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ZchlüchternerMtmg

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 62.

Mittwoch, den 3. AllMst 1898.

49. Jahrgang.

in Berlin die Fahnen auf Halbstock gesetzt. Die schmerz­liche Theilnahme der Bevölkerung gibt sich fortdauernd am ganzen Tage kund. An allen öffentlichen Orten wird das historische Ereigniß eingehend erörtert. Ueberall offenbart sich ernste und bewegte Stimmung.

Berlin, 1. August. Der Kaiser hat aus Bergen in Norwegen einen Armeebefehl erlassen und befohlen, daß die Offiziere des Landheeres und der Marine acht Tage um den linken Arm Flor anzulegen haben. Für die Halberstädter Kürassiere sind besondere Bestimmungen erlassen. Der Kaiser ordnete an, daß sämmtliche Kriegs schiffe am Beisetzungstage des Fürsten Bismarck einen Trauersalut feuern und die Toppflaggen halbstocks setzen sollen.

Von der Nordlandsreise des Kaisers. Wie aus Bergen telegraphirt wird, gedenkt der Kaiser bis Sonntag Abend dort zu bleiben. Die Ankunft in Kiel erfolgt am 2. August Vormittags. Der Aufenthalt da­selbst dauert bis 3. August Abends; in Wilhelmshöhe wird der Kaiser am 4. August Vormittags eintreffen. Das Wetter ist schön.

Eine Ver'ügung des preußischen Ministers des Innern andie RegicrungspräsidentenwirdvomVorwärts" veröffentlicht, in welcher diese aufgefordert werden, darüber zu berichten, wie sich die sozialdemokratische Be­wegung in den einzelnen Kreisen der betr. Regierungs­bezirke thatsächlich gestellt hat, und welche besonderen Verhältnisse sozialer oder sonstiger Art etwa zu dem Anwachsen der Sozialdemokratie Anlaß gegeben haben. Der Ministerfersucht, die Ergebnisse der bezüglichen Er­mittelungen, die sich besonders auf das Anwachsen der Sozialdemokratie auf dem platten Lande erstrecken sollen, in den nächsten Halbjahrsbericht, betreffend den Stand der sozialdemokratischen Bewegung, aufzunehmen und demselben besonders charakteristische Flugblätter und andere Kundgebungen beizufügen.

Als Nachfolger des Herrn v. Plötz im Vorsitze des Bundes der Landwirthe wird Major a. D. v. Endell genannt. Dieser ist ein ebenso überzeugter Agrarier, wie es Herr v. Plötz war.

Eine Aenderung in der Besoldung der Kreis­thierarzte in Preußen ist derBerl. thierärztl. Wochen­schrift" zu olge beabsichtigt. Eine an die Kreisthierärzte gerichtete behördliche Umfrage hat zum Zweck, die Höhe ihrer Einnahmen aller Art, sowie ihre Stellung zu einer etwaigen Gewährung von Pauschalentschädigungen an Stelle der Tagegelder und Reisekosten zu ermitteln.

Ueber das Lehrlingswesen äußern sich nur wenige Berichte der Regierungs- und Gewcrberäthe für 1897, während in früheren Jahren vielfach ausführliche Erörterungen über diesen Gegenstand statlfanden. Trotz­dem aber nun für das letzte Berichtsjahr nur verhältniß- mäßig wenige Angaben vorliegen, so stimmen dieselben doch alle darin überein, daß die Neigung der Eltern, ihre Kindern als Lehrlinge zu einem Meister zu geben, noch weiter stark in Abnahme begriffen ist. Be­sonders tritt diese Erscheinung da zu Tage, wo Groß­betriebe in der Nähe sind. Andrerseits wird aber auch die Thatsache konstatiert, daß Seitens der Meister nur wenig Neigung zur Ausbildung von Lehrlingen besteht. Für die Zukunft des Handwerkes eröffnen diese Angaben gerade keine günstigen Aussichten.

Eine werthvolle Sendung passirte auf dem Wege nach Rußland Berlin. Es war dies ein mit 9870 Kilo­gramm Gold beladener Güterwagen, der in den Schnell­zug eingestellt war und von Paris nach Petersburg zur Beförderung gelangte. Das kostbare Metall, das in kleinen Kistchen verpackt war, wurde während der langen Reise von drei Beamten bewacht.

Kiel. Die Kapitäne mehrerer aus der Ostsee in Kiel eingetroffenen Schiffe berichten von riesigen Holz- massen, die sie auf hoher See treibend gesehen haben. Das Holz stamme offenbar von Schiffen, welche bei dem letzten Sturm untergegangen seien. Von den Schiffen selbst fehlt jede weitere Spur.

Nürnberg. Ueber einen Zusammenstoß zwischen O fizieren und Soldaten wird von derAugsburger Abendzeitung" berichtet: In der Nacht vom Sonntag auf Montag fuhren drei Offiziere der Fürther Garnison per Rad in Civil von Nürnberg nach Fürth. Unter- negs außerhalb des Nürnberger Stadtbezirks begegnete chncn ein Trupp Soldaten des 14. Infanterie-Regiments. Der erste Offizier fuhr in der Dunkelheit mit seinem Rade einen Soldaten an, verfolgte jedoch seinen Weg

ItUfltlhniAMt ""^ die .Schlüchterner Zeitung" Mk^^UUIl^^N werden noch fortwährend von allen =!!!!!!!!!!!!^^ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Friedrichsruh, 30. Juli. Der Alt,Reichs kauzler Fürst Bismarck ist heute Abend 11 Uhr verschieden.

Das Ableben des Fürsten erfolgte am Samstag Abend kurz vor 3,411 Uhr. Seit Mittag waren wiederholt Schlaganfälle eingetreten, die zur Folge hatten, daß das Bewußtsein des Kranken schwand. Gegen Abend lag der Fürst im Halbschlummer und erkannte seine Umgebung nicht mehr. Die Abwesenheit Professor Schwennigers, der am Freitag erklärt hatte, eine un­mittelbare Gefahr sei ausgeschlossen, brächte die Familie Bismarck in die höchste Aufregung. Um 9 Uhr schon konnte man sagen, daß der Fürst im Sterben liege. Seine kraftvolle Natur wehrte sich fast zwei Stunden im heftigsten Kampf gegen den Tod. Kurz nach zehn Uhr traf Professor Schweninger ein; er konnte nur konstatieren, daß der Fürst sich bereits im letzten Stadium des Todeskampfes befand. Der Fürst verschied, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, umgeben von seinen beiden Söhnen und den Schwiegertöchtern, seiner Tochter, der Gräfin Rantzau, und dem Grafen Rantzau, dessen beiden Söhnen und dem Professor Schweninger, sowie zwei Dienern und einer Pflegerin. Die Gräfin Rantzau drückte ihren Vater die Augen zu. Ueber die letzten Lebensstunden des Fürsten Bismarck wird folgendes berichtet: Das Befinden des Fürsten Bismarck war, den - -Hamburger Nachrichten" zufolge, am Freitag ein relativ befriedigendes. Sonnabend Vormittag las der Fürst die Zeitung, sprach über Politik, und trank. Plötzlich um 3 Uhr Nachmittags trat eine Verschlimmerung durch akutes Lungenoedem ein. Es schien, als könne das Schlimmste jeden Augenblick erwartet werden. Der Fürst litt große Schmerzen und war sehr erschöpft. Bald trat Bewußtlosigkeit ein, die nicht wieder völlig gewichen ist. Sofort wurde Professor Schweninger tele­graphisch herbeigerufen. Erst um halb elf Uhr traf derselbe in Friedrichsruh ein. In fliegender Hast be­stieg er mit den beiden Rantzaus, die ihn erwartet hatten, den bereitstehenden Wagen und jagte dem Schlosse zu. Eine Minute später betrat er das Krankenzimmer, aber nur um zu sehen, daß ärztliche Kunst hier nichts mehr vermochte. Der Fürst erkannte auch seinen langjährigen Arzt nicht mehr. Der Tod trat leicht und schmerzlos gegen 11 Uhr ein. Geheimrath Schweninger suchte dem Sterbenden noch durch Linderung der Athmungsbeschwerden Hilfe zu leisten. Die letzten Worte des Fürsten waren an seine Tochter, die Gräfin Ratzau, gerichtet, welche ihm die Stirne getrocknet hatte:Danke, mein Kind !". Am Sterbelager war die ganze fürstliche Familie versammelt und außer Geheimrath Schwenninger und Dr. Chrysander noch Baron und Baronin Merck zugegen. Nachdem Geheimrath Schweningc" während 3 Minuten keinen Athemzug und keinen Puls mehr wargenommen hatte, erklärte er, daß der Tod eingetreten sei. Der Fürst liegt, wie er zu schlafen pflegte, leicht mit dem Kopf nach links geneigt. Der Gesichtsausdruck ist mild und friedlich verklärt. Der Fürst wird seinem Wunsche gemäß auf der dem Schloß gegenüber liegenden Anhöhe in der. Nähe der Hirschgruppe beigesetzt worden. Fürst Bismarck ist 83 Jahre und 4 Monate alt geworden.

Se. Majestät der Kaiser erhielt am Sonnabend Abend spät durch den Grafen Herbert Bismarck die erste besorgnißerregende Nachricht über das Befinden des Fürsten Bismarck und war tieferschüttert durch die ihm Sonntag früh zugegangene Todesnachricht. Die Flagge der ..Hohenzoüern" wehte Halbmast. Die Flaggenparade Unterblieb und der Kaiser befahl sofortige Rückkehr nach Deutschland; er wird Montag Abend in Kiel eintreffen.

Auf dem königlichen Schlosse in Berlin wehen seit Sonntag Mittag die Kaiserstandarte und die Branden­burger Flagge halbmast. Auf dem Schlosse der Kaiserin Friedrich wehte auch eine Flagge halbmast, die aber später niedergeholt wurde. Auf dem Palais des Regenten von Braunschweig, Prinzen Albrecht von Preußen weht schon seit Sonntag früh die Flagge halbmast.

Aus Anlaß des Ablebens des Fürsten Bismarck haben die Reichs- und Staatsgebäude sowie vielePrivathäuser

weiter, ohne zu bemerken, was hinter ihm vorging. Die Soldaten fielen nämlich über die beiden anderen Offiziere her, rissen sie vom Rade, und mißhandelten sie mit den Seitengewehren. Die beiden Mißhandelten sind ein Premier- und ein Sekondelieutenant vom 21. Infanterie- Regiment. Der Eine kam mit leichteren Verletzungen davon, während der Andere schwer verwundet wurde durch verschiedene Hiebe und Stiche, insbesondere durch einen Stich in den Nacken. Er lieat noch bewußtlos darnieder und wird an seinem Aufkommen gezweifelt. Er stand früher in Nürnberg beim 14. Infanterie- Regiment in Garnison. Die Soldaten sollen ihn erkannt und gerade deshalb so schwer mißhandelt haben. Zwei der Bethciligten sind bereits ermittelt und verhaftet.

In Bruchsal ist auf dem Speicher des Rathhauses ein hochinteressanter Fund gemacht worden. Armen- raths-Sekretär Schmitt entdeckte beim Suchen nach einem anderen Gegenstände eine bis oben hin mit alten Ur­kunden gefüllte Kiste, daneben auch eine sogenannte Zankgeige" mit Oeffnungen für Hals und Hände, wie sie in früheren Jahrhunderten als Strafmittel für zank­süchtige Weiber in Gebrauch waren. Von den meist auf Pergament geschriebenen Urkunden 195 an Zahl ist die älteste vom Jahre 1278 datiert.

Ausland.^

Petersburg, 29. Juli. In Ost- und Mittelrußland herrscht ein Nothstand, wie er seit dem Hungerjahre 1891/92 nicht wieder erlebt worden ist. Im Gouvernement Kasan ist, wie russische Blätter melden, die Sommer­ernte so schlecht ausgefallen, daß das Getreide nur noch behufs Verwendung zum Viehfutter gemäht wird; im Norden des Gouvernements Kaluga hat die Dürre die Aussaaten zerstört. Aus Tschistopol wird gemeldet, daß das Landschaftsamt ein Darlehen von 500 000 Pud Roggen zur Aussaat und 700 000 Pud Roggen zur Erhaltung des hungernden Landvolkes sucht (1 Pud = 16 Kilo). Aus den Gouvernements Woronesh, Rjäsan, Tula, Kostroma und Twer wird das Auftreten der Hessenfliege gemeldet, die in einzelnen Kreisen */*, in anderen/a allen Getreides vernichtet hat; in Twer, Moskau und Smolensk hat der Getreidekäfer Ver­heerungen, namentlich unter dem Weizen angerichtet; im Königreich Polen stockt der Getreidehandel, weil chwere Regengüsse in den niedriger gelegenen Gegenden alles Heu und das gesammte Getreide vernichtet haben. Gegen das Vorjahr hatte die Getreide-Ausfuhr allein in der letzten Juniwoche sich um 5/a Million Pud verringert.

London, 30. Juli. Laut einer Meldung aus Schanghai ist das chinesische KriegsschiffFutschi" bei Port Artrur im Sturm untergegangen. 146 Personen ertranken.

New-Uork, 28. Juli. Eine Depesche derEvening- Post" aus Washington meldet, der Staatssekretär Day und der stellvertretende Sekretär des Staatsdepartements, Moore, hätten die Grundzüge für die Friedensverhand­lungen festgesetzt, um dieselben dem Kabinet zu unter­breiten. Ueber die Einzelheiten wird Stillschweigen be­obachtet, doch kann man mit Bestimmtheit behaupten, 'daß Folgendes die Hauptpunkte sind: 1) Aufgabe der spanischen Oberhoheit über Cuba mit dem Zugeständnis daß die Bevölkerung Cubas unter amerikanischen Schutze berechtigt ist, sich eine dauernde Regierungsform zu wählen. 2) Absolute und unbedingte Abtretung von Portorico an die Vereinigten Staaten. 3) Regelung der Philippinen-Frage durch eine Konferenz oder Kom­mission. Die Amerikaner werden für sichein Maximum von kommerziellen Vortheilen verbunden mit einem Minimum von Regierungsverantlichkeit beanspruchen. Was die Ladroncn, Karolinen und sonstigen Errungenschaften be­trifft, so würden diese Fragen kein Hinderniß für die sofortige Einigung und den Friedensschluß bilden.

Lokales und^rovinzielles.

* Schlüchteru, 2. August.

* Eine sehr zeitgemäße Mahnung, die überall beachtet werden sollte, erläßt der Magistrat von Salz- ungen in folgendem: Bei Beginn der Ernte richten wir an die Einwohnerschaft das Ersuchen, zur Vermeidung von Feuersgefahr für genügende Beaufsichtigung der Kinder und für sichere Aufbewahrung der Zündhölzer Sorge zu tragen.

* Wiederholt wird in den Zeitungen darüber geklagt, daß durch falsche Versprechungen ausländischer