ZchluchternerZeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Jg 53. Samstag, bcu 2. Juli 1898. 49. Jahrgang.
wartet jedoch stündlich 5 Bataillone, 3 , Schwadronen und Artillerie aus Manzanillo. Andererseits sollen 8000 in Guantanamo liegende Spanier sich gegen Berracos zurückzuziehen. Ferner werden Verstärkungen aus Holgnin erwartet. Alles hängt davon ab, daß diese Verstärkungen bei Zeiten eintreffen. Die amtliche Depesche, daß die Amerikaner wieder in Siboney an der Küste gelagert seien, wird in hiesigen Militärkreisen günstig ausgelegt. Man meint, die Amerikaner hätten ernste Schwierigkeiten . beim Vorrücken erfahren. — Amtlichen Depeschen zufolge hat das in Port Said angelangte Geschwader des Admirals Camara die Fahrt bei ruhigstem Wetter zurückgelegt. Wenn es nicht Gegenbefehl bekommt, so wird es Morgen den Suez kanal passieren. Die Durchfahrt der 13 Schiffe wird zwei Tage in Anspruch nehmen. Die Panzerschiffe wurden, um den Tiefgang zu vermindern, sämmtlicher Ladung entledigt, und Kriegsmaterial, Proviant, Munition und Bemannung auf Transportdampfer umgeladen. Für das Durchfahrtsrecht mußten 1 300 000 Pesetas bezahlt werden.
In Budapest ging Mittwoch Abend 10 Uhr ein fürchterlicher Wolkenbruch mit Hagelschlag nieder. Die Hagelkörner, die eine beträchtliche Größe haben, lagen centi- meterhoch in den Straßen. Auch in den Komitaten Oedenburg und Eisenburg ist ein heftiger Wolkenbruch mit Hagel niedergegangen; in zahlreichen Gemeinden sind die Saaten vernichtet. Auch im Veszprimer Komitat wüthete das Unwetter. — Auf der Eisenbahnlinie Buda- pest-Fünfkirchen wurden vom Sturm 21 Wagen eines Persouenzuges aus dem Geleise geworfen; der Zugführer wurde hierbei schwer verletzt, die Wagen wurden stark beschädigt. Der durch das Unwetter an den Saaten und in den Weingärten angerichtete Schaden wird von den Versicherungsanstalten auf etwa 15 Millionen Gulden geschätzt. _______
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 1. Juli
* — Morgen Sonntag, den 3. und 4. Juli findet in Neuhof das Hessische Verbandskriegerfest statt. — In S almü ust e r hält der dortige Gesangverein „Sängergruß" ebenfalls morgen Sonntag, sein Fahnenweihefest ab.
* — Die Auswanderung mittelloser Personen nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird jetzt außerordentlich erschwert werden. Drüben darf bekanntlich Niemand landen, der nicht eine bestimmte Geld- fumme oder einen festen Arbeits-Vertrag vorweist. Konnte er das nicht, so wurde er von der amerikanischen Ein- Wanderungsbehörde zurückgewiesen, die deutschen Dampfer mußten dann den Abgewiesenen auf ihre Kosten wieder mit zurück bringen, wo er dann den Hakenstädten zur Last fiel. Nun sollen die Dampfergesellschaften verpflichtet werden, jeden Abgewiesenen zum früheren Wohnort, jeden Ausländer zur Grenze zu schaffen. Man wird sich da die Passagiere genau ansehen.
* — Der Besitz einer Fahrkarte bedingt kein „Recht" auf Mitfahrt. Vielfach besteht unter den Reisenden die Annahme, daß sie durch die Lösung einer Fahrkarte ein unbedingtes Recht auf die Beförderung erworben haben, so daß die Eisenbahnverwaltung sie, auch wenn die Wagenklasse, für welche die Reisenden die Fahrkarten gelöst haben, vollständig besetzt ist, in einer höheren Wagenklasse befördern müsse. Ein solches Recht besteht aber nicht, vielmehr hat nach der Verkehrsordnung der Reisende, wenn die von ihm zu beanspruchende Wagenklasse besetzt ist, und er weder eine Fahrkarte, welche ihn zur Benutzung einer höheren Klasse berechtigt, nachlöst, noch auch vorläufig mit einer niederen Klaffe vorlieb nehmen will, nur das Recht, von dem Bejörderungsvertrage zurückzutreten und die Rückzahlung des Fahrgeldes für die nichtbenutzte Strecke von der Eisenbahnverwaltung zu verlangen. Steigt ein Reisender aber eigenmächtig in eine höhere Klasse, so hat er entweder sofort ein erhöhtes Fahrgeld von mindestens 6 Mark nachzuzahlen, oder er wird von dem widerrechtlich eingenommenen Platze entfernt. Hierbei kann es leicht eintreten, daß der Reisende überhaupt die Mitfahrt versäumt. Nur wenn der diensthabende Stationsbeamte unter Zuziehung eines Zugführers dies ausnahmsweise einem Reisenden gestattet, darf letzterer ohne Nachzahlung, aber nur vorläufig, in einer höheren Klasse Platz nehmen. Da gegen diese Vorschriften namentlich bei dem besonders regen Sonntagsverkehre vielfach verstoßen wird, empfiehlt sich
iSoft^lhittrt^M aui btc «Schtüchlerner Rettung“ ^vlltuunijU» werden noch fortwährend von allen ............-- .............. ü Postanstaltcil undLandbriefträgerr sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Das Kaiserpaar in Kiel. Beide Majestäten, die den Tag vorher dem Lawn-Tennis-Spiel in der Marineakademie beiwohnten, nahmen am Dienstag an der Segelregatta Kiel-Eckernförde Theil. Der Kaiser befand sich mit seinem dritten Sohne, dem Prinzen Adalbert, an Bord des „Meteor", die Kaiserin mit der Prinzessin Heinrich an Bord ihrer Jacht „Jduna". Die „Hohenzollern" folgte den Rennyachten, ebenso die Dampf-Jacht „Lensahn" des Erbgroßherzogs von Oldenburg und der Aviso „Grille", auf dem der kommandirende Admiral v. Knorr sich befand.
— Der Kaiser wird, wie nunmehr seststeht, am Montag früh von Kiel aus seine Nordlaudsreise an- treten. Nach der Abreise des Kaisers begiebt sich die Kaiserin wieder nach Grünholz, um dort bis zum 10. Juli zu verweilen, während welcher Zeit die jüngeren kaiserlichen Kinder in Kiel bleiben und im dortigen Schlosse wohnen werden. Voraussichtlich am 10. Juli erfolgt die Abreise nach Wilhelmshöhe.
— Auf eine bevorstehende Preissteigerung auf dem Kohlenmarkte wird von Seiten des preußischen Eisen bahnministeriums aufmerksam gemacht. Darnach ist es sowohl lür Eisenbahnen wie für Private gerathen, sich rechtzeitig mit Kohlen lür längere Zeit zu versehen, da der Kohlenexport im Heurigen Jahre in Folge des amerikanisch-spanischen Krieges bedeutend früher beginne und intensiver werden würde, als in den Vorjahren.
Hannover, 25. Juni. Zur Neuverpachtung der Bahnhofsrestauration schreibt der „H. C." : Die Zahl der Bewerber beläuft sich auf mehr als 100. Während der bisherige Pächter für beide Restaurationssäle eine Jahrespacht von 18000 Mk. zahlte, beläuft sich jetzt das Höchstgebot auf 70 000 Mk. Beide Restaurationsräume sind bekanntlich getrennt ausgeboten und da ist für die Restauration im Wartesaal 3. und 4. Klasse ein Pachtgebot von rund 45000 Mk. und für die Restauration 1. und 2. Klasse ein solches von rund 25 000 Mk. abgegeben. — Vor einigen Tagen wurde der Hofbesitzer G. aus Jffendorf im dortigen Gehölz erschossen aufgefunden. Wie sich jetzt herausstellt, ist er einem be- klagenswerthen Irrthum auf der Jagd zum Opfer gc fallen. Sein Schwiegersohn nämlich, der kurzsichtig ist und ihn in der Dämmerung für einen Rehbock hielt, legte die Büchse auf ihn an und traf ihn so unglücklich, daß G. nach kurzer Zeit sein Leben aushauchte. Sein Schwiegersohn hat seine unglückselige That eingestanden; er ist erst seit sechs Wochen verheirathet. Der tragische Vorgang ruft allgemeine Theilnahme hervor.
Bon der Mosel, 29. Juni. Auf das Preisausschreiben des Kasinos in Trarbach um ein Mosellied, wofür 1000 Flaschen feiner Moselwein als Preis ausgesetzt sind, gingen bis jetzt 6S0 Lieder ein. Ihre Zahl wird wohl bis zum 1. September aus annähernd 1000 anwachsen. Die Preisrichter übernehmen ein mühevolles Amt. Einer derselben hat allerdings die nöthige Muße hierzu, da er demnächst eine zweimonatliche Festungsstrafe abzubüßen hat. Möge man ihm gestatten, die Prüfung der Lieder in dieser Zeit vorzunehmen; denn alle die^e Lieder gewissenhaft durchzugehen, ist nicht immer ein Vergnügen, vielfach ist es eine sehr chure Arbeit, über die selbst der sauerste Moselwein nicht hinwegtäuschen kann.
Weiderich. Eine hiesige Familie hatte in der Metzer Dombau-Lotteric 20 000 Mark gewonnen. Auf dem Wege zur Hebcstelle ging das Glücksloos verloren; somit wurde die Auszahlung des Geldes verweigert.
Ausland.
Madrid, 27. Juni. Aus hier eingetroffenen Depeschen ist ersichtlich, daß die Amerikaner mit 15000 Mann und 200 Kavalleristen, sowie zahlreicher Artillerie unablässig gegen Santiago vorrücken. Am ersten Tage nach den verschiedenen Kämpfen legten die amerikanischen Vorposten ungefähr 7 Meilen zurück. Solange die Geschütze ihrer Schiffe sie beschützten, war das Borrücken leicht. Jetzt beginnen die Schwierigkeiten, hervorgerufen durch Sümpfe, Urwald und zerklüftetes Terrain. Der spanische General Linares verfügt blos über 8000 Mann, er
deren genaue Beachtung seitens des reisenden Publikums in eigenem Interesse.
Aus der Rhön, 25. Juni. Vorgestern Nacht gegen 3 Uhr ging in der Gegend von Brückenau unter heftigem Donner und Blitz ein Gewitter nieder, welches nur wenig Regen brächte. In Schondra schlug der Blitz in eine Scheune, und riß die Wetterbretter ab, ohne das Stroh zu entzünden. In Oberleichtersbach schlug ein Blitzstrahl in den Viehstall des Maurers W. und erschlug eine Kuh und eine Kalbin. In Schildeck wurden gleichfalls in jener Nacht durch Blitzschlag 3 Kühe und 2 fette Ochsen getödtet.
Hanau, 29. Juni. In der heute beendigten zweitägigen Schwurgerichts-Verhandlung gegen den Tag- löhner Johannes Gabel von Hesfeldorf, welcher beschuldigt war, am 17. Januar d. Js. die ihm und seinem Bruder in der Heimathsgemeinde belegene eigenthümlich gehörige und anderweitig verpachtete Scheuer vorsätzlich in Brand gesteckt zu haben, lautet der Spruch der Geschworenen auf Schuldig unter Verneinung mildernder Umstände. Der Beklagte wird auf Grund dessen zu vier Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren verur- theilt. Beantragt waren 5 Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren.
Frankfurt, 28. Juni. Wo war's? Die Civilkammer des Kgl. Landgerichts hatte dieser Tage in einem inte- refsanten „Ehelichungsprozesse" zu entscheiden. Klägerin und Beklagter sind Gnesbeimcr. Beide hatten sich nach ihrer Angabe schon vor sieben Jahren auf Frankfurter Gebiet verlobt, was der Beklagte jedoch bestreitet. Er will nur von dem wissen, was hinter den gelbblauen Pfählen vorgegangen ist; denn dort ist ein Eheoerlöbniß unklagbar. Das Fräuleiu forderte Ehelichung und, da der Bräutigam vermögend ist, im Falle der Weigerung 6000 Mk. Es handelte sich nun in dem Prozesse um die Frage, wo haben sich die Herzen zusammengefunden. Der Beklagte, welcher das Verhältniß abgebrochen, bekam auch einmal im Laufe der Zeit wieder Reue und suchte wieder durch die Vermittelung eines Freundes eine Aussöhnung, die auch hier erfolgte, aber nur von kurzer Dauer war. In dein heutigen Termin trat die beweis- pflichtige Klägerin ihrem ehemaligen Bräutigam persönlich gegenüber und erinnerte ihn daran, wie er ihr zum ersten Male vor sieben Jahren und dann 1897 zum letzten Male in Frankfurt die Ehe versprochen; wie namenlos unglücklich er sie gemacht, sie führte ihm vor, wie oft sie sich gut habe verheirathen können, aber standhaft bei ihrem ihm gegebenen Worte geblieben sei. Die Zeugenvernehmung ergab, wenn auch nicht mit großer Bestimmtheit, jedoch annähernd die Wahrheit dessen, was Klägerin behauptete: Unsere Herzen haben sich hinter den roth-weißen Pfählen gefunden. Der Vorsitzende ermähnte den Beklagten, sein Ehrenwort ein- zulösen, denn es gehe ihm gegen die Natur, hier entscheiden zu müssen; moralisch sei Beklagter zur Heirath verpflichtet. Er forderte die im Saale anwesenden Freunde des jungen Mannes auf, denselben zur Einlösung seines Ehrenwortes zu bestimmen, was diese jedoch mit der Erklärung ablehnten, sie hätten das schon, jedoch vergebens, versucht. Der Gerichtshof zog sich zur Berathung zurück und verkündete bei seinem Wiederer- cheinen sein Urtheil dahin, daß dem Beklagten bei seiner Verlogenheit" nicht der Eid zugeschoben werden könne, veßhalb die Klägerin zu schwören habe, daß ihr auf dem Frankfurter Gebiet die Ehe versprochen wurde, leiste sie diesen Eid, so habe der Beklagte sie innerhalb Monatsfrist zu heirathen oder mit 6000 Mk. zu ent- 'chädigen; werde dieser Eid nicht geleistet, so sei die Klägerin mit ihrer Klage nach nassamschem Rechte abzu- weisen.
Wiesbaden, 27. Juni. Eine gräßliche Blutthat ist gestern wieder in Erbenheim verübt worden und wie bei dem gleichen Vormll vom Mai dieses Jahres, der sich in Erbenheimer Gemarkung ab pielte und kürzlich vor dem Schwurgericht die gc etzliche Sühne fand, so ist es auch diesmal ein Backsteinmacher, der sein Leben lassen mußte. Letzterer, der 30 Jahre alte Heinrich Bowinkel von Nierstein, der tun der Dembach'schen Fabrik au der Erbenheimer Chaussee in Arbeit stand, war Nachmittags n einer Wirthschaft in Erdenheim mit einem Knecht aus Biebrich, dem 23jährigen Lorenz Walther, gebürtig