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SchlüchiernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Jg 68.

Mittwoch, den 24. August 1898.

49. Jahrgang.

RpHpIlltNslSH auf die .Schlüchterner Zeitung" fPvpiiUllliyill werden noch fortwährend von allen

- Postanstalten und Landbriefträgern owie von der Expedition entgegen genommen.

dem Polizeibezirk in der Neubrunnenstraße vorgeführt. Die Photographischen Apparate wurden einstweilen konfiszirt. Man braucht kein Chanvinist zu sein, um das freche Betragen jener Leute auf's Schärfste zu verurtheilen. Ein Deutscher, der sich derart in Frankreich betrüge, würde sicher gelyncht!

Meiningen. Die 22. Generalversammlung des Rhönklubs fand in den Tagen vom 14. bis 16. August l. J. in Meiningen statt. Der Präsident, Sanitätsrath Dr. Schneider aus Fulda, berichtete in der geschäft­lichen Sitzung am 14. d. M. hauptsächlich über die Erfolge, welche die auf Vereinskosten unternommenen Ausgrabungen an der Ruinenstätte der historisch interes­santen Osterburg bei Vischofsheim gehabt haben, bei welchen bis jetzt schon manches archäologisch merkwürdige Stück zu Tage gefördert wurde. Die Ausgrabungen werden eifrig fortgesetzt. Die Sammlungen für das dem berühmten General Ludwig von der Tann in Tann zu errichtende Denkmal sind nunmehr abgeschlossen und haben die erhebliche Summe von etwa 24000 Mark er­geben. Die Versammlung beschloß, den Beitritt des Rhönklubs zum Verbände deutscher Touristenvereine, so­wie ferner die nöthigen Schritte zu thun, damit in den Gasthöfen des Rhöngebietes einheitliche feste Preise ein­gerichtet werden, von welchen den Mitgliedern des Rhön- klubs ein Rabatt von zehn Prozent bewilligt werden soll. Auch beabsichtigt man eine eigene Vereinszeitung zu gründen, für welchen Zweck ein Ausschuß von drei sachverständigen Vereinsmitgliedern gewählt wurde. Die nächste General­versammlung soll in Schweinfurt abgehalten werden. Der Rhönklub besteht gegenwärtig aus 29 Zweigvereinen mit 2984 Mitgliedern.

Glauchan, 19. August. Die Behörde in Nieder- Haßlau bei Zwickau belegte zehn Arbeiter, die einem sozialistischen Bergarbeiter beim Begräbniß das Geleit gaben, zu je 30 Mark Geldstrafe, weil sie mit Hellem Anzug, Hellem Hut und grünen Handschuhen bekleidet waren und beim Heimgänge weltliche Lieder sangen. Die Berurtheilten haben Berufung eingelegt.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 23. August.

* Die in voriger Nummer gebrachte Notiz betr. einen verunglückten Radfahrer, ist dahin richtig zu stellen, daß die Stelle des Unfalls ca. 100 Meter vor der Schranke ist, die Schranke auch geöffnet und mithin ein Dagegenfahren nicht möglich war. Vermuthlich verlor der Fahrer infolge der großen Hitze die Herrschaft übers Rad, das er im Schatten der Bäume lenkte, prallte an einen Baum und fiel betäubt vom Rad, das in Trümmer ging. Der in der Nähe stationirte Bahnwärter sorgte für das Verbringen des Gestürzten ins Krankenhaus, woselbst derselbe sich noch am Abend erholte.

* In Altengronau schlug der Blitz bei dem Gewitter am Sonntag Nachmittag in ein Bauernhaus, das mit den Nebengebäuden völlig abbrannte.

* In Holzmühl bei Freiensteinau brannte am Samstag Morgen die Hofraithe des Hch. Dietrich völlig ab.

* Bei der jetzt nahenden Obstzeit werden die Landwirthe vielfach von Aufkäufern besucht und zum Ver­kauf ihres Obstes beredet. Die Aufkäufer beabsichtigen damit sehr oft nur, durch unsaubere Spekulation die Landwirthe zu schädigen. Diese sollten, um sich zu sichern, nur gegen entsprechende Anzahlung das Geschäft abschließen. Ein großer Theil der Aufkäufer ist nämlich gänzlich mittellos und hütet sich, bei sinkenden Markt­preisen das gekaufte Obst abzunehmen. Man sei deshalb vorsichtig.

* Die Einstellung der in diesem Jahre ausge- hobenen Rekruten erfolgt nach nachstehender Uebersicht: Garde-Infanterie, -Feld-Artillerie, -Fuß-Artillerie und Eisenbahner am 15. Oktober, Garde-Train am 2. November, Infanterie, Regimenter 77, 78, 92, 165, Feldartillerie- Regiment 10 nnd Pionier-Bataillon 10 am 14. Oktober, Jnsanterie-Regiment 136, Feld-Artillerie-Regiment 31, Fuß-Artillerie-Regiment 10 und Fuß.Artillerie Bataillon 13 am 13. Oktober, Jäger-Bataillon 10 am 14 Oktober, Ulanen Regiment 14 am 5. Oktober, Dragoner-Regiment 16 am 5. Oktober, Train-Bataillon 10 am 1. November, sämmtliche zum Dienst ohne Waffe, am 1. Oktober, 2. Torpedo-Abtheilung am 3. November, Infanterie (10 Wochen) Volksschullehrer am 5. Oktober. Die Beorderung erfolgt durch besonderen Befehl. I

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar traf am Sonnabend Nach­mittags 4 Uhr 20 Minuten zum Besuche der Kaiserin von Oesterreich in Nauheim ein. Der Ort hatte reichen Flaggenschmuck angelegt. Auf der Fahrt zur Villa Kracht, in welcher die Kaiserin Elisabeth Wohnung ge­nommen hat, wurde das Kaiserpaar von der Bevölkerung stürmisch begrüßt und am Gartenthor der Villa von der Kaiserin Elisabeth empfangen. Die Fürstlichkeiten begaben sich hierauf in die hinter der Villa belegene Laube, woselbst sie bis nach 5 Uhr in angeregtem Ge­spräche verweilten. Kaiserin Elisabeth geleitete das deutsche Kaiserpaar sodann wiederum bis zum Garten­thor. Die Abreise nach Wilhelmshöhe erfolgte gegen 5/a Uhr; dort erfolgte die Ankunft gegen 7 '/a Uhr.

Ueber die Reise des Kaiserpaares nach Jerusalem sind bereits einige nähere Daten gebracht worden. Nun­mehr wird des Weiteren gemeldet, daß noch am 31. Oktober, nach der Einweihung der Erlöserkirche, die Fahrt nach Jericho erfolgt. Der 1. November ist dem Jordan und dem Todten Meere gewidmet. Am 2. November erfolgt die Rückkehr nach Jerusalem, wo der Kaiser noch zwei weitere Tage verbleiben will. Die Rückreise geht über Jaffa noch nach Haifa. Von hier werden Nazareth, der See Genezareth und der Berg Tabor aufgesucht. Am 9. November Rückkehr nach Haifa, Fahrt auf der NachtHohenzollern" nach Beirut. Ausflug nach Damaskus und Baalback. Den 16. November erfolgt die Abfahrt von Beirut nach Egypten, wo die Landung in Port Said erfolgt.

Ein Versuchsschießen mit einem neuen Jnfantene- gewehr fand, wie eine Korrespondenz meldet, am Mitt­woch auf dem Tcgeler Schießplatz durch Offiziere der Spandauer Gewehrprüfungskommission statt. Die in Aussicht genommene Zukunftswaffe der deutschen Armee soll noch ein geringeres Kaliber haben als das jetzige Gewehr, Modell 1888, sie soll bei erhöhter Rasanz und vermehrter Durchschlagskraft für weitere Entfernungen als jetzt verwendbar sein. Die Proben seien auf Distanzen von über 2000 Meter mit Erfolg ausgedehnt worden.

Die Presse durchläuft die wunderbare Mär, daß Herr Thielen beabsichtigen soll, das Freigepäck auf den preußischen Bahnen abzuschaffen. Außerdem soll auch die vierte Wagenklasse in Wegfall kommen und für alle Schnellzüge ein Zuschlag von V» Psg- für den Kilometer erhoben werden. Wer sich in den Haufen von Gepäck­stücken, Körben u. s. w. die sich selbstverständlich nunmehr in der 3. Wagenklasse einstellen werden, nicht wohl fühlt, muß dann eben 2. Klasse, also theuerer als bisher fahren.

Köln. In der Gefangenenanstalt am Klingelpütz starb ein Insasse, der seit 50 Jahren die Schwellen der Anstalt nicht überschritten hatte! Er war 1848 wegen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt worden. Schon vorher hatte er 5 Jahre Zuchthaus­strafe verbüßt. Von seinen 83 Lebensjahren hat er somit drei Viertel im Zuchthaus verbracht.

Folgendes Frachtkuriosum wird aus Boppard ge­meldet : Ein Beamter, der vor Kurzem vom Niederrhein nach Boppard verzog, hatte beim Umzüge vergessen, eine über 7 Meter lange Fahnenstange mitzunehmen. Als er den Verlust merkte, bat er einen Bekannten um Nach- sendung der Stange. Diese kam nun kürzlich an und war mit 31 Mk. Fracht belastet. Wegen der Länge hatte die Stange nicht in einem gewöhnlichen Wagen Platz finden können und mußte in einem Spezialwagen befördert werden.

Mainz. Französische Buben. Heute früh um 10 kamen 5 Franzosen vom Exerzierplatz auf dem großen Sand, woselbst sie photographsiche Aufnahmen von den Truppen u. s. w. gemacht hatten, nach Gon'en- 7C ®Ort betrugen sich die Söhne der grande nation A "Ascher Weise. Sie hüpften Gunter Absingung der Marseillaiie um das Kriegerdenkmal herum und bezeugten ihre Verachtung des Deutschthums dadurch, daß sie das Denkmal fortwährend anspuckten. Auf Veranlassung verschiedener Herren, die über den Vorfall empört waren, wurden die Franzosen am Münsterplatz verhaftet und

Vorsichtsmaßregeln für die Manöver. Die Truppentheile sind angewiesen worden, in der Auswahl der in das Manöver mitzunehmenden Mannschaften aufs Sorgfältigste zu verfahren und Leute, die auf Grund der in der Garnison gemachten Beobachtungen oder der vor dem Ausmarsch abzuhaltenden ärztlichen Untersuchung als schwächlich, nicht ganz widerstandsfähig zu bezeichnen sind, bei den Arbeitskommandos in der Garnison zu be­lassen. Mit Leuten, die längere Zeit kommandirt waren und nicht so frühzeitig wieder in die Front zurücktraten, daß sie durch eine längere Uebungsperiode auf die Manöverstrapazen vorbereitet werden konnten, ist ebenso zu verfahren. Durch diese Maßnahme soll die Zahl der Erkrankungen während des Manövers möglichst ver­ringert und die Unglücksfälle durch Herzschlag, Sonnen­stich rc. thunlichst vermieden werden.

Zwei Verpflichtungen, welche das Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetz den Versicherungsanstalten auferlegt, fangen an, immer größere Kosten zu verur­sachen, nämlich die Beitragserstattungen an weibliche Personen, welche sich verheirathen, und an Hinterbliebene von Versicherten. Im zweiten Viertel des laufenden Kalenderjahres haben sich über 31000 weibliche Ver­sicherte und nahezu 7000 Hinterbliebene von Versicherten die Beiträge, auf welche sie nach dem Gesetz ein Anrecht haben, zurückzahlen lassen. Verschiedentlich hieß es, daß die Vorschriften über die Beitragserstattungen im Volke noch zu wenig bekannt seien, und man daher für bessere Aufklärung nach dieser Richtung sorgen solle. Obige Zahlen bilden eine Bestätigung für diese Be­hauptung nicht.

* Aus der Sitzung der Ferien-Strafkammer vom 18. August. Gegen ein, ihn wegen Diebstahls eher Gans zu 6 Wochen verurtheilendes Erkenntniß des Schöffengerichts zu Salmünster legte der Handelsmann St. von Romsthal (Kreis Schlüchtern) Berufung ein und erzielte in II. Instanz die Herabsetzung der Strafe auf 14 Tage. Wegen Diebstahl von 4 Aspenstämmen war der Bauer G. von Hohenzell von der Hanauer Strafkammer mit 1 Woche Gefängniß belegt worden. Eingelegter Revision zufolge kam die Angelegenheit abermals zur Verhandlung und wurde durch die Beweis­aufnahme als thatsächlich erkannt, daß der Beklagte im November 1894 und zwar vor dem 30. November zwei dem Schreiner Pauli von Schlüchtern gehörige im Kanf« gebiete, dem Hohenzellcr Gemeindewald gelegene Aspen- stämme widerrechtlich an sich genommen hat. Obgleich das Urtheil eine Abänderung er'uhr, insofern als nur die Entwendung zweier Stämme als erwiesen angesehen wurde, läßt das Gericht die erstinstanzlich festgclegte Strafe als nicht zu hoch bestehen. Der 20jährige Bauer Sch. von Uerzell klagte gegen einen anderen Ein­wohner H. wegen Körperverletzung. H. wurde, da der Richter Nothwehr als vorliegend annahm aus Haß gegen die Familie Sch., wie gegnerischerseits behauptet wurde freigesprochen. Kurze Zeit darauf verbreitete sich im Dorfe das Gerücht, Sch. habe den Amtsrichter R. in Salmünster einem dritten gegenüber, aus Anlaß des vermerkten gefällten Urtheils mit einer beleidigenden Bezeichnung belegt. Kaum hatte dies der Bauer W. gehört, als er sich gleich auf die Socken machte zu dem Ver­breiter des Gerüchtes, dem K. auch einem Bauer natürlich. Von diesem die gewünschte Bestätigung er­langend, benutzte W. seine ihm in der Dorfschule einge­trichterten Schreibkenntnisse, um schleunigst einen Bericht an den Amtsrichter in Salmünster au'zusetzen und ihm die ehrenrührigen Aeußerungen mitzutheilen. Auf Grund dieses Schreibens nun stellte der Vorgesetzte des Herrn R., Landgerichtspräsident K., Strafantrag wegen Be­leidigung und das Gericht, nach der Beweisaufnahme als erwiesen anerkennend, daß Sch. die fragliche Aeußer­ung gethan, verurtheilt ihn zu 20 Mk. Geldstrafe.

Salmünster, 18. August. Am Nachmittag des Montags sagte der Gastwirth und Metzger Grosch zu Salmünster zu seinen Familienangehörigen, er wolle sich ein wenig hinlegen, um auszuruhen. Als er aber zu lange ausblieb und man demzufolge nach ihm sah, fand man ihn als Leiche.

Wächtersbach, 19. August. Als Uebelstand wurde seither auf der Kleinbahn Wächtersbach-Birstein em­pfunden, daß die Aufenthaltszeiten zwischen der Ankunft der Züge der Kleinbahn und der Abfahrt der Züge auf der Staatsbahn und umgekehrt nicht immer ausreichen,