, welcher sich über 12,000 Hektar ausdehnte, wurden zahlreiche in den Wäldern befindliche Baulichkeiten zerstört, sowie ein Theil der Stadt Lärche.

Afrika. Es stellt sich immer mehr heraus, daß die

ins Krankenhaus geschafft. Er war noch im Stande, eine Personalbeschreibung des Thäters zu geben. Die Polizeibehörden der umliegenden Orte sind sofort ver­ständigt worden. Bisher ist der Verbrecher noch nicht entdeckt.

Emden. Der Heringsfang ist in diesem Jahre so ergiebig wie nie zuvor. Nachdem die Logger von der ersten Fangreise schon großartige Resultate heimbrachten, werden diese von den Ergebnissen der jetzt beendeten zweiten Tour noch übertroffen. Von dieser brachten die 45 Fahrzeuge Emdens 16,590 Tonnen an, während die zweite Reise im vorigen Jahre 5150 Tonnen Hering lieferte. Trotz der reichen Anfuhr hält sich der Preis noch immer auf 2628 Mk. pro Tonne, da die Nach frage bei der ausgezeichneten Qualität des diesjährigen Fanges ungewöhnlich stark ist.

Vom Rhein. Die Ruhrkrankheit in Marten nimmt trotz den umfassendsten polizeilichen Maßnahmen noch immer zu. Vorgestern ist eine ganze Familie ausge storbcn. Der Gottesdienst mußte in den Kirchen ein­geschränkt werden. Besonders gut wollte ein Landwirth in Runkel der Aufforderung entsprechen, die Behörde, im Falle ein nicht krepirtes Geschoß nach der Artillerieschießübung im Felde gefunden würde, sofort davon zu bcnachrichtigeu, damit die Sprengung desselben seitens des Militärs an Ort und Stelle vorgenommen werden könne. Als er ein solches Geschoß fand, hielt er den kürzesten Weg für den besten, nahm es einfach in seine Arme und schleppte es zur Bürgermeisterei. Bürgermeister und Schreiber fielen dort fast in Ohnmacht.

In Remscheid haben die Kassenärzte der allgemeinen Ortskrankenkasse plötzlich ihre Funktionen bei der ge­nannten Kasse eingestellt, so daß die Kasse ohne Aerzte ist, da auch die übrigen dort praktizirenden Aerzte mit den Kassenärzten zusammengehen. Bisher waren zwölf Aerzte für die Kasse thätig, welche anscheinend zur vollsten Zufriedenheit der Kastenmitglieder und des Kasten­vorstandes ihren Verpflichtungen nachgekommen sind. Welche Bedeutung der ausgebrochene Streit hat und in welche Erregung die betheiligten Kreise versetzt worden sind, mag daraus hervorgehen, daß die genannte Kasse 9000 Mitglieder mit 14,000 Angehörigen, zusammen 23,000 Personen, das ist fast die Hälfte der Einwohner- fchaft Remscheids, umfaßt.

am 2. September geschlagene Schlacht bei Omdurman das Mahdi-Reich für immer vernichtet hat. Die Ver­folgung des Kahlifen, der nach Kordofan geflüchtet ist, hat vorläufig aufgegeben werden müssen. General Kit- chener hat jedoch arabische Kamelreiterpatroullien organisirt, welche später die Verfolgung fortsetzen sollen.

Marokko, 5. Sept. Der Sultan von Marokko be­absichtigt, sein Heer nach europäischem Muster zu reorganisiren, wozu einerseits deutsche Heeresinftrukteure berufen und anderseits junge Marokkaner zur Ausbildung im europäischen Militärdienst entsandt werden Jollen. Gleichzeitig wünscht der Sultan die Schaffung einer Küstenflotte, für deren Dienst er ebenfalls Eingeborne in Europa ausbilden lassen will. Man sagt, daß sich Abdul Aziz zu diesem Plänen besonders auf Zureden des deutschen Gesandten entschlossen habe.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 9. Sept.

* Der Fußgendarm Nebelung ist von Schlüchtern nach Schenklengsfeld, Kreis Hersfeld, versetzt worden.

* Im Laufe der vergangenen Woche fand am hiesigen Seminar die Entlassungsprüfung statt, an welcher 31 Zöglinge theilnahmen. In der schriftlichen Prüfung wurden folgende Themata behandelt: 1. Religion: Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag. 2. Deutsch: Was lernt der Lehrer für seine Thätigkeit von dem Sprüchworte:Durch wiederholte Streiche fällt auch die stärkste Eiche." 3. Geschichte: Geschichte der Regierung Kaiser Wilhelms I. seit 1871. A^aturkunde: Flug der Vögel. 5. Orgelspiel: Aussig eines Chorals. Die mündliche Prüfung erstreckte sich auf alle Unter­richtsfächer des Seminars. Sämmtliche Prüflinge be- stanücn.

. * Dem Vernehmen nach wird die am nächsten Mittwoch hierselbst stattfindende Zuchtviehausstellung recht zahlreich beschickt und ist dieses auch im Interesse der Viehzüchter sehr wünschenswerth. Die erheblichen Opfer, welche nicht allein vom landwirthschaftlichen Kreisverein und der Kreisverwaltung, sondern auch von Gemeinden und einzelnen Männern bereits gebracht worden, um die Viehzucht, als die hauptsächlichste Einnahmequelle unserer Landwirthe, zu heben und zu verbessern, machen derartige Ausstellungen nothwendig, um eine Uebersicht zu ge­winnen, ob wir wirklich vorwärts gekommen oder wie und wo noch nachzuhelfen und zu verbessern ist. Wünschens­werth ist es deshalb, daß aus allen Gemeinden des Kreises Kühe und Rinder, Stuten und Fohlen am Aus­stellungsplatze erscheinen. Wünschenswerth ist es ferner, daß sich recht viele Landwirthe und Viehhalter auf dem Ausstellungsplatze einfinden, um zu sehen und zu hören, welche Anforderungen gestellt werden, und welche An­sichten zu Tage treten, die auf Rindvieh- und Pferde- mcht maßgebend sein können. Die von der Stadt Schlüchtern und den Gerlach'schen Erben, sowie von penn Jean Leipold zur Verfügung gestellten Aus- lellungsplätze, an der Straße nach Breitenbach sind groß und zweckentsprechend, auch ist daselbst durch Auf­stellung einer großen bedeckten Restaurationshalle für geselliges Zusammensein und Equickung an Speise und Trank bestens gesorgt. Also:Auf mit Weib und Ge- sind, mit Pferd und Rind am 14. September nach Schlüchtern."

* Mangel an Kelter-Aepfeln. Die Acpfelwein- Fabrikanten befinden sich eben auf Entdeckungsreisen, namentlich durchforschen.sie den Spessart und Unter­franken nach Aepfel. Die Berichte lauten für die Con- sumenten nicht sehr tröstlich und ist keine Aussicht vor­handen, daß ein Preisabschlag in Aepfelwein eintritt. Das Malter Aepfel (Keltcrobst) wird sich in der nun begonnenen Einkeltcrungs-Sai^on nicht unter 11 Mk. im Durchschnitt stellen.

* Auf unseren Feldern herrscht jetzt von der frühesten Morgenstunde an bis in den späten Abend hinein, zumal der Helle Mondschein in den letzten Tagen einen längeren Aufenthalt auf den Fluren begünstigte, das emsigste Treiben, um alle dringenden Feldarbeiten zu erledigen. Das heiße Wetter im letzten Drittel des August hatte sämmtliche Feldsrüchtc fast gleichzeitig zur Reife gebracht. Hafer, Gerste u. s. w. harren des Ein­bringens, was sich nicht so leicht bewerkstelligen läßt als mancher möchte, denn es mangelt an den nöthigen Arbeits­kräften. Die Dreschmaschinen arbeiten unausgesetzt und sobald ein Landwirth den Erdrusch seiner Frucht vollendet