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M 48. Mittwoch, den 15. Juni 1898. 49. Jahrgang.
ver'ammlung des „Georg - Marien - Bergwerks- und Hütten-Vereins" in vollem Umfange eingestellt worden. Die Pumpwerke am Piesberg wurden heute Abend ein- stellt. Das Wasser steigt im Innern des Berges, der größte Theil der Maschinen ist verloren. Der Vorstand des Georg-Marien-Hüttenrerüns erklärt in einem Aufruf, die treu gebliebenen Arbeiter sollen vollständig wieder Beschäftigung finden. Die Ruhe ist nirgends gestört.
Erfurt, 8. Juni. Die königliche Regierung hierselbst hat folgende Verfügung erlassen: „Es ist zu unserer Kenntniß gekommen, daß in Singvereinen, die unter Leitung von Lehrern stehen, der Chorgesang immer mehr zurücktritt, während die Koupletts ganz besonders gepflegt werden. Auch sollen Lehrer es mit ihrer Dienststellung vereinbar finden, den Gesang solcher Koupletts, deren Inhalt nicht ganz unbedenklich ist, auf dem Klavier zu begleiten. Auch sollen Lehrer mit ihren Vereinen zum Zweck von Gesangaufführungen beziehungsweise Konzerten gegen Erhebung von Eintrittsgeld nach benachbarten Orten reisen. Wir ertheilen in jedem Falle unsere Genehmigung zur Leitung von Gesangvereinen von Seiten der Lehrer in der bestimmten Voraussetzung, daß die Lehrer es sich angelegen sein lassen, einestheils die idealen Zwecke des Vereins zu fördern und anderntheils die Würde ihres Amtes und das Interesse der Schule gewissenhaft zu wahren."
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Aus Newyork wird berichtet: Sieben große Gesellschaften, unter anderen der Standard Oeltrust, der Zuckertrust, die Pullman und Wagner Waggongesellschaft, die Great Northern, Boston und Albany Eisenbahngesellschaft haben sich vereinigt um den Bestimmungen der Kriegseinnahmenbill über die Bruttoeinnahmen und die Stempelabgabe der Gesellschaften entgegenzutreten. Die Abgabe ist nicht bedeutend. Die Gesellschaften sagen aber, daß sie grundsätzlich dagegen auftreten müssen. Welch ein Patriotismus I
New Aork, 10. Juni. In Manchenry am Missisipp beim mexikanischen Golf brach das gelbe Fieber aus. Man befürchtet, daß sich dasselbe nach dem Süden ausbreitet.
Washington, 9. Juni. Nach authentischen Informationen segelte am Mittwoch Mittag eine Armee von siebenundzwanzigtausend Mann Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Ingenieuren und Signalkorps von Tampa nach Santiago. Die Infanterie ist aus stebenundzwanzig Regimentern, von denen sechszehn reguläre und elf freiwillige, zusammengesetzt. Die gesammte Infanterie beträgt 21 600 Mann, die Artillerie zwei schwere und vier leichte Batterien. Die Expedition wird .voraussichtlich vor Santiago Freitag Nacht oder Sonnabend Morgen eintreffen. Die Landung soll am Sonnabend versucht werden und das Hauptquartier hofft, daß am Sonntag oder spätestens Montag die amerikanische Fahne über Santiago weht._____________________________________
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 14. Juni.
* — Um dem Arbeitermangel auf dem Lande zu steuern und den im Herbst abgehenden Reservisten passende Arbeitsgelegenheit zu schaffen, wird der land- wirthschaftliche Kreisverein Hanau eine Arbeitsvermittelungsstelle einrichten.
* — Nächsten Sonntag begeht der hiesige Turnverein das 50jährige Jubiläum seiner Vereinsfahne, die im Jahre 1848 dem damaligen Turnverein von den Frauen und Jungfrauen SchlüchternS dedicirt wurde.
* — Am letzten Sonntag Morgen hütete ein Bauer von Bellings vier Stück Kühe auf einer Waldwiese im Wald am Bellinger Berg. Er dachte sich nichts Arges. — Da kracht ein Schuß und eine seiner gelbrothen Simmenthaler brach zusammen. Ein Wilderer hatte dieselbe für einen Hirsch gehalten und angeschossen. Die Kuh mußte zu Haus alsbald vollends getödtet werden.
* — Am 22. Februar er. feierte in Chicago Jll, Herr Georg Anton Wolf, geboren 1815 in Soden bei Sal- münster, und deffen Ehefrau FranziSka geb. Jockel, geboren 1823 in Wahlert bei Romsthal, das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise ihrer Kinder Louis, Karl, Joseph, Fridolin, Maria und Karoline und deren Kindern sowie zweiUrei k l, mit den sonstigen erschienenen Fevnden der Familie über 300 Personen. Herr Wolf hat es in der neuen Welt Dank seiner Tüchtigkeit im Geschäft zu
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat, wie verlautet, alle größeren Feierlichkeiten aus Anlaß der zehnjährigen Dauer seiner Regierung mit den Worten abgelehnt: „Bis hierher hat uns Gott geholfen und wird auch noch weiter helfen." Das Programm des 15. Juni wird sich demnach auf einen Trauergottesdienst im Mausoleum der Friedenskirche zu Potsdam beschränken. Den 16, Juni dürfte der Kaiser in Potsdam im Kreise seines Leibregiments zubringen, während für den Abend ein kleines Diner mit den Ministern und Staatssekretären in Aussicht genommen ist. Für die Reise nach Jerusalem wird der Kaiser ein eigenes Barackenlager mitnehmen. Diese besteht aus drei Zeltbaracken. Eine enthält Schlafgemach und Toilettezimmer, die andere bildet den Speise- saal und die dritte dient als Wirthschaftsraum. Ein ähn- ich es Barackenlager soll für die Kaiserin hergerichtet werden.
— Eine Umprägnng silberner Zwanzigpfennigstücke soll nach einem Bundesrathsbeschlusse aus den bei der Reichsbank lagernden Beständen im Betrage von 8 Millionen Mark, und zwar zu 5/s in Fünfmarkstücke und zu a/8 in Zweimarkstücke erfolgen. Es ist bekannt, daß die silbernen Zwanzigpfennigstücke beim Publikum wenig Anklang gefunden haben und vom Verkehr abgestoßen worden sind. Mit Rücksicht hierauf gelangten in den Jahren 1879 und 1883 silberne Zwanzigpfennigstücke in Beträgen von 5 und 3 Millionen Mark zur Einziehung bezw. Umprägung. Inzwischen hat die Abneigung des Verkehrs gegen die silbernen Zwanzigpfennigstücke eher noch eine Verschärfung erfahren, dergestalt, daß der in die Reichsbank zurückgeflossene Vorrath sich fortwährend steigerte und Ende März laufenden Jahres den Betrag von 9 194 000 M. erreichte. Da die Ge- sammtausprägung an silbernen Zwanzigpsenniqstücken sich auf 35 717 922,80 M. belauft, von denen insgesammt 13 006 288,20 M. wieder zur Einziehung gelangt sind, so ergiebt die Rechnung, daß von den für den Umlauf übrig gebliebenen 22 711 634,60 M. zur Zeit mehr als 40 Prozent in der Reichsbank lagern. Hiernach kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die Ausprägung von silbernen Zwanzigpfennigstücken erheblich bedeutender gewesen ist, als die Nachfrage des Publikums nach solchen Münzen, und daß es sich empfiehlt, Umprägungen der silbernen Zwanzigpfennigstücke in gangbarere Sorten vorzunehmen.
— Wie aus Madrid gemeldet wird, hat Deutschland sich in Verfolg des Planes, eine Reihe von Kohlen- stationen im Mittelmeer zu erwerben, dicserhalb Spanien genähert. Man glaubt, Spanien dürste geneigt sein, gegen Deutschlands gute Dienste Jbet den Vereinigten Staaten die Pachtung einer Station auf den balkarischen Inseln zu gewähren. Marocco würde wahrscheinlich ebenfalls willens sein, Deutschland zwei Plätze pachtweise zu überlassen.
— Falls Manila fällt, werden die vor der Stadt ankernden deutschen Schiffe auch den Schutz für Leben und Eigenthum der Spanier gegenüber den Insurgenten übernehmen. Vier deutsche Kriegsschiffe mit über 1500 Mann Besatzung befinden sich gegenwärtig vor Manila.
-— Auf dem Gebiete der Großbazar-Unternehmungen liegt eine neue Erscheinung oor:. nämlich die Verschmelzung mehrerer Großbazar-Unternehmungen zu einer einzigen. In Berlin ist gegenwärtig derartiges im Gange. Kommt der Plan zur Ausführung, dann würde daS Stammkapital der neuen Großbazar- Gesellschaft 40 Millionen Mark betragen, und die Errichtung weiterer Großbazare würde die Folge sein. Die Frage, wie diesem Unwesen gesteuert werden könnte, wird also immer brennender.
Wie aus Köln berichtet wird, haben die am Dienstag über den Mittelrhein niedergegangenen schweren Gewitter namentlich in der Steggegend und dem Vorgebirge großen Schaden angerichtet. Der Blitz hat vielfach eingeschlagen. In Mondorf brannten große Wirthschaftsgebäude nieder. In Beul bei Bonn schlug der Blitz in ein Fabrikgebäude. Streckenweise wurde durch das Unwetter die gesammte Körnerfrucht vernichtet. — Unweit der Stadt Herrenberg (Württemberg) wurde am Donnerstag ein Schäfer mit 43 (?) Schafen und einem Hunde vomBlitz erschlagen.
AuS Osnabrück, 8. Juni, wird gemeldet: Der Betrieb am Piesberg, wo die Arbeiter wegen der Feiertagsarbeit an den kathol. Feiertagen gestreikt hatten, ist nach einem fast einstinum- gefaßten Beschluß in der General-
Etwas gebracht, sodaß er an seinen Lebensabend sorgenfrei leben kann. Das wird seinen Freunden und Bekannten in der alten Heimath angenehm sein zu erfahren.
* Steinau, 12. Juni. Das sog. „Teufelsloch" in der Stadtwaldung „Hirschkopf" an der Straße nach der Schmidtmühle wird gegenwärtig durch Herrn Bauaufseher Lüders dahier einer Untersuchung unterzogen. Man hat bereits in 12 Meter Tiefe die Zugänge von 2—3 Höhlen aufgefunden, die von Eulen und unzähligen Fledermäusen bewohnt sind. Für die Ausschließung der tieferen Lagen läßt Herr L. einige Bergleute kommen und wird angenommen, daß sehr weit ausgedehnte Höhlenräume unter dem Hirschkopf bis weit in den Vogelsberg hinein sich ziehen. Es wurde dies übrigens schon lange vermuthet, da viele Anzeichen darauf hin- deu..... So haben die großen Seen bei Ober- und Niedermoos keinen sichtbaren Abfluß, obwohl mehrere Bäche sich hinein ergießen, während an anderen, tiefer dem Kinzig- und Brachthal zu gelegenen Stellen auch in den trockensten Jahren (1893) eiskaltes Wasser in starken Schwall und gleichbleibender Menge zu Tage tritt, wie anderseits warme Quellen, die nie zufrieren, in Steinau und Umgebung sich finden. Einer früheren Erforschung dieser Unterwelt stand die Schwierigkeit des Zuganges entgegen. Denn den Eingang bildet ein senkrecht in noch unbekannte Tiefen führender Schacht, dessen Wände mit Basaltbrocken besetzt sind, die leucht durch das Tau des Hinabgleitenden losgebracht werden können und dann den unten befindlichen sehr geführten.
— Herr Lüders hat von der Stadtverwaltung das Recht erworben, die entdeckt werdenden Höhlen ohne jede Vergütung 20 Jahre lang auszunutzen und will, wenn es mit den vermutheten Stalaktiten- rc. Grotten sich richtig erweist, eine Gesellschaft zur Ausbeutung und Zugänglichmachung bilden. Eine Anzahl Funde von Versteinerungen und Knochen find bereits gemacht worden.
Flieden, 12. Juni. Ein recht bedauerlicher Unglücks- fall ereignete sich hier gestern Vormittag. Als nämlich der Müller D. Besler von Kommerz eine stark abschüssige Straße unseres Dorfes hinunter fahren wollte, scheute das Pferd und der Fuhrmann fiel so unglücklich unter den Wagen, daß derselbe einige hundert Meter weit fortgeschleift wurde, wobei er schwere Verletzungen des Kopfes davongetrageu hat.
Neuhof. Am Sonntag, den 3. Juli, findet am Th. Schultheis'schen Felsenkeller zu Neuhof die 20. Abgeordnetenversammlung des Hessischen Krieger-Verbandes statt. In herkömmlicher Weise wird sich auch diesmal wieder an die Sitzung eine größere Festlichkeit anschließen.
Bom Dammersselde, 9. Juni. Bei dem am 7. d. M. stattgehabten heftigen Gewitter befanden sich mehrere Arbeiter von Silberhof im Walde und suchten gegen den heftigen Regen Schutz unter einem hohen Baum. Der Blitz schlug in denselben ein und tödtete einen am Stamm lehnenden Arbeiter, während die übrigen betäubt wurden und jetzt noch krank darniederliegen sollen. Immer und immer wieder wird die wichtige Vorsichtsmaßregel nicht beachtet: „Stelle dich bei einem Gewitter nicht unter einen hohen Baum!"
Poppenhausen (Rhön), 9. Juni. Anläßlich der heute Mittag abgehaltenen Frohnletchnamsprozession ging beim Laden einer kleinen Kanone von älterem Kaliber, wahrscheinlich durch noch vorhandenem Zündstoff der Schuß los, wobei dem Schmiedemeister Aquilin Müller die ganze rechte Hand weggerissen und der Vorderarm schwer verletzt wurde. Der schnell herbeigerufene Arzt Herr Dr. Rorhirsch von Weyhers legte den Verband an, wonach der Schwerverletzte in das Landkrankenhaus in Fulda überführt wurde.
Wächtersbach, 11. Juni. .Gestern sind von hier mit der Wächtersbach-Birsteiner Kleinbahn die ersten Staatsbahngüterwagen für die Schlierbacher Fabrik nach Schlierbach übergeführt worden. Im Laufe des Monats erfolgt die Eröffnung der ganzen Strecke für Güterund Personenverkehr.
Gelnhausen, 12. Juni. Nach einer Mittheilung der königlichen Eisenbahn-Direktion hat sich der Herr Minister für öffentliche Arbeiten bereit erklärt, der Verlegung des Haltepunktes Lieblos unter gleichzeitiger Umwandlung desselben in eine Haltestelle mit Güterverkehr näher zu treten, sofern die betheiligten Gemeinden die in solchen Fällen üblichen Leistungen übernehmen.