Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch den 6. Juli 1898.
49. Jahrgang.
Wi»stl>11lt11i11>11 ""f bie SchlÜchterner Zeitung" merken noch fortwährend von allen — ■■ — Postanstalten und Landbrie trägern so von der Expedition entgegen genommen.
Lloyddampfcr Beachtung finden, zeigen die folgenden Berbrauchszisfern: Champagner 26 000 F^^en, Roth- wein 86 900, Rhein- und Moselwein 88 J, Cognac 14 989 Fla chen, Sherry, Portwein, Madeira, Genever, Liqueure 43 300 Flaschen, endlich noch 605 000 Liter und 685 000 Flaschen Bier und 195 600 Fla chen Mineralwasser. Diese Ziffern sprechen am besten da ür, welche außerodentliche Bedeutung der Norddeutsche Lloyd für unser nationales Wirthschaftsleben besitzt und welche riesigen Summen in baarem Gelde seitens der Gesellschaft den deutschen Lieferanten in jedem Jahre zufließen.
* — Für Geschäftsleute wichtig ist eine Entscheidung der Strafkammer in Glciwitz. Ein Kaufmann war angeklagt, während der Gottesdienststunden am Sonntag sein Geschäft nicht verschlossen gehalten zu haben. Das Schöffengericht hatte ihn sreigespnchen. Der Staatsanwalt legte Berufung ein. Der Vertheidiger iührte aus, daß das Gesetz über die Sonntagsruhe nur den Geschä'ts betrieb während der Ruhestunden verbiete, das Offen- halten der Geschäftsräume werde dadurch nicht verboten. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen an und erkannte gleichfalls auf Freisprechung.
Aus Baden. Ein gräßlicher Unglücksfall hat sich Montag Abend auf dem Bahnhöfe in Hürden ereignet. Ein Radfahrer aus Gaggenau, der auf der Landstraße neben d m Eisenbahnzuge hergefahren war, wollte, nach der „R. B. Lds.-Ztg.", im eiligsten Tempo am Bahnhofsgebäude Hörden vorüberfahren, während der Zug daselbst anhielt. Während Jemand aus dem Zuge ihm zuwinkte, schaute der Radfahrer auf und dankte lachend, merkte aber leider nicht, daß die Barriere über die Straße geschlossen war. Erst zwei Schritte zuvor kam ihm das Hinderniß zu Gesicht; er bückte sich, um noch unten durchzufahren und rannte so mit voller Wucht mit dem Kopse an den Querbalken. Dem Armen quoll sogleich das Blut aus Mund, Nase und Ohren hervor, er hatte sich den Schädel total eingerannt, so daß er nach wenigen Minuten eine Leiche war.
— Die Stadt Lübben weist, nachdem nunmehr die Lübben—Kottbuier Kreisbahn hergestellt ist, nicht weniger als fünf Bahnhö e auf. Steht die Welt im Zeichen des Verkehrs, so darf wohl Lübben mit seinen 613 Tausend Einwohnern mit an der Spitze marschiren. Diese 'ünf Bahnhöfe haben folgende Bezeichnung: 1) Staatsbahn- wf. 2) Anschlußbahnhof der Lübben-Kottbuser Kreisbahn. 3) Südbahnhof (Niederl. Bahn). 4) Nordbahnhof (Nieder!. Bahn) und 5) Ostbahnhof (Lübben— Kottbuser Kreisbahu).
Ausland.
Washington, 4. Juli. Das Weiße Haus giebt bekannt, Goneral Sampson drang Sonntag in den Hafen von Santiago ein und zerstörte die Flotte Ccr- veras. Das Kriegsdtpartement meldet, die gesammte Flotte sei Mit Ausnahme eines Schiffes zerstört und an der Küste verbrannt.
Lokales und Provinzielles.
* Schtüchlern, 5. Juli.
* — Herr Pfarrer Lambert, bisher zu Wolfer- born, wurde zum 3. Pfarrer au der Johanniskirche zu Hanau vom 1. August er. an ernannt.
* — Auf dem Turnfest zu Rotenburg am Sonntag erhielten von SchlÜchterner Turnern die Turner Horn, Urbach und Siemon Preise.
— Am 26. v. M. Nachmittags, fand in Duder- stadt eine Versammlung von Vertrauensmännern aus den Regierungsbezirken Cassel, Hildesheim und Erfurt statt, um über die Lage der kleinen Mühlen und die in letzter Zeit unter den Kleinmüllern Hrrvorgctretenen Bestrebungen zur Besserung ihrer Lage zu berathen. Nach einem Vortrag des Herrn Louis Koch-Duderstadt wurde beschlossen, ein Rund chreiben an sämmtliche kleinen Mühlen der genannten Regierungsbezirke zu erlassen und die Mühlenbesitzer zu einer Versammlung nach Duderstadt einzuberufen, wo die Konstituirung einer nur kleine Müller umfassenden Zweigabtheilung des allgemeinen Verbandes dentcher Müller für die erwähnten Beziike erfolgen soll. Koch wurde beauftragt, sich mit dem Verbände deutscher Müller ins Benehmen zu setzen und im Verein mit diesem die Vorarbeiten zur Durchführung der Organisation zu erledigen.
* — Das Reichsgericht hat kürzlich eine überaus wich ige Definition iin r bestimmten Art des unlauteren!
Amtliches.
2440 K. A. Durch Kreisausschuß-Beschluß vom 25. d. Mts. ist dem Johannes Alt zu Ramholz eine zweite, dem Johannes Zeller ebendaselbst eine erstmalige Prämie von 16 Mk. für langjährige treue Dienste be willigt worden.
Schlüchtcrn, den 27. Juni 1898.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Juli. Der Kaiser hat, wie aus Trave- münde telegraphirt wird, an Bord der „Hohenzollern", Vormittags 11'/, Uhr die Reise nach Norwegen angetreten.
— Nach dem „Vorwärts" hat die sozialdemokratische Partei am 16 Juni rund 2 125 000 Stimmen erhalten gegen 1 786 000 im Jahre 1893, somit also etwa 340 000 Stimmen mehr. Der „Vorwärts" ruft bei dieser Mittheilung aus: „Dieser neue Riesenerfolg! Eine neue Stimmenzunahme von gegen 340 000, von über '/» Million! Eine Vermehrung der Stimmen um 19 Prozent, um fast ein Fünftel!" Es ist indessen zu beachten, daß die Sozialdemokratie bei den jüngsten Wahlen, was keine andere Partei gethan hat, in sämmtlichen 397 Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt hat, demnach alle sozialdemokratischen Wähler im ganzen Reiche zurZählung kommen konnten.
— Einen Beitrag zu der so oft gerühmten Fürsorge sozialdemokratischer Arbeitgeber gegenüber ihren Arbeitern bringt die Ostpreußische Zeitung". Dieselbe schreibt: „Der Arbeitter Kumsteller aus Friedenberg (Kreis ©erbauen) brach am 31. März d. I beim Brettschneiden auf einem in der Nähe gelegenen Gute einen Fuß, Der Gutsherr, obwohl gesetzlich verpflichtet, auf seine Kosten für die ärzliche Behandlung des Verunglückten zu sorgen, kümmerte sich nicht um ihn, gab ihm nicht einmal Fuhrwerk zur Heimfahrt und wies auch späterhin die Bitte um Fürsorge ab. Erst am 17. April fand Kumsteller durch fremde Mildthätigkeit Aufnahme im Johanniterkrankenhause in Gerdauen. Es war aber zu spät. Infolge der langen Vernachlässigung der Wunde stellte sich Eiterfieber ein uud trotz theilweiser Amputation des Fußes ist Kumsteller am 10. Juni in dem Gerdauer Krankenhause seinen Qualen erlegen. Gegen den hartherzigen Gutsherrn ist Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Wir nehmen keinen Anstand, seinen Namen öffentlich zu nennen: es ist der Rittergutsbesitzer Braun-Mehleden, Kandidat der sozialdemokratischen Partei, die sich gern als die „einzig wahre Freundin der Arbeiter" aufspielt."
Bremen. Die von dem Norddeutschen Lloyd jährlich herausgegebene Liste über den Verbrauch an Proviant U. s. w. an Bord seiner Dampfer zeigt auch für 1897 gewaltige Ziffern. Wir lassen hier einige Angaben der Hauptsächlichsten Artikel folgen; verbraucht wurden an frischem Rindfleisch 2 358 980, gesalzenen 382 243 Pfd., Schweinfleisch 429 875, Kalbfleisch 259 546, Hammelfleisch 276 513 Pfund, ferner 10 414 Schinken, 86 530 Pfd. geräucherten Speck; an lebenden Vieh 414 Ochsen, 232 Kälber, 141 Schweine und 443 Hammel. Von frischen Fischen wurden 233 543 Pfund verzehrt, ferner geräucherten Lachs 6007 Pfd, Häringe 7524 Pfd., 7>4 Tonnen und 7119 große Büchsen, Austern 267 038 Stück, Hummer und Schildkröten 42 912 Pfund. An Geflügel finden wir 9300 Puter, 6568 Gänse, 8536 Capaunen, 15 775 Hühner, 26 981 Enten und 131 755 Küken. Rehwild ist mit 11 259 Pfd. au'geführt. Der Verbrauch an Con^erven stellt sich auf ca. 485 000 Büchsen. An Hülsenfrüchten rc. Erbsen, Bohnen, Reis, Schnittbohnen, Weißkohl, Sauerkohl u. s. w. ergeben sich ca. 590 000 P d Sodann sind zu nennen: 11 258 Barrel Roggen- und Waizenmehl, 174 200 Grau- und Weißbrod, 608 000 Pfd. Schwarzbrod, 189 800 Pfd. Zwieback, 367 000 Pfd. Zucker, 420 000 Liter Milch, 271 800 Viertel Kartoffeln, 454 100 Pfd. Butter, 1431 Barrel Salz, 233 800 Pfd. Zwiebeln, 1 338 700 Citronen und Apfelsinen, 2 009 000 Eier und 14 744 000 Kilogramm Eis. Daß auch die Getränke an Bord der
Wettbewerbes gegeben. Es wird dadurch das Heranziehen von Kunden durch unwahre Angaben zum Schaden einer Concurrenz Firma fo.tan als Betrug im engeren Sinne d s Strafgesetzbuches bezeichnet. Die betreffende Entscheidung lautet: „Ein unbefugter Eingriff in den Vermögensstand der betreffenden Firma findet statt, wenn man mittelst Täu chung deren Kundenstand abwendig zu machen sucht« Bedeut am ist hierbei der besondere Ausspruch, daß der Nachweis eines zweifel- Ha ten Schadens nicht erforderlich ist, sondern daß auch der -ragliche Nutzen, welcher der Firma unter Umständen entgangen ist, geltend gemacht werden kann.
* — Unlauterer Wettbewerb? In einem Prospekt waren Waaren als „den bisherigen Methoden in jeder Weise überlegen" und „von außerordentlicher Haltbarkeit" angepriesen worden. Im Gegensatz zur unteren Instanz nahm das Reichsgericht an, diese Anpreisungen fielen nicht unter die im §. 1 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb verbotenen Angaben thatsächlicher Art, welche geeignet find, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen. Es sind nämlich darin nicht sowohl konkrete Umstände hervorgehoben, als vielmehr Lobeserhebungen in Redensarten allgemeiner Natur gebraucht, bei denen gerade durch das hochtrabende der gewählten Ansdrücke beim verständigen Leser die Ansicht hervorgerufen wird, daß es sich nicht um die Zusage bestimmter Thatsachen handelt sondern mn ein marktschreierisches Anpreisen. Die Ausdrücke stehen al 0 auf einer Stufe mit Anpreisungen wie „ausgezeichnete Qualität" „reichste Auswahl", „billige Preise" und dergleichen.
* ~ Das Schwurgericht zu Hanau sprach am Freitag den früheren Bürgermeister von Uerzel, Müller, von der Anklage des Meineids frei.
Birstein, 30. Juni. Im Wege der Zwangsvoll^ strcckung sollen die im Grundbuche von Birstein auf den Namen des Herrn Füruen Karl zu Jsenburg- Birstein zu Birstein eingetragenen, in der Gemarkung Birstein belegenen Grundstücke am 16. August 1898 vor dem Königlichen Amtsgericht zu Birstein versteigert werden.
Kaffel, 1. Juli. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Anfertigung der Vorabeiten zum Umbau der Kasseler Bahnhöfe ungeordnet.
Kassel, 30. Juni. Gemäß §. 18 der Provinzial- für die Provinz Hessen-Nassau vom 8. Juni 1885 macht der Herr Oberpräsident bekannt, daß bei den stattgehabten Neuwahlen zum Kommunallandtage des Regierungsbezirks Kassel die nachstehend genannten Ab- geoidneten gewählt worden sind: Stadtkreis Kassel: 1) Sanitätsrath Dr. Friedrich Endemann; 2) Justiz rath Julius Rieß; 3) Mühlenbesitzer Otto Voigt; 4) Oberbürgermeister Albert Westerburg; Landkreis Kassel: 5) Major a. D. Curt von der Malsburg; 6) Gutsbesitzer Wilhelm Beinhauer; 7) Gutsbesitzer Karl Sinning; Eschwege: 8) Gutsbesitzer Theodor Bierschenk; 9) Bürgermeister Heim ich Bocke; 10) Landrath Alexander von Keudell; Frankenberg: 11) Gutsbesitzer Karl Ueberhorst 12) Gutspächter Ernst Staudinger ; Fritzlar: 13) Prinz Philipp von Hanau; 14) Landrath Heinrich Noeldechen; Fulda: 15) Oberbürgermeister Dr. Georg Antoni; 16) Gutsbesitzer von Margrethenhaun Major' a. D Georg Herrleiu; 17) Gutsbesitzeer Karl Klingebiel; Gelnhauün: 18) Erbgraf Gustav zu Isenburg und Büdingen; 19) Bürgermeister Georg Schöffer; 20) Landrath von Baumbach ; Gers eld: 21) Gutsbesitzer, Oberstlieutenant & la suite Freiherr Arthur von der Tann; 22) Stadt- Vorsteher a. D. Johann Georg Schüßler; Stadtkreis Hanau: 23) Oberbürgermeister Dr. Eugen Gebeschuß;
24) Kau mann Johann Heinrich Nickel; Landkreis Hanau: 25) Landrath von Schenk; 26) Bürgermeister Wilh. Johs. Stroh; 27) Bürgermeister Heinrich Wilhelm Laubach; Hersfeld : 28) Bürgermeister August Reinhard;
29) Bürgermeister a. D. Georg Braun; Hofgeismar: 30) Bürgermeister Christoph Wilhelm Hold; 31) Kammer- herr und Rittergutsbesitzer Karl von Pappenheim; pomberg: 32) Rittergutsbesitzer und Rittmeister der Landw.-Kav. Ernst Ludwig Deichmann; 33) Gutsbesitzer Zhitipp Nöll; Hünield: 34) Gutsbesitzer Karl Werner Retz; 35- Bürgermeister Josef Witzel; Kirchhain: 36)
Landrath Freiherr Rudolph Schenck zu Schweinsberg; 37) Gutsbesitzer Karl Bopp; Marburg: 38 Beigeordneter Friedrich Siebert; 39) Bürgermeister Johann