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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

67. Samstag, den 20. August 1898. 49. Jahrgang.

hat sich bis jetzt Niemand gefunden, der den Muth hätte, auf die Riesenschlange Jagd zu machen. Die Bewohner von Lennep sollen seit diesem Vorfall im Gegentheil ihre Wohnungen hüten.

Aus der Pfalz, 11. August. In Landau erregt die betrügerische Manipulation einer der größten Wein- firmen großes Aufsehen. Ein Kontrol-Beamter des städtischen Wasserwerks, der sich schon lange wunderte, daß die Firma so wenig Wasser verbrauchte, entdeckte dieser Tage im Keller des Geschäfts einen vor dem Wasfermesser angebrachten zweiten Wasserhahn, durch den der Weinhäudler so viel Wasser zapfen konnte, als ihm beliebte, ohne daß es der Wassermesser anzeigte. Das Wasserwerk hat dem Weinhändler anheimgestellt, den zehnfachen Betrag des vermuthlich defraudirten Wassers ca. 15000 Mark an das Wasserwerk zu zahlen oder sich auf gerichtliche Verfolgung gefaßt zu machen.

Ronsdorf, 16. Aug. Ein durstiger Spitzbube drang in der Nacht durch ein Oberlicht in die Wirthschafts­räume des Wirthes Engels ein, betraut sich an den Vorräthen, fing dann an, Cigarren, Flaschen mit Wein, Vanille, Rum rc. auf dem Billard zu zerschlagen und sang dazu so kräftig, daß der Wirth oben erwachte und anfangs der Meinung war, es solle ihm oder einem Nachbarn ein Ständchen gebracht werden. Als der Spitzbnbe am Morgen früh vernommen werden sollte, war er noch so betrunken, daß die Vernehmung vertagt werden mußte. Er wurde zu achtzehn Monaten Ge­fängniß verurtheilt.

Rom. DiePapabili". Die ernsten Nachrichten über das Befinden des Papstes, welche sich besonders in der jüngst vergangenen Zeit gehäuft haben, geben Anlaß, sich mit der Frage zu beschä tigen, wer zur Nach­folge des Papstes Leo XIII. bestimmt sein könnte. Unter den des Papstthums Fähigen, den sog.Papabili", soll Kardinal Girolama Maria Gotti die meiste Aussicht haben, von dem Konklave der Kaidinäle gewühlt zu werden. Ihn hat Leo XIII. wiederholt als seinen Nachfolger,mio successore, bezeichnet. Bei diesem Kardinal Gotti soll auf die Prophezeiung des h! Malachias, daß nachLumen in coelo11, nümlic Leo XHL, einbrennendes Feuer",Ignis ardens den päpstlichen Stuhl besteigen werde, eintreffen; Kardinal Gotti führt eine brennende Fackel im Wappen. Er zählt jetzt 64 Jahre und ist Mönch. Den Kardinals Hut wollte er s. Z. nicht annchmeu und that dies crs auf dringendes Zureden des Papstes. Der Kardinal setzt sein Klosterleben noch heute fort, wohnt in einen Kabinet auf dem Forum Trajanum und schläft an hartem Bett. Dem Kardinal wird eine große Gelehr samkeit und ein äußerst verbindlicher Charakter nachge­rühmt. Nach den gesummten römischen Blättern soll er sogar im heiligen Kollegium einer Annäherung an den Quirinal oft das Wort geredet haben.

Petersburg, 17. August. Immer mehr macht sich in ganz Rußland auf dem Lande ein großer Arbeiter Mangel bemerkbar. In einzelnen Gegenden müssen, wie berichtet wird, die Gutsbesitzer einen Theil der Ernte geradezu verfaulen lassen, weil die Bauern überhaupt nicht arbeiten wollen. Diese sind gegen Naturalent­schädigung nicht mehr zu haben, sondern verlangen den ganzen Lohn in baarem Gelde. Vor der Ernte gelingt es dem Gutsherrn vielleicht, von Wucherern Geld auf- zutreiben; sobald er aber den Bauern den Lohn auszahlt, laufen diese so lange von der Arbeit fort, bis der letzte Kopeke vertrunken ist. Bisweilen lassen sie sich von verschiedenen Herren Angeld geben, ohne bei einem die Arbeit autzunehmen. Die ländlichen Behörden sind gegen den Uebelstaud so gut wie machtlos, da den Bauern die Einsperrung, wenn sie überhaupt stattfindet, zu Zeiten gar nicht unangenehm ist.

Nischny-Nowzorod, 16. August. Gestern Nacht brach ein neues Schadenfeuer im Arbeitshause Bukowisch- nikow infolge unvorsichtigen Umgchens eines Arbeiters mit Feuerzeug aus. Die im Schlafe erschreckten Insassen des nur mit einer Holztreppe versehenen Gebäudes sprangen aus den Fenstern heraus. Bis heute Abend find 13 völlig verkohlte Leichen unter den Trümmern des niedergebrannten Hauses aufgefunden worden. Man befürchtet, daß die Zahl der Todten eine sehr große ist.

No^pjl«n<10^ "uf die .Schlüchterner Zeitung" ivcrben noti) fortwährend von allen --------- - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar mit seinen Kindern wird Wilhelmshöhe nach mehrwöchigem Aufenthalt am nächsten Samstag verlassen. Die Kaiserin mit den Kindern be- giebt sich direkt nach Potsdam, während der Kaiser bc kanntlich nach Mainz lährt, um dort die Parade über die Garnison abzuhalten. Am Sonntag gedenkt er mit dem Großherzog von Baden dem Pferderennen in Jffezheim bei Baden-Baden beizuwohnen und dann seine Mutter, die Kaiserin Friedrich, auf Schloß Kronberg im Taunus zu besuchen. Gegen den 25. oder 26. ds will er wieder in Potsdam sein. Am 1. September nimmt er die Parade über das Gardekorps ab und be- gibt sich am folgenden Tage mit seiner Gemahlin nach Hannover zu den Mannövcrn des 10. und des 7. Armee­korps; später von dort nach Westfalen zu gleichem Zwecke. Dort werden große Festlichkeiten Veranstalter. Am 7. September findet in Porta das Festmahl statt, welches die Provinz Westfalen dem Kaiserpaare gibt

Die mit Beginn des laufenden Jahres in Kraft getretene Arzneitaxe hat in weiten Kreisen der Apotheker Preußens eine arge Verstimmung erzeugt. Namentlich haben sich die sogenannten Landapotheker über die Nach­theile, die sie von der Arzneitaxe erlitten haben, schwer beklagt. Auf eine Aenderung dieser Arzneitaxe in einer nahen Zeit ist jedoch geringe Aussicht.

* Die diesjährige Obsternte ist nach den soeben er­schienenen Pomolog. Monatsheft im Allgemeinen höchstens eine mittlere zu nennen, und zwar gilt dies sowohl ^n Aepfeln und Birnen, als auch von Zwetschen und Pflaumen. Was die Kernobsternte betrifft, so stehen Gegenden mit theilweise mittelguten Aussichten, wie, Württemberg, Bayern, Königreich Sachsen, Schlesien, Brandenburg, Pommern, Oldenburg, Provinz Sachsen solche mit geringen bis mittleren Aussichten, wie Baden, Pfalz, Anhalt, Mecklenburg, Großherzogthum Reffen Ost- und Westpreußen, Schleswig-Holstein, Hannover, Thüringen, Westphalen, Rheinprovinz, Hessen-Nassau, Elsaß-Lothringen gegenüber. Für Aepfel sind leidliche Aussichten in Württemberg, Königreich Sachsen, Olden­burg, Schlesien, Brandenburg, Pommern, Provinz Sachsen; für Birnen allein in Bayern. Die Ernte- Aussichten für Pflaumen und Zwetschen bleiben quantitativ noch weit hinter denen der Acpfelerute zurück. Am besten steht es in der Pfalz, in Baden und im Groß­herzogthum Hessen; weniger gute Ernten haben voraus­sichtlich Württemberg, Bayern, Königreich und Provinz Sachsen, Ostpreußen, Posen, während in den übrigen Gegenden nennenswerthe Erträge voraussichtlich nicht erzielt werden. Fehlernten in allen Obstsorten sind zu erwarten in den beiden Mecklenburg, in Hannover und Braunschweig.

Stendal. Verschwunden ist der sozialdemokratische Vertrauensmann des altmärkischen Kreises Stendal, Tischler Döbbelin. Die Sache erregt in sozialdciuokre« tischen Kreisen peinliches Aufsehen. D. war Vorsitzender und Kassirer des Holzarbeiterverbandes und leitete als solcher früher den Tischlerstreik, auch hatte er die Agitation bei der letzten Reichstagswahl in der Hand. Die ver­einnahmten Gelder verbrauchte er nach seinem Gutdünken. Ueber den Verbrauch einer Summe von mindestens 1000 Mk. ist er den Nachweis schuldig geblieben. Der Entflohene ist der vierte Kassirer des Holzarbeiter­verbandes, der mit der Kasse durchgebraunt ist.

Lenncp. Die flüchtige Riesen,chlange. Während des Schützenfestes in Lennep (Rheinprovinz) ließ ein Schanbudenbesitzer für Geld unter anderen Thieren auch eine Riesenschlange sehen. Um die Mittagszeit herum, als sich der Trubel verlau tn hatte, legte er die Schlange, nachdem er sie in eine wollene Decke ciugehüüt hatte, hinter seiner Bude in die Sonne, damit sie sich erwärme und entfernte sich dann für einige Minuten. Die Mittagsgluth hatte inzwischen die Schlange so mobil gemacht, daß sie aus ihrer Decke herauskroch und in den nahe gelegenen Kornfeldern verschwand. Der Budeu- besitzer versichert nun zwar, daß das geflohene Reptil Niemand gefährlich werde, und will Demjenigen, der es wieder herbeischafft, 20 Mark Belohnung geben; indessen

Washington, 15. August. Traurige Nachrichten kommen aus Amerika über den schrecklichen Zustand, in dem die amerikanischen Truppen und namentlich die Kranken sich befinden, die jetzt von Santiago auf Cuba in die Heimath zurückkehren. Das Aus ehen und der Gesundheitszustand der Bedauerswerthen sollen aller Beschreibung spotten. Bisher hatte die amerikanische Bevölkerung blos durch Zeitungsberichte Kenntniß von den Leiden und Entbehrungen, welche die Truppen in dem mörderischen Klima auf Cuba auszustehen hatten. Jetzt hat sie an den ausgemergelten Menschenruinen leibhaftige Bilder der schrecklichen Leiden vor sich. In Folge dieser Wahrnehmung herrscht nicht geringe Er­regung unter der Bevölkerung, die noch durch die Mit­theilung über schlechte Verpflegung der Truppen erhöht wird. Viele Tausende von Amerikanern dürften später mit denselben gemischten Gefühlen an den kubanischen Krieg zurückdenken wie die Spanier, und diejenigen amerikanischen Staatsmänner verfluchen, die auf den Krieg hindrängten. Die amerikanischen Kriegsaus­gaben, also die Kosten, welche der Krieg den nordamerika- nischen Unionsstaaten bis jetzt verursacht hat, werden auf 150 Millionen Dollars oder mehr als 600 Millionen Mark geschätzt. Das sind aber noch lange nicht die Gesammtkosten, denn abgesehen von vielem anderen, kommen dazu noch die Kosten der Rückbeförderung der Truppen und des Kriegsmaterials von den verschiedenen Kriegsschauplätzen, der Verpflegung der vielen Tausenden von Kranken und Verwundeten, die Pensionen, die an letztere zu zahlen sind usw. Weiter müssen auch dazu gerechnet werden die erhöhten Heeresausgaben, welche die in Folge des Krieges stattsindcnde Armeevergrößerung bedingt. Kurzum, die Amerikaner erhalten einen finan­ziellen Denkzettel an d«n Krieg, der ihrem Gedächtniß sobald nicht entschwinden wird.

Manila, 16. August. Vor Eröffnug der Beschießung gab Admiral Dewey dem General-Gouverneur Augustin eine Frist von einer Stunde zur Uebergabe. Angustin schlug die Aufforderung ab, worauf die Beschießung 9 Uhr vormittags begann. Dieselbe dauerte 2 Stunden. Sodann machten die Amerikaner einen Sturm auf die Verschanzungen. Die Spanier, welche keinen Widerstand versuchten, mußten sich in die zweite Verteidigungslinie und dann in die innere Stadt zurückziehen. Als der spanische Kommandant die Unmöglichkeit eines Wider­standes erkannte, hißte er die Parlamentärflagge und ergab sich. Die Verluste sind unbekannt. Die Spanier hatten in den Verschanzungen nur 3000 Mann, die Amerikaner 10 000, und zwar besser genährt und besser bewaffnet. Dem Vernehmen nach sind die Verluste auf amerikanischer Seite, infolge der sehr guten Anlagen der Verschanzungen, erhebliche.

Lokales und Provinzielles. * Schlüchtern, 19. August.

* Herr Assistent Rudling zu Sannerz ist zur Aushilfe des erkrankten Herrn Pfarrers Jestädt in Stein­haus vom 16. d. M. ab bestellt worden. Der Gottes­dienst in Schlüchtern, welcher seither durch Herrn Nüdling abgehalten wurde, wird durch die PP. Franziskaner in Salmünster bis auf Weiteres besorgt werden.

* Rentmeister Fülling, früher bei der König­lichen Stcucrkassc Schlüchtern Supernummerar, z. Zt. bei Königlichen Direktion der Verwaltung der direkten Steuern in Berlin, ist als Rentmeister nach Gersfeld versetzt worden.

* Am Donnerstag Nachmittag fuhr ein Rad­fahrer gegen die geschlossenen Eisenbahnschranken am Distelrasen (Fuldaer Landstraße) und erlitt eine bedenk­liche Gehirnerschütterung. Wegen der Curve sind die Schranken erst aus nächster Nähe zu sehen.

* Auf den Feldern herrscht jetzt reges Leben, tot einem Bienenfleiß bemühen sich die Landwirthe die Schnitternte zu Ende zu führen, um die schönen Früchte auch bei günstiger Witterung unter Dach zu bringen. Was Hände hat zum Arbeiten, muß mit anfüssen und aum beginnt das Morgengrauen, als auch schon die Thätigkeit ausgenommen wird, um sie erst mit Herein- brecheu der Nacht zu beenden. Ueber das Ergebniß der Halmfrüchte äußern sich unsere Bauern durchschnittlich zufrieden; ihre Sorge ist nur um günstiges Erntewetter.

* Daß beschädigte Reichsmünzen nicht kassen- mäßigen Geldwerth haben, wird noch immer viel zu