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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 63.

Samstag, den 6. August 1898.

49. Jahrgang.

Die Trauerbotschaft von dem Ableben des Fürsten Bismarck erfüllt das ganze Vaterland mit einem Schmerze, der sich an Gewalt und erschütterndem Ernste nur ver­gleichen läßt mit den Tagen des Jahres 1888, an denen kurz nach einander zwei deutsche Kaiser ins Grab sanken. Die Hoffnung, daß der Allbezwinger Tod auch diesmal noch an dem greisen Recken vorübergehen werde, hat sich als trügerisch erwiesen. Auch der größte der Zeit­genossen hat der Sterblichkeit seinen Tribut entrichten, hat sterben müssen ein Mensch wie alle. Sein Tod bedeutet ein Weltereigniß. Aus den verschiedensten Gegenden liegen bereits Nachrichten vor, die den tiefen Eindruck widerspiegeln, welchen die Todes-Nachricht überall hervorgerusen. Alle civilisirten Nationen des Erdballs theilen die Trauer Deutschlands und in ehrfürchtigem Schweigen vernimmt die Welt die Kunde von dem Hin­scheiden des größten Zeitgenossen.

Besonders tief ist der Eindruck der Trauer-Nachricht in dem von uns befreundeten Oesterreich-Ungarn, das den Heimgegangenen Schöpfer des Dreibundes beweint, wie den Verlust seines eigenen Sohnes.Mit dem Fürsten Bismarck," sagt dieWiener Zeitung",ist eine jener gewaltigen Persönlichkeiten dahingegangen, wie sie nur selten in dem Rahmen der Weltgeschichte erscheinen, einem ganzem Zeitalter Inhalt und Gestalt, einer fernen Zukunft noch bestimmte Bahnen und Rich­tung gebend. Fürst Bismarck war der Schöpfer des deutschen Reiches, einer der Mitbegründer des Drei­bundes, welcher den Völkern Europas den Frieden hoffentlich für alle Zeiten erhalten wird, wie er es bisher gethan." DasFremdenblatt" schreibt:Der größte unserer Zeitgenossen ist gestorben. Fürst Bis­marck zählte zu den Kolossal-Figuren der Weltgeschichte. Bismarck fand eine Nation vor, die, obwohl eine der zahlreichsten und tüchtigsten Europas, ohnmächtig und ohne Ansehen war und sich vergeblich nach ihrer Aufrichtung sehnte. Bei seinem Hinscheiden ist diese Nation eine der ersten Mächte der Erde, ihr Wort fällt überall ins Gewicht." DieDeutsche Zeitung" sagt:Deutsch­lands größter Sohn, der letzte des großen Triumvirats Kaiser Wilhelm, Moltke, Bismarck, weilt nicht mehr unter den Lebenden; durch Deutschlands Völker nicht bloß, durch die Völker des Erdenrundes geht ein Beben und Todestrauer."

In Italien hat die Nachricht von dem Tode Bis­marck ebenfalls lebhaftes Mitgefühl erweckt. König Humbert sandte sofort ein Beileidstelegramm an die Familie Bismarcks und an Kaiser Wilhelm. Der Minister des Aeußeren beauftragte den Berliner Bot­schafter, das Beileid der italienischen Regierung zu über­mitteln. Dem auf Urlaub befindlichen Botschafter, Grafen Lanza, wurde der Befehl ertheilt, sich nach Friedrichsruh zu begeben, um die Regierung und den König bei der Beerdigung zu vertreten.

In Frankreich besprechen die Blätter namentlich Figaro",Temps",Dsbats",Liberts" Bis­marcks historische Bedeutung in würdigem, stellenweise sympathischem Tone.Figaro" vergleicht Bismarck mit Richelieu und Mazarin, weder England noch Oesterreich und Spanien könnten einen staatsmännischen Namen dem Bismarcks an die Seite stellen.

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Friedrichsruh. Die Leichenfeier fand am Dienstag Nachmittag um 6 Uhr in Friedrichsruh statt. Das Kaiserpaar war zu derselben von Kiel eingetroffen. Zutritt hatte außer den Familienmitgliedern und Beamten Niemand erhalten. Nach übereinstimmenden Berichten scheint eine Entzündung der Blutadern, an welcher Fürst Bismarck öfters litt, das Ende so rasch herbeigeführt zu haben. Es trat eine Verstopfung der Adern ein, in Folge deren Blut in die Lungen drang und hier einen Schlagfluß hervorrief. Nach einem Berichte soll der Fürst zwei Stunden lang in heftigstem Todeskampse ge­legen haben. Mehrere Stunden vor dem Tode hatte ihn das Bewußtsein schon verlassen. Schon am Samstag Abend habe er seine Umgebung nicht mehr erkannt. Von 9 Uhr ab lag er im Sterben, und die Bewußt­losigkeit machte ein Abschiednehmen von den Angehörigen unmöglich. Vor Eintritt des Todeskampfes habe er heftige Schmerzen und schreckliche Athemnoth gehabt. Ein anderer Bericht sagt, die Schmerzen seien so stark gewesen, daß man das Stöhnen des Sterbenden auf der Straße gehört hab«. Es muß ein schwerer Tod

R§stpÜlt1iapH "^ bie .Schlüchterner Zeitung" jPl'PllUU»mvll werden noch fortwährend von allen . ........._ . : Postanstalten und Landbrieftrügern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Fürst Bismarck f.

Otto Eduard Leopold von Bismarck war am 1. April 1815 aus dem Familiengut Schönhausen im Regierungs­bezirk Magdeburg geboren als Sohn des Rittmeisters Karl Wilhelm Friedrich Ferdinand von Bismarck und der Luise Wilhelmine Menken, Tochter des Geheimen Kabinetsraths Menken. Im Jahre 1821 nach Berlin in die Plamann'sche Erziehungsanstalt gekommen, besuchte Otto von Bismarck seit 1827 das Friedrich Wilhelm- Gymnasium, seit 1830 das Graue Kloster, um 1832 an die Universität Göttingen überzusiedeln, wo er die Rechts­wissenschaften studirte und Mitglied des KorpsHan- novera" war. Im Herbst 33 kehrte er nach Berlin zurück, 36 wurde er Referendar bei der Regierung zu Aachen, 37 bei der zu Potsdam. Dort genügte er auch seiner Militärpflicht. 1838 weilte er in Greifswald, um landwirthschaftliche Studien zu treiben. Bei der Erbauseinandersetzung erhielt Otto von Bismarck die Güter Schönhausen und Kniephof. In Schönhausen wurde er Deichhauptmann, 1846 auch Abgeordneter der Ritterschaft des Kreises Jerichow für den Provinzal- landtag. In dieser Eigenschaft betheiligtc er sich an den Verhandlungen des Vereinigten Landtags zu Berlin. Durch seine konservativen Ausführungen erregte er schnell die Aufmerksamkeit des Königs Friedrich Wilhelm IV. 1849 wurde er für Westhavelland in das Abgeordneten- JjattS gewählt, 1850 in das Erfurter Parlament. Ucberall bekannte er sich damals als eifriger Freund Oesterreichs und als Gegner der deutschen Einheitsbestrebungen. Die juristische Laufbahn hatte Otto von Bismarck m-i der diplomatischen vertauscht. 1851 wurde er zum preu­ßischen Gesandten in Frankfurt a. M. ernannt. Was er in dieser Stellung erstrebt und gewirkt hat, das ist namentlich aus dem Quellenwerk über Bismarck bekannt. Er wurde ein so ausgesprochener Gegner Oesterreichs, daß er nach Petersburg versetzt wurde. Anfangs 1862 ging er als Gesandter nach Paris; aber schon am 23. September desselben Jahres erfolgte seine Ernennung zum interimistischen Vorsitzenden des Staatsministeriums, und am 8. Oktober zum Ministerpräsidenten und Minister des Aeußeren. Hier übernahm er die Führung im Verfassungskamp^. Trotz des Streites fand Bismarck auch die Unterstützung der Linken in der Handelspolitik. In die erste Regierungszeit Bismarcks fällt die polnische Revolution, der Fürstentag, dann der Krieg mit Däne­mark. Am 15. September 1865 wurde dem Minister Präsidenten der Grasentitel verliehen. Die Geschichte der Augustenburger Kandidatur für den Thron von Schleswig Holstein, des Krieges mit Oesterreich, der Gründung des Norddeutschen Bundes, der Abschluß der Bündnisse mit den Südstaaten, die Entwickelung der Luxemburger Frage, die spanische Thronkandidatur des Prinzen von Hohenzollern, der Krieg mit Frankreich: Alles das ist noch in frischer Erinnerung, nicht minder das Kriegsgeschrei von 1875 und der Berliner Kongreß von 1878. Die Geschichte des Fürsten Bismarck im Einzelnen erzählen, hieße überhaupt die deutsche Geschichte und einen großen Theil der Weltgeschichte der letzten Jahrzehnte schreiben. Ueberall ist sein Wort, sein Wille von Einfluß gewesen. Vermählt hatte sich Fürst Bismarck am 28. Juli 1847 mit Johanna v. Puttkamer, der Tochter des Rittergutsbesitzers Heinrich v. Puttkamer aus Biartlum, die ihm im Winter des Jahres 1894 durch den Tod entrissen wurde. Die Ehe war eine sehr glückliche; drei Kinder sind ihr entsprossen: Die Gräfin Marie Elisabeth Johanna, die mit dem Grafen Kuno von Rantzan vermählt ist,. und die Grafen Herbert und Wilhelm Bismarck. Am 18. März 1890 reichte Fürst Bis- Marck auf wiederholtes Verlangen Kaiser Wilhelm's II. fein Entlassungsgesuch ein, das am 20. März unter Verleihung der Würde eines Herzogs von Lauenburg an Bismarck und seiner Ernennung zum Generalobersten der Kavallerie genehmigt wurde.Es war ein Be gräbniß erster Klasse , so äußerte der Fürst später. Viel Dank, viel Freundschaft hat Fürst Bismarck er­fahren, aber auch manche Schwäche und Kleinlichkeit der Menschen.

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gewesen sein, was auch schon daraus sich schlitzen läßt daß nach demselben Berichte das Aussehen des Todten erschütternd sei. Er sei gar nicht mehr wieder zu er­kennen, das Gesicht vollständig eingefallen, das Kinn gänzlich herabgesunken. In Folge dessen ist auch die Aufnahme von Photographiern der Leiche nicht gestattet worden. Die Todtenmaske wurde allerdings abgenommen, einmal im Auftrage der Familie und dann im Auftrag des Kaisers von einem Beauftragten des Bildhauers Reinhold Vegas. Auch eine Aufbahrung der Leiche hat nicht stattgefunden und das Publikum hat keinen Zutritt zu derselben erhalten. Ein Blatt berichtet, der Fürst habe schon vor Jahren mit seinen Kindern die Vertheilung seines ungeheuren Vermögens, das sich zu nicht geringem Theile aus Dotationen und Geschenken gebildet hat, ver­einbart. Friedrichsruh soll dem ältesten Sohne, dem Grafen Herbert, zufallen; Varzin erbt Graf Wilhelm. Das Baarvermögen, das bei der Bank von England und dem Bankhause Bleichröder, das bekanntlich für den Fürsten Bismarck spekulirte, hinterlegt sei, übersteige den Betrag von 60 Millionen Mark. Die eigenhändig unterzeichnete letztwillige Verfügung, worin der Fürst für den Fall seines Todes angeordnet, daß er an einer bestimmten Stelle des Sachsenwaldes begraben werden will, schließt:Als Grabschrist wünsche ich: Fürst von Bismarck, geboren am 1. April 1815, gestorben . . . und den Zusatz: Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms 1." Nicht nur über die Grabstätte und Grab- schrift, sondern auch für die Schriftart hatte Fürst Bismarck schon 1896 Bestimmungen getroffen.

Die Memoiren Bismarck's, die in einer süd- deutschen Verlagsbuchhandlung seit längerer Zeit gedruckt liegen, sollen nach einer sehr unwahrscheinlich klingenden Nachricht demnächst in. 300 000 Exemplaren zur Ausgabe gelangen. Fürst Bismarck ist nahezu 1000 Monate ah geworden. Am.1. April beendete der Verstorbene das 83. Jahr, den 996. Monat seines Lebens. Am 31. Juli waren weitere 4 Monate verflossen, sodaß nur ein Tag an den 1000 Monaten fehlt.

Deutsches Reich. "

Berlin. DerReichsanzeiger" veröffentlicht in einer Extraausgabe folgenden Erlaß des Kaisers: Mit Meinen hohen Verbündeten und mit dem ganzen deutschen Volke stehe Ich trauernd an der Bahre des ersten Kanzlers des Deutschen Reichs, des Fürsten Otto v. Bismarck, Herzogs von Lauenburg. Wir, die wir Zeugen seines herrlichen Wirkens waren, die wir an Ihm, als dem Meister der Staatskunst, als dem furchtlosen Kämpfer im Kriege wie im Frieden, als dem hingebensten Sohne seines Vaterlandes und dem treuesten Diener seines Kaisers und Königs, bewundernd aufblickten, sind tief erschüttert durch den Heimgang des Mannes, in dem Gott der Herr das Werkzeug geschaffen, den unsterblichen Gedanken an Deutschlands Einheit und Größe zu ver­wirklichen. Nicht ziemt es in diesem Augenblick, all« Thaten, die der große Entschlafene vollbracht, alle Sorgen, die er für Kaiser und Reich getragen, alle Er olge, die er errungen, aufzuzählen. Sie sind zu gewaltig und mannigfaltig, und nur die Geschichte kann und wird sie alle in ihre ehernen Tafeln eingrabeu. Mich aber drängt es, vor der Welt der einmüthigen Trauer und der dankbaren Bewunderung Ausdruck zu geben, von welcher die ganze Nation heute erfüllt ist, und im Namen der Nation das Gelübde abzulegen, das, was Er, der große Kanzler, unter dem Kaiser Wilhelm dem Großen geschaffen hat, zu erhalten und auszubauen, nnd, wenn es noththut. mit Gut und Blut zu vertheidigen. Dazu helfe uns Gott der Herr!

Ich beauftrage Sie, diesen Meinen Erlaß zur öffent« lichcn Kenntniß zu bringen.

Friedrichsruh, den 2. August 1898.

Wilhelm, L R.

An den Reichskanzler.

Hoftrauer für den Fürsten BiSmarck. Auf Befehl des Kaisers legt der königliche Hof für Seine Durchlaucht den Fürsten von Bismarck, Herzog von Lauenburg, vom 1. August ab Trauer auf zehn Tage an. Nach einer Mittheilung derKreuzzeitung" hat der Kaiser auf den Wunsch, die sterblichen Ueberreste Bismarcks in Berlin beisetzen zu lassen, verzichtet und erklärt, er wolle in dieser Beziehung ganz den letzt- willigen Bestimmungen des Fürsten Folge geben. In der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche fand am Donnerstag,