wenig beachtet. Fortgesetzt kommt es vor, daß mit verbogenen und zerschlagenen Münzen aller Sorten Zahlung geleistet wird, insbesondere in den Wirthshäusern und den kleineren Geschäften, wo man solche Münzen leichter anbringen kann. Auf diese Weise sammeln sich im Laufe des Jahres bei Kleingeschäften ganz anständige Sümmchen verkrüppelter Silber- und Nickelmünzen an. Den Schaden hat der zu tragen, der sie annimmt, da sie von den Banken, Reichs- und öffentlichen Kassen zurückgewiesen werden.
Steiuau. Nächsten Sonntag feiert der hiesige Turnverein sein Stiftungsfest. Aus dem reichhaliigeu Programm erwähnen wir den Festzug um '>3 Uhr, die Freiübungen und Schauturnen, Lampionreigen und Pyramidcnstellen am Abend. Die Musik wird von der Italienischen Concertcompagnie Th. Arcari ausgeführt.
Aus dem Biebergrund, 14. Aug. Das heurige Kirchweihfest hat in Lanzingen sein Opfer gefordert. Einige Geislitzer Burschen hatten sich znr Kirchweih- belustigung daselbst eingefunden. Dieselben geriethen mit Lanzinger Burschen in Streit, wobei ein Messerheld einen Lanzinger Burschen in den Hals stach, daß derselbe todt am Platze blieb. Ein Geislitzer wurde festgehalten, bis der Wächter des Gesetzes kam und denselben in Nummer Sicher brächte. Außerdem sollen noch zwei Lanziger mit Messern verwundet sein. — Im vorigen Jahre erstach im Biebergrunde am Kirchweihsamstag der Bruder — den Bruder, worauf sich der Unglückliche erhängte. — Die neue schreckliche Blutthat wurde von dem Fabrikarbeiter Arnold aus Geislitz begangen. Derselbe trug außer dem Knicker, mit dem er die That vollbrachte, noch einen sog. Todtschläger und einen Schlagring bei sich. Der unglückliche Huth, welcher erst kurz vorher heimgekommen war, wurde auf der Treppe gestochen. Der Stich drang vom Hals nach unten und führte alsbald den Tod herbei. Arnold war von einer wahren Mordwuth befallen und hat auch den Gastwirth Huth an der Hand verletzt. Herr Gendarm Lawerenz, welcher den Thäter an den Händen gefesselt nach Bieder trans- portirte, hatte seine liebe Noth, denselben vor der Lynchjustiz der dortigen Einwohner zu schützen.
Hanau, 16. Aug. Der ehemalige Besitzer des Hotels „Riesen" dahier und langjähriger Pächter des Curortes Wilhelmsbad, Herr Friedrich Fey, ist in vergangener Nacht verstorben. Herr Fey hatte in den letzten Jahren in Folge Nieren- und Herzleidens schwer zu dulden. Er erreichte ein Alter von 57 Jahren. — Nach dem Beispiel der Stadt Breslau, die den Steuerfiskus auf Erstattung der ihr für die Veranlagung der Einkommensteuer erwachsenen Kosten verklagt und in erster und zweiter Instanz ein obsiegendes Urtheil erstritten hat, wird nunmehr auch die Stadt Hanau ihre Rechnung präsentieren. Weiter wird, wie der „Han. Anz. berichtet, die Stadt Hanau beim Oberverwaltungsgericht die Frage zur Entscheidung bringen, ob der Eisenbahnfiskus infolge des Ankaufs der Hess. Ludwigsbahn für die in hiesiger Ge markung gelegenen Grundstücke und Gebäude, deren Werth auf rund 700 000 Mk. angesetzt worden ist, zur Zahlung der Umsatzsteuer von 1 pCt. herangezogen werden kann.
Bebra, 17. August. Tiefgreifende Aenderungen scheinen auf dem hiesigen Bahnhof sich vorzubereiten. Nicht nnr eine Vergrößerung desselben, sondern auch eine Entlastung soll in der Weise beabsichtigt sein, daß die jetzt in Bebra anhaltenden D-Züge auf besonders zu bauenden Geleisen um die Station herumgeführt werden. Der neue Bahnhofsrestaurateur dürfte durch Wegfall des V-Zug-Verkehrs unbedingt Schaden leiden und jedenfalls eine Herabsetzung des Pachtpreises fordern.
Drausfeld, 17. August. -Der Stellmacher Sommer von hier hatte in voriger Woche auf dem Felde Spatzen geschossen. Gestern früh versagte sein Gewehr, und er borgte deshalb ein anderes, mit welchem er seinen vierzehnjährigen Sohn Nachmittags ins Feld schickte, um Spatzen zu schießen. Er hatte ihm größte Vorsicht empfohlen und ihm gesagt, da er nicht wüßte, ob das Gewehr geladen sei, solle er, bevor er es lade, mit Zündhütchen probiren, ob noch ein Schuß im Lause sitze. Das hatte der Junge auch gethan und im Felde 6 Zündhütchen abgeschossen. Als aber kein Schuß losgehen wollte, ging er mit anderen Kindern in den väterlichen Garten um Stachelbeeren zu pflücken. Bei dieser Gelegenheit spielten sie mit dem Gewehre und knallten noch 8 Zündhütchen ab. Beim neunten jedoch ging der Schuß plötzlich los und traf den 17jährigen Tischlerlehrling Otto Zimmerman, der unter einem Stachelbeerbusch lag und sich gerade emporrichten wollte, so unglücklich in den Kopf, daß er auf der Stelle todt blieb.
Grebenhagen bei Schwarzenborn, 15. Aug. Ueberall in Hessen herrscht die bedauerliche Unsitte, daß bei dem Fahren des Braut- oder Kammerwagens dieser in Städten und Dörfern durch vorgehaltene Stangen, Stricke und Ketten am Weiterfahren gehemmt wird und der Bräutigam sich durch Geldgeschenke loskauft. Diese Geschenke werden gewöhnlich in kleinen Münzen unter das Publikum geworfen, und jeder sucht dabei möglichst viel zu erhäschen, wobei es dann oft recht komische Scenen zu belachen (.lebt. Heute in den Nachmittagsstunden fuhr ein solcher, aus Völkershain stammender Mb nach Schwarzenhorn bestimmter Wagen durch unseren
, Ort und wurde, wie üblich, gehemmt. Die auf dem hohen Wagen sitzende junge Frau warf eine Hand voll Geld unter das zahlreich herbeigeströmte Publikum. Ein Kind, sieben Jahre alt, dem Arbeiter Bonstein gehörig, suchte auch etwas zu erhäschen, geriet!) unter den fahrenden Wagen und erlitt einen schweren Beinbruch. Möchte dieser Fall zur Warnung dienen.
Cassel, 15. August. (Kaiserliche Auszeichnung.) Das hier in Garnison liegende Husaren-Regiment Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg (3 Hessisches) Nr. 14, welches in der Gefechtsübung und Parade vor dem Kaiser am 11. b. M. mitwirkte, ist durch folgende Kaiserliche Depesche ausgezeichnet worden:
.Das Regiment hat gestern meine volle Zufriedenheit erworben durch Haltung und Reiten im Terrain wie im Parademarsch. Ich bestimme daher, daß dasselbe zur Belohnung dafür an den großen Manövern vor mir theilzunehinen hat und hoffe, daß es sich in jeder Hin ficht meinen Erwartungen entsprechend zeigen wird.
Wilhelmshöhe, 12. August 1898.
Wilhelm I. E."
Cassel, 16. August. Eine entsetzliche Straßensceue spielte sich heute Nachmittag gegen 6 Uhr unmittelbar am Königsplatz in der Thurmgaffe vor dem Hause Nr. 4 ab. Ein junges Mädchen von 19 Jahren, bei einer Kaufmannsfamilie in Stellung, vermochte der ebenso gefährlichen als anscheinend unausrottbaren Unsitte. Petroleum in's Feuer zu gießen, trotz wiederholter Verwarnung nicht zu ent'agen. Als sie es heute Nachmittag in Abwesenheit der Herrschaft wiederum that, um das Feuer besser brenneu zu machen, erplodirte die mit einigen Litern Petroleum gefüllte Kanne, wodurch die leicht' feuerfangende sommerliche Kleidung des Mädchens so ort lichterloh bräunte und dasselbe kopflos geworden, allein in der Etage befindlich, die Treppen hinab auf die Straße rannte, dabei die fürchterlichsten Weh- und Hilferufe ausstoßend. Durch den Luftzug angefacht, brannten Haar, Kleider rc. nur um so schlimmer. Der herbeigeholte Arzt konnte nur constatiren, daß eine Heilung unmöglich sei, da die Hände, Arme, Brust, Hals Kopf, Beine, Gesicht rc. total verbrannt sind.
Volkmarsen, 16. August. Ein Zigeunerweib, das wegen Diebstahl und Widerstand gegen die Polizeigewalt verhaftet, wurde vom Schöffengericht mit zehn Tagen Haft bestraft. — Die Zigeunerfamilie, welcher die Frau angehört, bot eine Caution von 150 Mk., ließ auch die Gefangene für eigene Rechnung mit Wein und sonst gut bewirthen.
Marburg, 17. August. Der Sohn des Geheimraths Professor Mooren in Düsseldorf rettete heute in Wehrda mit Hilfe anderer Leute einen in die Lahn gefallenen Knaben, ertrank aber bei den Rettungsarbeiten leider selbst. — Vorsicht beim Baden. Bei der gegenwärtigen heißen Witterung 'dürfte es rathsam sein, zum Baden die frühen Morgen- oder die Abendstunden zu wählen Dieser Tage wurde z. B. in einem benachbarten Dorfe ein Lehrer, der sich in glühender Sonnenhitze gebadet, als er das Wasser verlassen, vom Sonnenstich betroffen und liegt nun krank darnieder.
Eine Bitte zur Beachtung.
Der Kulturzustand der Menschheit war nicht zu allen Zeiten derselbe. Wie sich alles aus einem geringen Anfänge zu größerer Vollkommenheit entwickelt, so ist es auch mit dem Menschen der Fall. Doch war diese Entwickelung nicht überall eine gleichmäßige. Während die Bewohner mancher Theile unseres Weltkörpers heute noch auf einer sehr niedrigen Stufe der Cultur stehen, so haben die anderer Landstriche schon sehr frühe und rasch eine bedeutende Culturhöhe erlangt, die in manchem selbst heute noch nicht von uns erreicht ist. Ich erinnere z. B. in Europa an das Volk der alten Griechen. Die Geschichte dieses einflußreichen Culturvolkes beginnt schon über 1000 Jahre vor Chr. Geburt, während das geschichtliche Dunkel, das über den anderen Völkerschaften Europas lag, sich erst nach und nach lichtete. Von den alten Germanen, unsern Vorfahren, hören wir sogar erst seit dem Jahre 113 v. Chr., als sie an den Grenzen des Römerreiches erschienen und diesem gefährlich zu werden drohten. Mit diesem Jahre beginnt die geschichtliche Zeit unseres Volkes und Vaterlandes.
Die römischen Geschichtsschreiber der damaligen Zeit sind es, die uns in ihren Geschichtsbüchern Aufschluß über deren Kulturzustand geben. Andere schri tliche Quellen haben wir nicht, am wenigsten von unseren Vorfahren selbst. Jeder aber, der Interesse an seinem Vaterlande und Volke hat, wird wohl manchmal die Frage aufwerfen und zu beantworten suchen: Wie mag es vor dieser geschichtlichen Zeit in unserem Vaterlande oder in unserer Gegend besonders ausgesehen haben?
Nun, schriftliche Quellen haben wir darüber nicht, wie schon bemerkt wurde, und doch sind wir nicht ganz ohne Kenntniß des vorgeschichtlichen Kulturzustandes derselben; die Erde selbst giebt uns darüber näheren Aufschluß. Sie ist ein Geschichtsbuch, das von vielen nicht verstanden wird, und an dem die große Mehrzahl achtlos vorüber geht. Der Grund aber, weshalb dies meistens geschieht, liegt fast ausschließlich darin, daß die wenigsten Menschen und selbst diejenigen, die auf eine bessere Bildung Anspruch machen können, keine Ahnung habe», wie sie in diesem Buche lesen müssen. Wäre
dies der Fall, das Interesse an den vorgeschichtlich^ Forschungen müßte dann ein viel größeres und allgr^ meineres sein.
In den nachfolgenden Zeilen will ich versuchen - natürlich nur in kurzen Zügen — eine kleine Anleitung zu geben, um auch in denjenigen das Interesse zu er. wecken und das Verständniß zu öffnen, denen in erster Linie die Gelegenheit geboten ist, sehr viel zur Erforschung der vorgeschichtlichen Zeit, besonders auch unserer hiesigen Gegend beizutragen. Ich denke da in erster Linie M die Landwirthe, Waldarbeiter, Hirten u. a., überhaupt! an alle diejenigen, die sich viel im Freien aufhalten und sich besonders mit Bodenarbeiten beschäftigen. Dann aber gilt meine Bitte auch denjenigen Persönlichkeiten,ß die infolge ihrer Bildung schon mehr mit diesen Forschungen vertraut sind, und wesentlich zum Erhalten und Sammeln der Dinge beitragen können, die für die Erforschung der vorgeschichtlichen und auch geschichtlichen Zeit von außer, ordentlicher Wichtigkeit sind. —
Zunächst möchte ich darauf aufmerksam machen, daß sich in Feldmarken, auf Triften, in Wäldern — sowohl auf Anhöhen und Bergen als auch in Thälern — kleine Hügel aus Sand und Steinen finden, die Hünengräber, im Volksmunde auch Heunen- oder Hunnen gröber > genannnt werden. Es sind Begräbnißstätten, die ben verschiedensten Zeiten angehören und unter Umständen,^ mehrere Jahrtausende alt sein können. Sie geben' manchmal sehr interessante Fundstücke, die aber, wenn ( eine hierin ungeübte Hand die Hügel öffnet, meistens k vernichtet werden; es gehört zum Freilegen dieser Stücke 2 eine gewisse Uebung und Erfahrung. Gleichzeitig will g ich hierbei auch darauf Hinweisen, daß nicht jeder befugt ist, diese Hügel zu öffnen und sich im Uebertretungs- ! falle nicht geringe Strafe zuziehen kann. — Auf den t Feldern sind gewöhnlich diese oben angeführten Hügel verschwunden, indem schon in früheren Zeiten Pflug und I Hacke sie geebnet haben. Wenn aber der Landmann | etwas tiefer ackert, so kommt es nicht selten vor, daß Urnen (alterthümliche Thongefäße), Scherben derselben ober auch bearbeitete Steine bloßgelegt werden. Diese liefern stets den Beweis, daß sich hier eine uralte Begräbnisstätte befindet, die vielleicht noch manche Ausbeute gewähren kann. Die bearbeiteten Steine sind | Werkzeuge aus den ältesten vorgeschichtlichen Zeiten und nicht selten bei dem Volke unter dem Namen „Donnerkeile" bekannt; doch will ich erklärend hinzmügen, daß auch eine Versteinerung aus dem Thierreiche mit : diesem Namen belegt wird. Diese Steinwerkzeuge haben fast durchweg die Gestalt eines Keiles, eines Hammers, eines Meißels ober einer Lanzenspitze, seltener die eines Messers und einer Säge. Je nach der Beschaffenheit der Oberfläche gehören sie in verschiedene Zeitalter. Zeigen sie eine ziemlich rohe Arbeit, so sind sie ein Er-^M zeugniß der ältesten Steinzeit, während die mit geglätteter, polierter Oberfläche der jüngeren Steinzeit entstammen. Erst viel später lernte der Mensch die Verarbeitung der Metalle kennen. Seine ersten Metallge-
räthe bestanden aus Kupfer und Bronze, und man bezeichnet diese Zeit als die „Bronzezeit" (1000—500 Jahre v. Chr.). Nach dieser beginnt erst die Gewinnung des Eisens und seine Verarbeitung zu Werkzeugen und Waffen. Bekannt ist diese Culturperiode unter dem Namen „Eisenzeit". Auch in unserer Gegend finden sich in verschiedenen Waldbezirken noch an den herumliegenden Eisenschlacken kenntliche Stellen —. Waldschmieden genannt —, wo man das Eisen mit großer Mühe aus den Erzen gewann.
Von allen dieen Geräthen sind immer die aus Stein am besten erhalten, weil die aus Metall zu sehr unter dem Einfluß der Feuchtigkeit zu leiden haben.
Weitere Anhaltspunkte gewähren diejenigen Plätze, welche bei Nebel, die im März und April aus der Erde aufsteigen, frei bleiben. Es ist dann immer ein Grab zu vermuthen, in welchem harte Gegenstände sind, die keine Feuchtigkeit ausdunsten.
Auch muß man auf diejenigen Orte aufmerksam sein, wo die Sage Geister erscheinen läßt. Ist die ' | Ursache dieser Geistererscheinung aus dem Gedächtniß des Volkes verschwunden, so kann man ziemlich sicher aus einen heidnischen Begräbnißplatz schließen.
Zuweilen führen aber auch die Schweine zur Entdeckung von Gräbern. Da oxidirtes Metall einen süßlichen Geruch hat, so werden sie von diesem angezogen und legen so manchen interessanten und geschichtlich wichtigen Gegenstand frei.
Nicht selten werden aber auch bei Erdarbeiten Münz- funde gemacht, die mehr oder weniger geschichtlichen Aufschluß geben können. Soweit diese Münzen das Aussehen und die Gestalt der unsrigen haben, finden sie wohl Beachtung, manchmal vielleicht auch nicht, und man wirft sie unbeachtet fort oder gräbt sie wohl gar wieder ein. Sind solche aber dünn und blechartig mit sinnlos scheinenden Gebilden, ungefähr von dem Aussehen der oberen Theile der Staniolkapseln auf Weinflaschen, so finden sie fast immer keine Beachtung, ja man bückt sich kaum nach ihnen, und doch sind gerade diese Münzen — Hohlmünzen ober Brakteaten, wie sie genannt werden — von außerordentlich geschichtlichem Werte. Man wolle auch gerade hier die Augen mthk aufthun und nichts als unwichtig betrachten,