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.M 72. Mittwoch, den 7. September 1898. 49. Jahrgang.
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Aktienkapital der Welt hat. Es entsteht ein ungeheurer Koloß, welcher dazu bestimmt ist, den Wettbewerb mit europäischen Fabriken aufzunehmen und dem amerikanischen Eisen und Stahl neue Absatzgebiete zu erobern.
London, 5. Sept. Der Spezialcorrespondent des Reuter'schen Büreaus telegraphier aus Omdurman vom 2. ds. Nachmittags: Eine Cavalleric-Patrouille ging heute früh gegen Omdurman vor und sah die feindliche Armee zum Angriff in Schlachtordnung vorrücken in einer 3-4 Meilen breiten Front. Zahlreiche Fahnen und Standarten wehten in den Reihen der Mahdisten, welche mit lauter Stimme fangen. Die euglisch-egyptische Armee stellte sich sofort auf, um den Angriff aufzunehmen. Um 7 Uhr 20 Min. erschien der Feind auf dem Gipfel des Bergkammes, bemerkte unser Lager und rückte in geschlossenen Reihen vor, unsere Flanke überflügelnd. Um 8 Uhr 20 Min. eröffnete unsere Artillerie das Feuer, welches die Schützen der Derwische beantworteten. Dann erfolgte der Angriff auf unsere linke Flanke. Nach ihrer gewöhnlichen Praxis stürzten sich die Derwische vom Bergkamm herab auf uns, aber die Andringenden wurden durch das Feuer sämmtlicher Schußwaffen vollständig zerschmettert. Die Derwische wandten sich nun gegen das Centrum, aus welches sie einen wüthenden Sturm ausführten. Eine große Reiterstreitmacht suchte dem Bleihagel zu trotzen, wurde aber buchstäblich hinweg- gesegt und zog sich zurück, das Feld mit Leichen bedeckt zurücklassen. Um 11 ’/< Uhr befahl Kitschener Pascha den Vormarsch der staffelförmig aufgestellten Bataillone. Sobald die Brigaden den an den Nil angrenzenden Bergkamm erreicht hatten, wurde die egyptische Brigade wieder angegriffen. Der Feind hatte sich hinter dem Kamm wieder geordnet und bildete unter der schwarzen Fahne des Khalifen selbst eine dichtgedrängte Colonne, um eine letzte Anstrengung zu machen, um das Geschick des Tages zu wenden. Eine Streitmacht von 15000 Mann stürzte sichaufdieSudanesen, welche unter dem Schutze der Maximgeschütze tapfer aushiclteu. Englische Infanterie eilte zur Unterstützung herbei. Die Armee des Kalifen wurde in einer Vertiefung überrascht, sah sich dem Feuer- dreier Brigaden und deren Artillerie ausgesetzt und wandte sich in voller Flucht nach Omdurman. Der ausdauernde Muth der Derwische ist jedes Lobes würdig. Sie trotzten dem feindlichen Feuer ohne die geringste Furcht. Nach der Erbeutung der Fahne des Khalifen begannen die Engländer um 12 ^ Uhr wieder den Vormarsch und besetzten am Nachmittag Omdurman. Nur zwei englische Offiziere sind gefallen, mehrere verwundet. Die Verluste der Derwische betragen fünfzehn Tausend Mann. Der Rest der Streitkräfte des Khalifen hat sich ergeben. Kitchener Pascha hat eine große Anzahl Gefangener. Cavallerie ist noch auf der Verfolgung des Khalifen begriffen, welcher sich mit nur 140 Mann anscheinend nach Kordofan einschiffte. Kitchener Pascha hat am Samstax Chartnm ausgesucht und die Stadt als vollständige Ruine vorgefunden. Die östereichische Schwester Therese Gripolin und alle europäischen Gefangenen sind befreit und befinden sich wohl. Unter den Einwohnern Om- durmans herrscht große Freude.
In Spanien scheint man ernstlich den Ausbruch einer carlistischen Erhebung zu fürchten. Die Einbe- ru:ung sämmtlicher Rekruten des nächsten Aufgebots beweist, daß maßgebende Kreise die carlistischen Umtriebe fürchten. Der spanische Gesandte beim Vatikan ersuchte gestern wiederholt den Kardinalstaatssekretär Rampolla um dringende Befehle an den Klerus der baskischen Provinzen, der karlistischen Bewegung fern zu bleiben. Rampolla versprach, sein Möglichstes zu thun.
New-Iork. Die Erregung in den Vereinigten Staaten darüber, daß die amerikanischen Soldaten auf Cuba infolge des Fiebers und mancherlei Vernachlässig ung schwer gelitten hätten, soll in Washington einen derartigen Hochgrad erreicht haben, daß sogar ber Präsident Mac Kinley von der Menge hart bedrängt und beschimpft wurde. Eine Frau soll sich sogar mit einem Messer auf ihn gestürzt haben. Nur dem schleunigen Eingreifen der Polizei habe der Präsident es zu verdanken gehabt, daß er mit heiler Haut entkommen sei. Amtlich ist über einen derartigen Zwischenfall bisher nichts bekannt geworden. Daß das Elend unter den im Felde stehenden amerikanische» Truppen kein geringeres ist, als unter den spanischen, steht fest. Unter dem letzten Soldatentransport sind von 1730 von den Antillen zurückkehrenden Mannschaften während ber
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Deutsches Reich.
Berlin. Am Freitag fuhr das Kaiserpaar nach Hannover, wo es von der Bevölkerung mit großer Begeisterung begrüßt wurde. Auf der Fahrt vom Bahnhöfe nach dem Schlosse erfolgte an der Ehrenpforte vor dem Rathause die Begrüßung des Kaiserpaares durch die städtische Vertretung. In seinem Trinksprnch beim Festmahl im Rittersaal des Schlosses gab der Kaiser der Hoffnung Ausdruck, daß das Projekt des Rhein-Weser- Elbe-Kanals, das in diesem Winter den preußischen Land tag beschäftigen wird, angenommen werde. Der Kaiser nahm die Parade des X. Armeekorps ab.
— Die preußischen Landtagswahlen werden nach einer Meldung der „National-Zeitung" „keinesfalls vor Anfang November" stattfinden. Eine sonstige Bestimmung über den Zeitpunkt derselben soll noch nicht getroffen sein.
— Von der „Deutsch. Tagesztg." werden theure Zeiten angekündigt. Nach einer Zusammenstellung des ungarischen Ackerbauministers ergibt sich ein bedeutender Fehlbetrag der Welternte. Sie beziffert den Gesammt- ertrag des Roggens pro 1898 auf 337 800 000 Meter- centner (das ist ein faktisches Manko von 15430 000 Metercentner); der Gerste auf 215 200 000 (Manko 1900000), des Hafers auf 404 360000 (Manko 4 000 000) und des Mais auf 666 520 000 Metercentner (Manko 10 300 000 Metercentner). Die Zahlen beruhen ja nur zum Theil auf thatsächlichen statistischen Angaben, zum größern Theil auf Schätzungen. Solche Schätzungen sind aber schon so oft gemacht, nachgeprüft und berichtigt worden, daß sie Anspruch darauf haben, als wohlbegründet angesehen zu werden. Mag nun das thatsächliche Endergebnis auch von der Schätzung etwas abweichen, soviel steht fest, daß der Gesammtbetrag der Welternte den Gesammtbedarf der Weltbevölkerung auf ein Jahr nicht zu decken vermag. Da nun auch die Ueberstände aus den letzten Erntejahren so gering sind, wie kaum zuvor, so muß, wenn die natürlichen Faktoren der Preisbildung in Kraft treten oder in Kraft bleiben, nothwendigerweise eine Aufwärtsbewcgnug der Getreidepreise eintreten.
Würzburg, 2. Sept. Die bayrische Gendarmerie wird vom 1. Oktober d. I. an ihre neue Uniform tragen. Der grüne Waffenrock wird durch einen solchen von dunkelblauer Farbe (wie in Preußen) mit weißen Knöpfen ersetzt. Der Helm wird anstatt der jetzigen gelben Beschläge solche von weißer Farbe erhalten. Die Arbeiten zur Neuuniformirung sind im vollsten Gang.
Würzburg, 31. August. In Unterfranken zeigen die Lehrerbildungsanstalten einen Rückgang der Frequenz Die Präparandenschüler sind von 204 auf 180 znrück- gegangen, die Seminare Würzburg und Altdorf von 117 auf 91 Zöglinge.
Wie aus Nürnberg gemeldet wird, schoß ein Sonntagsjäger bei Niederndorf die 30jährige Zimmermannsfrau Stieglitz aus Unvorsichtigkeit in den Unterleib. Die Jägergescllschaft, vermuthlich aus Fürth stammend, entfloh. Die Verletzte, Mutter von vier Kindern, starb ehe Hilfe kam.
In einer bei Zena belegenen Ortschaft ist ein eigenartiger Strike ausgebrochen; der dortige Adjuvantenchor weigert sich, in der Kirche zu spielen. Der Chor soll jüngst vor dem Pfarrhaus gespielt haben; darauf ist ihm ein Geldbetrag mit dem Bedeuten, aufzuhören, Heraus- geschickt worden. Die gekränkten „Künstler" meinten nach diesem nicht erlebten Vorkommniß: „Wenn merr nich blose fülle, wulle merr a sei Geld nich! Do! namms wieder miet! Und wenn merr aam nich got genung blosen, do brauch',: merr a in dr Kerche nich ze blosen!" Bei-
S nickten die andern. »Su werd's gemacht!" Und
« streikt der Bläserchor.
o Ausland.
London, 3. Sept. Das amerikanische Bankhaus Morgan hat verschiedene große Eisen- und Stahlwerke zu einer einzigen Gesellschaft vereinigt. Das neue Unternehmen soll das kolossale Kapital von 200 Millionen Dollars oder rund 800 Millionen Mark haben. Durch die Fusion wird eine Gesellschaft gebildet, welche, wenn man von großen Eisenbahnen absieht, das bedeutendste
Ueberfahrt 17 Todesfälle zu verzeichnen gewesen. Die Zeitungen veröffentlichen hierzu Einzelheiten, welche die Erbitterung gegen Alger und dessen Verwaltung aufs Höchste steigern. So haben 14 Offiziere eines Frei- willigenregimcnts eine Erklärung veröffentlicht, in welcher sie behaupten, daß ihre ursprünglich 700 Mann starke Abtheilung, welche acht Tage lang in dem Ort Ocujal in der Guantanamo-Bucht lagern mußte, während dieser Zeit nicht die geringsten Lebensmittel erhielt, obgleich zahlreiche Transportschiffe zur Verfügung standen. Die Mannschaften die noch Geld besaßen, zahlten für das Kilogramm Brod ein bis anderthalb Dollar; die Mehrzahl der Leute dagegen war dem Hunger preisgegeben, sodaß thatsächlich 53 Mann an Entkräftung starken und 107 Mann schwer erkrankten. Erst nach acht Tagen wurde die Truppe aus dieser Lage befreit, woraufhin alle noch einigermaßen marschfähigen Mannschaften nach Santiago befördert wurden und sofort an der dortigen Schlacht theilnehmen mußten.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 6. Sept.
* — Daß Jemand um diese Jahreszeit in die Gefahr kommt, zu erfrieren, scheint nicht leicht glaublich. Doch ist in diese Lage gestern ein hiesiger Metzger- meister nebst seinem Lehrling gerathen. Der Eiskeller der Thaler'schen Brauerei unter dem Gasthaus zum Deutschen Kaiser (Bierhalle) wird von den hiesigen Metzgern im Sommer zum Aufbewahren von Fleisch rc. benutzt. Unser Metzger hatte nun mit seinem Burschen den Keller betreten, als ein Braubursche, ohne Ahnung, daß Jemand im Keller sei, im Vorbeigehen die Thüre abschloß und dadurch den Metzger rc. einsperrte. Alles Rufen ward nicht gehört. Sie saßen nun von 11 Uhr bis über 2 Uhr Mittags faktisch auf Eis. Das Licht ging ihnen Wd aus und im Finstern fanden sie sich nicht zurecht. Erst um * 23 kam Jemand, um im Keller zu arbeiten und dadurch die Eingesperrten erlöste. Die fast Erstarrten begaben sich schleunigst zu Bett und steht zu hoffen, daß das unangenehme Abenteuer ohne Folgen für die Gesundheit bleiben wird. — Wie aber, wenn es am Abend passirt und die Gefangenen die ganze lange Nacht in einer Temperatur von mehreren Grad unter Null hätten im Keller sitzen müssen? Sie wären schwerlich lebendig davon gekommen.
* — Nach einer vom Proviantamt Hanau an das hiesige Bürgermeisteramt gelangten Mittheilung sucht dasselbe gesunden, trockenen und gut gereinigten Hafer frei Magazinhof Hanau von Landwirthen direkt anzu- kaufen. Den Produzenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch der Verkäu'er Magazinsäcke, jedoch unfrankirt, zur Verfügung gestellt. Bei Lieferung mit der Bahn (Hanau Nordbahnhof) besorgt das Proviantamt die Ab- lllhr auf Kosten der Verkäufer zum Preis von 6 Pfg. pro Centner.
* - Die Zeit, in der unsere Jugend ihre Drachen steigen lassen kann, ist bald wieder da. Durch abgerissene Drachenschwänzc werden erfahrungsgemäß die Telegraphen« und Telephonleitungen Vieiras gefährdet und zerstört. Die fahrlässige Gefährdung dieser Anlagen wird nach dem Reichsstra^ge'etzbuch geahndet, weshalb den Kindern eingeschürft werden sollte, beim Steigenlaffen der Drachen den Telegraphen- und Telephonleitungen möglichst fern zu bleiben.
— Schwarze Listen bei den Amtsgerichten. Eine Neuerung sieht die am 1. Januar 1900 in Kraft tretende Novelle zur Civilprozeß- bezw. Konkursordnung vor. Hiernach haben nämlich die Amtsgerichte künftig eine Art schwarze Liste, deren Einsichtnahme jedermann gestattet ist, über gewisse kreditunwürdige Personen zu ührcn. Einzutragen in diese Liste sind einerseits alle diejenigen Personen, welche infolge vergeblicher Pfändung den Offenbarungseid entweder geleistet oder dessen Leistung grundlos verweigert haben, andererseits alle die, bezüglich deren seitens des Amtsgerichts ein Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens mangels einer den Kosten des Verfahrens entsprechenden Konkursmasse abgewiesen worden ist. Die Namen der Eingetragenen dürften erst dann, wenn sie fünf Jahre lang in dieser wirksamen Weise öffentlich an deu Pranger gestellt waren, wieder aus der Liste entfernt, d. h. unkenntlich gemacht werden.
* — Nach § 119a der Gewerbe-Ordnung darf bekanntlich der Lohn minderjähriger Arbeiter an deren