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WchtemerMtung

Erscheint Mittwoch "und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

69. Samstag, den 27. August 1898. 49. Jahrgang.

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Rokko!!lttteron ^uf die .Schlüchterner Zeitung" S7l|UUUHljin werden noch fortwährend von allen

-- ' Postanstalten und Landbriefträgern owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat der deutschen Nordpol­expedition seinen Glückwunsch zu den schönen Erfolgen, welche deutsche Entschlossenheit und Umsicht soeben er­rungen haben, nach Tromsö gesandt. Die Ankündigung einer neuen Militärvorlage mit erheblichen Forderungen wird von derKöln. Ztg." dahin ergänzt, daß es sich um eine Vermehrung von 16000 Mann handele, die angesichts der gewaltigen Bevölkerungszunahme sehr be rechtigt erscheine. Die gegenwärtige Präsenz reicht be­kanntlich bis zum 1. April 1899.

Köln. Aufsehen erregt in Köln a. RH. die in den Zeitungen veröffentlichte Erklärung aus den durch das neuliche Unwetter schwer heimgesuchten Gegenden, wonach trotz aller Bitten der Orts- und Kreisbehörden keinerlei militärische Hil'e bewilligt wurde, trotzdem Pionier- abtheilungen sich drei Tage in unmittelbarer Nähe jener Distrikte aufhielten. Die Regierung soll die dringenden Gesuche mit der Begründung abgelehnt haben, daß die . neueren Bestimmungen über militärische Hillskommandos noch nicht in Kraft getreten seien. Dagegen wurden einem Bürger in München-Gladbach, der zum 65. In- fcnteriercgiment persönliche Beziehungen hat, angeblich 30 Mann zur Rettung seines Parks zur Verfügung gestellt. Durch rechtzeitiges militärisches Eingreifen hätten die Folgen jener Katastrophe bedeutend herabge­mindert werden können. Die Erregung in den betr. Distrikten wächst, und man erwartet von der Regierung eine Erklärung.

Ein Grubenunglück ereignete sich am Sonnabend Nachmittag bei Essen a. d. Ruhr: Au? der Zeche Viktoria Mathias" stürzte während der Kohlenförder­ung ein Theil des Schachtes ein. Ein Steiger und sechs Hauer wurden verschüttet und dürften erstickt sein. Der Betrieb ist vollständig gestört.

Alton«.Echter Portwein" als Haarfärbemittel! In Altona stand der Weinhändler B. vor dem Schöffen­gericht unter der Anklage, künstlich hergestelltenPortwein" in den Verkehr gebracht zn haben. Der Anklage lag folgender urkomische Vorfall zu Grunde: Ein Gastwirth zu Heide (Dithmarschen), hatte von B.echten Portwein" gekauft. Als sich nun ein alter Stammgast mit schnee­weißem Haar und Bart ein Probegläschen einschenken ließ und von dem Inhalte getrunken hatte, erscholl plötzlich lautes Gelächter seitens der anderen Zechgenossen, denn der weiße Bart des Gastes war nach dem Genuß des Weines auffällig roth gefärbt. Alles Waschen war ver­gebens, der Schnurrbart behielt nach wie vor seine röth- liche, etwas ins Grünliche schillernde Farbe. Der Wein- lieferant. wurde wegen Vergehens gegen das Nahrungs­mittelgesetz unter Anklage gestellt. Der Wein war aus einem Bottich, in dem sich ein Aufguß von heißem Wasser auf Rosinen und etwas echtem Portwein befand, gekeltert worden. Die feine Farbe war durch Anilin hergestellt. Das Gericht vernrtheilte den Panscher zu 100 Mk. Geldstrafe; auch erkannte es auf Publikation des Urtheils.

Holzminden, 23. August. Heute Nachmittag ging hier ein furchtbares Gewitter mit Hagelschlag und Wirbelsturm nieder. Unzählige Bäume sind geknickt, viele Häuser abgedeckt und Mauern umgeworfen; auch wurde die Badeannalt fortgetrieben. Große Hagelstücke lagen umher. Der Stadtkirchthurm wurde in der Glockenstuhlhöhe abgeweht. Der durch das Unwetter hier und Umgegend angerichtete Schaden ist enorm.

Zwicka». Im Hochsommer erstarrt ist der Dienst­knecht Pfeiffer, der in der Nacht zum Mittwoch in der Trunkenheit unweit Ottengrün i. Vgtl. in einem kleinen, sehr kaltes Wasser führenden Gebirgsbach taumelte und darin mit dem Unterkörper liegen blieb. Am andern Morgen wurde er todt aufgefunden, nicht ertrunken, sondern erstarrt,

In Herxheim bei Landau in der Pfalz schlug am Sonnabend Abend der Blitz in ein Haus, in welchem gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Die 23jährige junge Frau und ein 21jähriger Hochzeitsgast wurden getödtet. Der junge Ehemann wurde schwer verletzt, während die übrigen Hochzeitsgäste mit dem Schrecken davonkamen.

Ausland.

Holland. Die Verlobung der Königin Wilhelmine der Niederlande mit dem Prinzen Bernhard von Sachsen- Weimar soll im nächsten Monat bei den Majorenitäts- Feierlichkeiten öffentlich angekündigt werden.

Kopenhagen, 23 August. Die ganze Nacht hin­durch wurde Jütland von schweren Gewittern heimgesucht. Ein mit Eisstücken vermischter wolkenbruchartiger Regen ging nieder. An vielen Stellen schlugen Blitze ein. Mehr als 30 Bauernhöfe sind niedergebrannt. 3 Personen sind getödtet; viel Vieh ist umgekommen.

Rom. Die Frage der Nachfolgerschaft Papst Leos XIII. wird, wie man derDresdener Zeitung" aus Rom schreibt, feit dem vorletzten Freitag im Kardinal­kollegium als dringend behandelt. Von deutscher Seite werde diesmal mit aller Energie auf die Wahl eines deutschen Papstes hingewirkt und zwar werde mit aller Bestimmtheit der Kardinal Kopp als derjenige deutsche Kirchenfürst bezeichnet, der beruhn sei, der Nach­folger Leos XIII. zu werden. Der Fürstbischof von Breslau gelte auch in vatikanischen Kreisen für den diplomatischen Bismarck der streitenden Kirche. Auch der maßgebende deutsch-österreichische Klerus, dem der ge­nannte Kirchenfürst gleichzeitig angehört, soll mit ziem­licher Einstimmigkeet für die Wahl Kopps zu haben sein. Bereits die letzte Anwesenheit des Dr. Kopp in Rom werde mit diesen Plänen in Verbindung gebracht. Au° französischer Seite sei man um so eifriger bestrebt, einen Franzosen aus den Stuhl Petri zu heben, als man in der Wahl eines französischen Kardinals die beste Ge­währ gegen eine Ausbreitung des deutschen Einflusses im Orient seltsamerweise erblickt. Auch allbekannte inner­politische Gründe, die mit der Tradition des allerchrist- lichsten Königs im Zusammenhänge stehen, dürften für die Haltung des französischen Klerus bei der nächsten Papstwahl ausschlaggebend sein. In den Kreisen der italienischen Kardinäle sei man gegen einen auch der deutschen Regierung genehmen Papstkandidaten schon deshalb eingenommen, weil man davon eine Stärkung des Dreibundes erwartet, die man dem modernen König­reich Italien, demRänder des Kirchenstaates", nicht gönnt. Aber alle diese Bedenken und Widerstände, so unüberwindlich sie auch auf den ersten Blick scheinen mögen, seien doch aus einem Punkte zu kurieren. Dieser eine Punkt sei das Jesuitengesetz. Wenn die deutsche Reichsregierung ihre Zustimmung zur Aufhebung des Jesuitengesetzes geben würde, sei man bereit, den deutschen Kardinal Kopp zum Papste zu wählen. Die deutsche Regierung habe nun freilich in dieser Frage an erster Stelle Rücksicht zu nehmen auf die Stimmung der protestantischen Bevölkerung. Nur wenn Umstände vor­handen sind, die dieser die Aufhebung des Jesuiten- gesetzes in milderem Lichte erscheinen lassen würden, könne sie solche Verhandlungen führen. Von einem deutschen Papst sei wohl zu erwarten, daß er sich geeignet erweist, auf den Nationalitätenstreit in den deutschen Ostprovinzen und besonders auch in Oesterreich in der Weise zu wirken, daß der slavische Klerus seine aufreizende Thätig keit gegen das Deutschthum einstellt und das National­bewußtsein im deutschen Klerus gestärkt wird.

Rußland. Meilenweite Tundrabräude werden aus Sibirien gemeldet. In Südsibirien brannten auf Hunderten von Quadratwerst die Wälder nieder. Eine Reihe Ort­schaften wurde ein Raub der Flammen. Infolge der Dürre und Hitze sind Waldbrände in ganz Sibirien an der Tagesordnung. Die Flüsse sind ausgetrocknet, und das Vieh fällt allenthalben dem Hunger und Durst zum Opfer. Alle Nahrungsmittel steigen rapid im Preise. Auch größere Städte leiden unter den Waldbränden. Acht Tage lang waren die Straßen von Krasnojarsk von Rauch erfüllt, der von Waldbränden herrührte, sodaß man kaum athmen konnte. Dazu werden aus vielen Gebieten aus dem Jrlischbezirke verheerende Heu­schreckenplagen gemeldet.

Amerika. Das Geschwader des Admirals Sampson ist nach NewAork zurückgekchrt. Alle amerikanischen

Aus Rheinhessen, 19. August. Eine schwere Schädigung des Weinstocks ist durch Sonnenbrand her­vorgerufen worden. Unter Einwirkung der zu plötzlich eingetretenen großen Hitze schrumpfen die Traubenbeeren zusammen und fallen massenhaft ab. Der dadurch hervorgerufene Verlust scheint sehr bedeutend zu werden.

Truppen, welche zuerst einberufen wurden, etwa 100,000 an der Zahl, werden in kurzer Zeit entlassen werden.

Newyork, 22. August. Die Meldung, daß die amerikanische Regierung ein imposantes Geschwader nach Europa senden werde, bestätigt sich. Dasselbe wird englische und französische Häfen anlaufen und den Winter im Mittelmeer verweilen.

Kuba. Zum spanisch-amerikanischen Krieg. Nach­dem der kubanische Krieg nun zu Ende ist, mag über das Elend seiner letzten Tage noch eine Schilderung folgen, enthalten im Fränkischen Kurier:Seit dem Todeszuge des französischen Heeres von der fieber- schwangeren Küste Madagaskars nach Antananarivo habe ich niemals eine solche Summe menschlichen Elends und Jammers gesehen als hier seit den Tagen der Ucbergabe Santiagos. Noch einige Wochen dieses Sonnenbrandes auf dem Schlammboden, in den endlose Regenmassen das Land weitumher längst verwandelt, und es giebt kein spanisches, kein amerikanisches Heer mehr. Wenn der Begriff Heer kampffähige Mannschaften bedeutet, so kann schon heute von solchen nicht mehr die Rede sein. Weder Spanier noch Amerikaner könnten jetzt auch nur 500 Mann ins Feld stellen. Mangel an regelmäßiger, genügender Nahrung, Strapazen aller Art, wie sie kein europäischer Feldzug kennt, wochen- langes Kampieren unter freiem Himmel inmitten gift- athmender Sümpfe, haben selbst die kräftigsten Männer­gestalten der Cowboys und Nigger zu fiebergeschüttelten Schemen werden lassen. Mindestens 60 Prozent beider Truppenkörper liegen schwer krank darnieder, aber für höchstens ein Zehntel der Kranken sind Matratzen vor­handen, von Betten gar nicht zu reden. 90 Procent sind krank oder rekonvalescent. Dazu kommt noch mindestens die Hälfte der Einwohner, für die natürlich Niemand sorgt oder auch nur sorgen könnte. Ich würde nicht wagen, so übertrieben erscheinende Behauptungen aufzustellen, ständen mir nicht klassische Zeugen zur Seite. General Torel meldete schon vor vierzehn Tagen seiner Regierung, daß 10 000 seiner Leute erkrankt seien, jetzt hat auch General Shaster offiziell erklärt, seine Truppen seien nicht einmal mehr fähig, höhere Quartiere zu beziehen, und nicht ein Bataillon werde die Heimath Wiedersehen, wenn nicht alle zurückgebracht würden. Und das, obwohl vom gelben Fieber noch eigentlich keine Rede sein kann, die gewöhnlichen Malaria- fieber haben die Truppen so furchtbar heruntergebracht; jetzt aber beginnt die richtige Gelbefieberperiode und träfe die schreckliche Seuche diese gebrochenen Zehntausende auf ihrem Leichenzuge nur wenige würden ihr entrinnen."

Die Amerikaner dürften mit den ihnen früher verbündeten Insurgenten sowohl auf den Antillen wie auf den Philippinen noch große Schwierigkeiten haben. Ueber die drohende Haltung der Insurgenten vor Santiago de Kuba haben wir bereits berichtet. Aber selbst auf Porterico, das, wie es hieß, die Amerikaner mit offenen Armen ausgenommen habe, erfahren die Beziehungen zwischen den Amerikanern und den Insurgenten von Tag zu Tag eine Verschlimmerung. In Ponce sind die Kaufläden der Spanier, welche seit der Unterzeichnung des Friedensprotokolls geöffnet waren, wieder geschlossen worden, weil man deren Plünderung befürchtete. Die Insurgenten stehen aber auch zu den Spaniern in größter Feindschaft und haben geschworen, sich an ihnen zu rächen. Seitens der Behörden wird das Möglichste ge­than, um Leben und Gut der Spanier zu schützen. Vor Manila haben die Amerikaner gleichfalls große Schwierigkeiten, das Eindringen der Rebellen in die Stadt zu verhüten. Verdächtige dürfen nur nach Ab- ieferung der Waffen die Stadt betreten. Fünf Rebellen, velche Wohnungen von Spaniern geplündert hatten, wurden sofort erschossen. Die Insurgenten behaupten, ie seien im Stande, jeder Nation die Besetzung der Insel unmöglich zu machen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 26. August.

* Die Kornernte hat bei dem schönen Wetter beendet werden können und es ist mit dem Schneiden des Weizens begonnen. Auch der Hafer wird bis zur Aberntung des Weizens reif und kann so die Ernte, wenn das Wetter noch einige Zeit trocken bleibt, recht gut in die Scheunen gelangen. Die Spätkartoffeln