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Mittwoch, btn 31. «iifliist 1X98.
49. Jahrna»«.
Noll^llniin«»,» ""l biv .Schlüchteruer Zeitung" l werben noch fortwährend »on allen
' Postanstalten n»d Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Trutfdjc» Reich.
Berlin, 27. Anglist. Die kaiserliche Familie hat gestern Abend Wilhelmshöhe wieder verlassen. Beide Majestäten trafen lO8/« Uhr auf dem Bahnhof Wilhelms - ^ Höhe ein, von einer großen dort angesammelten Menschenmenge begeistert empfangen. Nach kurzem Verweilen in -■ der Perronhalle und herzlicher Verabschiedung von Sr. Majestät dem Kaiser bestieg Ihre Majestät die Kaiserin den bereitstehenden ersten kaiserlichen Sonderzug, der sich pünktlich 9 Uhr 60 Min. in Bewegung setzte, um nach M Potsdam zu fahren. Sieben Minuten später erfolgte die Abfahrt Sr. Maj. des Kaisers in einem zweiten Hof- | zug nach Munster bei Uelzen.
— Mit dem Premier-lieutenant und Sekondelieutenant soll es, wie berichtet wird, demnächst aus sein. Der Kaiser soll angeordnet haben, daß diese Bezeichnungen beseitigt und dafür die deutschen Bezeichnungen „Ober- lieutenant" und „Unterlieutenant" eingeführt werden. Sollte die Meldung sich bewahrheiten, so ist anzunehmen, daß die Anordnung des Kaisers vorwiegend sympathisch ausgenommen werden wird. In Oesterreich hat man, wie bekannt, die deutschen Bezeichnungen von jeher gehabt.
— Für Kinder sollten nach der Münchener „Allg. Ztg." von den deutschen Eisenbahnverwaltungen die Fahrpreise ermäßigt werden derart, daß Kinder bis zum sechsten (bisher vierten Lebensjahr, in Begl itung Erwachsener frei sein, während solche bis zum 14 (bisher . 10.) Lebensjahr nur halbe Fahrpreise zu zahlen haben werden.
— Die königl. Bibliothek in Berlin beabsichtigt, eine Sammlung aller aus Anlaß des Todes BismarckH in Zeitungen und Zeitschriften erschienenen Aufsätze, Berichte W über Gedächtnißfeiern und dergl. zu veranstalten.
Königsberg (Preußen), 26. August. Gestern Nach- M mittag 2 Uhr 30 Min kenterte bei Cranz, unweit des Strandes, eine mit einem Offizier und 12 Mann besetzte Jolle. Zwei Rettungsboote waren zur Stelle und retteten den Offizier und 9 Mann. Die übrigen drei werden vermißt. Die Jolle ist noch nicht geborgen.
Pillkallen, 17, August. Da für die Vertilgung der Wölfe in Rußland wenig gethan wird, so haben sich die Thiere namentlich in der Georgenburger Forst in be- sorgnißerregender Weise vermehrt, so daß die Thiere ein wahrer Schrecken der angrenzenden Bewohner geworden sind. Im Laufe dieses Sommers sind den weidenden Heerden durch die Wölfe große Verluste zugefügt worden. Auch Menschenleben sind durch die Bestien wiederholt bedroht gewesen. Die Bewohner der an der Georger Forst gelegenen Dörfer haben sich deshalb, wie dem „Ges." berichtet wird, mit einer Petition um Vertilgung der Räuber an den Gouverneur gewandt.
Breslan. In der Steinkohlengrube „Kasimir" bei Niemce in Russisch-Polen, welche in Folge Unachtsamkeit des Betriebspersonals unter Wasser gesetzt wurde, haben, laut Mittheilung des „Oberschl. Tageblattes", ^ 300 Bergleute ihr Leben verloren. Das Wasser brach |, so schnell herein, daß die Leute nicht mehr im Stande 8. waren, sich aus der Grube zu retten.
Ausland.
Rußland. Ueber die Kolonisirung Ostasiens durch die Russen wird geschrieben: Es ist wirklich wunderbar, Rußlands Geschick zum Kolonisiren zu beobachten. Der Russe ist an alle Arten Strapazen und Entbehrungen gewöhnt. Er ist mit dem Allerwenigsten zufrieden und äußerst lenksam. Er ist bereit, jedem Führer zu folgen, wohin er auch immer geführt werden mag. Auf diese Weise bietet das russische Volk prächtiges Material für die, Kolonisirungspläne in China dar. Außer daß die Kleinrussen (das ist der Volksstamm, aus welchem die Don« und Sapasojtsi Kosaken hauptsächlich genommen werden) vortreffliche Ackerbauer sind, machen sie auch gute Soldaten. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die russische Regierung Denjenigen, welche nach Talienwan, und denjenigen, welche in das Innere der Mandschurei auswandern wollen, große Vortheile verspricht. Die ruistsche Regierung hat jedem Auswanderer nach China die nöthige Ausrüstung, das heißt Kühe, Pferde und Ackerbaugeräthe und außerdem ein Darlehen von baarem Gelde, welches in leichten Abzahlungen zurückerstattet
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchteru, 30. August.
* — Der Oberförster Busse ist zum 1. Sepcmbc von Niederkalbach nach Diepholz versetzt und der Forst Assessor Ebert zu Königsberg ist zur« Oberförster z Niederkalbach ernannt worden.
* — In den letzten überheißen Wochen sind, wie alljährlich um diese Zeit die Berichte über Brände aller Art leider eine stehende Rubrik aller Zeitungen. Häufi führen allerlei unglückliche Zufälle das Unglück herbe und man kann Niemand die Schuld zuschreiben. Noc öfter aber spielt Fahrlässigkeit und Leichtsinn eine groß Rolle. Eine Hauptart der Unvorsichtigkeit ist die, daß Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt in einem Raum lassen, wo sich auch Feuerzeug befindet. Nicht weniger als drei hierauf zurückführende Brände werden an einem Tag allein aus Franken und Thüringen gemeldet. In Hörstein bei Aschaffenburg hatte ein Bauer seine vier Kinder, deren ältestes zehn Jahre alt ist, in der Wohnung eingeschlossen und war seiner Arbeit nachgegangen. Die Kinder wollten sich auf einem Spirituskocher Milch wärmen, stießen den Kocher um, bald war die ganze Stube voll Rauch. Vorübergehende Herren stießen das Fenster ein, löschten das Feuer und retteten die Kinder In Trogau bei Hof spielten in der Scheune des Oekonomen Wagner Knaben mit Zündhölzern. Ein Feuer entstand — zwei Scheunen und das ganze Anwesen des Oekonomen verbrannten, trotz der Anstrengungen aller Feuerwehren der Umgegend. — Das schlimmste Schadenfeuer aber, das auf mit dem Feuer spielende Kinder zurückgeführt wird, tobte im weimarischen Dorfe Schafhausen. Dort fielen den Flammen, mit Ausnahme des Schulhauses, der zwei Wirthshäuser und einiger Nebengebäude, sämmtliche Gebäulichkeiten zum Opfer, selbst die Kirche ist derartig mitgenommen, daß sie stündlich einzustürzen droht. All das sollte den Eltern eine Mahnung sein, wenn sie schon ihre Kinder unbeaufsichtigt lassen, ihnen wenigstens die Möglichkeit der Stiftung von Schaden zu nehmen; sie sind dies nicht nur sich selbst, sondern der ganzen Gemeinde schuldig.
* — Am Sonntag, den 4. September findet in den Kirchen unseres Bezirks die Sammlung für das Landes- diakonissenhauS zu Cassel statt. In der General- superintendur Hanau sind bis jetzt an 11 Orten
werden soll, versprochen. Im ersten Jahre wirb die russische Regierung die russische» Bauern mit der nöthige« Aussaat versehen. Jeder solche Auswanderer erhält kostenfreie Fahrt nach China. Tausende von MuschikS, welche ihre dreijährige militärische Dienstzeit vollendet haben, sind bereit, nach China zu gehen. Sie liefern natürlich ein prächtiges Menschenmaterial, falls es zum Kriege im fernen Osten kommen sollte. Die Schiffe der sogenannten Freiwilligen Flotte und die der russi chen „Dump schifffahrts- und Handels-Gesellscha t" tchasfeu sie nach dem fernen Orient. Zu unseren Lebzeiten hat Rußland den Kaukasus und das Bokhara ringe svgc». Jetzt beginnt die Absorption von Nord- und Siidost-China!
Spanien. Der kubanische Krieg hat Spanien bis jetzt 2000 Millionen Mk. gekostet. Von de« nach Cuba gesandte» 200 000 Mann sind nur 2 Generale, 7 00 Offiziere und 1400 Mann gefallen, während ein General, 85 Offiziere und 760 Mann ihren Wunden später erlagen und 466 Offiziere und 3200 Mann wieder geheilt wurden. Um so entsetzlicher haben aber die Krankheiten gewüthet. Am gelben Fieber sind nach den amtlichen Angaben 350 Offiziere und 43 500 Man« gestorben, an anderen .Krankheiten" (wahrscheinlich die Folgen schlechter Er- nährung) 130 O fiziere und 40 000 Mann Diese Statistik dürfte mangelhaft sein, indem mindestens 100 000 Mann dahiligerafft worden sind.
Algier, 27. August. Bei einer Cavallerie-Attacke stieße« zwei Schwadronen mit voller Kra t gegeneinander. Dabei wurden 30 Reiter schwer verletzt, davon eine Anzahl tödtlich
— Die deutsche Kriegsflotte wird den Amerikanern zu groß, obgleich sie dieselbe gar nichts angeht. New-Aorker Blätter erklären nämlich, die nordamerikanische Union könne eS unter keinen Umständen zulassen, daß sie hinter der Streitmacht Deutschlands zurückbleibe. Der Schiffsbau in Washington verfolge genau die Fortschritte, welche Deutschland macht und empfiehlt den Bau von drei weiteren Schlachtschiffen und verschiedenen Kreuzern.
46 Schwester» des Kasseler DiakonissenhauseS angcstellt, nämlich in Hanau: im Diakonissenheim 10, im Land krankenhau- 13, in der Kleinkinderschule deS VereinShauseS I; in Kesielsiadt: 1 in der Gemeinde- pflege, I in der Kleinkinderschule; in Langenselbold r 2 in der Gemeindepflege; in Meerholz: 1 in dem gräflichen Hospital; in Gelnhausen: 1 in der Gemeindepflege, 2 im städtische« Krankenhaus; in WächtrrSbach: 1 tu dem AttgustenhoSpital, 1 in der Kleinkinderschule; in Orb: 6 in der Kinderheilanstalt; in Steinau: 2 Im Kreis- trankenhau«; in Schlüchteru: 1 in der Gemeindepflege, 1 in der Kleinkinderschule; in Ramholz und in Fulda je eine Schwester in der Gemeindepflege. In der nächsten Zeit wird auch da» KreiSkrankenhauS zu Schlüchtern mit 2 Schwestern besetzt werden. Leider hat die Zahl der Schwestern des Kasseler Diakonissen- hauseS noch lange nicht die Höhe erreicht, welche im Interesse der Arbeit der christlichen Liebe so dringend erwünscht wäre. Infolge dessen muß noch manche- Hilfsgesuch abschlägig beschieden werden. Im Diakonissen- beruf fände noch eine große Anzahl junger Mädchen ein reich lohnendes Arbeitsfeld.
* — Invalidität« und Altersversicherung. Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1898 sind von versicherten Personen des Kreises Schlüchtern durch Vermittelung des Königlichen LandrathsamteS in Schlüchtern im Ganzen 168 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende Juni 1898 zur Erledigung: 102 durch Festsetzung deS RentenanspruchS, 66 durch Ablehnung, 1 durch den während deS Verfahrens eingetretenen Tod der Antragsteller rc. Die bewilligten Altersrenten betrugen: für 74 männliche und 28 weibliche Personen zusammen jährlich ----- 12,278 Mark 30 Pfg. Von den I02 Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: 59 in der Land- und Forstwirthschaft, 8 in der Industrie — im Handel und Verkehr, 14 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 13 im Staats- rc. Dienste, 8 im Gesindedienste. Ende Juni 1898 blieben, nach Abgang durch Tod rc., noch 65 Altersrenten mit zusammen 8,004 Mark 60 Pfg. zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, von welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Juni 1898 durch Vermittelung des Königlichen LandrathsamteS in Schlüchtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 158. Davon kamen bis Ende Juni 1898 zur Erledigung: 98 durch Festsetzung des RentenanspruchS, 42 durch Ablehnung, 18 auf sonstige Art. Die festgesetzten Invalidenrenten betrugen für 76 männliche und 22 weibliche Personen im Ganzen jährlich 12,181 Mark 80 Pf. Von diesen Personen waren beschäftigt: 44 in der Land- unb Forstwirthschaft, 24 in der Industrie, 2 im Handel nnd Verkehr, 10 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 5 im Staats- rc. Dienste, 13 im Gcsindcdienste. Nachdem 34 Invalidenrenten durch Tod der Empfänger und 1 durch Wiedergewinnung der Erwerbssähigkeit rc. in Abzug gekommen waren, blieben Ende Juni 1898 noch 63 Invalidenrenten im Gesammtbetrage von jährlich 7,849 Mark 80 Pfg. zu zahlen.
— Einem Handel mit bereits „geklebten" Altersund Jnvaliditätsversicherungsmarken ist man jüngst auf die Spur gekommen. Meist ist es Brauch, diese Marken dadurch zu entwerthen, daß man sie mit einigen Tinten- strichen oder einem mit Tinte eingeschriebenem Datum versieht. Vielfach wird es aber auch unterlassen, sie überhaupt zu entwerthen. Das haben sich Händler zu Nutze gemacht und kaufen, namentlich dort, wo Stellungslose verkehren, einzelne Marken oder auch ganze Versicherungskarten auf. Die Karten lassen sich bequem viederbeschaffen, indem man vorgibt, daß man sie verloren hat; in der Regel zahlt der Händler für eine 24 Pfennigmarke 5 Pfg., für andere entsprechend mehr oder weniger. Die Marken werden dann mit Leichtigkeit von dem glatten Karton der Karte gelöst und die mit Tinte entwertheten in einer Chorlösung oder einem sogenannten Radierwasser gewaschen. Dadurch wird die Tinte vollständig entfernt, ohne daß die Marken be- chädigt werden. Sie werden dann getrocknet, wieder jummirt und als neue Marken verkauft. Es empfiehlt ich daher, die Versicherungsmarken nicht durch Tinte, andern durch einen Stempel oder wenigstens Stempel- arbe zu entwerthen.
— Ueber die Versorgung der Hinterbliebenen der