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WichtemerMimtz

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

.M 60. Mittwoch, den 27. Juli 1898. 49. Jahrgang.

^fttlhttintil auf ^e .Schlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen = Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

gestorben, von denen Leichentheile in Bonn untersucht werden. Außer zahlreichen Sängern sind auch 5 Koch­mädchen erkrankt.

Mainz. 18. Juli. (Die hat a Schneid!) In einem hiesigen bekannten Gasthause mit Weinrestaurant gericth eine Münchener Kellnerin mit dem Wirth in Differenzen. Ohne langes Parlamentiren versetzte sie dem Wirthe ein paar Wat'chen, daß dieser thatsächlich umfiel. Ein requirirter Schutzmann mußte ebenfalls die Er­fahrung machen, daß mit einer MünchenerHebe" nicht zu spassen ist, denn auch er bekam sein Theil ab, ebenso ver'uhr dieHolde" mit dem hinzugekommenen Wacht­meister sie war einfach ganz rabiat geworden. Eine ganze Anzahl Männer waren außer der Polizei nöthig, um endlich daszarte Wesen" zu bändigen. Nun sitzt sie in Untersuchungshaft und sieht ihrer Bestrafung wegen Unfug, Widerstand gegen die Staatsgewalt und sonstiger Delikte entgegen.

Aus Lahr, 18. Juli, wird berichtet: Von Zeit zu Zeit gehen dem Verwaltungsrath des Ersten deutschen Neichswaisenhauses Anfragen und Mittheilungen zu, wonach es öfters vorkommt, daß durch Kolporteure und andere Verkäufer Bücher, Stickereien (sog.Haussegen") zum Kauf angeboten werden mit der Reklame, der Reingewinn oder ein Theil desselben sei für das Reichs­waisenhaus bestimmt. Dieses Vorgeben soll offenbar dazu dienen, den Verschleiß solcher Waaren zu erleichtern und den Kauf als ein Wohlthätigkeitswerk erscheinen zu lassen. Der Verwaltungsrath hat alle an ihn gelangten Ansinnen, das Reichswaisenhaus mit derartigen geschäft­lichen Unternehmungen in Beziehung zu bringen und für solche Reklamen die Hand zu bieten, von jeher, als der Würde des großen Liebeswerkes nicht entsprechend, entschieden zurückgewiesen, und es beruhen alle dahin zielenden Angaben, sowie auch, daß die Stickereien von Haussegen" im Reichswaisenhause ausgeführt würden, auf Schwindel, vor dem hiermit gewarnt sein soll.

Bei einer Verhandlung vor der Strafkammer zu Halle a. S. stellte sich heraus, daß beim dortigen Schöffengericht u. a. ein Schöffe mitgewirkt habe, der vor zehn Jahren eine Zuchthausstrae von 3 Jahren wegen vorsätzlicher Brandstiftung verbüßt haben soll. Zur Feststellung des Thatbestandes beschloß die Straf­kammer Einfordernng der bezüglichen Schwurgcrichrs- akten. Gegebenenfalls dürften die Schöffengerichts erkenntnisse, bei denen der betreffende Schöffe mitgewirkt hat, kassiert werden.

Apolda, 23. Juli. Eine eigenartige Verwendung des Fahrrades wurde im Mühlthale beobachtet. Eir junger Familienvater, der mit Frau und Kind eine SomiMrparthie nach dem Forst bei Jena unternommen, hatte Auf der Rückreise mit einem langen Strick einen blauen Kinderwagen an sein Rad befestigt, in welchem munter sein Sprößling saß und stolz darein schaute, wenn die Passanten sich über den zweckmäßigen Vorspann amüfirten.

Ausland.

London, 22. Juli. Der Prinz von Wales ist vor einigen Tagen bei einer Festlichkeit in Waddesdon Monor auf der Treppe ausgeglitten und hat sich dabei eine Verletzung am Beine zugezogen, die anfangs als unbe­deutend angesehen wurde. Einige Tage nachher stellten verschiedene Blätter die Verletzung als sehr ge ährlich dar. Heute nun wird von anscheinend gut unterrichteter Seite gemeldet, daß der Thronfolger einen Bruch des Schienbeines erlitten habe, der nicht gerade gefährlich ei, wenn nicht Komplikationen eintreten. Bei gehöriger Vorsicht steht eine dauernde Lähmung des Beines auch nicht zu. befürchten. Nach Ansicht der Aerzte dürfte die Heilung in 5-6 Wochen eintreten. Der Prinz be­findet sich nicht im Bette. Sein Befinden macht gute Fortschritte. Eine Zeit lang wird er natürlich an Krücken gehen müssen. Danach ist der Unfall nicht so harmlos, wie zunächst dargestellt wurde. In Hofkreisen läuft das Gerücht um, der Prinz von Wales habe nicht nur die Kniescheibe gebrochen, sondern auch das Schien­bein sei zerschmettert. Da der Prinz seit Jahren Dia­betiker ist, so befürchtet man das Schlimmste.

Rußland. Ein neues Baku wird wahrscheinlich bald auf der Baku gegenüberliegenden Seite des Kaukasus am Schwarzen Meer erstehen, denn dort sind neue Quellen von Erdöl entdeckt worden. Es kann sich um keine Kleinigkeit handeln, denn sonst hätte General

Deutsches Reich.

Berlin, 25 Juli. Der Kaiser ist im besten Wohlsein vor Swarkisen eingetroffen und gedenkt, heute Abend die Fahrt nach Mo fortzusetzen. Es herrscht warme, fast schwüle Witterung. Am Bord ist Alles wohl.

Es steht nunmehr fest, daß Kaiser Wilhelm dem König Carl von Rumänien in Bukarest einen Besuch abstatten wird. Derselbe wird von Konstantinopel aus vor der Weiterreise des Kaisers nach Palästina er olgen. Für den Empfang sollen großartige Vorbereitungen getroffen werden.

Nach dem preußischen Saatenstandsberichten für Juli dürfte die Ernte im Allgemeinen zehn bis vierzehn Tage später erfolgen. Für den Winterroggen läßt sich immer noch gute Mittelernte erhoffen, wenn bald trockenes und warmes Wetter eintritt. Der Sommerung haben die Niederschlüge, zumal in den östlichen Provinzen, mehr genützt, als geschadet. Am ungünstigsten lauten auch diesmal die Nachrichten über die Kartoffeln. Bei dieser Fruchtart wird in dem weitaus größten Theile der westlichen Provinzen kaum noch auf eine Mittelernte zu rechnen sein.

Der bayerische Landesverband landwirthschaft- licher Genossenschaften beschloß in seiner Generalver­sammlung vom 14. Juli zu München, einstimmig den Anschluß an den Allgemeinen Verband der landwirth- schaftlichen Genossenschaften des deutschen Reichs zu Offenbach a. Main mit 1479 Genoffen'chaften. Letzterer umfaßt nunmehr 6400 landwirthschaftliche Genossen­schaften und ist die größte genossenschaftliche Vereinigung der Welt,

| Heizproben mit der in Kiautschou gewonnenen Kohle hat unser FlaggschiffDeutschland" gemacht, und das Ergebniß wird in einem Kabeltelegramm derFrkf. Ztg." aus Shanghai als ein ausgezeichnetes bezeichnet. Das ist ja recht erfreulich.

Hamburg. Das neunte deutsche Turnfest in Hamburg nimmt einen glänzenden Verlauf. Den Glanzpunkt des Sonntags bildete der großartige Festzug, an dem sich ungefähr 24000 Personen betheiligten. Im Zuge befanden sich 35 Musikkapellen und 1600 Fahnen, sowie 6 Festwagen. Der Vorbeimarsch, der sich in größter Ordnung vollzog, dauerte über zwei Stunden. An der Spitze des Zuges marschirten die Vertreter von Turnvereinen aus den Vereinigten Staaten von Nord­amerika, aus Brasilien, Rußland, der Schweiz, England, Italien, Ungarn, Rumänien und Belgien. Den fremden Turnern folgten die deutschen Turner in sieben Ab­theilungen; die stärkste Betheilung ist aus Sachsen zu verzeichnen. Auch die stattliche Zahl österreichischer Turner erregte großes Au sehen. Als der Zug beim Rathhause, wo die Mitglieder des Senats und der Bürgerschaft mit ihren Damen Aufstellung genommen hatten, vorbei- kam, herrschte andauernd unbeschreiblicher Jubel. Auf dem Wege, den der Zug nahm, bildete eine nach Hundert- tauienden zählende Menschenmenge Spalier, überall herrschte größte Ordnung. Die Unterbringung der Massen, die zum Turnfest nach Hamburg gekommen sind, machte einige Schwierigkeiten. Es ist aber gelungen, alles zur Zufriedenheit zu lösen. Abgesehen von Bürger­quartieren zu mäßigen Preisen, sind Massenquartiere in 60 öffentlichen Schulen mit900Klassenzimmern in 24 Turn­hallen und 20 Privatschulen geschaffen worden, in denen die Turner freies Nachtlogis finden. Auf große Be­quemlichkeit können die jungen Leute allerdings dabei nicht rechnen. Altona beherbergt 2400 Turner (Ost- und Westpreußen, Norden und Mittelrhein), das vornehme Uhlenhorst die Deutsch-Oesterreicher, St. Georg den Gau Königreich Sachsen, Eimsbüttel: Schwaben, Bayern, Rheinland und Westfalen. Die Berliner (3000) sind in St. Pauli untergebracht.

Essen. Vergiftungen von Mitgliedern eines Kölner Gesangvereins sind jüngst in einer Bierwirthschaft zu Alteudorf vorgekommen. Die Untersuchung ergab, daß sich an einer ausgebesserten Stelle des kupfernen Speise- kefsrls eine Bleilöthung vorfand; indessen ist nicht aus­geschlossen, daß die Vergiftung auf dem Genuß der Vanillenspeise.znrückzuführen ist, Drei Personen sind

Wenukow sich kaum veranlaßt gefühlt, der Pariser Akademie der Wissenschaften diese Entdeckung als eine besonders wichtige mitzutheilen. Das neue Petroleum- Paradies liegt in der Nähe des Ortes Anaklija an der Mündung des Flusses Jngur in das Schwarze Meer; der Boden gehört dem Prinzen von Mingrelien, während das Recht der Ausbeutung ein Kapitalist aus Moskou erworben hat. Seit Mitte Mai waren zwei Geologen dort mit Untersuchungen beschä tigt und stießen dabei bald auf die mit Naphtha getränkten Sandjchichten, deren Vorhandensein sich dadurch verrieth, daß sich das aus dem Boden dringende Wasser mit einer Schicht von flüssigem Naphtha bedeckte. Die genaue Untersuchung der Lager durch Bohrungen soll alsbald vorgenommen und dann an die Gewinnung des Erdöls gegangen werden. Wenukow meint, daß Anaklija sogar die be­rühmte Petroleumstadt Baku überflügeln könnte, weil es durch seine Lage am Schwarzen Meer nach allen Seiten hin Schiffsverbindungen besitzt, während Baku durch seine Lage am Kaspischen Binnensee von allen weiteren Schiffsverbindungen abgeschnitten ist.

China. Es bestätigt sich anscheinend, daß die gegen­wärtigen Aufstände in China antidynastische sind. Von wohlunterrichteter Seite erfährt das Reutersche Bureau, daß die Ursache der Aufstände in verschiedenen Theilen Chinas in erster Linie dem Umstände zuzuschreiben ist, daß die Chinesen glauben, daß die Stellung des Thrones erschüttert ist. Dennoch aber würden sie, wie früher, wahrscheinlich von den Chinesen selber unterdrückt werden. Die Rebellion von Kansu ist wahrscheinlich die furcht­barste. Sie dürfte den Behörden am meisten zu schaffen machen, da die Bevölkerung der Provinz meistens aus Mohammedanern besteht, und Kansu an das russische Gebiet stößt, von wo aus die Aufständischen mit Waffen und Munition leicht versehen werden.

Amerika. DerNew-Aork. Herald" meldet angeblich aus guter amtlicher Quelle: Die Amerikaner werden, was auch das etwaige Schicksal Cuba's, der Philippinen, Ladronen und Karolinen sein möge, Porto-Riko für sich behalten. Die Regierung ist bestimmt entschlossen, diese Insel zu einer starken Station für ihre Kriegsmarine zu machen, welche Westindien, das Kareibische Meer und den künftigen Panamakanal beherrscht. Mc. Kinley beabsichtigt durch die Ausrüstung des Geschwaders Watson's nicht nur Spanien einzuschüchtern, sondern auch auf das übrige Europa durch die amerikanische Seemacht Ein­druck zu machen. Man beabsichtigt im Uebrigen die Madrider Regierung zu zwingen, alle Forderungen zu bewilligen, welche Amerika zu stellen für gut befinden wird.

Washington, 23. Juli. Eine hochgestellte Persön­lichkeit erklärte gestern bezüglich der zukünftigen Absichten der Regierung: Watson werde keine spanischen Städte bombardiren, sondern der Hauptzweck seiner Entsendung sei, die Flotte Camaras zu finden und anzugreffen. Die Amerikaner wollten die Kanarischen Inseln nicht annektiren und würden Havana nicht angreifen, so lange das gelbe Fieber dort herrsche. Die Ladroneninsel Guanis würde man als Kohlen- und Proviantirungsstation be­halten, die Entscheidung bezüglich der Philippinen hänge von Umständen ab. Die kubanischen Insurgenten werde man freundschaftlich, aber mit Festigkeit behandeln; es sei im Hinblick auf ihre gegenwärtige Haltung wohl möglich, daß viele Jahre vergehen würden, bevor die Insel den Kubanern endgiltig überlassen werden könne. Portorico, welches man für immer behalten werde, solle eine militärische Verwaltung erhalten.

Playa bei Este, 21. Jul. Nach dem amtlichen Be» richt über das gestrige Gefecht vor Manzanillo zerstörte )ort das amerikanische Geschwader drei spanische Handels- chiffe, darunter diePurissima Conception", und fünf Kanonenboote. Die amerikanischen Schiffe führten dabei den ihnen ertheilten Befehl aus, die Schiffe des Feindes zu zerstören mit Feldbatterien oder Forts dagegen keinen Kampf aukzunehmen. Die Spanier sollen 100 Todte verloren haben, die Amerikaner hatten weder Todte noch Verwundete.

Im Auftrag des Admirals Sampsou hat eine Kommission, zu deren Mitgliedern auch der bekannte Lieutenant und Schiffsingenieur von derMerrimac" Hobson gehört, die Warcks der an der kubanischen Küste liegenden spanischen Panzerschiffe untersucht und einen Bericht erstattet, dem Folgendes zu entnehmen ist: Wenn keine Zeit verloren wird, so könnenMaria