Aus der Rhön, 23. Juli. „Heiße Tage, kalte Nächte", das war hier die Signatur der letzten Tage. Auf der hohen Rhön ist die Temperatur in den Morgenstunden unter den Gefrierpunkt gesunken. Auf der 950 Meter hohen Wasserkuppe waren die Wiesen des Morgens weiß vom Reif und am Schwabenhimmelberg (927 Meter) erzählten die Mäher, daß die feuchten Stellen mit Eis überzogen gewesen seien. Um sich vor Kälte zu schützen, hatten die Heumacher, die auf der hohen Rhön des Nachts in Zelten schlafen, die Zelte dick mit Heu umpackt. Auch die Touristen klagten, daß des Abends eine scharfe Kälte auf den Höhen herrsche.
Aus Hessen, 27. Juli. Einen rentablen Erwerbszweig bieten jetzt unsere Wälder mit ihrem reichen Wachsthum der Heidelbeerstaude, die in diesem Jahre besonders viel Früchte trägt. Aus Stadt und Land ziehen täglich schaarenweise die Leute mit ihren ferien- frohen Kindern oft stundenweit hinaus zur Heidelbeerernte und kehren meist erst spät am Abend, mit schweren Körben beladen, heim. Fleißig muß der Sammler sein, wenn der Erlös die Arbeit lohnen soll. Auf den Märkten in Hers'cld, Hünfeld und Fulda gilt der Schoppen Heidelbeeren nur 4—5 P''g.. je nach dem Angebot, und die Händler, welche die Beeren auf ländlichen Sammelstellen aufkaufen, geben jedenfalls noch weniger. Das Versandtgeschäft ist schwunghaft. Auf den Güterabfertigungsstellen Hersfeld, Neukirchen, Burghaun, Fulda, Hettenhausen, Lütter, Melkers und Langenbieber kamen in diesem Sommer schon 89 546 Kolli Heidelbeeren im Gewicht von 580180 Kilo zur Aufgabe. Für diele Frachtstücke sind rund 50 000 Mark an die Beerensammler gezahlt worden.
Kassel. Die 21. Division hält ihre Herbstmanöver in, der Gegend von Kirchhain ab und zwar vom 13. bis 20. September. Zuvor, vom 7. bis 12. September, finden die Brigademanöver der vereinigten 83. und 41. Jnfanteriebrigade unter der Führung des Generalmajors v. Gilsa in der Gegend nordöstlich von Gießen statt. Das Thüring. Ulanenregiment Nr. 6 wird der 42. Jnfanternbrigade zugetheilt.
Kassel. Einige hiesige zoologische Sachen sammelnde Herren entdeckten ein wahres Kreuzotternest. Es gelang ihnen von diesen 14 Stück zu fangen. Dieselben haben die Größe von 20— 68 Centimeter. Es wurde zwar einer der Herren von einem Thiere in den Daumen gebissen, doch» unterband man die Wunde sofort, da man sich mit allem vorgesehen hatte.
Eschwege, 27. Juli. Der Meisterradfahrer der Welt, Herr Carl Miller aus Chicago, ist jetzt in seiner Heimath, Hitdebrandshausen bei Wanfried, eingetroffen, und soll einen erklecklichen Verrath amerikanischer Goldfüchse mitgebracht haben. Er wird sich u. a. am 24-Stunden» Rennen um den großen Preis von Berlin betheiligcn
Kirchhain, 28. Juli. An hiesigem Bahnhöfe herrscht gegenwärtig ein außerordentlich reges Treiben. Man ist nämlich damit beschäftigt, etwa 50 Waggons Schienen, welche für den Bau der Ohmthalbahn bestimmt sind, abzuladen. Die hiesigen Bahnhofsantagen erwiesen sich wie schon öfters viel zu klein, um sämmtliche Waggons aufnehmen zu können; etwa die Hälfte derselben mußte in den Vorstationen ausgesctzt werden. Trotz der guten Löhre, es werden 40 Pf. pro Stunde gezahlt, macht sich ein stark fühlbarer Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Die mit der Wegschaffung der Schienen betraute Firma I. H. Fülling hierselbst sah sich genöthigt, um die nothwendigen Arbeitskräfte einzustellen zu können, heute den Stundenlohn von 40 auf 50 Pfg. zu erhöhen, gewiß bei lOstündiger Arbeitszeit ein guter Lohn.
Aus dem Kreise Schmalkalden, 27 Juli. Durch die Erwirkung des Königl. Herrn Landraths Dr. Hagen wird den ärmeren Gemeinden des Kreises zum Neubau von Schulhäusern eine ansehnliche Staatsbeihilfe in olge Allerhöchsten Erlasses zugewendet. Die Gemeinde Unter- schönau hat bereits 14 000 Mark erhalten und erhält noch weitere 10 000 Mark. Zum Neubau des Schul- anwesens in Grumbach sind 12 800 Mark bewilligt. Für die Gemeinde Aue stehen 14 000—15 000 Mark zur Verfügung. Der Gemeinde Elmenthal waren zum Schulneubau bereits 7500 Mark zugewiesen, dieselbe erhält als Nachtragsverwilligung noch 5000 Mark, also zusammen 12500 Mark. Sonach werden für den Kreis 64— 65 000 Mark Staatsbeihilfen gewährt.
Die Erbin von Mallersbrunn.
Originalronian von Marie Roman- fSortftjiuHg )
„Fünftausend und dreihundert Franken!" wiederholte sie nochmals. „(Sagt mir, Giaco, was Ihr anfangen werdet, wenn Ihr die Anstalt verlassen habt, — Einen Handel?"
„Was weiß ich!" rief Giacomo.
„Aber Ihr werdet arbeiten?"
„Ei, das versteht sich! Wird man nicht suchen, so viel wie möglich Geld zu verdienen, wenn man ein herz^' liches Weibchen gefunden hat?"
„Aber, Giaco!" machte Sofia.
„Was willst Du?" rief Giacomo. „Du wirst nicht wünschen, daß ich den Tag mit Liebeleen verbringe?"
„Und wie viel ist es, was Ihr für den Ankauf der Einrichtung berechnet habt?" fragte die Alte wieder.
„Habt Ihr bedacht, daß meine Sofia so gut wie gar keine Mitgift hat?"
„Ei was, Mitgift!" erwiederte Giacomo lebhaft. „Sofia ist gemacht, um mir das Herz auf eine andere Seite zu kehre». Weiter bedarf es nichts, um glücklich zu werde», wie ich annehmen barf."
Die Alte stimmte zu.
„Und ich? fragte sie dann eifrig.
„Ich werde Euch pflegen," bestätigte Giacomo. „Seht, daß ichs gut meine," ward er erregter; „hier sind — es ist das Ersparniß, welches ich von meiner letzten Löhnung erübrigte — zwei Dukaten! nehmt sie, Mutter Forghese; ich gebe sie Euch, damit ihr Euch pflegt, bis die Zeit um sein wird, die ich noch in der Anstalt zuzubringen gezwungen bin."
Die Alte sah ihn strahlenden Blickes an.
„Welch eine Wohlthat, einen Eidam zu haben!" rief sie.
„Giacomo," hauchte Sofia, „überlegst Du auch, ob ich dir alles ersetzen kann?"
„Du Schelm," warf Giacomo hin.
Sofia lachte selig.
„Ich wollte, die Zeit Deines Dienstes in St. Sal- vatore wäre vorüber," meinte sie in der herzigen Weise, die ihr so wohlgefällig anstand; „wie viele Wochen noch, Giaco?"
„Bei der heiligen Jungfrau, die Zeit wird lang sein!" entgegnete die Alte.
Giacomo lächelte.
„Ich werde nicht lange bei Euch bleiben dürfen," meinte er, um der Antwort auszuweichen, die man von ihm begehrte. „Ich habe nur für ein paar Stunden Urlaub erhalten; um zehn Uhr muß ich in der Anstalt zurück sein."
„Wie schade!"
„Gewiß schade," bestätigte Mutter Forghese. „Wie kommt es nur, daß man einen Menschen so abhängig machen kann!"
„Geduldet Euch nur ein paar Wochen," sprach sprach Giacomo heiter. „Ich kann heute freilich den Tag meines Abgangs aus St. Salvatore nicht so genau angeben, wie ich möchte, aber lange wird es nicht mehr währen. Wenn der Winter kommt, so hoffe ich, wird Sofia mein Weibchen sein."
„Der Tausend!" rief die Alte.
Sofia lachte; aber dieses Lachen stand ihr so reizend an.
„Ganz arm ist Sofia nicht," sprach die Alte plötzlich wohlgemuth. „Sie hat schon seit drei Jahren ein Viertel von allem, was sie verdiente, für ihre Ausstattung bei Seite gelegt."
„Wirklich?" rief Giacomo.
Sofia nickte. Sie holte einen Schlüssel aus der Tasche ihres Kleides, und ging zu einem Schranke, welches das einzige betrachtenswerthe Möbelstück im Stüb- chen ausmachte, und ließ Giacomo die kleine Herrlichkeit an Wäsche bewundern, mit deren Anschaffung sie über den Verlauf der letzten drei Jahre beschäftigt gewesen war.
„Nun?" sprach sie lustig. „Ist Giaco zufrieden mit dem, was ich ersparte?
Giacomo war des Lobes über den Fleiß des Mädchens voll. Er herzte sie, betrachtete lustig tändelnd die kleinen Spielereien, welche sie aus ihrer Kindheit bewahrte, und sprach über kommende Tage und über alles, was die Liebe schönes und Verlangenswerthes zu ersinnen vermag.
Endlich erhob er sich.
„Ich muß nun leider fort, sagte er geschäftig, nachdem er Sofia küßte; „es würde unangenehme Stunden für mich geben, würde ich nicht bis zehn Uhr zurückgekehrt sein."
Sofia seufzte.
„Es ist möglich, daß ich während der nächsten Woche nicht wieder Erlaubniß zum Ausgang haben werde," sprach Giacomo weiter; .darum sorgt Euch nicht, wenn ich nicht wiederkomme, bis mein Dienst in derAnstalt verlaufen ist. Sobald meine Zeit um ist, werde ich bei Euch sein."
„Ungefähr wann?" drängte Sofia.
„Ein paar Wochen, Schatz. Und nun laßt mich weiter. Es ist halb neun Uhr vorüber und der Weg bis zur Anstalt dehnt sich. Lebt wohl, Mutter Forghese," fügte er, der Alten die Hand reichend, hinzu; „pflegt Euch und, bis ich wiederkomme, denkt an mich."
„Ei," rief die Angeredete, „das versteht sich! Man vergißt nicht so leicht, wenn man einen wackeren und strebsamen Eidam hat!"
„Also lebewohl, Giaco," sprach Sofia heiter.
„Du vergißt mich nicht?"
..Schelm, warf Giacomo hin. Noch einen Kuß, dann war unter heiterem Geplauder der Zurückgebliebenen die Treppe hinab.
Sofia trat vor die Mutter hin.
(Fortsetzung folgt.)
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Vermischtes.
— Den Anblick, den die Wracks des Geschwaders Cervera's vier Tage nach der Vernichtung barboteit. schildert ein Bericht von Bord des amerikanischen Zeitungs schiffes „Daunleß" folgendermaßen: Alles was übrig geblieben ist, ist der Schiffsrumpf, nicht mehr als altes Eisen. Die Panzerplatten sind vollständig abgerissen und verbogen. Von Innen nimmt sich das Zerstörungswerk noch grausiger aus. Kessel, Maschinen, Magazine
sind in eine unkenntliche Mnsse verbogenen und geschmolzenen Eisens und Stahls verwandelt. Explodirte Bomben, durch die Feuersgluth vollständig verbogene Gewehre und Revolver, Stücke von Messing, Gold- und Silbermünzen, Alles durch die Gluthhitze geschmolzen und verbogen, liegen im Schiffsraum umher. Erhöht wird das schreckeiisvolle Bild noch durch die in dem Wasser innerhalb der Schiffsrümpfe auf- und niedertanzenden, zerstückelten und verbrannten Leichen hundert braver Soldaten. Das Innere des Schiffsrumpfes nimmt sich wie ein lebendig gewordener Kirchhof aus. Aasvögel warten begierig darauf, daß die See ihre Opfer auswirft. Mitunter werden Theile menschlicher Körper aus Land gespült. Ueber der ganzen Szene lagert es wie Tod und Zerstörung. Soweit es überhaupt möglich ist, erhalten die Leichen spanischer Seeleute ein anständiges Begräbniß. Die menschlichen Körper, für die es keine Beisetzung gibt, sind entweder fast ganz eine Beute der Flammen geworden, bis zu einer einzigen Masse verkohlt oder liegen auf dem Meeresgrund, eine Beute der Haifische. Die beerdigten Leichen sind in einem Massengrabe am Strande untergebracht. Nur ein aus Schiffstrümmern rohgezimmertes Kreuz bezeichnet die Stelle des Todtenfeldes, wo Spaniens stolzeste Hoffnung begraben liegt.
— Was kostet ein Schuß? Vor Santiago erdröhnten die amerikanischen Marinegeschütze und zerstörten unbarmherzig die Häuser der Stadt. Wer aber hat schon einmal überlegt, welchen Kostenaufwand das erfordert, und was jeder einzelne Schuß kostet? Dumpf knallt das 110 Tonnen Geschütz, und mit seinem Geschoß fliegt die artige Summe von 6535 Mark auf Santiago zu. Ein ganz reichliches Jahreseinkommen erfordert also jeder Schuß aus dem Geschütz, dessen Kosten auch nur die Kleinigkeit von 350 000 Mk. betragen, um so schmerzlicher für eine fürsorgliche Marineverwaltung aber, als nach 95 Schuß an eine Brauchbarkeit des EisenkolosseS nicht mehr zu denken ist, so daß ein jeder Schuß allein eine Abnutzung von 3475 Mk. darstellt. Etwas besser gestalten sich die Verhältnisse bei den 67 und 45 Tonnen- Geschützen, deren Geschosse nur 3680 resp. 1960 Mk. kosten und erst nach dem 127. resp. 150. Schuß unbrauchbar sind. Immerhin kann man sich hieraus einen Begriff machen, was ein Krieg kosten muß, wenn allein drei Geschütze bei nicht einmal langer Brauchbarkeitsdauer eine Summe von 656 000 M. (330 000, 200 000, 126 000 M. nöthig machen. Amerika ist übrigens das einzige Land, welches noch solche gewaltigen Geschütze besitzt. Unsere Deutsche Marine hat längst kleinkalibrige Geschütze mit großer Durchschlagskraft eingeführt, die sich vortrefflich bewähren.
— Die Herbstzeitlose kann dem Vieh als Giftpflanze sehr gefährlich werden; es kommt manchmal vor, daß ein Thier auf einmal nicht frißt, leidet an Unverdau- lichkeit, giebt röthliche Milch, hat starken Durchfall, mistet blutig rc.; da kann man sich oft gar nicht vorstellen, was schuld sein soll; 'die Mehrzahl solcher Fälle darf man dem Genuß der Herbstzeitlose zuschreiben. Wenn das Futter kurz geschnitten gefüttert wird, ist diese Pflanze um so gefährlicher, weil das Vieh daS Futter nicht so gut verlesen kann, als in langem Zustande.
- Von dem Umfange des Vogelmordes legt eine von der Revue Scientisique" in Paris wiedergegebene Mittheilung Zeugniß ab, die von Frau Edwards Phillips an die Jahresversammlung der Selborne-Gesellschaft gemacht wurde. Die genannte Dame wohnte neulich in London einer öffentlichen Versteigerung von Vogelbälgen und Federn bei und machte einige Angaben über die dort verhandelten Mengen. Da wareu zunächst etwa 318 Kilogramm Federn vom Seeadler, ferner 58 Kilogramm Geierfedern. Sonst wurde die Waare in Ballen verkauft, deren Inhalt sich der Menge nach nicht genau bestimmen ließ, aber soviel war sicher, daß jeder Ballen die Überbleibsel von Hunderten von Vögeln enthielt. Verkauft wurden auf diese Weise 215051 Ballen Pfauenfedern, 2362 Ballen Baradiesvogelbälge, 228 286 Ballen indische Papageien, 1677 Ballen Bronzetauben. 116 490 Ballen Kolibris, 48 749 Ballen Häher und Taucherkönige, 4852 Ballen Gold- und andere Fasanen, 7163 Ballen Eulen und Sperber, endlich noch 38198 Ballen verschiedener Vögel Und solcher Vesteigerungen sollen im Jahre deS Heils 1897 mindestens vier in Lodon statgefunden haben. Sollte man da nicht wirklich glauben, daß das ganze Vogelgeschlecht im Verschwinden begriffen ist?
— Abgeführt. Einer Touristengeselschaft in der sächsischen Schweiz hatte sich ein Berliner 'HandlungS- reisender angeschlossen, der bald das große Wort führte und sich durch seine „Witze" lästig macht. Plötzlich wird der Himmel durch schwere Regenwolken verfinstert. „Na, wat meenen Sie, meine Herrscha tm , sagt der Berliner, det wär'n Vergnügen, wenn wir jetzt fe’n tleenen Wolken- bruch kriegten!" -^ „Mein gutes Härrchen", entgegnet ein biederer Sachse, „das wär wirtlich gar nicht so schlimm; da brauchen Sie bloß den Mund recht weit auszumachen, da geht Sie bequem alles rein,"
Schwiegerväterliches Entgegenkommen, Gastwirth; „Ja, baar Geld gebe ich meiner Tochter nicht mit, aber wissen S', Sie können die Mitgift bei mir abtrinken," — Aha, „Die kleine Olga ist ein süßes Mädchen — der reine Zuckerl" — -Aber auch ss rassinirtl"