Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

SchlWernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 61. Samstag, den 30. Juli 1898. 49. Jahrgang.

^fti>lhtMrt<»tl auf ^e .Schlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen - - - Postanstalten und Landbriesträgern

owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Juli. Der Kaiser ist jetzt wieder aus der Heimreise begriffen. Morgen Donnerstag wird seine MachtHohenzollern" in Bergen eintreffen. Nach der Rückkehr von seiner Nordlandsreife wird der Kaiser sich nach Liegnitz begeben, um dort der am 4. August statt- findenden Enthüllung des Denkmals seines Großvaters beizuwohnen.

DerBerliner Lokalanzeiger" meldet aus Friedrichsruh: Das Befinden des Fürsten Bismarck hat sich verschlechtert. Der Fürst hat seit drei Tagen das Bett nicht verlassen. Die Anschwellung, welche bisher nur ein Bein befallen hatte, beginnt sich über den ganzen Körper auszudehnen. Die Grafen Herbert und Wilhelm Bismarck sind mit ihren Gemahlinnen am Krankenlager ein­getroffen. Auch der Leibarzt Dr. Schweninger ist anwesend.

Herr Berthold von Plötz, der Vorsitzende des Bundes der Landwirthe, Mitglied des Reichstages und Landtages, ist nach schwerem Leiden Sonntag Abend in seiner Heimath gestorben. Er erkrankte während der Reichstags-Wahlzeit, in der er noch lebhaft thätig war, und ist seitdem nicht mehr genesen.

DerFranks. Ztg." zufolge erwähnte auf dem Schifffahrts-Kongresse in Brüssel Herr Ministerialdirektor Schulz in seiner Rede, die preußische Regierung werde vom nächsten Landtag 400 Millionen Mark für künstliche Wasserstraßen fordern.

DasCentralblatt d. Walzw." theilt mit, daß die preußische Staatsbahn-Verwaltung eine Lieferung von 15 000 Güterwagen und 1000 Lokomotiven ausgeschrieben habe.

Hamburg, 27. Juli. DieHamburger Nachrichten" erhalten über das Befinden des Fürsten Bismark fol­gende authentische Auskunft: Das Befinden des Fürsten ist unverändert. Der Schlaf in letzter Nacht war gut Kein Grund zur Beunruhigung vorhanden.

Das polnische BlattWiarus" in Bochum meldet, der Regierungspräsident in Düsseldorf habe die Aus­weisung sämmtlicher ausländischen Polen angeordnet, die nicht in der Landwirtschaft beschä tigt seien. Den in­dustriellen Arbeitern, welche bereits länger als zwei Jahre dort thätig seien, und deren Ausweisung dem be­treffenden Arbeitgeber Verluste verursachen würde, sei der Aufenthalt ausnahmsweise bis zum 15. November gestattet. Die landwirthscha tlichen Arbeiter dürften nur bis zur Beendigung der Saisonarbeiten geduldet werden.

Erfurt. Beim Wiener Jubiläums Schießen hat ein als Meisterschütze bekannter Geschäftsmann in Erfurt, der Kleiderfabrikant Gustav Blume, folgende erste Preise sich herausgeschossen: Auf laufenden Hirsch eine seidene Fahne, in welche 400 Kronen in Gold eingewebt sind, und 460 Kronen baar; auf Sauscheibe die Ehrengabe des Kaisers von Oesterreich: eine in Silber getriebene Hirschgruppe, und 400 Kronen bar; auf Pistolenscheibe 1000 Kronen baar und einen 1 '/g Kilo schweren Humpen

Eisenach, 27. Juli. DieEllen. Tagespost" schreibt: Wie hoch die Thätigkeit unseres Lehrerstandes gewerthet wird, und zwar seitens der Regierung, verrieth wieder einmal die amtliche Bekanntmachung der Ordensver­leihungen, welche aus Anlaß der 80. Geburtstagsfeier unseres großherzoglichen Herrn erfolgt sind: Da werden als Empfänger der .silbernen Verdienstmedaille" genannt erst 12 Dorfbürgermeister, dann 2 Gendarmerie-Ober- Wachtmeister. 5 Fußgendarmen, 1 Oberaufseher, 11 Steuer­einnehmer, 3 Forstaufseher und erst an siebenter Stelle 12 Lehrer; nach ihnen kommen nur noch 6 andere, mit verschiedenen Titeln (wie Balletmeisterin, Ministeriell- kanzleidiener, Hausmeister u. a.),

Preuzlau. Ein Sträfling, der das Gefängniß nicht verlassen will und gewaltsam daraus entfernt werden muß, dürfte wohl einzig in den Gefängniß-Annalen dastehen. Ein, solcher Fall ereignete sich dieser Tage in Pren^lau; dort mußten dem Schlächter R, der nach Verbüßung einer vierjährigen Gefängnißstrafe aus der Anstalt entlassen werden sollte, vier Gefangenen-Aufseher gewaltsam die Freiheit wiedergeben, da er nicht z» be­wegen war, freiwillig das Gefängniß zu verlassen. Nachdem er auf diese unsanfte Weise an die Lust gesetzt

warf er sich auf die Straße, von wo er erst mit Hilfe der herbeigeholten Polizei wieder entfernt wurde.

Rastenburg, 28. Juli. Gestern wurde eine Zigeunerin verhaftet, welche wegen eines schweren Verbrechens steck­brieflich verfolgt wird. Bei Untersuchung der Wagen bemerkte man zwei Kinder, die von den Zigeunern auf Streifzügen geraubt worden sind.

Ausland.

Griechenland. Eine Lieferung von 83 Schnellfeuer- Geschützen stärksten Kalibers, 30000 Mauser-Repetier- Gewehren und 4'/2 Millionen Patronen ist von der griechischen Regierung mit einer der ersten deutschen Waffenfabriken vereinbart worden. Die Geschütze, die hauptsächlich für die im Kriege verloren gegangenen Kanonen Ersatz bieten sollen, sind binnen sechs Monaten zu liefern, während die Gewehre und Patronen schon innerhalb sechs Wochen von einem nach Deutschland zu entsendenden griechischen Offizier entgegen genommen werden.

Hongkong, 27. Juli. Nach Berichten aus Wutschau dauert in dem südlichen Theile der Provinz Kwang-si der Aufstand fort. Die Zahl der Aufrührer wird auf 40 000 geschätzt. Am 16. d. Mts. wurde der Ort Kwailing angegriffen. Die Mandarinen haben 7400 Mann zur Verfügung. Die Aufständischen haben 2OoO Mann der Reichstruppen in der Nähe von Jung-jun geschlagen. Das britische KanonenbootTweed" liegt noch immer in Wutschau, täglich treiben viele ver­stümmelte Leichen an dem Schiffe vorüber.

Washington, 27. Juli. Im heutigen Ministerrathe wurde auf Vorschlag Mac Kinley's beschlossen, es solle dem Wunsche Spaniens auf Einleitung von Friedens Verhandlungen stattgegeben werden. Der Krieg wird aber gleichzeitig fortgesetzt, bis Spanien zuannehm­baren" Friedensbedingungen sich versteht.

Washington, 27. Juli. Eine amtliche Auslassung der Regierung besagt:Der französische Bot'chacker Cambon hat im Namen der spanischen Regierung auf Ansuchen des Ministers des Aeußeren dem Präsidenten Mac Kinley gestern Nachmittag im Weißen Hause eine Botschaft der spanischen Regierung überreicht, die das Ende des Krieges und Feststellung der Friedensbeding­ungen bezweckt. Nachdem sich Cambon ent ernt hatte, hatten die Sekretäre Alger und Jong lange Besprechungen mit dem Präsidenten. ,

Lokales und Provinzielles

* Schlulprern, 29. Juli.

* Ueber die derzeitigen Obstaussichten liegen dem Pract. Rathgeber rc. aus der Provinz Hessen-Nassau 26 Berichte vor, die wie folgt sich aussprechen: Aepfel Mittel bis gering, Birnen Mittel bis gering, Haus-

Daliegenden, sodaß Räder und Fahrer einen Knäuel bildeten. Während Gunzenau am Leibe keinen Schaden davontrug, aber ein lahmes Rad davonschob, beklagte Freiensteinau einen ausgerenkten Arm, während das Rad heil blieb. So ziemlich um dieselbe Zeit durchfuhr ein Radfahrer aus Wiesbaden den hiesigen Ort, stürzte und zerbrach das Schlüsselbein, weshalb er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Im benachbarten Radmühl fiel auf eine mit Waschen beschäftigte Frau eine Schicht Lehm.von der Decke und verletzte sie so, daß sie ebenfalls den Arzt zu Rathe ziehen mußte.

Wächtersbach, 25. Juli. Zur Frage der Rentabilität der Kleinbahn Wächtersbach-Birstein sei hier mitgetheilt, daß bereits am 15. Juli die Einnahmen aus dem ; Personen- und Güterverkehr eine Höhe erreicht hatten, . die seitens der Verwaltung nicht erwartet worden war. Die in Voranschlag für den Monat Juli angenommene Gesammteinnahmesumme war bereits bis zum 12. Juli eingegangen. Am Freitag entgleiste wiederum ein Güterwagen des von Birstein nach Wächtersbach fahrenden Abendzuges Nr. 7. Kurz vor Station Hellstein sprang der am Ende des Zuges sich befindende Güter­wagen aus dem Geleise. Sofort wurde der Zug zum Stehen gebracht, der entgleiste Wagen abgehängt und die Passagiere konnten ohne bedeutende Unterbrechung ihre Reise nach Wächtersbach zu fortsetzen. Die aus der Heim'ahrt begriffenen Arbeiter blieben zurück und brachten unterdessen mittels Hebeladen denUnglücks­raben" wieder auf glatte Bahn, so daß der zurückkehrende Zug wieder freie Strecke passiren konnte.

Aus dem Maingau. 26. Juli. Währeitd des Mai­käferfluges hat die Stadtgemeinde Hofheim am Taunus 236 Mark 55 Pfennig für die Vertilgung dieser Schäd­linge autgewendet. Es wurden im Ganzen 4731 Pfund Maikäfer eingeliefert. Da aus ein Pfund ca. 450 Thiere gehen, so sind rund 2 130000 Maikä er vertilgt worden. Der Kreisausschuß des Kreises Höchst hat beschlossen, der Stadt einen Beitrag von 180 Mark zu den Kosten zu leisten.

Frankfurt, 26. Juli. Durch die Ungunst der ; Witterung beginnt heuer die Einmachperiode für Gurken reichlich 14 Tage später. Voriges Jahr um diese Zeit war sie schon geschlossen. Heute kamen die ersten Einmach- gurken aus dem Markt, und wurde das Hundert, je nach Qualität, mit 1,504 Mark bezahlt. Auch die zum , Einschneiden bestimmten Bohnen stellen sich allgemach | ein und wird der Centner mit 10 - 12 Mark bemhlt. Das Brod des Armen gibt es in Hülle und Fülle, keine alte Kartoffel ist mehr am Markt, sondern nur neue, und die Preise sind sehr gesunken. Frührosa wurden heute der Centner mit 2 Mk., gelbe 2,20 Mk.,

Mauskartoffeln 4-5 Mk., Schneeflocken 2,25 Mark bezahlt. Die ersten heute zu Markt gekommenen Preißel- zwetschen Mittel, Pflaumen Mittel, Süßkirschen gut bis beeren kosteten per Centner 2025 Mark, Erdbeeren 35 Mk., Kirschen 14 Mk., Johannisbeeren 11,50 Mk., Stachelbeeren 12,50 Mk., unreife Stachelbeeren 10 Mk,

mittet, Sauerkirschen Mittel, Pfirsiche gut bis Mittel,

Aprikosen Mittel, Stachelbeeren gut, Himbeeren sehr gut bis gut, Erdbeeren sehr gut bis gut, Brombeeren gut, Heidelbeeren gut, Wallnüffe Mittel, Haffelnüsse Mittel.

* Achtung! Zwei kleine Monde der Erde werden gegen Ende Jult oder in den ersten August-Tagen vor der Sonne vorübergehen. Sie sind mit bloßem Auge als runde, dunkle Körper gut zu sehen. Gefl. Beob­achtungen dieses seltenen Vorganges ersucht Herr Dr. Georg Waltemath in Hamburg, Ritterstraße 76, den Redaktionen der Zeitungen und ihm freundlichst mit- zutheilen.

Steinau. Die Forschungsarbeiten in der Steinauer Trop steinhöhle, über die von uns bereits eingehend berichtet worden ist, werden fortgesetzt. Bereits sind mehrere gewölbte Räume gewunden, die durch schmale Gänge mit einander verbunden sind, Noch ist es aber nicht gelungen, in einen größeren Raum einzudringen, der wohl eine Reihe von bedeutenden Tropfsteinbildungen zeigen wird. Allerdings sind die Aufräumungsarbetten an dieser Stelle mit großen Schwierigkeiten verknüpft, und wird es noch einige Zeit währen, bis das definitive Resultat mitgetheilt werden kann.

Freiensteiuau, 27, Juli. Kürzlich fuhren ein Rad­fahrer von hier und einer von Gunzenan über Steinau nach Schlüchtern. Unterwegs scheinen sie eine kleine Wettfahrt veranstaltet zu haben, bei welcher Guu- zenau einen kleinen Vorsprung gewann. 9US dessen Rad einen Chausseestein traf, kam er zu Fall. Der Nachfolgende, nicht im Stande zu halten, siel über den

Aprikosen 40 Mk., Pfirsiche 40 Mk., Heidelbeeren 8 Mk., Himbeeren 26 Mk., Reineclauden 28 Mk., Zwetschen 24 Mk., Frühbirnen 18 Mk., Frühäpfel 25 Mk.

Aus dem Kreis Alsfeld, 27. Juli. Wie schon manch Anderem, der seine Waare nicht zur rechten Zeit losschlagen konnte, erging es Heuer einem Landwirth in einem Orte unseres Kreises. Bekanntlich erreichte der Weizenpreis unlängst eine Höhe, auf der er seit einem Jahre nicht gestanden. Gar mancher Landwirth hätte gerne seinen Weizen für 27 Mark pro Doppelcentner abgelassen, wenn er ihn nicht früher hätte billiger ver­kaufen müssen. Unser Landwirth aber glaubte schlauer zu sein und hoffte auf eine weitere Preissteigerung. Diese Woche hat nun der betreffende Landwirth seinen Weizen, circa 100 Centner, für 20 Mark den Doppel­centner verkauft. Das macht ein Weniger von 350 Mk. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen! Der Fall erinnert an einen anderen, vor längerer Zeit gleichfalls hier vorgekommenen. Damals war dem unglücklichen Spekulanten, der überlang auf eine günstige Preislage gewartet, sein Getreide in Gestalt von Insekten buchstäblich zum Speicher hinauSflogen.

Brückcnau, 26. Juli. Zur Erbauung einer Klein- kinderbewahranstalt dahier wurden dem Pfarramte tausend Mark übergeben mit dem Wunsche, es möge das Be­dürfniß einer solchen Anstalt allerseits immer mehr durch Zuwendung von reichlichen Mitteln anerkannt werden, damit die Verwirklichung recht bald erfolgen könne,