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SchlWemerMun

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 65.

Samstag, den 13. August 1898.

49. Jahrgang.

Generälen 9, und daß bei der Infanterie und Artillerie von 25 Obersten 15, von 18 Oberstlieutenants 13, von 90 Majors 79 und von 184 Hauptleuten 147 bürger­licher Herkunft sind. Der bürgerliche Stand überiviegt also durchweg, und zwar fast durchgängig ganz beträchtlich. Für unser Land kommt jedoch in dieser Frage noch in Betracht, daß nach der WÜrttembergischen Rangordnung die Offiziere und so weiter bis zum Oberst einschließlich hinab eo ipso den Personaladel haben, und anch Offiziere niederer Grade diesen Personaladcl durch Beleihung mit bestimmten Ordensauszeichnungen (Krouenorden bis zum Ehrenrittcrkrcuze einschließlich hinab, Militärverdienstorden in allen drei Klassen) erlangen. Dadurch rücken bei uns verhältnißmäßig viele Offiziere in den Adel ein, aber natürlich nur für ihre Person.

Sagan, 8. August. In den Forsten des Herzogthums Sagan verursacht der Rüsselkäfer ungeheuren Schaden. Die Käferlarve überwintert im Boden nahe den Baum- wurzeln ; der auskriechende Käfer durchbohrt die Wurzeln der jungen Bäume. Da das Ausroden und Verbrennen der betreffenden Bäume das beste Mittel der Vertilgung dieses Schädlings ist, so sind große Flächen mehrjährigen Bestandes in den Revieren Nikolschmiede, Loos und Karlshof verbrannt worden.

Ahlen (Wests.), 11. August. Ein kostspieliges Früh­stück leistete sich in einer hiesigen Familie das kleine Töchterchen. Es hatte einen auf dem Tische liegenden Hundertmarkschein weggenommen und ihn zum größten Theil zerrissen und gegessen; als man an merksaM wurde, war es gerade noch früh genug, den letzten Fetzen mit der Nummer zu retten, sodaß Aussicht vor« Handen ist, den Schein ersetzt zu bekommen.

Ausland

Rom, 9. August. Die neue Eneyklika des Papstes findet in allen Blättern die schärfste Zurückweisung. Die Opinione" findet, die Eneyklika sei ein Beweis dafür, daß Kirche und Jesuiten nunmehr ein und dieselbe Sache seien. DieItalic" fragt, warum der Papst zur Erhärtung seines Wortes, daß die Völker nur in der römischen Kirche ihr Heil finden, nicht einen Staat nenne, wo dies wahr geworden ist. Spanien, das die Treue zum Papst stets für eine Staatsnothwendigkeit gehalten, liege zerschmettert darnieder. Es bleiben nur noch die südamerikanischen Republiken; der Papst solle sich für eine entscheiden und deren Zustände vorführen.

Washington, 9. Aug. Der letzte Bericht Shafters über die gesundheitlichen Verhältnisse in der amerika­nischen Armee auf Cuba stellt die Zahl der Er- krankten auf 3681, darunter 2538 Fieberkranke fest. Shafter fügt hinzu, daß augenblicklich Dreiviertel seiner Truppen vom Fieber befallen wären. Die Schwere der Erkrankungen und die Langsamkeit der Teilung seien die Folgen namentlich der furchtbaren Strapazen während der ersten drei Wochen des Feldzuges. Das Kriegs- Ministerium in Washington hat deshalb den Plan, vor Santiago de Cuba eine amerikanische Armee stehen zu lassen, anfgeben müssen. Die Untergenerale des Generals Shafter haben an diesen das folgende Mcmorandnm gesandt:Wir, die unterzeichneten befehligenden Offiziere »er verschiedenen Brigaden, Divisionen rc. der kubanischen Okkupationsarmee, sind der einstimmigen Ansicht, daß diese Armee sofort von Cuba zurückgezogen werden und an einen Punkt an der Nordküste der Vereinigten Staaten gesandt werden sollte. Das kaun ohne Gefahr für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten geschehen. Das gelbe Fieber wüthet gegenwärtig nicht epidemisch unter den amerikanischen Truppen. Es treten nur einige sporadische Fälle auf. Die Armee wird aber vom Wechselfieber so stark heimgesucht, daß ihre KriegS- tüchtigkeit dadurch vernichtet wird. Wenn das gelbe Fieber, welches sicher in nächster Zukunft sein Erscheinen machen wird, epidemisch auftritt, so wird die Armee völlig vernichtet werde». Wir wissen aus dem Bericht kompetenter Offiziere und aus eigenen Beobachtungen, daß die Arme nicht im Stande ist, in das Innere der Insel vor- zurücken, daß es keine Wege giebt, wenn man es versuchen sollte und der Versuch nur dann ausgeführt werden könnte, wenn es zu spät ist. Außerdem sagen die besten ärztlichen Autoritäten auf Cuba, daß wir mit unserer jetzigen Ausrüstung während der Regenzeit garnicht im Innern existiren könnten, ohne furchtbare Verluste am Wechsel- fieber. Dieses ist fast ebenso todtbringend wie daS gelbe Fieber. Jetzt kann die Armee sortbesördert werden,

RpKpilltN^rr ""f bic .Schlüchteruer Zeitung" ^v|lCUUHy|/H werden noch fortwährend von allen

--........ Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser gedenkt am 20. August nach Berlin zurückzukehren. Donnerstag Morgen wohnte der Kaiser in der Doenche bei Wilhelmshöhe einer Gefechts­übung bei. Nach der Uebung fand ein Parademarsch statt. Die kaiserlichen Prinzen Adalbert, Anglist, Wilhelm und Oskar sind am Mittwoch Vormittag 11 Uhr von Wilhelmshöhe nach Potsdam abgcreist.

* DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine neue Verordnung zum Margarinegesetz, welche eine strenge und thunlichst häufige Revision der Fabrikationsstätten, Lagerräume und der Verkau sstättcu für Margarine, Margarinekä e und sonstige Ersatzmittel für Speise­fette rc. anordnet.

Unter den in Berlin und Umgegend leerstehenden Wohnungen ist der theure Westen am stärksten be- theiligt. Das wird begreiflich, wenn man die z. Zt. verlangten Preise ins Auge faßt. Danach sind in Berlin W. Oktober zu vermiethen u. A. je eine Wohnung zu 12 000 Mk., 11 000 und 10 000 Mk., zwei ä 7500, vier A 6000, über zwanzig zu 4000 und über vierzig zu 34000 Mk. Enttäuscht in seinen Erwartungen wird so mancher junge Mann, der nach Berlin kommt. Dies beweist auch recht deutlich die Statistik der Ge­sellschaft zur Fürsorge für die einwandernde männliche Jugend. Nach dieser sind in ihrem vergangenen Ge- schä tsjahr gegen 16000 junge Leute im Alter von 15 bis 21 Jahren nach Berlin gekommen und nicht weniger als 1050 haben schon innerhalb drei Wochen Berlin wieder verlassen. Denn an Arbeitskräften mangelt es in Berlin fast nie.

Ueber das Kurpfuscherthum in Berlin ver­öffentlicht Dr. Springfeld, Medizinalassessor beim Polizei­präsidium, in derAerztlichen Sachverständigenzeitung" eine interessante Statistik. Danach gab es am Schluß des vergangenen Jahres in Berlin 476 Pfuscher, es stand ein Pfuscher 4,6 Aerzten gegenüber. Während seit 1879 die Einwohnerzahl um 61 Prozent, die der Aerzte um 172 Prozent gestiegen ist, vermehrte sich das Kurpfuscherthnm um 1600 pCt. Dabei ist noch außer Betracht geblieben, daß in derselben Zeit die Kurpfuscherei unter den sogenannten Medizinalpersonen, den Apothekern, Drogmisteu, Hebammen, geprüften Heilgehilfen erschreckend angenommen haben soll Wie die Aerzte so sind auch diePfuscher" zu Vereinen zusammengetreten, die Vereine der verschiedenen Städte und Länder stehen mit einander in Verbindung, und von diesen Vereinigungen wird alles in die Wege geleitet, was zur Abwehr geschäftsstörender Gegenbewcgnngeu und zur Hebung des Geschäfts noth wendig ist. DerDeutsche Bund der Naturärzte und Naturheilknndigen" erstreckt sich über ganz Deutschland und zählt über 570 einzelne Vereine mit 72 000 Mit­gliedern. In Berlin gehören dem Bunde sieben Vereine mit rund 28 000 Mitgliedern an, in den Berliner Vor­orten acht Vereine mit 400 Mitgliedern. Berlin besitzt unter anderen sechs sehr gelesene Kurpfuscher-zeitungen. Von 30 Heilbädern dienen 12, von den 82 Privat- anstakten 6, von den Aerzten 14 der Kurpstischersache. Von den männlichenHeilkünstlern' Berlins rekrutireu sich 20 pCt. aus dem Arbcitcrstande, 40 pCt. waren früher Handwerker, 16 pEt. in Handel und Verkehr thätig, und nur 24 Prozent sind aus BerufSarten hervorgegangen, welche eine bessere Schulbildung, etwa bis Obertertia, voraussetzen lassen. Von den weiblichen Personen sind 58 pÄt. Dienstmädchen, 24 pCt. Kon­fektioneusen, 10 pCt. Arbeiterinnen, 4,9 pCt. Kranken« Pflegerinnen, 1,6 pCt. ohne jeden Beruf und nur 1 pCt. mit besserer Schulbildung. Von den männlichen Waren

Prozent bestraft, von den weiblichen 14,4 pCt. Die Kranken der Kurpfuscher rekrutiren sich zu einem großen Theil aus den besten Schichten der Bevölkerung.

Aus Württemberg. Das Kapitel über das Ueber« Siegen des Adels im OffizierkorpS, welches in der nord­deutschen Presse immer wieder von Neuem erörtert zu werden pflegt, sobald eine neue Rang und Onarticr- liste erscheint, hat jetzt auch in einem Theile der WÜrttembergischen Presse sein Echo gefunden. Dabei ist festgestellt worden, daß von den 15 wÜrttembergischen

^Diejenigen, welche dies verhinderten, werden für ben Verlust von den Tausenden von Menschenleben verant* wörtlich sein. Unsere Ansichten sind das Ergebniß von sorgfältiger persönlicher Beobachtung. Sie gründen sich auch auf die einstimmige Meinung unserer Militärärzte welche die Lage durchschauen."

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 12. August.

* Uebermorgen findet auf dem Acisbrunnen das alljährliche Fest der Weitzel'schen Stiftung statt; ebenso in Vollmerz die i0jährige Stiftungsfeier des dortigen Kriegervereins. An Zerstreuung fehlts also nicht.

Vom Vogelsberg, 8. August. Der überaus regnerische Charakter der ersten Hälfte des heurigen Jahres war gewiß nach Niemandens Sinn, am allerwenigsten aber nach dem des Landwirthes. Er gab sich deshalb auch einer nichts weniger als optimistischen Erwartung hin. Die landwirthschaftlichen Berichte aus dem ersten Halb­jahr klingen alle in dieser Tonart. Der Ausfall der Kornernte aber, wie auch das zu erwartende Ergebniß der anderen Getreidearten, das nun sicher steht, stempeln die diesjährige Ernte zu einer ganz vortrefflichen. Eine solche Kornernte, wie gegenwärtig, ist lange nicht dage­wesen. Die Scheunen werden fast allein voll von der reichen Kornernte, so daß sicherlich in diesem Jahre der Platz zum Unterbringen der Frucht mangeln wird. Wohl mögen ja die Aehren etwas weniger vollkommen lein, aber das Körnerergebniß muß doch nach der Menge des Korns reichlicher denn sonst ausfallen. Dazu hat eine vortreffliche Erntewoche das Korn rasch im Felde ausrösten lassen, so daß jetzt schon das meiste einge­fahren werden konnte. Da in unserer Gegend der Roggenbau den Haupttheil der Getreidekultur ausmacht, so kann man leicht den sehr guten Ausfall der Korn­ernte überschätzen. Nicht minder vortrefflich stehen aber auch Weizen, Hafer und Gerste. Letztere nur ist etwas kurz im Halm geblieben, Hafer aber hoch und üppig herausgewachsen. Wo man in diesem Jahre viel Weizen gebaut, da gibt es gleichfalls reiche Erträge. Dazu eine Futtercrnte, wie selten, die Heuböden gefüllt und die beste Aussicht auf die Grummeternte, an Grünfutter (Klee) ist kein Mangel.

Hanau, 11. August. Die hohen Viehpreise haben die hiesigen Metzger veranlaßt, für Schweinefleisch eine beträchtliche Preiserhöhung eintreten lassen. Schweine­fleisch kostet von jetzt ab 86 Pfg. per Pfund, Schwarten- magen 1,10 Mk., Fleischwurst 1 Mk., Leber- und Blutwurst 68 P g.

Frankfurt, 11. August. Im Laden Zeit 32 soll wieder in diesen Tagen eine sog. Kinderbrutanstalt er­öffnet werden, eine auf dem Gebiet der Kinderpflege erfolgreiche Neuerung. ObstdurchschnittSpreise vom Montag, den 8. August. Die Preise verstehen sich bei sofortiger Lieferung per 50 Kilo: Johannisbeeren Mk. 11, Stachelbeeren Mk. 12, Aprikosen Mk. 38, Pfirsiche Mk. 40, Heidelbeeren Mk. 8, Himbeeren Mk. 26,50, Reineclauden Mk. 25,50, ditto unreife Mk. 18, Zwetschen Mk. 22, Pflaumen Mk. 8, Frühäpfel Mk. 18, Früh- birnen Mk. 15, Mirabellen Mk. 27,50, Trauben Mk. 70, Preisselbeeren Mk. 14. Der allgemeine Maurer-Strike, der seit vorigen Samstag hier im Gange ist, dauert noch an und es ist vorerst ein Ende desselben nicht abzusehen. Auf den einzelnen Baustellen setzen nur eine ganz geringe Anzahl Leute die Arbeit noch fort und zwar arbeiteten gestern auf 219 Baustellen int Ganzen 70 Paliere mit 119 Gesellen und 61 Lehrlingen; darunter befinden sich drei Accordpartien aus Dieburg und Großzimmern mit ?5 Mann. Vor dem Strike arbeiteten an der gleichen Anzahl Baustellen insgesammt 140 Paliere und ca. 2500 Maurer. Es sind demnach über zweitausend Maurer gegenwärtig ausständig. Im Laufe diese Woche noch werden 800 - 900 Maurer, auch viele Verheirathete darunter, die Stadt verlassen, um anderwärts Beschäf­tigung zu finden; 500 haben sich bereits bei der Lohn- Commission abgemelbet, für die sich auswärts schon entsprechende Stellen gefunden haben. Die Sinkenden, insbesondere die Verheirathete», beziehen von der Strike- Kasse Unterstützung und die Controle über dieselben ist eine sehr scharfe.

Kirchhai«, 6. August. Die diesjährigen Herbst- mänövcr der 21. Division erstrecken sich zum großen Theile auch auf unsern Kreis. Gestern waren 22 Offi- ziere von genannter Division zur Jnspizirung de-