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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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JMI 66. Mittwoch den 17. August 1898. 49. Jahrgang.

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Ro^KÜn^a^ ^ die .Schlüchterner Zeitung« Ml^lUUtlsHkll werden noch fortwährend von allen .....-........-......------ ! Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Köln, 8. August. Der Schaden, welchen der letzte Orkan angerichtet hat, ist, wie sich jetzt herausstellt, weit größer, als vermuthet wurde. Mehrere werthvolle Fenster des Dome sind erheblich beschädigt. Da mehrere Telegraphenstangen umgeknickt wurden, sind zahlreiche Betriebsstörungen eingetreten. Seit Sonntag stockt der Telephonverkehr zwischen Köln, Berlin, Frankfurt, Nürn­berg, München und dem Saargebiet vollständig, desgleichen ist der telegraphische Verkehr auf weite Strecken unter­brochen. Hunderte von Arbeitern sind mit der Wieder­herstellung der Leitungen beschäftigt. Das Unwetter am Sonntag Abend hat nach übereinstimmenden Berichten namentlich an Bäumen viel Schaden gethan. Der Sturm scheint nicht nur in ganz Mitteldeutschland, sondern auch in anderen Theilen des Reichs gewüthet zu haben, be­sonders stark am Rhein.

In Eckdorf bei Köln sind Steine auf die Schienen der Vorgebirgsbahn gelegt worden, wodurch die Maschine entgleiste und der Heizer seinen Tod fand. Jetzt ist ein 18jähriger Bursche aus Efferen abgefaßt worden, als er wieder Steine auf die Geleise legte. Derselbe hat eingestanden, das Unglück veranlaßt zu haben.

Aus Düsseldorf schreibt man: Bei Rees ist am 30. v. M. die Leiche eines etwa sechsjährigen Mädchens aus dem Rhein gelandet worden. Zu gleicher Zeit ist bei Emmerich ein jüngeres Mädchen, bei Büderich ein ungefähr zehnjähriges und bei Ginderich ein etwa acht­zehnjähriges Mädchen im Rhein aufgefangen worden, worden. Die vier Leichen waren gut gekleidet. Auf welche Weise die Mädchen in den Strom gerathen und wer dieselben sind, hat noch nicht ermittelt werden können.

Arnsberg. Eine Windhose verwüstete am Sonntag einen Theil des Kreises Arnsberg auf viele Stunden Länge. Auf ihrem Wege sind fast alle Dächer abgc gedeckt und verschiedene Gebäude zusammengestürzt. Viele tausend Bäume sind entwurzelt, gewaltige Eichen liegen geknickt und zer pittert am Boden. Ein Schäfer rettete sich dadurch, daß er sich flach auf den Boden legte, ein Theil der Schafe wirbelte in die Luft. An der Eisengießerei Christianenhütte wurden die massiven Wände eingedrückt und das ganze Gebäude zerstört, während die benachbarte größere Schreibma'chinenfabrik und Papierfabrik ganz unbeschädigt blieb.

Wie furchtbar der Sturm am Sonntag den 7. d. M. in Berlebeck bei Detmold gewüthet hat, mögen folgende Zahlen beweisen: 5 Häu er sind vollständig vernichtet, 12 stark, 13 leichter und 10-12 weniger stark be­schädigt; außerdem sind 700800 Obstbäume, ferner in den Herr cha tlichen Waldungen nach Schätzungen eines Försters 500600 Festmeter Holz umgewcht.

Hannover, 10. August. Ueber einen militärischen Exzeß, der sich hier ereignet hat, berichtet dieKöln. Volksztg.": Ein aus dem Wiener Cafe kommender, zur Kriegsschule in Hannover kommandirter Fähnrich passirte die Nordmannstraße und begegnete einem Trainsoldaten, von dem er angeblich nicht vorschriftsmäßig gegrüßt wurde. Der Fähnrich soll den Mann nicht nur zur Rede gestellt, sondern sofort handgreiflich geworden sein. Der Schlag wurde aber von dem Trainsoldaten zurück ergeben, der Fähnrich zog das Seitengewehr, der Soldat flüchtete und lief in den Hausflur des an der Georg straße gelegenen Mäntelgeschäfts von Königsfeld. Dem verfolgenden Fähnrich war aber eine große Menschenmenge, die gegen ihn Partei nahm, unmittelbar auf den Fersen und bearbeitete ihn mit Fäusten und Stöcken, so daß er blutig geschlagen wurde und sich ebenfalls in das Königsfeld'sche Geschäftshaus flüchtete. Er würde von der sehr erregten Menge herausgeholt worden sein, wenn nicht alsbald mehrere Schutzleute erschienen wären, die sich vor dem Hause aufstellten und dem Ansturm der Menge begegneten. Alsbald erschien auch eine starke Patrouille der benachbarten Schloßwache mit aufgepflanzten Seitengewehr, welche den Fähnrich sowohl wie den Trainsodaten in ihre Mitte nahm, während die Schutz­leute einige Verhaftungen Vornahmen.

Eine hochangeschme Dame in Naumburg ließ sich dieser Tage in einem Geschäft verschiedene Decken vor legen. Nachdem sie, ohne etwas zu kaufen, wieder fort« gegangen war, bemerkte der Inhaber, daß ihm einige Decken fehlten. Die Dame wurde zurückgerufen und mußte die entnommenen Sachen bezahlen und ließ in ihier Verlegenheit auch noch die nunmehr bezahlten Sachen liegen.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar wird nach den bisher ge­troffenen Dispositionen am 29. d. M. Schloß Wilhelms­höhe bei Cassel wieder verlassen. Die Kaiserin bc absichtigt dann mit den kaiserlichen Kindern einen kurzen Sommeraufenthalt im königlichen Schlosse Oliva bei Danzig zu nehmen. Aus diesem Anlässe war der^ Hof­marschall der Kaiserin dort anwesend, um das Schloß einer eingehenden Besichtigung zu unterwerfen.

Eine große Kriegsübung wird, wie aus Mainz geschrieben wird, Ende dieses Monats das Brandenburgische Fuff artillerie-Regiment Nr. 3 mit den neuen Feldgeschützen, sogenannten Haubitzen, bei Limburg an der Lahn vor­nehmen. Auch mehrere Infanterie-Regimenter, sowie fast sämmtliche Train-Bataillone werden an dieser Uebung betheiligt fein, welche das größte militärische Interesse beansprucht, da sie mit der beabsichtigten Umwandlung der schweren Festungs- und Belagerungs-Artillerie in eine leichtere auch in der Feldschlacht verwendbare Waffen­gattung zusammenhängt. Nicht allein der Inspekteur der Fußartillerie, sondern auch Mitglieder aller mit dieser Waffe zusammenhängenden Abtheilungen des Kriegsministeriums und wahrscheinlich auch der Kaiser werden dieser Uebung beiwohnen.

Mainz, 12. August. Eine blutige That wurde heute hier vollführt. Die etwa 27jährige Susanna Baumann begegnete gegen 6 Uhr Nachmittags ihrem sich in Begleitung eines anderen Frauenzimmers befindenden Geliebten, dem 30jährigen Taglöhner --^fe; Swoboda in der Bauerngasse, und gab ihm mit einem Küchenmesser, das sie zum Kartoffelschäler, in der Kaserne benutzt hatte, einen Stich in die Brust. Der Verletzte brach sofort zusammen und starb an inneren Verblutungen auf dem Transport nach dem Spital. Die Thäterin ist verhaftet.

Darmstadt, 10. August. Die Vertreter der Metzger- Innungen von Darmstadt, Frankfurt, Mainz, Worms, Heidelberg, Mannheim rc. hielten hier eine Versammlung ab, um über die Stellung der Pferdemetzger den übrigen Metzgern gegenüber zu berathen. Die Delegierten sprachen sich dahin aus, daß die Pferdemetzger nicht als eigent­liche Metzger zu betrachten seien, sie seien vielmehr unter die Abdecker zu nehmen. Die Pferdemetzgerei sei ein Gewerbe, das mit den anderen Metzgereien nicht in Verbindung gebracht werden könne; die Bevölkerung selbst mache wesentliche Unterschiede zwischen einem Metzger und einem Pferdemetzger. In allen öffentlichen Schlacht­häusern seien die Pferdeschlächtcrcicn vollständig von den übrigen Schlächtereien getrennt. Es sei dies auch ein Grund, warum die Metzgerinnung als freie und nicht als Zwangsinnung bestände, man sei hier so nicht ge­zwungen, die Pferdemetzger in die Innung aufzunehmen

Gießen, 10. August. Der hiesigeAnzgr." schreibt: Zum Kapitel Unlauterer Wettbewerb" liefert der hiesige Detaillisten-Verein folgenden Beitrag: Gegen das seit Juni d. I. in der Bahnhofstraße eröffnete Colonial- waaren-GeschäftKölner Consum Anstalt" ist der hiesige Verein der Detaillisten auf Grund des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb eingeschritten und hat eine gerichtliche Verfügung dahin erwirkt, daß bis zur end- giltigen gerichtlichen Entscheidung in den zu Reklame- zwecken erfolgenden Bekanntmachungen dieses Geschäfts die Angabe:Detailverkauf zu Engrospreisen" wegzu- bleiben habe. Die von derKölner Consumanstalt" ausgeschriebenen Preise sind nämlich, wie Erklärungen anderer hiesiger Colonialwaatenhändler ergeben, für Waaren der gleichen Qualität die am Orte üblichen Detailpreise und keine Engrospreise. Da trotz des Ver­bots jener Passus noch zweimal in einem hiesigen Blatte erschien, wurde der Geschäftsinhaber in die angedrohte gerichtliche Strafe von 500 Mark genommen. Das Gericht hat auch veranlaßt, daß der FirmaKölner Consumanstalt" der Name des Geschäftsinhabers Friedrich Hackenberg beigefügt wurde. Ueber die Frage, ob diese Bezeichnung überhaupt erlaubt, wird das hiesige Land, gcricht zu entscheiden haben. Jedenfalls haben amtliche Mittheilungen ergeben, daß eine solche Firma in Köln Nicht erstirb

Ein außerordentlicher Silberfund wurde bei dem märkischen Ort Soldi« gemacht, bestehend in 20000 Stück pommerschen, polnischen, brandenburgischen, mecklen­burgischen und schlesi'chen Silberpfennigen und böhmischen Gulden aus dem 14. Jahrhundert.

Ausland.

Rom. Der achtundachtzigjährige Papst scheint so langsam hinzusterben. DerKöln. Ztg." wird gemeldet: Der Zustand Leos XIII. läßt sich unmöglich länger verheimlichen. Nach und nach hat er sich verschlimmert, und zur Zeit handelt es sich nur noch um einen ganz hinfälligen Greis, der wenig und sehr leise spricht, sich noch ein wenig bewegt und wie ein Vögelchen ißt, aber von dem man sonst weiter nichts erwarten darf. Schreiben und arbeiten kann er nicht mehr, ebenso wenig von dem Verlaufe der Geschäfte Kenntniß nehmen oder irgend eine Frage studiren. Das Denken ermüdet ihn, das Beten macht ihn zerstreut, so daß er zehnmal dasselbe Gebet anfängt oder von einem zum anderen übergeht, ohne es zu bemerken. Kurz, Leo XlH. scheint langsam zu vergehen wie eine weiße Kerze in ihrem goldenen Leuchter.

Spanien. Die spanische Regierung hat die von den Vereinigten Staaten gestellten Friedensbedingungen an­genommen. Diese Bedingungen sind olgende: l. Völlige Abtretung aller spanischen Inseln Westindiens mit Aus­nahme von Kuba; 2. Aufgabe der Oberhoheit Spaniens auf Kuba; die Vereinigten Staaten üben die Kontrolle über die Insel aus, bis eine dauerhafte Regierung ein­gerichtet ist; 3. Abtretung einer Ladronen-Jnsel als Kohlen-Station und vielleicht auch einer zweiten Kohlen- Station auf den Karolinen-Jnseln: 4. die Vereinigten 'Staaten lehnen die Uebernahme der Staatsschuld Kubas und Puerto Ricos ab; 5. die Vereinigten Staaten ver­langen keine Kriegs-Ent chädigung; eine spanisch- amerika irische Kommission soll beauftragt werden, die Fricdens-Bcdingungcn vollständig festzusetzen unter der Bedingung jedoch, daß die sämmtlichen «panischen Truppen unverzüglich Kuba und Puerto Rico räumen.

Washington, 12. August. Um 4 Uhr heute Nach­mittag wurde das Friedensprotokoll unterzeichnet. Ganz spanisch Westindien, sowie Manila werden sofort unter Aufsicht einer spanisch-amerikanischen Militärkommission den Vereinigten Staaten ausgeliefert. Der Waffenstill­stand wurde proklamirt. Eine Kommission in Paris ist mit der Entwerfung eines Vertrages beauftragt. Manila bleibt nur solange unter Amerika, bis die Friedens- kommission die Angelegenheiten in Bezug auf die Philippinen geregelt hat.

Türkei. Ueber die neuen Blutthaten im türkischen Vilajet Bitlis, woher gemeldet wird, daß 60 Armenier getödtet und drei Dörfer niedergebrannt wurden, fand in Konstantinopel eine Besprechung des französischen und russischen Botschafters statt. Die Unruhen sollen von der Gendarmerie inscenirt und von Kurden vollendet worden sein. Die Kurden plünderten und mordeten. Durch eine Ordre des Sultans wurde der Vali von Bitlis abgesetzt und der Generalsekretär des Ministeriums des Innern zu seinem Nachfolger ernannt. Diese Maßnahme erfolgte, um einer Intervention der Bot­schafter zuvorzukommen.

China. Während die Pest dieses Jahr in Hongkong nicht schlimm auftritt, haust sie desto ärger in Kanton. Täglich sollen dort etwa tausend Menschen daran sterben. Die Schreiner sind längst nicht mehr im Stande, eine genügende Anzahl Särge für die zahlreichen Opfer der Seuche zu liefern. Oft packt man vier oder fünf Leichen zusammen in eine Kiste und beerdigt sie so. Die Leichen von Auswärtigen, die keine Freunde in der Stadt haben, werden einfach in den Fluß geworfen. Eine Menge angsterfüllter Menschen leben in Dschunken auf dem Wasser, in der Meinung, sie seien dort sicher vor An­steckung. Die Krankheit verläuft meistens furchtbar- schnell. In Kanton sind Fälle vorgekommen, wo von einer ganzen Familie, die des Morgens noch in guter Gesundheit ihren Reis zusammen, am Abend Niemand mehr am Leben war. Man schützt die Zahl der in diesem Jahre dort bereits an der Pest gestorbenen Personen auf 80,000. Europäer werden jedoch nach wie vor nur vereinzelt von ihr ergriffen.