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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Jß. 64. Mittwoch, den 10. August 1898. 49. Jahrgang.
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- .^ ^—-- Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Die „Hamb. Nachr." veröffentlichen nachstehende Danksagung: „Die zahllosen Aeußerungen von tiefem i Schmerz und warmen Empfinden, welche dem unauslöschlichen Andenken meines großen Vaters gelten, nehmen einen so überwältigenden Umfang an, daß es unmöglich erscheint, den Leidtragenden für ihre Treue bis über den Tod hinaus im Einzelnen zu danken. Aus allen fünf Weltheilen hallt der Kummer, der die Familie an dem Sarge niederbeugt, in rührender Theilnahme wider, und es thut mir wehe, nicht jede Kundgebung beantworten zu können. Ich bitte die deutschen Zeitungen, diesen Worten Aufnahme zu gewähren und danke im Namen der nächsten Angehörigen von ganzem Herzen Allen, die durch Trostesworte und Blumenspenden von nie gesehener Pracht der Trauer, welche unser Land erfüllt. Ausdruck gegeben haben. Friedrichsruh. 3. August. H. Bismarck." — Die Memoiren Bismarcks. Wie die „Norddeutsche Allg. Ztg.« „zu wissen glaubt", sind^von diesem Memoirenwerke drei Bände fertig gedruckt. Fürst Herbert Bismarck hat von seinem Vater die Ermächtigung erhalten, die Veröffentlichung in dem Augenblicke vor- zunehmen, der ihm geeignet erscheine. Das klingt glaubwürdiger als die neuliche Nachricht, die Publizirung werde in kürzester Zeit erfolgen. Die Memoiren wurden schon vor geraumer Zeit von der Stuttgarter Verlagsanstalt Union für eine Million Mark erworben. — Eine k^^andere Meldung macht Mittheilung von Legaten des verstorbenen Fürsten an dessen Dienstpersonal. Sie betragen insgesammt 14 000 Mk., von denen sein langjähriger Kammerdiener 5000, ein Kutscher 3000, zwei Diener je 2000 und zwei Dienerinnen je 1000 Mk er- I hielten. Bei dem sehr großen aus viele Millionen sich y beziffernden Vermögen, das Bismarck hinterläßt, sind H 14000 Mark eine recht geringe Summe. Sonst ist es in solchen Kreisen Sitte, langjährigen treuen Dienern — der Kammerdiener war über 25 Jahre bei ihm — Leibrenten für ihr ganzes späteres Leben auszusetzen. Dazu aber bürsten 5000 Mk. nicht ausreichen; weit weniger noch 2000 oder gar nur 1000 Mk. — Ein ärgerlicher Skandal steht bevor. Zwei Hamburger- Photographen, Wilke und Priester, haben nach dem B. T. am Sonntag im Einverständniß mit dem am Sarge des Fürsten Wache haltenden Förster bei Nacht einen Vertreter in das Sterbezimmer eingeschmuggelt, welcher die Leiche bei Blitzlicht photographirte. Fürst Herbert hat die staatsanwaltliche Verfolgung bereits eingeleitet. Die beiden Photographen hatten acht Tage vorher vom Grafen Herbert die Erlaubniß zu einigen Aufnahmen im Schloßgarten und in der Umgebung erhalten. Diesen
V Erlaubnißschein benutzten sie in der Sterbenacht, um die wachehaltenden Förster zu täuschen; ehe diese sich von der Verblüffung erholt hatten, waren die Aufnahmen bei Magnesiumlicht vollzogen und die Eindringlinge wieder zum Fenster heraus. Die beiden Herren begaben sich dann nach Berlin, um die Platten zu verwerthen; sie forderten angeblich 50 000 Mk. dafür. Der Zeitpunkt, in dem bei Blitzlicht die Ausnahmen erfolgt sind, ist nach der „Berl. Volksztg." durch die photographirte Wanduhr verrathen worden, welche auf 2 Uhr 15 Minuten zeigte. Es hat sich dadurch auch ermitteln lassen, wer um diese Zeit die Wache bei dem Todten hatte und die Eindringlinge nicht an der Ausführung ihres Unterfangens hinderte. — Die „Leipziger Neuesten Nachrichten- erfahren von ärztlicher Seite, daß die Todesursache bei dem Fürsten Bismarck nicht nur Lungen-Oedem (Blutansammlung in der Lunge) sondern auch eine Verschlimmerung der offenen Beinwunde, an der Bismarck litt, gewesen ist. Bei der Unmöglichkeit, hier eine Operation vorzunehmen, sei das Ende unausbleiblich gewesen. Allerdings habe man geglaubt, daß es erst 8 bis 14 Tage später eintreten werde. München, 8. August. Der Schriftsteller Professor Dr. Georg Ebers ist gestern Abend in Tutzing gestorben.
Leipzig, 4. August. Kürzlich wurde bei Erdbewegungen am Nordfriedhofe eine große Menge von mensch- I lichen Gebeinen aufgefunden, die bei ihrer nothwendigen Translocirung nicht weniger als zweiundzwanzig Wagen ladungen bildeten. Ohne Zweifel waren es die Ueber-
in Massen zusammen. Infolge dieser Menschenau- sammlungen sind Pocken und gelbes Fieber dort ausgebrochen. Die Menschen sterben auf offener Straße, und die Behörden sind gezwungen, sie beerdigen zu lassen. — Die Zahl der Personen in Havanna, deren Lebensunterhalt auf öffentliche Kosten bestritten wird, wird auf 13 000 geschätzt.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchteru, 9. August.
*— Am nächsten Sonntag, 14. August, soll in den evangelischen Kirchen unseres Hessenlandes eine Kirchen- Kollekte zu Besten der Jdioten-Anstalt Hephata zu Treysa erhoben werden. Die Anstalt hat bis heute in den 5 Jahren ihres Bestehens 103 arme schwachsinnige Kinder ausgenommen. Viele von diesen haben durch die geeignete Anstalts-Behandlung in ihrem Zustande eine wesentliche Besserung empfangen. Die Anstalt will ja die armen Kinder nicht nur leiblich pflegen, sondern auch geistig zu wecken und zu heben und für's Leben wieder fähig und tüchtig zu machen suchen. Wohl bedarf manches dieser Kinder auch eine besonders sorgfältige, körperliche Behandlung, sind sie doch so oft daheim in unverantwortlicher Weise vernachlässigt uud verwahrlost worden. Aber die Hauptaufgabe der Anstalt beruht in der methodischen Erziehung und Anleitung ihrer Pflegebefohlenen. Dieser Ausgabe will man in der Anstalt dadurch nachkommen, daß man den Kindern einen eigenartigen Unterricht zu Theil werden läßt, in dem alles das in ihm geweckt werden soll, was das geistig gesunde Kind von selbst und spielend lernt. Auf dem Stundenplan der Anstalt-Vorschule lesen wir u. a. Fächer wie: Nachahmungsunterricht, Deckung des Formensinns, Farb- unterricht, Eigenschafts- und Anschauungsunterricht, Weckung des Zahlensinns, Sprechübung, Thätigkeits- Übung usw. In dieser Unterstufe sind allein 6 Lehrkräfte thätig. An etwa 30 Kinder konnte dieser Unterricht bereits abgeschlossen werden und sie werden jetzt in der eigentlichen Elementarschule weiter unterrichtet in allen den Fächern, die auch ein geistig gesundes Kind lernen muß. Wir überzeugten uns, daß verschiedene Kinder bereits fließend lesen und schreiben können. Dabei werden die Kinder in verschiedenen Abtheilungen in Handfertigkeit, Handarbeit und Handwerk, in häuslicher und landwirthschaftlicher Thätigkeit ausgebildet. Wir sahen z. B. 6 Knaben, die die verschiedenstens Sorten Bürsten und Besen selbstständig verfertigen. Ueberdies soll in den Kindern, denen trotz alledem hienieden das Loos nicht auf das lieblichste gefallen, — eine große Anzahl leidet neben dem Schwachsinn noch an Lähmungen u. s. w. — die Freude auf die himmlische Heimat geweckt werden. Für alles Göttliche und Ewige zeigen diese Kinder eine ganz besondere Empfänglichkeit, so daß man oft in Erstaunen gesetzt wird, wie sie bei ihrem schwachen Verstände gerade von religiösen Dingen so viel zn erfassen vermögen.
— Es ist mit großer Genugthuung zu begrüßen, daß wir endlich in unserem Hessenlande auch eine Stätte haben, da diesen Elenden die Hand zur Hülfe an Leib und Seele gereicht wird. Es ist aber auch Pflicht jedes evangelischen Christen in unserer engeren Heimat, daß er dieses Werk christlicher Barmherzigkeit, das auf die Liebesgaben anderer angewiesen ist, an seinem Theile unterstütze. Von Woche zu Woche mehren sich die Bitten um Aufnahme weiterer armer Zöglinge, so daß die Anstalt, die erst kürzlich einen großen Neubau hat errichten lassen, besonders der helfenden Liebe anderer bedarf. Noch sind die Kosten für jenen Neubau nicht gedeckt und die Kircheu-Kollekte am nächsten Sonntag soll zur Minderung der Bauschulden beitragen. Möchte jeder, der ein Herz hat für das Elend anderer, gern und freudig seine Gabe zur Kirchen-Kollekte beisteuern, um so an seinem Theile die Anstalt Hephata zu Treysa zu unterstützen, damit sie noch recht vielen armen schwach- sinnigen Kindern unseres Hessenlandes zum Segen werde.
*— Die Steigerung der Fleischpreise. Das Schlächtergewerbe, das stets zu den blühendsten gehörte, geht, wenn nicht alle Anzeichen trügen, nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland infolge der Grenzsperre, der Seuchen im Jnlande, der ungenügenden Versorgung der inländischen Viehmärkte, der dadurch unausbleiblichen Preissteigerung und anderer Umstände einer Krisis entgegen. Zu diesen Anzeichen kann man die bekannte Erklärung der Berliner Fleischerinnung rechnen, die darin gipfelte, daß ohne eine entsprechende Erhöhung der
reste französischer und preußischer Krieger, welche bei Blüchers Versuche, die nördliche Vorstadt von Leipzig zu nehmen, hier ihren Tod und ein gemeinscha'tliches Grab fanden.
Köln. Gestern, Sonntag Nachmittag, ging über Köln und Umgegend ein außerordentlich starkes Unwetter (Sturm mit Hagelschlag und Gewitter) hernieder. Häuser und Kirchen wurden abgedeckt, unzählige Bäume entwurzelt und viele Leute verletzt; ein Spaziergänger wurde vom Sturm erfaßt und in den Rhein geweht, wo er ertrank. In Poll stürzte der Kirchthurm und mehrere Häuser ein, in Hermühlheim das neue Bahnhofsgebäude und in Bayenthal der Kirchthurm, das Schulhaus, eine Maschinenfabrik und viele Häuser. Der Schaden ist enorm.
Saarbrücken, 4. August. Ein Soldat des 70. Jnf.- Regiments wurde gestern als Leiche aus der hiesigen Schwimmanstalt gezogen. Zweifellos liegt ein Verbrechen vor, da dem Ertrunkenen das Seitengewehr fehlte und er eine tiefe Wunde hatte. Den Eltern wurde vor 5 Jahren ein anderer Sohn meuchlings erstochen.
Wilhelmshaven, 5. August. Die erste Ablösung vom Kreuzergeschwader in Ostasien ist, heute mit dem Lloyd- dampfer „Darmstadt", Capitäu v. Cölln, in Stärke von 1400 Köpfen glücklich hier angekommen. Es war das der stärkste Transport, der bisher vom Auslande in die Heimath zurückgekehrt ist. Die Fahrt ging ziemlich glatt von Stätten, so daß für Hin- und Rückfahrt von hier nach der Kiautschaubucht einschließlich eines dreitägigen Aufenthaltes in dessen Hasen insgesammt nur drei Monate gebraucht wurden. Der Dampfer ging von hier ab am 4. Mai über Port-Said—Colombo — Singapore — Manila und erreichte die Kiautschaubucht am 16. Juni, wechselte die Besatzung und trat, die umgekehrte Route einschlagend am 19. Juni den Heimweg an, passierte am 31. Juli Gibraltar, 3. August Dower und ankerte am 4, August in der Jade. Die Führung des Trans« Portes hatte Kapitän zur See Becker, bisher Kommandant des Kreuzers „Arkona". Ein Theil der Offiziere mußte zur Rückfahrt wegen Platzmangels den Dampfer „Baiern" benutzen.
Ausland.
Madrid, 7, August. Spanien nahm die amerikanischen Friedensbedingungen an.
Madrid, 4. August. Der Kriegsminister empfing gestern ein Telegramm von General Macias, wonach der Garnisonchef von Pronce, Oberst San Martin, vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen wurde, weil er seinen Platz beim Anrücken der Amerikaner verließ. Der zweite Kommandant, Oberstleutnant Puig, beging Selbstmord, als er von dem Urtheil hörte. Diese durch die Morgenblätter bekannt werdenden Vorgänge erregen hier große Sensation.
Amerika. Wie die „Tribune" aus Washington meldet, soll Spanien den Friedensbedingungen so gut wie zugestimmt haben, ohne materielle Aenderungen zu verlangen. Die Konferenz habe die Zweifel hierüber beseitigt und alles deute auf einen eventuellen schnelleren Abschluß hin, als erwartet worden sei. Der französische Botschafter Cambon werde vielleicht schon am Freitag oder Sonnabend im Weißen Hause eine entgiltige Depesche übergeben können, welche zu einem sofortigen Waffenstillstand führen würde. Eine Meldung des New- Dorker „Herald" aus Washington besagt, vor dem Friedensschluß würden wahrscheinlich mehrere weitere Noten mit Madrid ausgetauscht werden, durch welche jedoch die Bedingungen nicht wesentlich geändert werden würden. Die Behörden erklärten, die Einstellung der Feindseligkeiten werde wohl vor dem Ende der Woche amtlich bekannt gemacht werden können. Sollte Spanien versuchen, die Unterhandlungen zu verschleppen, würden diese sofort abgebrochen und Spanien verständigt werden, daß nach deren Wiederaufnahme härtere Bedingungen gestellt werden würden.
New-Aork. 4. August. Die Führer der amerikanischen Truppen in Santiago erklärten dem General Shafter in einer Adresse, die Truppen müßten sofort in die Heimath zurück gebracht werden, wenn man sie nicht umkoqimeu lassen wolle. Die Truppen sollen deßhalb baldigst nach den Vereinigten Staaten gebracht werden.
Kay-West, 4. August. Auf der im Süden Kubas gelegenen Insel Pinos, welche als Militärhospital benutzt wird, strömen reiche und arme Leute aus Havana